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            <title>Brief von Fedor Stepun an Paul Tillich vom 29. September 1948</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1856">Fedor Stepun</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
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         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 189(42)</idno>
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                  <p>Brief, maschinenschriftlich mit handschriflichen Einfügungen</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
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                  <listBibl>
                     <biblStruct type="journal" n="firstPrint">
                        <monogr>
                           <author>Alf Christophersen</author>
                           <title>Paul Tillich im Dialog mit dem Kultur- und Religionsphilosophen
                              Fedor Stepun. Eine Korrespondenz im Zeichen von Bolschewismus und
                              Nationalsozialismus</title>
                           <imprint>
                              <pubPlace ref="#tillich_place_id__37">Berlin/</pubPlace>
                              <pubPlace ref="#tillich_place_id__70">Boston, MA</pubPlace>
                              <date when="2011">2011</date>
                              <biblScope>102–172, hier: 155–160</biblScope>
                           </imprint>
                        </monogr>
                        <series>
                           <title>Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für
                              Neuere Theologiegeschichte</title>
                           <biblScope>Bd. 18, H. 1</biblScope>
                        </series>
                     </biblStruct>
                  </listBibl>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1856">Fedor Stepun</persName>
               <date when="1948-09-29">29.09.1948</date>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1856">Korrespondenz mit Fedor Stepun</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1856" target="L11203.xml">Brief von Fedor Stepun an Paul Tillich vom 30. Juli 1948</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11231.xml">Brief von Kurt Leese an Paul Tillich vom 29. September 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11235.xml">Brief von Paul Tillich an Horace Friessvom 30. September 1948</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1948-09-29"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2026-03-06">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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            <opener><dateline><rs ref="#tillich_person_id__1856" type="person">Prof. Dr. Fedor
                     Stepun</rs> Den <date when="1948-09-29">29. September 1948</date><lb/>
                  München-27<lb/> Mauerkircherstrasse 52</dateline>
               <salute>Mein lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus!</rs></salute>
            </opener>
            <p>Wir haben ja schon telefonisch miteinander gesprochen und doch tut es mir unendlich
               leid, dass wir uns nicht haben sehen können. Eine längere Unterhaltung mit Dir wäre
               mir ganz besonders wichtig gewesen und ich habe mich auf dieselbe sehr gefreut. Nun
               müssen wir wieder, wie Du es am Telefon sagtest, zwei Jahre warten. Wer weiss, was
               die nächsten zwei Jahre bringen werden.</p>
            <p>Mein Freund <rs ref="#tillich_person_id__4812" type="person">von Martin</rs> sagte
               mir, Du hättest einen hervorragenden Vortrag im Menzelkreis gehalten, den besten, den
               er dort im Verlauf von drei Jahren gehört hat. Seiner Meinung nach hättest Du Dich
                  <hi rend="underline">sehr</hi> verändert. Du warst weniger geistreich und scharf
               wie sonst, dafür aber tiefer und schlichter, als er Dich früher gekannt hat. Für
               seine sehr kluge Tochter warst Du sogar mit Deiner Zentrierung des Christentums in
               der Liebe gar zu schlicht, weil zu ruhig. Ihr fehlte in Deinem Vortrag der Sinn für
               den tragischen Gehalt der Welt, für den das Christentum ihrer Meinung nach besonders
               offen sei. So schwankt Dein Bild zwischen den Generationen. Auch von anderen habe ich
               so manches gehört, denn ich forschte eindringlich nach, ob und wohin Du Dich
               verändert hattest. Hast Du nicht etwas deutsch geschrieben, das ich lesen könnte? Es
               würde mich leidenschaftlich interessieren.</p>
            <p>Die Welt verfinstert sich mit einer Geschwindigkeit, dass ich trotz meines Optimismus
               (nur Optimismus des wundersüchtigen Herzens, nicht des klaren Kopfes) nicht einmal
               sicher bin, ob es Dir noch möglich sein wird, das zu versuchen, worüber wir nur ein
               rasches Wort gewechselt haben. Ich glaube, dass ich nunmehr daran denken muss, so
               sehr es mich schmerzt, unter Umständen <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europa</rs> zu verlassen und über den Ozean zu gehen. Wie Du weisst, gehöre ich
               ja zu der Gruppe der ihm Jahre 1922 Ausgewiesenen, die alle ein Papier unterschreiben
               mussten, dass sie der höchsten Strafe unterliegen, falls sie ohne Genehmigung des
               Sowjetstaates den Versuch machen <add place="left"><hi rend="hand">würden</hi></add>,
               nach <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> zurückzukehren. In
               der Emigration habe ich mich jeglicher aktiven <hi rend="underline">praktischen</hi>
               Politik enthalten, weil ich sie für sinnlos hielt, bin von rechts sehr stark
               angegriffen worden, als ultravioletter Kommunist bezeichnet; aber all das ist ja für
               die Sowjets keine Legitimation. Für <hi rend="underline">sie</hi> bin ich ein
               finsterer Faschist, der wie ein <q>tollwütiger Hund</q> sie in Büchern und Broschüren
               im Verlauf von 20 Jahren angebellt hat. Selbst mein Vortrag in <rs ref="#tillich_place_id__1401" type="place">Bossey</rs><!-- Zuordnung unklar -->
               ist in einer Petersburger Zeitung in diesem Sinn neuerdings angegriffen worden. Eine
               Begegnung mit meinen Landsleuten darf ich mir nicht erlauben. Ich lebe gern, habe
               unendlich viel vor, bin aber doch wieder<hi rend="hand"><add rend="right">um</add></hi> so alt und so vernünftig, dass ich mit 64 Jahren keinen Versuch
               machen würde, dem <hi rend="underline">Tode</hi> zu entgehen, nur Verhöhnungen und
               Folterungen möchte ich mir ersparen, denn wenn ich an solche Dinge denke, dann packen
               mich Wut und noch mehr Ekel.</p>
            <p>Aus all dem folgt nun die dringende Bitte an Dich, alle Deine Beziehungen in Bewegung
               zu setzen, von denen Du mir nur Andeutungen machen konntest (ein russisches
               theologisches Institut soll in benachbarte Räume einziehen) um eine Einladung für
               mich zu irgendwelchen Gastvorträgen (mein russischer Kollege, <rs ref="#tillich_person_id__4813" type="person">Professor Tschigewski</rs>, den Du in
                  <rs ref="#tillich_place_id__279" type="place">Marburg</rs> sicher kennengelernt
               hast, hat beispielsweise eine solche bekommen, erhält aber von der Militärregierung
               sonderbarerweise keine Einreiseerlaubnis) zu erhalten. Ich bitte um eine solche, wenn
               auch nur befristete Einladung erstens darum, weil ich glaube, dass sie leichter und
                  <pb n="2"/> rascher zu bekommen ist als eine Erlaubnis zur Einwanderung, und
               zweitens weil ich doch immer mit der Möglichkeit <del rend="s">noch</del> rechne,
               dass man am Krieg vorbeischleicht und darum hier nicht alle Positionen und
               Beziehungen auflösen möchte. Es wäre ja viel leichter für mich, nach der <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> zu gehen, was mir
               wahrscheinlich gelingen könnte, aber <rs ref="#tillich_person_id__1108" type="person">Kullmann</rs>, wie auch mein eigener Verstand sagen mir, dass das keine radikale
               Lösung ist, weil die Möglichkeit neutral zu bleiben sich in diesem 3. Kriege selbst
               für die <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> kaum ergeben wird.
               Jedenfalls will ich aber sofort alles unternehmen, um, falls es hier für mich gar zu
               gefährlich wird, zunächst einmal nach der <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> hinüber zu kommen, um eventuell von dort aus über See zu
               gehen.</p>
            <p>Die beiden Schwierigkeiten, vor denen ich Angst habe, sind erstens meine Unkenntnis
               der amerikanischen Sprache (ich werde hoffentlich ziemlich leicht mich verständigen
               lernen, aber ich werde sicher keine Vorträge auf englisch halten können) und zweitens
               Geld. Ich habe schon an <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs>
               und auch an Dich vor längerer Zeit die Bitte gerichtet, bei dem Skribner-Verlag zu
               fragen, wie es meinem Buche <q>Das Antlitz Russlands <add place="superlinear"><hi rend="hand">und</hi></add> das Gesicht der Revolution</q>, ergangen ist.
               Nachdem ich eine ganz kleine Anzahlung bekommen, habe ich nichts weiter gehört (es
               ist ja auch kurz vor dem Kriege erschienen). Dass mein Buch während des Krieges keine
               Verbreitung finden konnte, vielleicht auch durfte, kann ich mir gut vorstellen, weil
               es ja ausgesprochen antibolschewistisch ist. Seit einiger Zeit müsste sich doch aber
               die Situation günstig für mich gewandelt haben. Im Kampf zwischen <rs ref="#tillich_person_id__2995" type="person">Sorokin</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__4714" type="person">Foster Dulles</rs> müsste es doch
               seinen Platz finden als eine tiefere Auffassung der russischen Revolution, als es die
               beiden Bücher vertreten. Wenn diese meine Überlegungen nicht ganz aus der Luft
               gegriffen sind, dann wäre vielleicht auch eine Möglichkeit gegeben (natürlich, wenn
               wir nicht schon übermorgen die Lösung aller Probleme den Atombomben überlassen),
               meine Autobiographie in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>
               oder in <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs> erscheinen zu
               lassen. Zu Weihnachten, vielleicht schon im November kommt der zweite Band heraus, in
               welchem das Phänomen des Bolschewismus in seiner ursprünglichen Form genaustens
               geschildert wird. Der Leser erlebt die Tragödie des russischen Liberalismus, ja des
               Liberalismus überhaupt mit der Intensität, mit welcher sie heute, wie mir scheint,
               erlebt werden muss. Der Band wird vielleicht weiniger Poesie, dafür aber sehr viel
               mehr soziologische Einsichten und politische Warnungen enthalten. Vielleicht könnte
               auch ich etwas unternehmen, aber <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> ist zu sehr Provinz geworden, als dass man direkt von hier sich
               Gehör verschaffen könnte. Ich habe in der <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> mit einigen Verlegern verhandelt, die mir alle gesagt
               haben, dass eine Lizenz-Ausgabe in der <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> sicher möglich wäre, falls mein deutscher Verleger das
               Übersetzungsrecht in andere Sprachen abtreten würde, was er natürlich nicht tut.
               Deutsch lizenzierte Bücher will aber das Ausland teilweise aus politischen, teilweise
               aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht haben. Also muss ich schon meine Freunde
               bitten, für mich zu sorgen.</p>
            <p>In der gleichen Angelegenheit schreibe ich auch an einige russische Bekannte, an
               meinen Berliner Freund, den Bischof <rs ref="#tillich_person_id__4817" type="person">Johann Scharchowsky</rs>, <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New-York</rs> und auch an einige russische Professoren und Sozialdemokraten. Ich
               gebe Dir auf jeden Fall zwei bis drei Adressen, wenn es sich vielleicht vorteilhaft
               erweisen könnte, Euere Bemühungen zu vereinigen. Um das Thema abzuschliessen, will
               ich nur noch das hinzufügen, was sich von selbst versteht: wenn es nicht zu spät
               werden soll, dann muss die Sache bald gelingen. Wahrscheinlich übersiehst Du den
               Verlauf der Zukunft besser als ich. Immerhin wird ja die Zukunft von <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> vielleicht mehr bestimmt
               als die des heutigen <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>.
               Wir haben hier keine Regierung, keine Botschafter und eine nur sehr mangelhafte
                  Presse<del rend="s">,</del> und darum muss ich es Deinem Augenmass überlassen, in
               welchem Tempo und mit welcher Intensität Du handeln wirst, falls Du überhaupt
               Hoffnungen hast, etwas tun zu können.<pb n="3"/>
            </p>
            <p><rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> liegt auch für mich
               dunkel und rätselhaft da. Obwohl ich die literarische Produktion der letzten Jahre
               gelesen habe, vor allen Dingen Kriegsbelletristik, mit den D.P.s. mich eingehend
               unterhalten habe, durch <rs ref="#tillich_person_id__1107" type="person">Frau
                  Kullmann</rs> so manches über die Kirchenfürsten gehört, habe ich doch gar kein
               Bild von dem, was sich hinter dem Vorhang tut. Ich weiss nur, <add place="left"><hi rend="hand">von</hi></add><del rend="s">dass</del> Freunde<add place="intralinear"><hi rend="hand">n</hi></add>, die im Jahre 1940 noch in <rs ref="#tillich_place_id__766" type="place">Moskau</rs> waren, dass <rs ref="#tillich_person_id__4821" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__4818" type="person">meine beiden Brüder</rs></rs> verhaftet und verschleppt sind,
               dass <rs ref="#tillich_person_id__2595" type="person">Nataschas Bruder</rs> ohne
               jeglichen Grund verhaftet gewesen war und nur nachdem er unter Folterungen
               eingestanden hat, dass er als Bakteriologe den Viehbestandteil des Turkestangebiets
               zu Gunsten der Deutschen vergiften wollte, auf freien Fuss gesetzt wurde. Auch alles
               andere, was man von Bekannten gehört hat, spricht die Sprache derselben finsteren und
               vollkommen unbegreiflichen Tat. Noch in <rs ref="#tillich_place_id__707" type="place">Genf</rs> habe ich eine junge Schauspielerin kennengelernt, die unter dem
                  Regi<del rend="s">m</del>e <add place="superlinear"><hi rend="hand">m</hi></add>eines Freundes gearbeitet hat und die mir Furchtbares erzählt hat von
               dem Ende dieses Menschen. Es ist nicht auszudenken, was für einem Schicksal <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> entgegengeht, wenn sich
               die Welt gegen es wendet. Und es ist noch furchtbarer zu wissen, dass man bei dieser
               Auseinandersetzung nicht auf der Seite meiner Heimat stehen wird, sondern als
               Vertreter aller russischen Konzentrationslager zu <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> halten wird, dessen Schattenseiten einem nicht verborgen
               bleiben. Während der Auseinandersetzung zwischen <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs> war es in gewissem Sinn leichter, denn da konnte man noch trotz aller
               russischen Ruchlosigkeit mit seinem Lande fühlen. Immerhin war und ist der
               Bolschewismus ein schöpferischer Wahnsinn der Epoche demgegenüber der
               Nationalsozialismus mir nur als ein zukunfstloser rasch montierter Unsinn erschien.
               Die meisten der Verschleppten Personen, die im Kriege gewesen waren, erzählen
               furchtbares von den Methoden, mit denen sie zur Verteidigung ihres Vaterlands
               gezwungen wurden. Immer wieder hört man davon, dass die Soldaten an den
               Maschinengewehren bis zur Taille fest in die Erde eingegraben wurden, oder an Ketten
               gelegt, damit sie nicht weglaufen konnten. Auch gute deutsche Offiziere haben mir von
               diesen Mitteln erzählt. Wenn man aber die russische Kriegsliteratur liest, so
               herrscht ein ganz anderer Geist. So weit man es nicht mit einer Agitationsmakulatur
               zu tun hat, sondern mit ehrlichem Erzählen, trifft man nur selten auf
               Verherrlichungen von <rs ref="#tillich_person_id__1838" type="person">Stalin</rs>,
               aber immer auf ein lebendiges Gefühl für das sowjetistische Vaterland. Sollte das
               alles Lüge sein und Verstellung? Ich glaube es kaum.</p>
            <p>Ich könnte Dir noch stundenlang schreiben, aber ich habe erstens Angst, dass der
               Brief zu schwer wird und zweitens, dass Du keine Zeit haben wirst, denselben zu
               lesen. Darum beende ich bis auf weiteres meinen Redefluss. In drei Tagen fahre ich
               nach <rs ref="#tillich_place_id__203" type="place">Heidelberg</rs> zu einem Vortrag,
               dann wieder nach <rs ref="#tillich_place_id__143" type="place">Frankfurt</rs>, <rs ref="#tillich_place_id__420" type="place">Stuttgart</rs> und anderen Städten. Für
               den April ist eine Vortragsreise geplant, an der sich zehn Städte beteiligen. <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> ist doch ein unendlich
               kräftiges und geistig lebendiges Land. Man war der Überzeugung, dass nach der
               Geldreform die Zahl der Studenten zurückgehen würde, sie hat sich beinahe an allen
               Universitäten um 30% gesteigert. Man hatte Angst, die Verlage würden keine Bücher
               verkaufen können. Die Produktion wächst. Ich dachte, kein Mensch wird mehr Vorträge
               organisieren können. Jeden Tag kommen neue Einladungen. Das Land hat kein Geld, und
               doch sind in <rs ref="#tillich_place_id__1399" type="place">Bogenhausen</rs> in den
               letzten drei Monaten gegen 10 Häuser aus dem Boden gestampft worden. Und das alles
               trotz der Störungen, die mit der Unselbständigkeit des staatlichen Lebens und dem der
               Aufteilung <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschlands</rs>
               zusammenhängen.</p>

            <closer>
               <salute>Nun muss ich aber allen Ernstes Schluss machen. Grüsse bitte von <rs ref="#tillich_person_id__2358" type="person">Natascha</rs> und mir <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hanna</rs> und sei selber auf das
                  allerherzlichste von uns beiden umarmt und gegrüsst. In Erwartung einer zunächst
                  auch nur orientierenden Antwort bin ich Dein</salute>
               <signed><hi rend="hand"><rs ref="#tillich_person_id__1856" type="person">Fedor
                        Stepun</rs></hi></signed>
            </closer>
            <postscript>
               <p>PS: s. Rückseite<pb n="4"/></p>
               <p>PS: Grüsse bitte auf das allerherzlichste <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs>. Ich glaube vieles aus Deinen knappen Worten über ihn
                  verstanden zu haben. Sage ihm, ich würde mich sehr freuen, wenn er Zeit finden
                  würde, etwas eingehender zu schreiben. Ich weiss gar nicht, was er geschrieben und
                  möchte doch so gerne ein lebendiges Wort von ihm lesen. Als ich ihn das letzte Mal
                  in <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs> gesehen habe,
                  arbeitete er an einem Buch über die Grenzen des Guten, wenn ich mich nicht irre.
                  Ist daraus etwas geworden?</p>
               <p>Im Augenblick fällt mir noch etwas ein: Vor jetzt schon zwei Jahren wahrscheinlich
                  hat ein Bekannter von <rs ref="#tillich_person_id__4822" type="person"><hi rend="underline">Waldemar Gurian</hi></rs> mich um Beiträge für seine
                  Zeitschrift gebeten. Ich habe die beiden Aufsätze, die im Hochland abgedruckt
                  waren, eingeschickt, aber nicht direkt an <rs ref="#tillich_person_id__4822" type="person">Gurian</rs>, dessen Adresse ich verlegt hatte, sondern an <rs ref="#tillich_place_id__37" type="person">Richard</rs>; er schrieb mir, er
                  würde sie weiterleiten, aber ich weiss nicht, ob das geschehen ist. Könntest Du
                  ihn fragen? Demnächst will ich selbst an ihn schreiben. Aber das demnächst kann
                  eventuell auch recht lang dauern. Ich habe gerade im Augenblick so viel zu tun,
                  wie ich mein ganzes Leben nicht getan habe. Ich eile sehr, den dritten Band fertig
                  zu schreiben (es bleiben vielleicht nur noch 75 Seiten), damit das ganze Werk so
                  weit es Erzählung ist, möglichst rasch fertig wird. Der vierte Band, der eine
                  Deutung des Erzählten, eine Art Religionssoziologie der bolschewistischen
                  Revolution enthalten soll, kann schliesslich nach einer grösseren Pause
                  erscheinen. </p>
               <closer><salute>Mit nochmaligen Grüssen</salute><signed><hi rend="hand">Dein <rs ref="#tillich_person_id__1856" type="person">Fedor</rs></hi></signed></closer>
            </postscript>
         </div>
      </body>
   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__143">
                  <placeName>Frankfurt am Main</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>50.11552 8.68417</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2925533/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q122166308</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__279">
                  <placeName>Marburg an der Lahn</placeName>
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                     <geo>50.80904 8.77069</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2873759/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32121710</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__1399">
                  <placeName>Bogenhausen</placeName>
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                     <geo>48.15221 11.61585</geo>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q329707</idno>
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               <place xml:id="tillich_place_id__376">
                  <placeName>Russland</placeName>
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                  <placeName>England</placeName>
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                  <placeName>Deutschland</placeName>
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                  <placeName>Berlin</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q64</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__319">
                  <placeName>New York City</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q60</idno>
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               <place xml:id="tillich_place_id__420">
                  <placeName>Stuttgart</placeName>
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                     <geo>48.78232 9.17702</geo>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32749678</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__736">
                  <placeName>Europa</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>48.69096 9.14062</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6255148/</idno>
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               <place xml:id="tillich_place_id__1401">
                  <placeName>Bogis-Bossey</placeName>
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                  <placeName>Heidelberg (Deutschland)</placeName>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2907911/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q2966</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__397">
                  <placeName>Schweiz</placeName>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2658434/</idno>
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               </place>
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                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
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                     <geo>39.76000 -98.50000</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6252001/</idno>
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                  <placeName>Moskau</placeName>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/524901/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q649</idno>
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                  <placeName>Genf</placeName>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2660646/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q30343751</idno>
               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1099">
                  <persName>Kroner, Richard</persName>
                  <occupation>Deutscher Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11890003X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Richard Kroner (8. März 1884 – 2. November 1974) war ein in Breslau geborener deutscher Philosoph und Theologe, der der südwestdeutschen Schule des Neukantianismus nahestand. Mit seinem zweibändigen Hauptwerk Von Kant bis Hegel leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Wiederentdeckung und Neubewertung des Deutschen Idealismus im 20. Jahrhundert. Nach der Emigration in die Vereinigten Staaten wirkte er als Vermittler zwischen kontinentaler und angelsächsischer Philosophie und zählt zu den bedeutenden Vertretern des Neuhegelianismus.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4714">
                  <persName>Foster, Dulles</persName>
                  <birth>
                     <date>1888-02-25</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Waschingtion, D.C.</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1959-05-24</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Waschington, D.C.</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Amerikanischer Politiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118681168</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2595">
                  <persName>???</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Er war der Bruder von Natalja Nikolaevna Stepun.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2358">
                  <persName>Stepun, Natalja Nikolaevna</persName>
                  <death>
                     <date>1961</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1107814014</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Sie war die Frau von Fedor Stepun und war bekannt als Natascha.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4822">
                  <persName>Gurian, Waldemar</persName>
                  <birth>
                     <date>1902-02-13</date>
                     <settlement>
                        <placeName>St. Petersburg</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1954-05-26</date>
                     <settlement>
                        <placeName>South Haven</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Politologe und Publizist</occupation>
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                  <persName>Kullmann , Gustave</persName>
                  <occupation>Schweizer Jurist</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Gustave K. stammte aus den Niederlanden, wurde jedoch 1905 in Zürich eingebürgert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete er beim Völkerbund im Büro von Fridtjof Nansen und beschäftigte sich dort mit Flüchtlingshilfe, schwerpunktmäßig zunächst hinsichtlich russischer Geflüchteter. In den 1930ern arbeitete er in der Sektion für Internationale Zusammenarbeit des Völkerbundes und wurde um 1936 stellvertretender Generalsekretär. Durch den Nationalsozialismus setzte er sich nun insbesondere für Geflüchtete aus Deutschland ein. </p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2995">
                  <persName>Pitirim Sorokin</persName>
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                  <note type="bio">
                     <p>Pitirim A. Sorokin (21. Januar 1889 – 11. Februar 1968) war ein russisch-amerikanischer Soziologe, der nach revolutionärer Tätigkeit, Professuren in Petrograd und politischer Verfolgung 1922 emigrierte, in Harvard das Department of Sociology (1930) aufbaute und mit Werken wie Social and Cultural Dynamics sowie der Theorie zyklischer Kulturwandel weltweite Resonanz fand. Als Gründer des Harvard Center for Creative Altruism (1949 – 59) prägte er zudem die altruismus- und Aggressionsforschung.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4813">
                  <persName>Tschižewskij, Dmitrij</persName>
                  <birth>
                     <date>1894-04-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Alexandrija</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1977-04-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Heidelberg</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philosoph und Slawist</occupation>
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               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4812">
                  <persName>Martin, Alfred von</persName>
                  <birth>
                     <date>1882-07-24</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1979-06-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Soziologe</occupation>
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               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4817">
                  <persName>Šachovskoj, Dmitrij A.</persName>
                  <occupation>Erzbischoff</occupation>
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               <person xml:id="tillich_person_id__910">
                  <persName>Hitler, Adolf</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau am Inn – 30. April 1945, Berlin) war Vorsitzender der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und ab 1934 als „Führer“ diktatorischer Staats- und Regierungschef des Deutschen Reiches. Er entfesselte 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der über 70 Millionen Menschen das Leben kostete, und trug die Hauptverantwortung für den Holocaust an den europäischen Juden. Als oberster Befehlshaber der Wehrmacht führte er eine totalitäre Herrschaft, die Terror, Propaganda und aggressive Expansion vereinte und große Teile Europas verwüstete. Beim Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ beging Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid; eine Grabstätte gibt es nicht.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4818">
                  <persName>Steppuhn, Oskar Avgustovič</persName>
                  <occupation>Physiologe, Biochemiker und Hochschullehrer</occupation>
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                  <note type="bio">
                     <p>Bruder von Fedor Stepun</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4821">
                  <persName>Stepphuhn, Avgustovič Steppuhn</persName>
                  <occupation>Schauspieler</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Bruder von Fedor Stepun</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1856">
                  <persName>Stepun, Fedor</persName>
                  <birth>
                     <date>1884-02-19</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__766">Moskau</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-02-23</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Russisch-Deutscher Literat, Soziologe und Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11875355X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Fedor Stepun (19. Februar 1884 – 23. Februar 1965) war ein Literat, Soziologe, Philosoph und Politiker russisch-deutscher Herkunft. Nach einem Philosophiestudium in Heidelberg und Promotion bei Wilhelm Windelband gründete er mit Max Weber und Georg Simmel die Zeitschrift Logos. Er nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil und engagierte sich 1917 nach der Februarrevolution politisch. Als Gegner der Bolschewiki wurde er 1922 mit dem sogenannten Philosophenschiff aus Russland ausgewiesen. Ab 1926 lehrte er als Professor für Soziologie an der Technischen Hochschule Dresden, bis ihn die Nationalsozialisten 1937 entließen und mit einem Rede- und Schreibverbot belegten. 1946 wurde er Honorarprofessor für russische Geistesgeschichte in München, wo er bis 1964 lehrte und rege als Redner wirkte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1107">
                  <persName>Kullmann, Maria</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Frau von Gustave Kullmann. Gemeinsam gingen sie nach dem Krieg nach England, wo Gustave eine Führungsposition in der Flüchtlingsarbeit der Vereinten Nationen innehatte und Maria sich politisch, sozial und kulturell engagierte. 1954 gründete sie mit dem Pushkin Club in London das erste unabhängige russische Kulturzentrum im Vereinten Königreich</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1838">
                  <persName>Stalin, Josef</persName>
                  <birth>
                     <date>1878-12-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Gori (Šida K̕art̕li)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1953-03-05</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Kunzewo (Moskau)</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118642499</idno>
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</TEI>