Der editierte Text

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Lieber Schreiner (Details anzeigen)!

Hab herzlichen Dank für Deinen Brief (Details anzeigen). Es war mir sehr wertvoll, durch Dich zu hören, dass die Berichterstattung so verkehrt war. Ich musste nur annehmen, dass sie einigermassen zutrifft, da ich mehrere Zeitungen, unter anderen die sehr zurückhaltende „Frankfurter“ über die Sache gelesen hatte.1 Ich bin auch der Meinung, dass es nicht nur auf das ankommt, was wir sagen, sondern auch darauf wie wir es sagen und wie es vermutlich in der nichtkirchlichen Welt wirkt. Ich war einfach betrübt, dass Du so gewirkt hast, weil ich mich Dir ebenso verbunden weiss wie Du mir.

Was Berneuchen2 betrifft, so wäre es völlig sinnlos, wenn Du irgend einen derartigen Schritt machen würdest. Denn die Mehrheit der Berneuchener sind sicher völlig mit Dir einer Meinung. Die Bezugnahme auf Berneuchen bedeutet ja nur den Hinweis auf eine Arbeitsgemeinschaft, in der wir zusammen stehen und die das Recht zu einer Kritik an unseren gegenseitigen [sic!] Verhalten begründet. Genau wie Du es in Dresden (Details anzeigen) gemacht hast und wie es Stählin (Details anzeigen) jetzt mit mir in der nächsten Nummer des Neuwerk machen wird.3

Dass ich nicht direkt an Dich geschrieben hatte, war darin begründet, dass ich Dich nicht gut genug kannte, um zu wissen wie Du es aufnehmen würdest und es darum Schweitzer (Details anzeigen) überlassen habe. Selbstverständlich werde ich das nächstemal direkt an Dich schreiben.

Grüsse auch Schweitzer (Details anzeigen) herzlich und danke ihm für seinen Brief.4
Und dann auf Wiedersehen im Oktober

Dein

P. Tillich (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Frankfurter Zeitung berichtete mehrfach und ausführlich über die Vorkommnisse in Scheuen und den darauf folgenden Prozess (vgl. die entsprechende Anmerkung im vorangehenden Brief (Details anzeigen) Schreiners an Tillich), so beispielsweise im zweiten Morgenblatt vom Sonntag, 24. Mai 1931 (Details anzeigen). Dort wird unter anderem auch vom Gutachten des „Leiters des Jugendheims des Johannesstiftes Spandau“ (die Frankfurter Zeitung nennt ihn fälschlicherweise „ Dr. Schreiber (Details anzeigen) “)berichtet: „Er erklärte, daß er Gegner der Prügelstrafe sei, verlangte aber für die Fürsorgezöglinge eine streng religiöse Erziehung und gab an der revoltierenden Einstellung mancher Jugendlicher – – der Berliner Rasse die Schuld! Die 'Berliner Rasse' sei total verdorben und besteht seit Friedrich dem Großen (Details anzeigen) aus 'Wenden, Juden, Franzosen und ganz wenig Germanen'.“
2Die Berneuchener Bewegung war eine reformorientierte Erneuerungsbewegung innerhalb der evangelischen Kirche, die seit den 1920er Jahren eine vertiefte liturgische Praxis, geistliche Gemeinschaft und die Verbindung von traditionellem Glauben mit zeitgemäßer Spiritualität förderte. Zu ihren Gründern gehörten Wilhelm Stählin (Details anzeigen), Karl Bernhard Ritter (Details anzeigen) und Carl Happich (Details anzeigen).
3 Wilhelm Stählin (Details anzeigen) verfasste eine kritische Replik (Details anzeigen) auf Tillichs Vortrag „ Kirche und humanistische Gesellschaft (Details anzeigen) “, der ebenfalls im „Neuwerk“ abgedruckt wurde.
4Dieser Breif liegt nicht vor.

Register

aFrankfurt am Main
bSchreiner, Helmuth
cBrief von Helmuth Schreiner an Paul Tillich vom 6. Juni 1931
dBrief von Helmuth Schreiner an Paul Tillich vom 6. Juni 1931
eo.A., Ein "Totschläger und Menschenschinder". Die Mißhandlungen in der Anstalt Sc..., 1931
fSchreiner, Helmuth
gFriedrich II. der Große
hStählin, Wilhelm
iRitter, Karl Bernhard
jHappich, Carl
kDresden
lStählin, Wilhelm
mStählin, Wilhelm
nStählin, Kirche und humanistische Gesellschaft. Zu Paul Tillichs Vortrag, 1931
oTillich, Kirche und Kultur, 1924
pSchweitzer, Carl Gunther
qSchweitzer, Carl Gunther
rTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Münster, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Nachlass Helmuth Schreiner, Kapsel 24: Briefwechsel 1924-1928 +1929-1931, 24,086
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
Frankfurt a. M. - Berlin-Spandau
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Helmuth Schreiner an Paul Tillich vom 6. Juni 1931

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Helmuth Schreiner vom 18. Juni 1931, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01109.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L01109.pdf