<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L11538.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L11527.xml" next="L11100.xml">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title>Brief von Paul Tillich an Harald Poelchau vom 2. August 1947</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
                        <postCode>1010</postCode>
                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <!-- Nachlass Poelchau, Privatbesitz Harald Stephan Poelchau -->
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <date when="1947-08-02">02.08.1947</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1516"> Harald Poelchau</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1516">Korrespondenz mit  Harald Poelchau</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L11536.xml">Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 16. März 1947</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L11539.xml">Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 28. Dezember 1947</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11527.xml">Brief von Paul Tillich an Margot Hahl vom 31. Juli 1947</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11100.xml">Brief von Leo Löwenthal an Paul Tillichvom 11. August 1947</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1947-08-02"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2026-05-04" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><dateline><date when="1947-08-02">August 2,
                        1947</date></dateline><salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1516" type="person">Harald</rs>:</salute>
                </opener>
                <p>Herzlichen Dank für Deine Antwort,<note type="ea">Vgl. <rs ref="#L11536" type="letter">Brief von Harald Poelchau an Paul Tillich vom 16. März
                            1947</rs>.</note> vor allem für die kritische Haltung die in ihr zum
                    Ausdruck kommt. Wie sehr ich ihr recht gebe, wirst Du aus dem beiliegenden <rs ref="#L11537" type="letter">dritten Rundbrief</rs> ersehen. Er zeigt Dir
                    zugleich dass und warum es mir nicht möglich war, nach <rs type="place" ref="#tillich_place_id__122">Deutschland</rs> zu kommen und dass ich
                    versuchen will, es im Mai 1948 zu erreichen. Ich habe schon eine Schiffskarte
                    bestellt. Aber die Entscheidung liegt ja in <rs type="place" ref="#tillich_place_id__554">Washington</rs> und ist überaus
                    zweifelhaft.</p>
                <p>Ich muss gestehen, dass sich mein Pessimismus über den zwangsläufigen Charakter
                    der gegenwärtigen Geschichte mit jeder neuen New York Times Lektüre vertieft.
                    Vielleicht seht Ihr den Aufmarsch der Westfront nicht in der Schärfe, in dem wir
                    ihn hier sehen (ich meine damit nicht Krieg sondern kosmische Schizophrenie, die
                    sich durch die Seele jedes Einzelnen zieht der nicht naiv auf der einen oder
                    andern Seite steht).</p>
                <p>Ich konzentriere mich ganz auf die zwei Bände Systematische Theologie und arbeite
                    in diesen 8 Monaten Ferien plus sabbatical semester ausschliesslich daran. Es
                    ist das letzte Stadium der Entwicklung der damaligen Marburger Vorlesungen,<note type="ea">Vgl. <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
                            Tillich</rs>; <rs ref="#tillich_person_id__1751" type="person">Werner
                            Schüßler</rs> (Hg.): <rs ref="#tillich__IUX8LF2Q" type="work">Dogmatik.
                            Marburger Vorlesung von 1925</rs> (1986).</note> die ich jetzt zu Papier
                    bringe. Über Deine Auffassung, dass man alle Zonen kennen muss, um ein Urteil zu
                    haben, bin ich mir ausserordentlich klar und ich bin darum für jede Nachricht
                    dankbar, die von Euch hierher dringt.<pb n="2"/></p>
                <p>Da Du übrigens den Namen <rs ref="#tillich_person_id__5016" type="person">Edeltraut G<unclear>asch</unclear></rs><note type="ea">Der Scan der zweiten
                        Seite dieses Briefes ist leider abgeschnitten, sodass die letzten Zeichen
                        jeder Zeie nicht lesbar sind.</note> erwähnst, so wäre ich Dir dankbar
                        <unclear>,</unclear> wenn Du mir etwas über das Gerücht
                        <unclear>¿¿¿</unclear> schriebst, dass sie sich im Anfang
                        s<unclear>¿¿¿</unclear> schlecht, besonders ihrem ersten Mann
                        <unclear>¿¿¿</unclear> gegenüber benommen hat.</p>
                <p>Ihr könnt Euch nicht denken, wie <unclear>¿¿¿</unclear> es für mich ist, von so
                    vielen Seite<unclear>n</unclear> Ermutigung zu erhalten bei Euch zu arbeiten und
                    mitzudenken und zugleich <unclear>zu</unclear> fühlen, dass die Kräfte
                    äusserlich, innerlich, zeitlich und räumlich, geistig und seelisch, nicht
                        zureichen<unclear>.</unclear> Trotz Deines Zögerns
                    <sic>mit</sic><!-- mir --> zu antwor<unclear>ten,</unclear> wäre ich Dir für
                    einen charakterist<unclear>ischen</unclear> Ausdruck der Probleme, den
                        Erwartunge<unclear>n</unclear> Eures Kreises überaus dankbar.</p>
                <closer><salute>Herzlichen Gruss Dir und <rs ref="#tillich_person_id__2737" type="person">Dorothee</rs></salute><signed>Dein<lb/><hi rend="hand"><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>.</hi><lb/><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs></signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1751">
                  <persName>Schüßler, Werner</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5016">
                  <persName>Gasch, Edel</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118829602</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2737">
                  <persName>Poelchau, Dorothee</persName>
                  <birth>
                     <date>1902</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1977</date>
                  </death>
                  <occupation>Bibliothekarin und Widerstandskämpferin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/139217185</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1516">
                  <persName>Poelchau, Harald</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118595318</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Harald Poelchau (5. Oktober 1903 – 29. April 1972) wirkte als Gefängnisseelsorger, Anhänger eines christlich geprägten Sozialismus und Gegner des NS-Regimes in Deutschland. Während seines Theologiestudiums prägte ihn der 1924 in Marburg lehrende Paul Tillich nachhaltig in Richtung des religiösen Sozialismus und wurde ein lebenslanger Freund. Bei Tillich promovierte er 1931 in Frankfurt. 1933 trat er als erster vom NS-Regime eingesetzter Geistlicher seinen Dienst als Gefängnisseelsorger an, unter anderem in Tegel und Plötzensee, und begleitete bis 1945 etwa tausend Menschen zur Hinrichtung. Heimlich schmuggelte er Nachrichten und verhalf gemeinsam mit seiner Frau zahlreichen verfolgten Juden zu Unterkünften im Untergrund. Ab 1941 gehörte er dem Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke an. Nach dem Krieg baute er das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen mit auf und wurde 1951 erster Sozial- und Industriepfarrer der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__122">
                  <placeName>Deutschland</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>51.50000 10.50000</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2921044/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q183</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__554">
                  <placeName>Washington, D.C.</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>38.89511 -77.03637</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/4140963/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q61</idno>
               </place>
               </listPlace><listBibl><biblStruct type="book" xml:id="tillich__IUX8LF2Q" corresp="http://zotero.org/groups/5701116/items/IUX8LF2Q" n="Tillich, Dogmatik. Marburger Vorlesung von 1925, 1986">
          <monogr>
            <title level="m">Dogmatik. Marburger Vorlesung von 1925</title>
            <author>
              <forename>Paul</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </author>
            <editor>
              <forename>Werner</forename>
              <surname>Schüßler</surname>
            </editor>
            <imprint>
              <pubPlace>Düsseldorf</pubPlace>
              <publisher>Patmos</publisher>
              <date>1986</date>
            </imprint>
          </monogr>
        </biblStruct>
        </listBibl><list xml:id="mentioned_letters"><head>erwähnte Briefe</head><item xml:id="L11537">Rundbrief von Paul Tillich mit Zusatz an von Juni 1947</item><item xml:id="L11536">Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 16. März 1947</item></list></back></text>
</TEI>