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            <title>Brief von Karl Bernhard Ritter (unklar) an Paul Tillich vom 17. Januar 1949</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1617">Karl Bernhard Ritter</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
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            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
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            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
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               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno><!-- Schleswig-Holstein‘sches Landesarchiv Michaelsbruderschaft, Abt. 423.2, Nr. 1742 --></idno>
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                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1617">Karl Bernhard Ritter</persName>
               <date when="1949-01-17">17.01.1949</date>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1617">Korrespondenz mit Karl Bernhard Ritter</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1617" target="L11168.xml">Brief von Karl Bernhard Ritter an Paul Tillichvom 24. Juni 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1617" target="L11303.xml">Brief von Karl Bernhard Ritter an Paul Tillich vom 4. Nobember 1949</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11277.xml">Brief von Paul Collmer an Paul Tillich vom 13. Januar 1949</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11279.xml">Brief von John Arthur Jacker an Paul Tillich vom 18. Januar 1949</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1949-01-17"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2026-06-17">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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            <opener><dateline><date when="1949-01-17">17. Januar 1949</date></dateline><lb/>
               <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herrn Professor Paul
               Tillich</rs><lb/>99 Clarement-Ave<lb/><rs ref="#tillich_place_id__319" type="place"><hi rend="underline">New York 27 /N.Y.</hi> U.S.A.</rs>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
                  Tillich</rs>!</salute>
            </opener>
            <p>Eben wollte ich den anliegenden Brief absenden, da kommt Dein sehr lieber
               Neujahrsgruß mit seiner Beilage<note type="ea">liegt nicht vor.</note>. Hab sehr
               herzlichen Dank für diesen Schreiben, das mir noch einmal unser Treffen im Sommer auf
               das lebhafteste vor die Seele stellt. Es ist mir eine wirkliche Freude, das sagen zu
               dürfen, wie gerne <rs ref="#tillich_person_id__5480" type="person">meine Frau</rs>
               und ich an diese Begegnung zurück denken. Eine sehr tröstliche Tatsache, daß solche
               Gemeinschaft über solche Zeiträume und Ereignisse hinweg unangetastet bestehen
               bleiben kann. Wenn Du schreibst, daß Dir diese Reise nach <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> eine schwere,
               unübersehbare Fülle von Verpflichtungen aller möglichen Art auferlegt hat, so
               verstehe ich das nur zu gut. Ich glaube, niemand der mit <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> heute in irgend einer
               Weise verbunden ist kann das sein, ohne immer wieder einmal geradezu erdrückt zu
               werden von der Größe seiner Verantwortung und der Fülle der unablässigen Sorgen, die
               auf ihn einstürmen. Jedenfalls geht es mir so. Und ich versuche dann immer wieder,
               mich an der Frische und unangefochtenen Art, an dem zuversichtlichen Lebensmut meiner
               Kinder aufzurichten. Zwar lernt man es als Christenmensch in diesen Zeiten, noch in
               anderen Räumen beheimatet zu sein und als Bürger der himmlischen Welt in einem
               Jenseits sich aufgehoben zu wissen, einem Jenseits von alle dem, was vergeht. Und man
               lernt das Gebet der alten Kirche mitbeten <q>Es vergehe die Welt und es komme das
                  Reich</q>. Aber dadurch ist doch die Spannung keineswegs aufgehoben, mit der man
               zugleich alledem zugewandt ist was hier unten geschieht, und wenn man darauf in
               seinem Gemüt und Willen auch nur durch den täglichen Besuch eines Enkelsöhnchens
               gestoßen würde, so wäre das Anstoß genug.</p>
            <p>Was mir im Augenblick besonders zu schaffen macht, ist eine schon seit Wochen
               andauernde, immer noch wachsende rein körperliche Müdigkeit. Ich beobachte dieselbe
               Erscheinung bei sehr vielen Menschen meiner Umgebung. Es ist so, als ob nach so
               langen Jahren der ständigen Überforderung aller körperlichen Kräfte ein sehr starkes
               Versagenm ein Rückschlag einträte. Mir ist das persönlich ziemlich arg, weil sich die
               literarischen Pläne sehr drängen. Ich komme in die Jahre, wo man das Feld der
               geistlichen Erfahrungen ernten möchte und plötzlich eine ganze Fülle von durch Jahre
               hindurch gehender Arbeit zum Abschluss drängt. Eine große Hilfe und Entlastung
               bedeutet es da für mich, daß die gute <rs ref="#tillich_person_id__113" type="person">Claudia Bader</rs> meinen gesamten Jugendunterricht übernommen hat und mich
               dadurch wesentlich entlastet. </p>
            <p>Einen wichtigen Ausschnitt aus meiner Arbeit bedeutet die Teilnahme an den
               liturgischen Gesamtkonferenzen des deutschen Luthertums, in denen wir jetzt ziemlich
               schnell voran kommen in der Erarbeitung gemeinsamer gültiger gottesdienstlicher
               Formen für die lutherischen Gemeinden <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>s. Nachdem das Einheitsgesangbuch so gut wie fertig ist und seine
               Annahme durch die Landessynoden in sicherer Aussicht steht, wäre dies ein nächster
               wichtiger Schritt. Meine große Sorge dabei ist nur, daß die Neigung vieler dieser
               Liturgiker allzugroß ist, einfach auf die Vergangenheit zurück zu greifen und sich
               dem Wahn hin zu geben, eine Frage sei entschieden, wenn festgestellt ist, zu welchen
               Entscheidungen man im 16. Jahrhundert <supplied>o</supplied>der noch früher <pb n="2"/> gekommen ist. Es ist so bequem, dem sachlichen und produktiven
                  Ri<supplied>n</supplied>gen auszuweichen und sich auf die Autorität der
               Vergangenheit zu berufen. Dabei hat der deutsche Theologe ja die eigentümliche
               Fähigkeit, rein zufällige Ergebnisse einer oft genug sehr verworrenen Geschichte mit
               dem Glanz grundsätzlicher Bedeutung auszustatten und sogar aus dem Nichtvorhandensein
               eines Prinzips ein Prinzip abzuleiten. Aber das sind ja Erscheinungen auf einem
               Teilgebiet theologischer Arbeit, die sich auch sonst allzu bemerkbar machen.
               Irgendwie empfinde ich dabei, daß es sich da um eine Fluchthaltung handelt, ein
               Mangel an Selbstvertrauen, oder richtiger gesagt, ein Mangel an Glauben daran, daß
               der hl.Geist sich nicht zu irgend einem Zeitpunkt der Kirchengeschichte endgültig zur
               Ruhe gesetzt hat, sondern auch uns nich die Möglichkeit gibt zu echter legitimer
               Gestaltung. Herrlich, wenn man dann erlebt z.B. in unserer Bruderschaft, daß irgend
               ein Laienbruder dieser ganzen theologischen Eingleisigkeit tapfer widerspricht und
               die Theologen zwingt, auf <del rend="s">f</del> sehr quer einschlagende
               Fragestellungen einzugehen.</p>
            <p>Zum Schluß noch ein paar Andeutungen, mit denen mein Sohn <rs ref="#tillich_person_id__5481" type="person">Jürgen</rs> jetzt aus den
               Wirtschaftskreisen des Rheinlandes zurück kam. Es wird da erzählt, daß wir demnächst
               an <rs ref="#tillich_place_id__1824" type="place">Luxemburg</rs> und <rs ref="#tillich_place_id__818" type="place">Holland</rs> Gebietsteile abtreten
               müssten, bei denen es sich im Falle <rs ref="#tillich_place_id__1824" type="place">Luxemburg</rs> um die Braunkohlengruben des Aachener Gebiets, bei <rs ref="#tillich_place_id__818" type="place">Holland</rs> um neu entdeckte Ölfelder
               handle. Das schlimmste aber wäre daß man die in diesen Gebieten wohnenden Menschen
               nach Restdeutschland evakuieren wille. Das hieße also, daß man die unheilvolle
               Politik der Vertreibung von Menschen ganzer Länderstriche aus ihrer Heimat, ihre
               Entwurzelung, fortzusetzen beabsichtige, und wenn es sich dabei auch nur um
               Zehntausende und nicht um Millionen handeln sollte! Aber die prinzipielle Bedeutung
               diese Verfahrens ist so schauerlich negativ! Hoffentlich! Hoffentlich bewahrheitet
               sich diese<del rend="s">s</del> Gerüchte nicht, sie wirken natürlich ebenfalls in der
               von mir angedeuteten Richtung.</p>
            <closer>
               <salute>Mit sehr herzlichen Grüßen</salute>
            </closer>
         </div>
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            <opener><dateline><date when="1949-01-17">17. Januar 1949</date></dateline><lb/>
               <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herrn Professor Dr. Paul T i l l i c
                  h</rs><lb/><lb/>
               <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place"><hi rend="underline">New York</hi>
               </rs><lb/>Union Theological Seminary <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillich</rs>!</salute>
            </opener>
            <p>Die gute <rs ref="#tillich_person_id__113" type="person">Claudia B a d e r</rs>
               meint, es läge Dir an Zuschriften aus unserem Lande, die Dich z.B. über die
               Empfindungen belehren, mit denen wir auf die Weisheit der alliierten Herrscher
               reagieren. Ihrer Ermahnung folgend möchte ich heute ein Wort zu dem geradezu
               niederschmetternden Eindruck sagen, den das Ruhrstatut auf alle nachdenklichen
               Menschen gemacht hat. Seit vielen Monaten ist bei uns die Hoffnung genährt worden,
               daß es bei der endgültigen Ordnung der Ruhrwirtschaft zu einem ersten Schritt in der
               Richtung der Europaidee kommen würde, also einer Eingliederung dieses für <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> schlechthin
               entscheidenden Gebiets von dem die gesamte übrige deutsche Wirtschaft abhängt in eine
               irgendwie europäisch gedachte umfassende Konstruktion. Wir Deutsche haben uns
               innerlich bereit gefunden, die Souveränität über diesen wichtigsten Teil unserer
               Wirtschaft im Interesse der europäischen Zusammenarbeit ganz und gar anzustreben. Wir
               haben versucht, trotz aller Enttäuschungen, die unser 1945 so großes Vertrauen
               inzwischen erlitten hat, diesesmal den immer wiederholten Versicherungen zu glauben,
               daß diesesmal die Europa-Idee nicht nur ein Tarnungsmanöver zur Durchsetzung
               partikularer Interessen sein würde, daß es viel mehr um eine echte Föderation ginge,
               der zunächst auf dem wirtschaftlichen Gebiet der Boden bereitet werden sollte. Die
               Ruhrfrage wurde so in unseren Augen zu einem ersten Prüfstein für die Wirksamkeit der
               Europa-Idee, das heißt also, einer Vereinigung Westeuropas ohne Vorherrschaft und
               ohne privilegierte Interessen einzelner Nationen.</p>
            <p>Die Art und Weise, wie sich nunmehr die Franzosen haben durchsetzen können (und
               offensichtlich auch erhebliche englische Interessenten-Haufen) ist nichts anderes,
               als der Grabstein über allen diesen Hoffnungen, ist der ärgste Rückschlag, den die
               Europa-Idee erleiden konnte. Alle, die guten Willens und guter Hoffnung waren, stehen
               jetzt als die dummen Toren da und müssen sich sagen lassen, daß sie wieder einmal auf
               leere Worte herein gefallen sind. Man fragt sich <del rend="s">da</del>bei uns,
               wodurch sich eigentlich diese Art von schlecht getarnter Interessenten- und
               Machtpolitik von <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs>s
               Europa-Idee unterscheidet. Denn an Stelle irgend einer Partnerschaft wird in diesem
               Ruhrstatut <rs ref="#tillich_place_id__1492" type="place">Westdeutschland</rs> eine
               Rolle zugewiesen, die gleichbedeutend ist mit völliger Ohnmacht. Die Festsetzungen
               über die Beschlußfassung des vorgesehenen Rats sind raffiniert so getroffen, daß die
               drei Stimmen der deutschen Vertreter für alle Beschlußfassungen unerheblich sind, sie
               kommen gar nicht in Betracht. Wenn also <rs ref="#tillich_place_id__161" type="place">Frankreich</rs> und <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs>
               die Ruhrwirtschaft in den Grenzen halten wollen, die ihnen aus Konkurrenzgründen
               erwünscht erscheinen, so muß <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> dem zusehen, ohne sich auch nur wehren zu können. Man hält uns
               auch jetzt wieder vor, was wir eigentlich wollten, man schiene in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> bereits wieder
               nationalistischen Regungen zu verfallen, man vergesse bei uns, daß es zu einem
               europäischen Aufbau nur schrittweise kommen könne und was dergleichen Redensarten
               mehr sind, die angesichts<pb n="2"/> der tatsächlichen Politik nur verbitternd wirken
               können. In einer ausgesprochen christlichen Zeitschrift las ich den Satz, der
               Ruhrstatut laufe praktisch doch auf etwas ähnliches hinaus, wie die Errichtung der
               Oder-Neuße-Linie. Damals wurde der Osten amputiert, heute der Westen, <q>Es ist
                  offenbar ein Fehler von uns gewesen, zu denken, daß in der Zwischenzeit das
                  allgemeine und gegenseitige Verständnis unter den Menschen spürbare Fortschritte
                  gemacht habe.</q> Im Lichte dieses Faktums der nunmehr offenkundigen Gestaltung
               des Ruhrstatuts gerät nunmehr auch die Demontage-Politik, die viel Umstrittene, aufs
               neue in eine sehr grelle Beleuchtung. Wenn man hört, daß gerade im <rs ref="#tillich_place_id__857" type="place">Ruhrgebiet</rs> bestimmte Teile von
               allerwichtigsten Werken abmontiert werden, und daß es sich bei diesen Werken
               ausgerechtnet um solche handelt, die in <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs> nun aufgebaut worden sind, so wirkt das bei uns lähmend.
               Gleichzeitig mit diesen Nachrichten über die Zerstörung des Ruhrpotentials für Eisen-
               und Stahlerzeugnisse gehen aber Mitteilungen durch die Wirtschaftspresse, daß die
               Stahlproduktion der westlichen Welt durchaus hinter der Erfordernissen zurück bleibt.
               Mit wirtschaftlicher Vernunft hat also diese Wirtschaftspolitik der Alliierten
               offenbar gar nichts zu tun.</p>
            <p>Ich empfinde es als eine sehr unheimliche Sache, wie auf diese Weise eine innere
               Zersetzung und Auflösung des guten Willens, des Vertrauens, der Bereitschaft zur
               Zusammenarbeit mit dem Westen vorbereitet wird, die eines teils einen labilen
               Seelenzustand <unclear>sc</unclear>affen wird, der dann einer entsprechenden
               Propaganda für den Osten trotz allem offen steht. Wir haben ja genau diese
               Entwicklung schon einmal durchgemacht. Ich entsinne mich snbon sehr genau, wie
               verzweifelt <rs ref="#tillich_person_id__298" type="person">Brüning</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__5492" type="person">Treviranus</rs> darüber waren, daß
               der Westen sich zu keiner echten hilfreichen Politik aufraffen konnte und tatenlos
               dem Aufkommen des Nationalsozialismus zusah. Wie billig wäre damals der Preis
               gewesen, den man hätte zahlen müssen, um diesem Vabanquespiel von vorne herein jede
               Erfolgsmöglichkeit abzuschneiden. Warum begeht man heute mit solcher Konsequenz die
               gleichen Fehler?</p>
            <closer>
               <salute>Mit herzlichem Gruß<lb/>Dein</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1617" type="person"><hi rend="hand">Ritter</hi></rs></signed><lb/>
            </closer>
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                  <placeName>New York City</placeName>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__910">
                  <persName>Hitler, Adolf</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau am Inn – 30. April 1945, Berlin) war Vorsitzender der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und ab 1934 als „Führer“ diktatorischer Staats- und Regierungschef des Deutschen Reiches. Er entfesselte 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der über 70 Millionen Menschen das Leben kostete, und trug die Hauptverantwortung für den Holocaust an den europäischen Juden. Als oberster Befehlshaber der Wehrmacht führte er eine totalitäre Herrschaft, die Terror, Propaganda und aggressive Expansion vereinte und große Teile Europas verwüstete. Beim Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ beging Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid; eine Grabstätte gibt es nicht.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5492">
                  <persName>Treviranus, Gottfried</persName>
                  <birth>
                     <date>1891-03-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Schieder</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1971-06-07</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__141">Florenz</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Politiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/121419169</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5480">
                  <persName>Ritter, Margarete</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1617">
                  <persName>Ritter, Karl Bernhard</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118745476</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Karl Bernhard Ritter (17. März 1890 – 15. August 1968) war ein evangelischer Theologe und Politiker aus Deutschland, der nacheinander der DNVP und der KVP angehörte. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie und der Promotion 1912 nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1919 war er Pfarrer in Berlin und saß bis 1924 als DNVP-Abgeordneter im Preußischen Landtag. Er gehörte zu den Gründern der Berneuchener Bewegung und 1931 der Michaelsbruderschaft, deren erster Leiter er wurde. Ab 1925 wirkte er an der reformierten Universitätskirche Marburg. Im Kirchenkampf engagierte er sich gegen die Deutschen Christen und schloss sich der Bekennenden Kirche an. Nach 1945 wurde er Kirchenrat und Dekan in Marburg und setzte sich für das Bischofsamt ein.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__113">
                  <persName>Bader, Claudia</persName>
                  <occupation>Pfarrerin und Theologin</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Lehrerinnenausbildung, danach Studium der Theologie in Marburg, wo sie 1934 ihr zweites Examen ablegte. Im Anschluss arbeitete sie in der Klinikseelsorge und Jugendarbeit und unterstützte Karl Bernhard Ritter in der Marburger Universitätskirche. Nach ihrem Einsatz für die Zulassung von Frauen zum Pfarramt wurde sie 1952 als eine der ersten Frauen ordiniert und 1962, vier Jahre vor ihrer Pension, mit der Leitung der Marburger Pauluskirche betraut.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5481">
                  <persName>Ritter, Jürgen</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__298">
                  <persName>Brüning, Heinrich</persName>
                  <occupation>Politiker der Zentrumspartei</occupation>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>