Der editierte Text

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Mein lieber Paul (Details anzeigen),

Noch schulde ich Dir meinen Dank für Deinen lieben Geburtstagsbrief vom 2.6.1, der richtig am 3.6. zu meiner Freude eintraf und dann für das schöne Fernsprechgespräch aus St. Moritz (Details anzeigen), das mir noch größere Freude bereitete. Daß Du gesundtleich [sic!] frisch bist, ist fein; möge es Dir ferner so gehen. – Deine Erlebnisse in England (Details anzeigen) sind ja sehr schön, vielleicht erfüllt sich Deine Hoffnung für das nächste Jahr.

Seebergers (Details anzeigen) u. Fritz's (Details anzeigen) werden Dir von mir ausführlich erzählt haben. Es hat sich seit ihrer Abreise in meinem Befinden kaum etwas geändert. Dass ich meinerseits die Reise nicht gewagt habe, war durchaus richtig, wenn auch der Verzicht sehr schmerzlich für mich war u. ist. | Laß Dir ein|:mal:| aufzählen, woran ich leide, vor allem an Neurasthenie u. Hyperästhesie, dazu Augenschwäche und Flimmerskotomen, zunehmende Gehörschwäche z. Z. mit Ohrenschmerzen, Magensenkung mit üblem Geschmack, Hämorrhiden, Verkalkung im rechten Bein, sehr leichte Ermüdung, auch leide ich an Gedächtnisschwäche. Daß ich unter diesen Umständen keine rechte Lebensfreude mehr habe, wird Dir verständlich sein. Die Welt und das äußere Leben ist mir ziemlich fremd geworden; geistige Interessen für die tieferen Zeitströmungen, auch für Theologie u. die kirchlichen Bewegungen |:habe:| ich |:noch:|. Über meine Stellung dazu wird Dir Erhard (Details anzeigen) und Frede (Details anzeigen) berichtet haben. Im Garten ist es sehr grün, Deine Kastanie ist jetzt fast haushoch; aber ich fühle mich sehr einsam im Garten; die alten Erinnerungen sind zu lebendig bis zu meiner Kindheit zurück; doch Vergangenes kehrt nicht wieder es kommt von selbst die Resignation.| Am wohlsten fühle ich mich in meiner Wohnung, Ausfahrten strengen mich sehr an, außer zu meinen Kindern, auf deren Heimkehr ich mich freue.

Doch nun genug von mir. Grüße habe ich zu bestellen von Prof. Georg {Rünze} (85 Jahre alt, Frau und 12 Kinder leben), von Tante Else T. von Harder (Details anzeigen) u. Pf. Schulz's , die schon wieder heimgekehrt sind.

Wie mag es Hannah (Details anzeigen) und den beiden Kindern (Details anzeigen) gehen? Ich denke an alle meine Enkel u Kinder viel, auch jetzt dort jetzt an Euch. Mögt Ihr schöne Tage dort zusammen haben.

Gott mir Dir und Euch allen!

In viel Liebe und im Geiste immer mit Dir verbunden Dein tr. Vater

Joh. Tillich. (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1liegt nicht vor

Register

aBerlin
bTillich, Paul
cSankt Moritz
dEngland
eSeeberger, Erhard
fFritz, Alfred
gSeeberger, Erhard
hFritz, Alfred
iHarder, Erich
jTillich, Hannah
kFarris, Erdmuthe
lTillich, Johannes Oskar

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/193(17)
Typ

Brief, eigenhändig und Transkription

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Juli 1936
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 01.01.1937

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Juli 1936, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10297.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10297.pdf