Brief von Paul Tillich an Werner Richter, Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 21. August 1923

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Der editierte Text

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Hochverehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Ihren Brief vom 17. habe ich heute erhalten.1 Ich habe nach Schluss des Semesters meine Berliner (Details anzeigen) Wohnung auf drei Monate vermietet, bin mit meiner ganzen Wirtschaft, Büchern und Schreibmaschine hierher übergesiedelt und wohne jetzt hier besser und billiger als in Berlin (Details anzeigen). Infolge der teuren Reise ist es mir leider unmöglich, zur Besprechung mit Ihnen nach Berlin (Details anzeigen) herüberzukommen, was ich um der Sache willen sehr bedauere. Ich möchte mir jedoch erlauben, auf diese Weise die Gesichtspunkte noch einmal zum Ausdruck zu bringen, die mich in der Marburger (Details anzeigen) Angelegenheit bestimmen.

Ich bin entschlossen, dem Ruf der Marburger (Details anzeigen) zu folgen, wenn ich die Möglichkeit einer einigermassen gesicherten wirtschaftlichen Existenz in Marburg (Details anzeigen) habe. Eine Privatdozentur in Berlin (Details anzeigen) ist meiner Überzeugung nach etwas völlig Anderes als eine Privatdozentur in einer kleinen Stadt, und zwar innerlich und äusserlich. Es ist mir seit dem Ende des Krieges trotz aller Schwierigkeiten immer wieder möglich gewesen, Arbeiten und Hülfen zu finden, die mir die wirtschaftliche Existenz ermöglichten. Ich brauche für meinen Haushalt über das Doppelte des Lehrauftrages. Das wird sich noch steigern, wenn ich im Lauf des Winters heiraten werde.2 Da meine künftige Frau (Details anzeigen) berufstätig ist, würde sich auch dann in Berlin (Details anzeigen) eine Existenzgrundlage ergeben. All das kann ich nur aufgeben, wenn ich in Marburg (Details anzeigen) eine entsprechende Sicherung erhalte. Hinzu kommt, dass infolge der Grösse der Berliner (Details anzeigen) Universität auch eine weitere Jahre lange Privatdozentur sehr viel weniger drückend wäre als die gleiche Lage in der Enge einer kleinen Universität. Auch in dieser Beziehung würde eine wirtschaftliche Sicherstellung den Druck erheblich vermindern.

Ich würde gern nach Marburg (Details anzeigen) gehen, denn ich glaube, dass ich dort ein sehr günstiges Arbeitsfeld finden würde, und dass diese Arbeit auch für meine eigene Entwicklung von grösster Bedeutung sein könnte. Ich wäre Ihnen darum dankbar, wenn Sie einen Weg fänden, der mir den Uebergang nach Marburg (Details anzeigen) ermöglichte.

Ich habe gleichzeitig an meinen Freund Dr. Wegener (Details anzeigen) geschrieben,3 der meine persönliche und wissenschaftliche Lage genau kennt und der, wenn Sie es wünschen sollten, bereit wäre, mit Ihnen über die Dinge zu reden und mir evtl. Nachricht zu geben.

Indem ich Ihnen für Ihre Bemühungen herzlich danke
bin ich Ihr sehr ergebener

P. Tillich (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Dieses Schreiben liegt nicht vor.
2Paul und Hannah Tillich (Details anzeigen) heirateten am 22. März 1924.
3Dieses Schreiben liegt nicht vor. Tillichs Freund Richard Wegener (Details anzeigen) war zeitweise im preußischen Kultusministerium angestellt, um die Volkshochschulbewegung in Preußen zu organisieren.

Register

aKloster (Hiddensee)
bRügen
cDittmann, Herta
dRichter, Werner
eBerlin
fBerlin
gBerlin
hMarburg an der Lahn
iMarburg an der Lahn
jMarburg an der Lahn
kBerlin
lTillich, Hannah
mTillich, Hannah
nBerlin
oMarburg an der Lahn
pBerlin
qMarburg an der Lahn
rMarburg an der Lahn
sWegener, Carl Richard
tWegener, Carl Richard
uTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Sekt. 12 Tit IV Nr. 5 Bd. 6 Bl. 172a.
Erstpublikation
Erdmann Sturm: „ An der engen Pforte der historischen Methode vorbei. Paul Tillichs Habilitation in Halle (1916) und seine Umhabilitierungen nach Berlin (1919) und Marburg (1924). “ . In: International Yearbook for Tillich Research Bd. 10/1 (2015), 328f..
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
Kloster auf Hiddensee, Rügen - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Werner Richter, Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 21. August 1923, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00799.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L00799.pdf