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            <titleStmt>
                <title>Brief von Walther Werner an Paul Tillichvom 28. Juni 1948</title>
                <author ref="#tillich_person_id__2588">Walter Werner</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
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                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/203 (11)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__2588">Walther Werner</persName>
                    <placeName ref="#tillich_place_id__236">Kassel</placeName>
                    <date when="1948-06-28">28.06.1948</date>
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                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__2588">Korrespondenz mit Walther Werner</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__2588" target="L11165.xml">Brief von Paul Tillich an Walter Wernervom 21. Juni 1948</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11172.xml">Brief von Harold Friedlander an Paul Tillichvom 28. Juni 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11176.xml">Brief von Leonie Dotzler-Möllering an Paul Tillich vom 29. Juni 1948</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1948-06-28"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2026-05-29" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><rs ref="#tillich_place_id__236" type="place">Kassel</rs>, Reginastr.
                            12<dateline><date when="1948-06-28">28.6.48</date></dateline><salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Vielen Dank für <rs ref="L11165">Deinen Brief</rs>, ich weiss nicht, ob <rs ref="#tillich_person_id__" type="person">Huschchen</rs> schon selbst
                    geschrieben hat, weil ich wenig zu Hause war, sie wolle es tun. Einstweilen ist
                    sie selig mit ihrem Kaffee und hat ihre Margarine bereits zu dreivierteln
                    uffgefuttert!</p>
                <p>In den nächsten Tagen bekomme ich die Zulassung für mein Motorrad, da rutsche ich
                    mal nach <rs ref="#tillich_place_id__1647" type="place">Lüdersdorf</rs> zu
                    meinen Kindern, und wenn ich es schaffe, komme ich vielleicht mal in <rs ref="#tillich_place_id__1647" type="place">Marburg</rs> mit ran.</p>
                <p>Mit <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> sprach ich
                    heute nachmittag. Ich war ein bisschen erstaunt, als er mir Vorschläge vorlegte,
                    da ich selbst doch herzlich gebeten hatte, Du möchtest in einem kleinen Kreise
                    mal sprechen, der – aus meiner Umgebung – hier auf Dich wartet. <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> sagte, Du solltest
                    in der Kurhessischen Gesellscha<supplied>ft</supplied> sprechen, im
                    Landesmuseum. Ich hatte davon bis heute keine Kenntnis, und hatte mich selbst
                    bemüht und für diesen Zweck einen Magistratssaal zugesagt erhalten, in dem der
                    Raum etwas festlicher und zugleich intimer ist. Es wäre Gelegenheit gewesen, das
                    Ganze im Rahmen eher einer geselligen Veranstaltung aufzuziehen und nicht im
                    Rahmen eines Vortrages. Ich hätte dann auch Gelegenheit gehabt, alle die jungen
                    Menschen, die sich viel davon versprachen, einzuladen und dazu zubitten.</p>
                <p>Wie das jetzt sein soll, weiss ich nicht, es ist alles so aus meiner Hand
                    genommen worden.</p>
                <p>Spielen politische Bedenken eine Rolle?</p>
                <p>Ich weiss, dass <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> an
                    die SPD gebunden ist und dass die SPD aus begreiflichen Gesichtspunkten – wir
                    lehnen die weltanschaulich gebundenen Parteien ab – nicht gut auf uns zu
                    sprechen ist. Grade von ihrer Seite sind wir manchmal <del rend="s">i</del>
                    wenig schöner Weise persönlich und unsachlich apostrophiert worden, ohne dass
                    sich jemals einer wirklich um diese jungen Leute bemüht hätte. Es ist also sehr
                    billig, zu verdammen, ohne gehört zu haben. Dabei sind die Tendenzen der Jugend
                    in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> so
                    unzweideutig ablehnend gegenüber den <q>alten</q> Parteien, dass jeder Versuch,
                    die <q>neuen</q> Kräfte zu bagatellisieren oder präsumtiv zu verdammen und als
                    neue Faschisten oder dergl. abzustempeln, zum Misserfolg verurteilt sind, und im
                    besten Falle durch die damit erfolgte Ablehnung und Nichtanhörung die Jugend
                    wieder in irgend ein radikales Lager führen. Die Jugend will aber hören, sie ist
                    durchaus aufgeschlossen, nur glaubt sie den <q>Alten</q> nicht mehr, sie will
                    selbst ein Urteil und eine Form finden.</p>
                <p>Aus diesem Grunde finde ich es so bedauerlich, dass es Dir scheinbar bis jetzt
                    noch nicht möglich ist, auf meine Bitte einzugehen.</p>
                <p>Die Jungen Leute lehnen <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> ab, wegen seiner Stellung im Jugendaufbauwerk, seiner Bindung
                    an den zweifelhaften <rs ref="#tillich_person_id__5234" type="person">Herrn
                        Schotte</rs>, seiner Tendenz bei der Bevorzugung einzelner Jugendgruppen,
                    die klar parteilich gebunden sind usw., – na, alles Dinge, deren wirklicher Wert
                    schwer zu beurteilen ist, aber der Erfolg ist, dass diejenigen, die ich gerne
                    mit an die Arbeit haben will, und die nicht irgendwie parteimässig gebunden
                    sind, ihn nicht mögen. Da <del rend="s">man</del> kann man nichts machen, es ist
                        so.<pb n="2"/></p>
                <p><rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> will am Sonntag in
                        <rs>Marburg</rs> sein. Vielleicht hast Du die Möglichkeit, mit ihm darüber
                    zu sprechen, ob es möglich ist, dass wir uns mit unserem Kreise beteiligen. Auch
                        <rs ref="#tillich_person_id__4718" type="person">Walter Krust-Ortlieb</rs>,
                    Chefredakteur der Kassler Zeitung, der von der SPD ebenfalls als Parteiloser
                    sehr angefeindet wird, hat zahlreiche Leute zur Hand, die gern von Dir etwas
                    hören würden.</p>
                <p>Es würde mich sehr freuen, wenn Du mir darüber etwas schreiben oder durch <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs> ausrichten lassen
                    könntest. Ich rufe ihn am Montag an oder suche ihn auf, wie er wünscht.</p>
                <p><rs ref="#tillich_person_id__" type="person">Oma</rs> bittet Dich, doch an den
                    Shawl mal zu denken, der bei <rs ref="#tillich_person_id__4925" type="person">Frau
                        Ruth Kempner</rs> eingegangen sein muss. Sollte Dich der Weg über <rs ref="#tillich_place_id__327" type="place">Nürnberg</rs> führen, vergiss es
                    nicht!</p>
                <closer><salute>Ich bin gespannt auf Deine Antwort und grüsse Dich
                        herzlich!</salute><signed><hi rend="hand">Dein<lb/><rs ref="#tillich_person_id__2588" type="person">Walther
                            Werner</rs>.</hi></signed></closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__1647">
                  <placeName>Lüdersdorf</placeName>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2875435/</idno>
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               </place>
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                  <placeName>Nürnberg</placeName>
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                     <geo>49.45421 11.07752</geo>
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                  <placeName>Deutschland</placeName>
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                  <placeName>Kassel</placeName>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__4718">
                  <persName>Krust-Ortlieb, Walter</persName>
                  <occupation>Chefredakteur Kasseler Zeitung</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2588">
                  <persName>Werner, Walther</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Er war der jüngere Bruder von Hannah Tillich.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1696">
                  <persName>Schafft, Hermann</persName>
                  <birth>
                     <date>1883-12-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Langenstein b. Halberstadt</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1959-06-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__236">Kassel</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Pädagoge, Direktor und Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/140540970</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hermann Schafft (2. Dezember 1883 – 2. Juni 1959) war ein deutscher evangelischer Theologe, Professor und Regierungsdirektor in Kassel. Nach dem Studium in Halle, Berlin und Tübingen wirkte er als Pfarrer, Militärseelsorger und später in leitenden kirchlichen und pädagogischen Funktionen. Als religiöser Sozialist engagierte er sich in der Neuwerk-Bewegung und war Herausgeber der Zeitschrift Neuwerk. 1933 wurde er aus politischen Gründen beurlaubt und frühzeitig in den Ruhestand versetzt. Nach 1945 übernahm er auf Vorschlag seines engen Freundes Paul Tillich das Amt eines Regierungsdirektors in Kassel und war für das Schulwesen in Nordhessen zuständig.</p>
                  </note>
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                  <persName>Kempner, Benedicta Maria</persName>
                  <occupation>Soziologin, Publizistin und Sozialarbeiterin</occupation>
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                  <persName>Schotte, ???</persName>
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