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         <titleStmt>
            <title>Brief von Renate Albrecht an Paul Tillich vom 14. Juni 1948</title>
            <author ref="#tillich_person_id__29">Renate Albrecht</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 117(14)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
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         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__29">Renate Albrecht</persName>
               <date when="1948-06-14">14.06.1948</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__29">Korrespondenz mit Renate Albrecht</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__29" target="L11283.xml">Brief von Paul Tillich an Renate Albrecht vom 14. Februar 1949</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11154.xml">Brief von Wilhelm Moll an Paul Tillich vom 10. Juni 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11157.xml">Brief von Paul Tillich an Dolf Sternbergervom 14. Juni 1948</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1948-06-14"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2026-05-17">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><rs ref="#tillich_place_id__1532" type="place">Düren</rs>, den <date when="1948-06-14">14.6.48.</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr
                  Professor</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>Anbei schicke ich Ihnen heute meinen Bericht über den Russeneinmarsch in <rs ref="#tillich_place_id__126" type="place">Dresden</rs>. Wie ich Ihnen schon sagte,
               sind es meine ganz persönlichen Erlebnisse, die ich teils aus dem Grunde
               aufgeschrieben habe, um sie selbst nicht zu vergessen teils, weil ich gern recht
               vielen, die in völliger Ahnungslosigkeit leben, was eigentlich in der Ostzone
               geschieht, ein Bild davon geben möchte. Sie glauben gar nicht, welcher Erbärmlichkeit
               und welchem Elend die Menschen da drüben preisgegeben sind und ich bin jedesmal aufs
               neue davon berührt, wie gut es uns hier drüben noch geht im Vergleich zu der Lage
                  <unclear>dort</unclear>. Von diesem Gesichtspunkt aus hätte ich vielleicht noch
               mehr auf das Allgemeine eingehen sollen, aber ich glaube, dann wird eine solche
               Schilderung viel farbloser und verliert dadurch an Gewicht. Es kommt ja dann wohl zum
               Ausdruck, daß mein persönlich Erlebtes nur <hi rend="underline">eine</hi> Variation
               eines Allgemeinen ist und <hi rend="underline">längst nicht</hi> die krasseste und
               extremste.–</p>
            <p>Darf ich Ihnen noch sagen, daß ich über die Marburger Tage noch sehr beglückt bin? Es
               war nach so langen Jahren des dauernden Fragens das erste Antworten. Und die Antwort
               war verbaut und gar nicht überraschend, sondern nur ein Bloßlegen von schon
               Vorhandenem, sozusagen das Wegziehen eines letzten Schleiers und daß hat mich seitdem
               sehr froh gemacht. Vor allem ist mir dabei klar geworden, wie stark doch der Grund
               war, den ich damals (vor genau 20 Jahren, Sommersemester 1928!) mit Ihrer Hilfe mir
               gebaut habe, und daß ich seitdem davon gelebt habe. Wie schön, daß Sie auch jetzt
               wieder eine so starke Resonanz haben bei den Studenten und <pb n="3"/> eine neue Saat
               sein können. Lassen Sie sich durch keine Mißverständnisse oder Enttäuschungen nicht
               entmutigen, die Erde wird viel reicher und vielfältiger sein als wir es
               verstandesmäßig begreifen und ausrechnen können. Ich bin so optimistisch in Bezug auf
               eine <q>religiöse Erneuerung</q>, wenn man das schon etwas abgegriffene Wort
               gebrauchen soll, – aber Sie dürfen Ihre Hand nicht wieder wegziehen!–</p>
            <p>Noch etwas fällt mir ein, was ich Ihnen nun <unclear>aber</unclear> sagen wollte. Ich
               habe im Jahre 1933, und zwar im März, als der NS wirklich zum Siege gekommen war,
               gesagt: <q>Damit beginnt sein Sterben, jetzt trägt er den Todeskeim in sich</q> und
               habe damit gemeint: wenn eine Bewegung saturiert ist und nicht mehr durch dauerndes
               Infragegestelltsein einem dauernden Prozess des Läuterns unterworfen ist, dann
               verfällt sie einer Art Vergötzung und damit naturgemäß dem Verfall. (Das Wort
               Vergötzung für diesen Zusammenhang ist mir erst seit Marburg so recht klar.) Die
               große Frage ist nun die, gibt es überhaupt auf dieser Erde je eine Möglichkeit, den
               Verfall einer Bewegung (sei es politische, religiöse oder soziale oder sonst etwas)
               aufzuhalten, vor allem in dem Stadium, da sie <hi rend="underline">äußerlich zu Macht
                  und Bedeutung kommt?</hi> Ich glaube es nicht. Die bisherige Geschichte spricht
               dagegen, – oder sehe ich das falsch? Sie sehen, es gibt noch eine Menge Fragen, die
               wir an Sie haben, vor allem auch religiöse, die uns noch sehr am Herzen liegen. Und
               deshalb freuen wir uns so sehr, wenn Sie in spätestens 6 Wochen nach <rs ref="#tillich_place_id__1534" type="place">Merberich</rs> kommen. <rs ref="#tillich_place_id__1534" type="place">Merberich</rs> ist wirklich eine
               glückliche Insel, mit Wald und Wiesen und einer engelsgleichen Frau <!-- unklar
               wer gemeint ist, evt. Gisela Hasch oder Frau Hösch (tillich_person_id__5306) -->,
               die wir <hi rend="underline">alle</hi> sehr lieben. (und Sie werden sicher keine
               Ausnahme machen). Auch <rs ref="#tillich_person_id__5081" type="person">mein
                  Mann</rs> freut sich schon sehr auf Ihr Kommen.</p><closer>
               <salute>Ihre</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__29" type="person">Renate Albrecht.</rs></signed>
            </closer>
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   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__5081">
                  <persName>Albrecht, ?</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__29">
                  <persName>Albrecht, Renate</persName>
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               </person>
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                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
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                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
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                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
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                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
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                  <placeName>Düren</placeName>
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