<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L11526.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L11014.xml" next="L11015.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Paul Tillich an Margot Hahl vom 11. Oktober 1946</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno><!-- Archiv der Universitätsbibliothek Marburg, Tillichiana 1, Ms. 1041/41 --></idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
               <date when="1946-10-11">11.10.1946</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__757">Margot Hahl</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__757">Korrespondenz mit Margot Hahl</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__757" target="L11525.xml">Brief von Paul Tillich an Margot Hahl vom Januar 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__757" target="L11527.xml">Brief von Paul Tillich an Margot Hahl vom 31. Juli 1947</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11014.xml">Brief von Paul Tillich an Emil Kauder vom 11. Oktober 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11015.xml">Rundbrief von Paul Tillich vom 12. Oktober 1946</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1946-10-11"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2026-07-05">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline>
                  <date when="1946-10-11">October 11, 1946</date></dateline><lb/>
               <rs ref="#tillich_place_id__279" type="person">Mrs. Margot Hahl</rs><lb/> Muehle
               Maising<lb/> ueber <rs ref="#tillich_place_id__1829" type="place">Starnberg
                  m/See</rs><lb/>
               <rs ref="#tillich_place_id__32" type="place">Bayern, Germany</rs>. <salute>Liebe <rs ref="#tillich_place_id__279" type="person">Margot</rs>:</salute>
            </opener>
            <p>Deinen Brief<note type="ea">liegt nicht vor</note> habe ich erhalten und ich hoffe, dass
            die Adresse noch stimmt und mein Brief Dich erreichen wird. Ich schicke Dir heute nur
            einen Bericht ueber uns alle und moechte mit allem anderen warten, bis ich eine 
            Bestaetigung von Dir habe.</p>
            <p>Vieles wachte in mir auf, als Dein Brief kam.</p>
            <closer>
               <salute>In alter Treue,</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person"><hi rend="hand">Paulus</hi><lb/>Paul Tillich</rs></signed>
            </closer>
         </div>
         <div type="writingSessionBericht">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline>
               <date when="1946-10-12">October 12, 1946</date></dateline></opener>
            <p>Als wir vor bald 13 Jahren hierher kamen, begann ich in
                  kleinere<supplied>n</supplied> oder groesseren Abstaenden an Euch Rundbriefe zu
               schicken. Dann hoerte der Reiz der Neuheit auf, und dann kamen die Jahre des grossen
               Schweigens. Und nun, wo die Welt wieder geoeffnet ist, moechte ich wenigstens einmal
               vielen von Euch einen Eindruck davon geben wie wir in den letze<supplied>n</supplied>
               Jahren gelebt haben und wie es zur Zeit bei uns aussieht. Nachdem ich 1936 und 1937
               in <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europa</rs> war und manchen von Euch
               zum letzten Mal gesehen hatte, entdeckten wir mit Hilfe unseres Autos den
               amerikanischen Westen, die <rs ref="#tillich_place_id__1832" type="place">weiten
                  Ebenen</rs>, die <rs ref="#tillich_place_id__1830" type="place">Rocky
                  Mountains</rs>, die Wuesten, den stillen Ozean und das paradiesische <rs ref="#tillich_place_id__848" type="place">Californien</rs>. Wir haben seitdem eine
               staendige Sehnsucht danach, hatten aber keine Moeglichkeit, waehrend des Krieges hin
               zu gelangen. Statt dessen blieben wir im Osten, im Anfang mit, und nach Pearl Harbor
                  <note>Der Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 durch Japan hatte den
                  Kriegseintritt der USA zu Folge</note>, ohne Auto. Wir entdeckten hier die <rs ref="#tillich_place_id__1831" type="place">Smoky Mountains</rs>, ein Gebirge mit
               fast subtropischem Klima in den Taelern und mitteldeutschem Charakter auf den Hoehen
               (bis zu 2000 m hoch). Dann gingen wir nach dem noerdlichsten der Staaten, <rs ref="#tillich_place_id__727" type="place">Maine</rs>, das offenbar viel
               Aehnlichkeit mit der schwedischen Ostseekueste hat. Unzaehlige Inseln im Ozean,
               Fjords, unendliche Waelder, rauh und grossartig. Wir waren zwei Sommer da, aber auch
               das wurde zu schwierig. Wir fanden dann vor drei Jahren einen Ort auf <rs ref="#tillich_place_id__1388" type="place">Long Island</rs>, der fast einer
               Provinz gleichenden grossen Insel, die in <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> anfaengt und weit nach Nordosten hinaufgeht. Unser Ort,
               einer der schoensten, wenn nicht der schoenste auf <rs ref="#tillich_place_id__1388" type="place">Long Island</rs>, ist eine alte Siedlung aus dem 17. Jahrhundert am
               offenen Ozean, 2 1/2 - 3 Stunden von <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> entfernt. Wir waren dort zwei volle Sommer in denen ich mehr
               gearbeitet habe als je bevor und wurde durch das grossartige Wellenbaden alle
                  rheumatische<supplied>n</supplied> Ansaetze los. Als dann im vorigen Jahr die
               Geldentwertung einsetzte und der Wert unserer schon an sich minimalen Pension voellig
               zu entschwinden drohte, beschlossen wir, ein Haus, das uns zu sehr guenstigen
               Bedingungen angeboten wurde, in <rs ref="#tillich_place_id__769" type="place">East
                  Hampton</rs> zu kaufen, um auf diese Weise etwas zu haben wo wir im Sommer leben
               koennen und was nach meiner Pensionierung, die in 8 Jahren spaetestens faellig ist,
               uns eine Existenzbasis geben kann. <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> fuehlt sich dort schon ganz zu Haus und wir denken, dass es ein
               wirklich gut gewaehlter Alterssitz ist.</p>
            <p>Unser New Yorker Leben ist immer arbeitsreicher geworden. Ich habe in Union
               Theological Seminary sehr grosse Kollegs, lese auch in der philosophischen Fakultaet
               von Columbia University und habe wie immer Committees und Vortragsveranstaltungen. Es
               ist sehr schwer, in <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs>
               wissenschaftlich zu arbeiten. Es ist monatelang ganz unmoeglich, einen persoenlichen
               Brief zu schreiben. Die Zeit, die zum diktieren von Briefen da ist, geht auf
               dienstliche Korrespondenz drauf. An manchen Vormittagen ist mein Office in Union
               Theological Seminary eine Mischung von einem wissenschaftlichen Studio und einem Wall
               Street Bankiers Office. <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs>
               ist voll von Menschen, die wir kennen und lieben und ausserdem eine Bruecke der Welt,
               ueber die Menschen aus allen Laendern kommen. Und Union Theological Seminary ist ein
               Welt-Zentrum der Protestantismus, kirchlich und theologisch. Darum bitte ich Euch,
               seid mir nicht boese, wenn ich lange keine Briefe schreibe. Es ist nie boeser Wille,
               sondern unsere Existenz im Zentrum der groessten Menschenanhaeufung der Welt.<pb n="2"/></p>
            <p>Wissenschaftlich habe ich mich weiter in der systematisch-theologischen Richtung
               entwickelt. Das Politische ist mir unter dem Druck des weltgeschichtlichen Schicksals
               mehr eine Sache der Beobachtung als der Mitarbeit geworden. Das war nicht so waehrend
               des Krieges wo ich zweimal das grosse Glueck hatte, mit dem <rs ref="#tillich_person_id__1640" type="person">Presidenten</rs> und mehrfach mit <rs ref="#tillich_person_id__1639" type="person">seiner Frau</rs> zusammen zu sein.
               Ich habe einen ganz grossen Eindruck von ihm empfangen und stehe mit ihr noch jetzt
               in Verbindung. Leider ist es mir sehr viel weniger moeglich gewesen, in die
               kulturellen Bewegungen, besonders Kunst und Theater etc. einzudringen. Der Mangel an
               Zeit und die gewisse Isolierung des theologischen Seminars in dieser Richtung hat ein
               Eindringen, wie ich es in <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs>,
                  <rs ref="#tillich_place_id__126" type="place">Dresden</rs> und <rs ref="#tillich_place_id__143" type="place">Frankfurt a/M</rs> hatte,
               verhindert.</p>
            <p>Ich habe viele Aufsaetze geschrieben, und viele meiner Vortraege sind gedruckt. Ich
               bin dabei, ein <rs ref="#tillich_work_id__747" type="work">Buch</rs> herauszubringen,
               das den Titel hat DAS ENDE DER PROTESTANTISCHEN AERA? Es vereinigt aeltere ins
               englische uebersetzte Aufsaetze mit einer Reihe neuerer aus verschiedenen Jahren
               meines amerikanischen Aufenthaltes. Ich wuenschte, ich koennte Euch einiges von
               meinem Schriften schicken. Aber das ist ja vorlaeufig noch nicht moeglich, und hat
               auch grosse Schwierigkeiten, da ich von meinen Sachen immer nur ein oder zwei
               Exemplare uebrig habe. Ich habe im Laufe der Jahre hier in Union eine Art System in
               Leitsaetzen entwickelt, ueber das ich regelmaessig Vorlesungen halte. Die Leitsaetze,
               die allein schon ein kleines Buch ausmachen, werden von mir kommentiert.
               Augenblicklich schreibt einer meiner Assistenten meine Kommentare mit und ich hoffe,
               dieses Material als Grundlage fuer ein oder mehrere Baende systematischer Theologie
               benutzen zu koennen. Ich betrachte dies als mein Lebenswerk und hoffe, dass ich noch
               im Stande bin, es zu schreiben. Von Herbst 1947 bis Februar 1948 habe ich mein
               sogenanntes <q>sabbatical semester</q> und hoffe, dass ich in dieser Zeit viel von
               meinem Plan verwirklichen kann. <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> hat ein starkes Beduerfnis nach systematischer Theologie. Es gibt
               keine solche und die Studenten hier fordern von mir, dass ich sie schreibe. Zu meinem
               60. Geburtstag, den ich im August in meinem Haeuschen in <rs ref="#tillich_place_id__769" type="place">East Hampton</rs> gefeiert habe, bekam
               ich viele Briefe, die eine solche Forderung stellten.</p>
            <p>Aber auch von vielen unter Euch habe ich Briefe bekommen und ich bin von tiefem Dank
               erfuellt, dass Ihr an mich gedacht habt. Manche dieser Briefe fordern aehnliches wie
               die meiner amerikanischen Studenten. Andere wollen mich zurueckhaben oder wollen
               wenigstens, dass ich etwas zur Lage drueben sage. Zur Zeit ist beides unmoeglich. Ich
               habe zwar eine Aufforderung bekommen, an der Marburger theologischen Fakultaet
               Gastvorlesungen zu halten (von Mai bis Juli 1947) und will es tun wenn es technisch
               moeglich ist. Ich hoffe, dabei Euch zu sehen. Aber das heisst ja noch nicht
               zurueckkehren. Und was das <q>Wort zur Lage</q> betrifft, so glaube ich, dass nur
               jemand es sprechen kann, der innerhalb dieser Lage ist, und dass wir Euch nur etwas
               aus der Lage in andern Teilen der Welt mitteilen koennen. Der Unterschied zwischen
               Eurem und unserem Schicksal war in den letzten Jahren so gross, dass es uns oft die
               Worte verschlaegt, und dass, wenn ich diesen Brief diktiere, ich es nur mit Furcht
               und Zittern tue in dem Gedanken, dass Ihr vielleicht solche Toene aus dem normalen
               Leben kaum mehr hoeren koennt.</p>
            <p>Im Grunde weist alles, was wir jetzt erleben, in die vertikale Richtung. Es ist so
               ganz anders wie nach dem 1. Weltkrieg wo die horizontale
               <unclear>mass</unclear>gebend war und man ueberall an eine neue Welt glaubte. Davon
               ist hier noch weniger die Rede als bei Euch. Es liegt ein Gefuehl von unentrinnbarem
               Schicksal, von einer ungeheuren dunklen Drohung ueber allem, was wir denken und tun.
               Und nachdem was ich von den Freunden hoere, <pb n="3"/>die Euch gesehen und von
               drueben zurueckkommen, ist es trotz aller Leidenschaft fuer geistige Rekonstruktion
               bei Euch nicht viel anders.</p>
            <p>Nun noch ein paar Worte ueber unser persoenlichstes Ergehen: <rs ref="#tillich_person_id__1927" type="person">René</rs> ist jetzt 11 Jahre alt und
               ein grosser und starker Junge, gut in der Schule, ein Fuehrer unter seinen Freunden,
               mit einem juristischen Verstand begabt und von einer grossen Leidenschaft besessen.
               Er geht in eine alte Schule, die von den Hollaendern gegruendet wurde.</p>
            <p><rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">Erdmuthe</rs> ist eine 20 jaehrige, 
            sehr schoene College Studentin an Banard College auf der andern Seite der Strasse, auf
            die mein Office sieht. Sie war zwei Sommer hintereinander als Kellnerin taetig, um sich
            <del rend="s">Geld fuer den und einiges</del> Taschengeld fuer den Winter zu verdienen.
            Ihr Hauotinteresse ist Psychologie und Literaturgeschichte. Sie ist jetzt im 3. Collegejahr
            und hat noch ein viertes vor sich. Sie moechte dann gerne nach <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs>
            gehen und wird, wie ich hoffe, von dort aus diesen oder jenen von Euch treffen koennen.
            Aber das alles ist noch sehr unbestimmt.</p>
            <p><rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> ist die Seele und die
               tragende Kraft zweier Haeuser und leistet Ungeheures, da es fast unmoeglich ist,
               Hilfe zu kriegen (Dienstboten gehoeren fuer uns in ein legendaeres Zeitalter). Wir
               haben natuerlich eine grosse Geselligkeit mit Studenten und Freunden, aber nicht in
               den ueblichen Formen von Essenseinladungen. So etwas ist aus vielerlei Gruenden ganz
               unmoeglich. In dieser Beziehung wandeln sich auch hier die alten buergerlichen Formen
               rapide. Gesundheitlich geht es uns allen vieren recht gut, obgleich wir oft an der
               Erschoepfungsgrenze angelangt sind. Wir fuehlen uns in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> zu Hause, so weit das
               ueberhaupt moeglich ist, wenn man in unserem Alter einwandert. Die Kinder sind volle
               Amerikaner, obgleich bei beiden gelegentlich das deutsche Erbe durchkommt. Ich
               wuenschte, dass Ihr sie sehen koenntet, aber ich sehe wenig Chancen dazu. Wir sind
               alles so viel aermer geworden, dass die Idee einer Reise nach <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europa</rs> mit Familie, wie wir sie
               1937 machen konnten, schlechthin phantastisch erscheint. Das ist auch einer der
               Gruende, warum wir Euch allen nicht noch mehr schicken als wir tun. Vieles ist auch
               hier nicht mehr erhaeltlich und alles ist so teuer, dass wir als Festbezahlte mit den
               unabweislichen Anspruechen, die hier an uns gemacht werden, kaum selber aus kommen.
               Wir tun, was wir koennen ubd versuchen, andere Leute zu interessieren und oft mit
               Erfolg. Aber wir wissen, dass alles nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Und
               doch ist es oft seelisch ganz unertraeglich zu denken, wie gut wir hier noch leben
               und in welcher Lage Ihr seid. Auch das traegt viel zu dem tragischen Lebensgefuehl
               bei, das hier fast alle Menschen in Besitz genommen hat.</p>
            <closer>
               <salute>Seid herzlich gegruesst und schreibt oft<lb/>Euer</salute>
              
            </closer>
         </div>
      </body>
      
   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__143">
                  <placeName>Frankfurt am Main</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>50.11552 8.68417</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2925533/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q122166308</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__279">
                  <placeName>Marburg an der Lahn</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>50.80904 8.77069</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2873759/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32121710</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__503">
                  <placeName>England</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>52.16045 -0.70312</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6269131/</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__32">
                  <placeName>Bayern</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>49.00000 11.50000</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2951839/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q980</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__37">
                  <placeName>Berlin</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>52.52437 13.41053</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2950159/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q64</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__319">
                  <placeName>New York City</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>40.71427 -74.00597</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5128581/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q60</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1829">
                  <placeName>Starnberg am See</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>48.00193 11.34416</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2829457/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q61936</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__727">
                  <placeName>Maine, USA</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>45.50032 -69.24977</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/4971068/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q724</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1832">
                  <placeName>Great Plains</placeName>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q12707</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__126">
                  <placeName>Dresden</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>51.05089 13.73832</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2935022/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q1731</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1388">
                  <placeName>Long Island</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>40.81677 -73.06622</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5125123/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q18438</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__736">
                  <placeName>Europa</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>48.69096 9.14062</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6255148/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q46</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__848">
                  <placeName>Kalifornien</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>37.25022 -119.75126</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5332921/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q99</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1830">
                  <placeName>Rocky Mountains</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>43.35826 -110.91743</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5836950/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q5463</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__769">
                  <placeName>East Hampton (NY)</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>40.96343 -72.18480</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5115871/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q3826265</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1831">
                  <placeName>Smoky Mountains</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>43.66296 -114.66451</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5607764/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q7546182</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>39.76000 -98.50000</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6252001/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q30</idno>
               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1927">
                  <persName>Tillich, René Johannes Stefan</persName>
                  <birth>
                     <date>1935</date>
                  </birth>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631653</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__570">
                  <persName>Farris, Erdmuthe</persName>
                  <birth>
                     <date>1926-02-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>2016-03-26</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168750431</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Erdmuthe Farris (17. Februar 1926 – 26. März 2016), geborene Tillich, war die Tochter des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Ihr familiärer Rufname lautete Mutie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1640">
                  <persName>Roosevelt, Franklin D.</persName>
                  <occupation>Amerikanischer Politiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118602551</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1639">
                  <persName>Roosevelt, Eleanor</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118642022</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>