Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich von 1935

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Der editierte Text

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Mittwoch früh – Abend.

Liebste Hannah (Details anzeigen)!

Deine Postkarte ist verschwunden und das Paket nicht angekommen. Alle sagen, dass die Post sich keine Mühe gibt und nicht findig ist. Du musst also immer dafür sorgen, dass die Adresse gar nicht falsch gelesen werden kann. Und Pakete sagen sie müsste man immer 'Registered' schicken. Wir werden nun |:können nicht:| von hier reklamieren. und Du musst von New York (Details anzeigen) reklamieren, dabei natürlich angeben, dass Du eine falsche Adresse geschrieben hast. Vielleicht kriegen wir es noch, viel Hoffnung ist wohl nicht mehr. Gib genau an, was drin war! – Übrigens ist auch ein Brief1 von Frau Stern (Details anzeigen) aus Detroit (Details anzeigen) verloren gegangen. Sie laden mich mit Professor Laun (Details anzeigen) |:({Campen!}):| zusammen zum Weekend Mitte Februar nach Detroit (Details anzeigen), dass ich noch nicht kenne. Er hat die Fordwerke mit den Rivera (Details anzeigen)-Murals, die in Deinem Rivera (Details anzeigen)-Buch abge| bildet sind. Ich freue mich sehr darauf. Der Gedanke, da unten zu bleiben und etwa nach Florida zu fahren, ist sehr verlockend, scheitert aber am Geld. Sobald ich Pauck (Details anzeigen)s Auto verlasse, muss ich die hohen Fahrpreise bezahlen, und dann lohnt es das Ganze nicht sehr. Aber vielleicht kann ich über Baltimore (Details anzeigen)-Washington (Details anzeigen) zurückfahren, ohne dass es mehr kostet als von hier. Pauck (Details anzeigen) selbst ist an die Zeit gebunden.

Hier ist der frühere Berliner Nationalökonom Polgi (Details anzeigen), den ich von Deutschland (Details anzeigen) her flüchtig kannte. Seine Frau (Details anzeigen) ist russische Emigrantin, ihrer Gesinnung nach aber links. Ich erzählte von der Idee, nach Russland (Details anzeigen) zu fahren. Sie berichtete von der Fahrt eines ihrer Brüder nach Russland (Details anzeigen), dass es irrsinnig teuer sei. Ich fürchte, dass es daran vorläufig scheitern wird.

Mich macht das kalte Wetter müde. Die im Sommer angesammelte Arbeitskraft erschöpft sich allmählich. Dabei nehmen die Aufgaben immer zu. Aber man ist ja schon durch manchen Vortragswinter durchgekommen. So hoffentlich auch durch diesen.|

Die Wartetage waren schrecklich. Dienstag Nachmittag um 3 die letzte Post, in der St stand, dass Du Dich schlecht fühlst; dann nichts mehr bis Montag um 3. Ich nahm sicher an, dass Du in der Klinik bist. Dann war mein erster Anruf vergeblich, was mir als Bestätigung schien. Leider war, als der Anruf dann endlich kam, ein Professor bei mir im Zimmer, so dass ich nicht lieb mit Dir reden konnte wie ich wollte. Aber es war so schön, Deine Stimme zu hören. Schreib doch immer Donnerstag Abend. Dann ist Aussicht, dass es Sonnabend noch ankommt. Freitag früh ist wohl schon zu spät: – Heut viele Drucksachen von Dir aber kein Wort dazu. Du darfst übrigens Geschriebenes und Getipptes wie als Drucksache schicken. ICh habe heut für die Briefsendung 36ct. Strafe zahlen müssen.

Es ist irrsinnig kalt. Pauck (Details anzeigen) ist erkältet, liegt im Bett. Ich komme eben von einem Besuch bei Ihm. Die Selbst-Biographie (Details anzeigen) ist nun endgültig geworden. Eigentlich passt sie genau in die Art meiner gegenwärtigen Reflexion. | Erinnerst Du Dich, dass ich in {???} stark das Bedürfnis hatte, so etwas zu schreiben? Nun hat der Brief an Hirsch (Details anzeigen) schon viel davon geleistet. Der andere Teil ist für die Amerikaner. Die Frage ist nur woher die Zeit und fast noch mehr: Woher die Arbeitskraft?

Dein Brief2 war so lieb; ich war so enttäuscht, dass in den beiden Drucksachensendungen nichts von Dir stand. Ich liebe jedes Wort von Dir ... und möchte auch mal eins von Erdmuthe (Details anzeigen) hören. –– Die Wäsche funktioniert regelmässig und tadellos. Die Anzüge sollen nächste Woche dran kommen. All das funktioniert hier ganz gut.

Was Du über das Entweder-Oder unserer Existenz sagst, ist ja dem merkwürdig nahe, was ich in meinem Brief an Rosenstock (Details anzeigen) entwickelt habe; nur dass ich dort absichtlich eine rein theologische Terminologie gebrauche. … Ich glaube nicht dass der 'Zeuge' auf Schönheit verzichten muss, da ja die Schönheit selbst Zeugnis der Wahrheit ist. Denk an die Katakombenbilder und an die altrömischen Kirchen, die von 'Blutzeugen' geschaffen sind; denk an die Murals Wandbilder von Rivera (Details anzeigen), vielleicht das einzig vollkommen Schöne in New York (Details anzeigen)!


Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.
2Nicht überliefert.

Register

aTillich, Hannah
bNew York City
cStern, ???
dDetroit, USA
eLaun, Mann?
fDetroit, USA
gRivera, Diego
hRivera, Diego
iPauck, Wilhelm
jBaltimore, USA
kWashington, D.C.
lPauck, Wilhelm
mPolgi, Herr
nDeutschland
oPolgi, Frau
pRussland
qRussland
rPauck, Wilhelm
sTillich, On the Boundary. An Autobiographical Sketch, 1936
tHirsch, Emanuel
uFarris, Erdmuthe
vRosenstock- Huessy, Eugen
wRivera, Diego
xNew York City
yTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 721/3(6)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
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Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich von 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
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Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich von 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10144.html, Zugriff am ????.

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