Der editierte Text

|

Sie haben mich so zur Verzweiflung gebracht. Nur Sie wollte ich heute etwas haben. Ich bin so ausser Fassung dass ich mich garnicht mehr unter Menschen zeigen kann.— Wenn sie hätten kommen wollen, dann hätten Sie auch gekonnt. — Nicht einmal am Geburtstag können Sie meinetwegen einmal etwas Schwieriges möglich machen. — — — Und ich könnte alles für Sie tun. Aber das ist ja gleichgültig. — — — Aber wenn man etwa 10 Briefe bekommt, und keiner darunter ist von dem Menschen, den man am liebsten hat von allen, u. der ausserdem so nah ist, daß er gleich selbst kommen könnte, dann hat man vielleicht ein Recht, zu verzweifeln, besonders wenn man so glaubenslos ist, wie ich. — — — Um Sie einmal zu sehen, gäbe ich alles hin, was ich habe. — Und Sie? — — — Nichts! Entweder Sie sind furchtbar unüberlegt u. vergesslich oder Sie haben überhaupt kein Gefühl, wenigstens nicht für mich, sonst könnten Sie sich besser in mich versetzen.— — Dann hätte ich mir ja 100 andere Menschen einladen können, aber nun kommt niemand. Ich hoffe, dass Sie sich rechtfertigen. — — — Aber ich will nicht, daß Sie so zu mir sind. Schreiben Sie ruhig, es wird es schon keiner merken. Ach, was soll ich mit meiner Liebe machen?

Ich bin so aufgeregt, — Tillich (Details anzeigen)! Warum hatten Sie mir gerade noch meinen Geburtstag zum traurigsten Tag gemacht?— War denn das nicht wahr, daß Sie einmal sagten, zu jeder Tages u. Nachtzeit könnte ich Sie nun aus dem Bett etc. herausklingeln? — Warum sagen Sie es dann? — — — — Ich denke immer, es würde endlich einmal aufhören, daß ich Sie liebe, obgleich es mir unmöglich erscheint. — — Aber je schlechter Sie zu mir sind, je — hartherziger, desto mehr muss ich Sie lieben.— Ich habe gar keinen Mut ins neue Lebensjahr zu gehen, und ausserdem haben Sie mir nicht einmal etwas Liebes zum Anfang gesagt, wo Sie doch wissen könnten, Sie allein, wie schwer es mir wird! Warum kann ich nicht lieber gleich sterben, wie Lisbeth (Details anzeigen), die konnte das auch nicht aushalten, getrennt zu sein, von ihrem Geliebten, u. er liebte sie wenigstens doch. – – Ich wünschte, ich sähe Sie noch einmal vor dem Rendez-vous mit Greti (Details anzeigen) (1/2 6 Tapparei!)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aRhine, Maria
bTillich, Paul
c???, Lisbeth
dTillich, Margarete

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/178
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin - unbekannt

Entitäten

Personen

Zitiervorschlag

Brief von Maria Klein an Paul Tillich vom 01. Dezember 1913, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00381.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00381.html |titel=Brief von Maria Klein an Paul Tillich vom 01. Dezember 1913 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=01.12.1913 |abruf=???? }}
L00381.pdf