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                <title>Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 16. März 1947</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1516">Harald Poelchau</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
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                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
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                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
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                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <!-- Nachlass Poelchau, Privatbesitz Harald Stephan Poelchau -->
                    </msIdentifier>
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                        <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1516">Harald Poelchau</persName>
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                    <date when="1947-03-16">16.03.1947</date>
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                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1516">Korrespondenz mit Harald Poelchau</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L11535.xml">Rundbrief von Paul Tillich mit Zusatz an Harald Poelchauvom 1. Januar 1947</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L11538.xml">Brief von Paul Tillich an Harald Poelchau vom 2. August 1947</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11055.xml">Briefentwurf von Paul Tillich an die Bollingen Foundationvom 15. März 1947</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11056.xml">Brief von Ludwig Bendix an Paul Tillichvom 17. März 1947</ref></correspContext></correspDesc>
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                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1947-03-16"/></creation></profileDesc>
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            <change when="2026-05-05" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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    <text type="letter">
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                <opener><rs ref="#tillich_person_id__1516" type="person">Harald Poelchau</rs>
                    <dateline><rs type="place" ref="#tillich_place_id__52">Berlin-Zehlendorf</rs>,<lb/><date when="1947-03-16">16.3.47</date></dateline><salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Wir freuten uns sehr über Deinen <rs ref="#L11535" type="letter">Neujahrsbrief</rs>. Wenn Du nie ausdrücklich eine Antwort wünschtest, würde
                    ich mich vielleicht nicht dazu aufschwingen, Euch zu schreiben, denn es ist
                    wirklich so, wie Du schreibst: Es ist schwierig für Euch und uns miteinander zu
                    sprechen. Bei Deinem Abdruck aus <q>Christian Answer</q> in der Auslese<note type="ea">Vgl. <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
                            Tillich</rs>: <rs ref="#tillich__ZR5SRAXS" type="work">Christentum,
                            Wirtschaft und Demokratie</rs> (1946).</note> glaubte ich und glaube es
                    auch jetzt noch, daß der Beitrag uns deswegen so unbefriedigt ließ, weil er sehr
                    stark zusammengestrichen war und wohl nur das Äußerlichste Deines Buches
                    brachte. Ich hoffe sehr, bald einmal de<supplied>n</supplied> ganzen Text in
                    Englisch lesen zu können, weiß bloß bis jetzt noch niemand, der das Buch hat und
                    mir leihen kann. Ich bin aber überzeugt, daß Du, sobald Du in <rs type="place" ref="#tillich_place_id__279">Marburg</rs> gewesen sein wirst, und, wie ich
                    sehr hoffe, auch in <rs type="place" ref="#tillich_place_id__37">Berlin</rs>,
                    nicht nur terminologisch mit uns übereinkommst, sondern auch die Akzente unserer
                    Problemstellung siehst. Gerade Du, der Du von jeher besser als andere
                    verstandest, das herauszuheben, wonach eigentlich gefragt wird. Ich, der ich
                    kein Philosoph und im Augenblick nicht mal ein Theologe bin, kann das immer nur
                    dilettantisch an verschiedenen Ecken versuchen. So halte ich Deine
                    Gegenüberstellung von vertikaler und ho<supplied>r</supplied>izontaler Linie für
                    nicht glücklich. Wir, dh. die Sozialisten, die Planung und trotzdem individuelle
                    Entwicklung wollen, sind keineswegs eschatologisch eingestellt. Wir versuchen
                    allen Ernstes, auch unter der Herrschaft der Russen und deren uns so sehr
                    fremden Einstellung zum Menschen jetzt und hier etwas hinzustellen. Daß wir bei
                    diesem Versuch immer wieder an den Abgrund geführt werden, der unsere Versuche
                    in Frage stellt, ist freilich eine Erfahrung, die jetzt deutlicher ist als je.
                    Aber das werden wir Dir konkret alles nur mündlich sagen können.</p>
                <p>In dieser Situation ist die Stellung und Haltung der Kirchen recht wichtig, weil
                    sie im Prinzip wenigstens sich von dem Machtwillen der politischen Parteien in
                    der Menschenführung fernhalten und die einzigen sind, die das uns zerstörende
                    Ressentiment, was die Menschen aller Schichten immer mehr ergreift und zersetzt,
                    auffangen können. Der Aufsatz von <rs ref="#tillich_person_id__1922" type="person">Ernst Tillich</rs> in Heft 7/8 des <q>Sozialistischen
                        Jahrhunderts</q><note type="ea">Vgl. <rs ref="#tillich_person_id__1922" type="person">Ernst Tillich</rs>: <rs ref="#tillich__NSJFDP5N" type="work">Gespräch mit den Kirchen?</rs> (1947).</note> scheint mir in
                    diesem Zusammenhang eine recht gute Situationsschau.</p>
                <p>Der Sinn meines Briefes soll nur der sein, Dich mit allen mir zur Verfügung
                    stehenden Tönen zu bitten, doch ja auch mit nach <rs type="place" ref="#tillich_place_id__37">Berlin</rs> zu kommen, und wenn es nur für zwei
                    Tage ist. Die Si<pb n="2"/>tuation allein von der amerikanisch besetzten Zone
                    aus zu beurteilen würde Dir ein bleibendes schiefes Bild hinterlassen. <rs ref="#tillich_person_id__5016" type="person">Edel Gasch</rs> schickte mir
                    die Abschrift ihres Briefes an Dich,<note type="ea">Liegt nicht vor.</note> der
                    mir ein Beweis dafür zu sein scheint, wie wenig von innen her die Frage von
                    Religion und Sozialismus <q>drüben</q> durchgedacht werden. In <rs type="place" ref="#tillich_place_id__1492">Westdeutschland</rs>, wo die bürgerlichen
                    Schichten nicht politisch entmachtet sind, trägt die uns auferlegte
                    Auseinandersetzung mit der Vergangenheit den Charakter der Diskussion mit den
                    früheren Parteimitgliedern, die dort mehr oder weniger wieder gewisse Positionen
                    innehaben. In der russisch besetzten Zone ist die Auseinandersetzung sehr viel
                    schwieriger, als es nicht um Restauration der bürgerlichen Schicht geht, sondern
                    um den Kampf gegen den Geist des Nationalsozialismus, der unter dem Schutz der
                    russischen Diktatur fröhlich wieder aufblüht und den Menschen verachtet. Ich
                    schreibe dies, obgleich ich parteipolitisch den Weg der deutschen Kommunisten
                    für den richtigeren halte im Gegensatz zu dem der Sozialdemokraten. <rs ref="#tillich_person_id__1922" type="person">Ernst</rs> and viele der
                    anderen Freunde sehe ich häufig, und wir sind in lebendigem Gespräch.</p>
                <closer><salute>Auf Wiedersehen? Mit herzlichem Gruß von uns
                        allen</salute><signed>Dein</signed>
                </closer>
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               </listPlace><listBibl><biblStruct type="journalArticle" xml:id="tillich__NSJFDP5N" corresp="http://zotero.org/groups/5701116/items/NSJFDP5N" n="Tillich, Gespräch mit den Kirchen?, 1947">
          <analytic>
            <title level="a">Gespräch mit den Kirchen?</title>
            <author>
              <forename>Ernst</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </author>
          </analytic>
          <monogr>
            <title level="j">Das Sozialistische Jahrhundert</title>
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              <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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              <publisher>Die Sozialistische Verlags-GmbH</publisher>
              <date>1947</date>
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          </monogr>
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            <title level="a">Christentum Wirtschaft und Demokratie</title>
            <author>
              <forename>Paul</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </author>
          </analytic>
          <monogr>
            <title level="j">Neue Auslese aus dem Schrifttum der Gegenwart.</title>
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              <date>1946</date>
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          </monogr>
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                     <p>Er war der Neffe von Paul Tillich.</p>
                  </note>
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                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
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                  <persName>Poelchau, Harald</persName>
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                  <note type="bio">
                     <p>Harald Poelchau (5. Oktober 1903 – 29. April 1972) wirkte als Gefängnisseelsorger, Anhänger eines christlich geprägten Sozialismus und Gegner des NS-Regimes in Deutschland. Während seines Theologiestudiums prägte ihn der 1924 in Marburg lehrende Paul Tillich nachhaltig in Richtung des religiösen Sozialismus und wurde ein lebenslanger Freund. Bei Tillich promovierte er 1931 in Frankfurt. 1933 trat er als erster vom NS-Regime eingesetzter Geistlicher seinen Dienst als Gefängnisseelsorger an, unter anderem in Tegel und Plötzensee, und begleitete bis 1945 etwa tausend Menschen zur Hinrichtung. Heimlich schmuggelte er Nachrichten und verhalf gemeinsam mit seiner Frau zahlreichen verfolgten Juden zu Unterkünften im Untergrund. Ab 1941 gehörte er dem Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke an. Nach dem Krieg baute er das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen mit auf und wurde 1951 erster Sozial- und Industriepfarrer der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.</p>
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               </person>
               </listPerson><list xml:id="mentioned_letters"><head>erwähnte Briefe</head><item xml:id="L11535">Rundbrief von Paul Tillich mit Zusatz an Harald Poelchauvom 1. Januar 1947</item></list></back></text>
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