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            <title>Brief von Wilhelm Moll an Paul Tillich vom 10. Juni 1948</title>
            <author ref="#tillich_person_id__4901">Wilhelm Moll</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 167(33)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__4901">Wilhelm Moll</persName>
               <date when="1948-06-10">10.06.1948</date>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__4901">Korrespondenz mit Wilhelm Moll</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11153.xml">Brief von Günther Thaer an Paul Tillich vom 8. Juni 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11156.xml">Brief von Renate Albrecht an Paul Tillich vom 14. Juni 1948</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1948-06-10"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2026-03-10">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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            <opener><dateline><rs ref="#tillich_person_id__4901" type="person">Wilhelm Moll</rs>
                  <rs ref="#tillich_place_id__1437" type="place">Gürzenich</rs>, den <date when="1948-06-10">10. Juni 1948</date><lb/> (22 c) <rs ref="#tillich_place_id__1437" type="place">Gürzenich bei Düren
                  Rhld.</rs><lb/>Aachener Landstraße 17<lb/>
                  <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herrn Professor Dr. Paul
                     Tillich,</rs>
                  <hi rend="underline">z.Zt. <rs ref="#tillich_place_id__279" type="place">M a r b u
                        r g (Lahn)</rs></hi><lb/>Universität</dateline>
               <salute>Sehr geehrter <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr
                     Professor</rs>!</salute>
            </opener>
            <p>Durch die Presse erfahre ich, daß Sie z.Zt. an der dortigen Universität Gastvorlesungen halten.
            </p>
            <p>Dabei erinnere ich mich an einen von Ihnen verfaßten Aufsatz <q>Christentum,
                  Wirtschaft und Demokratie</q> der s.Zt. in der Monatsschrift <q>Neue Auslese</q>
               erschien.</p>
            <p>Zu diesem Aufsatz schrieb ich damals meine Gedanken nieder, die ich Ihnen durch die Londoner Schriftleitung genannter Monatsschrift zugehen ließ.</p>
            <p>Vielleicht haben Sie meinen Aufsatz s.Zt. (es ist schon längere Zeit darüber verstrichen) nicht erhalten. Ich füge daher nochmals einen
            Durchschlag desselben heute bei.</p><p>Es würde mich sehr freuen, von Ihnen eine kurze Stellungnahme zu meinen Gedanken zu erhalten.</p>
            <closer>
               <salute>Mit vorzüglicher Hochachtung!</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__4901" type="person"><hi rend="hand">Wilhelm Moll</hi></rs><lb/>REWI</signed>
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            <pb n="1"/><p>Der Weg zur Überwindung der Krise im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben.<lb/>Zum Aufsatz:
               Christentum, Wirtschaft und Demokratie von <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillich</rs> in der Nr. 7 der <q>Neuen Auslese</q>.</p>
         <p>Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist bis in seine Wurzel erkrankt. Im Zusammenhang
               damit steht die Krise der aus diesem System geborenen Gesellschaftsordnung. Neues und
               Besseres soll geschaffen werden. Mit den alten Methoden und im gleichem Geiste wieder
               anzufangen ist sinnlos. Das heutige Chaos ist doch dadurch entstanden. Sollten die
               herrschenden Klassen trot<supplied>z</supplied>dem in der Lage sein, den alten Kurs
               gegen den Anspruch der Massen auf Sicherheit durchzusetzen, dann kann vorausgesagt
               werden, daß sich die Geschichte der letzten Jahrzehnte noch einmal abspielt und zu
               einer endgültigen Katastrophe führt. So betont der Verfasser des Aufsatzes richtig
               und sagt weiter: Wenn dagegen die Massen stark genug sind, ihren Weg in die Zukunft
               gegen die festgewurzelte Macht der traditionellen herrschenden Klassen zu erzwingen,
               dann erhebt sich die Frage, wie eine rationale Organisation der Weltwirtschaft
               entwickelt werden kann, ohne gleichzeitig einen ebenso tyrannischen Mechanismus zu
               schaffen, wie das der Kapitalismus getan hatte. Es wird gefragt: Wie können
               Sicherheit und ein angemessener Lebensstandard für alle im Einklang mit der
               unbegrenzten Produktionskraft der Menschheit, ohne deren völlige Mechanisierung und
               Selbstentfremdung, erreicht werden? Immer wieder erneute staatliche Maßnahmen zur
               Stützung der privatkapitalistischen Wirtschaft können nach beiden Seiten nicht
               befriedigen. Ebenso nicht faschistische oder marxistische Lösungsversuche
               verschiedener Art.</p>
         <p>Das Christentum soll nun vorhin gestellte Frage beantworten. Technische Ratschläge soll
               das Christentum nicht geben. Das braucht es auch nicht. Nach richtiger Ansicht des
               Verfassers obenangeführten Aufsatzes liegt überhaupt das Problem eines
               Wirtschaftssystems, das allen bessere Lebensbedingungen geben kann, weit mehr auf dem
               Gebiet politischer und moralischer Entscheidungen. Es liegt auf jenen Gebieten, in
               denen religiöse Prinzipien entscheidend sind. Damit ist das Entscheidende gesagt.</p>
         <p>Ehe ich jedoch nun den Weg zur Schaffung einer besseren Wirtschafts- und
               Gesellschaftsordnung zeige, muß ich zuerst mit allem Nachdruck betonen, daß es
               niemals zu der schweren Krise gekommen wäre, wenn die Gebote des Christentums auch in
               diesen Bezirken befolgt worden wären. Um die Wahrheit dieser Behauptung zu erkennen,
               ist jedoch eine klare Stellung zum eigentliche Wesen des Christentums notwendig. Es
               könnte ja die Frage gestellt werden, weshalb denn nun den Forderungen des
               Christentums auch im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben der Vorrang gegeben werden
               soll. Sieht überhaupt der nur auf materiellen Erfolg bedachte, Gefühlseinflüsse
               verdrängende, kalt und zielbewusst denkende Wirtschafter es als vernünftig an, diesen
               Weg zu beschreiten? Wir müssen also, wie schon vorhin betont, tiefer in das Wesen es
               Christentums eindringen. Ist die christliche Lehre nur die Botschaft eines großen <hi rend="underline">Menschen</hi> der Weltgeschichte, den wir in eine Reihe stellen
               können mit vielen anderen genialen <hi rend="underline">Menschen</hi> der
               Weltgeschichte? Oder ist diese Lehre das absolute, von <hi rend="underline"><rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesus Christus</rs>,– in dem Gott,
                  das allmächtige alles überragende Geistwesen, Menschengestalt annahm –</hi>,
               verkündete Lebensgesetz, woran alle Menschen gebunden sind? Im ersteren Falle können
               auch andere Religionen, Weltanschauunge<supplied>n,</supplied> philosophische
               Systeme, Regierungserklärungen von Staatsführern oder Auffassungen anderer, im
               Blickfeld der Völker stehende, Persönlichkeiten, oder auch eigene Gedanken, als
               Richtschnur in Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnun<supplied>g</supplied>
               gelten. Im zweiten Fall geht das nicht. Wirtschaft und Gesellschaft sind
               unbedingttnach der Lehre des Christentums zu ordnen. Ich verkenne hierbei jedoch
               nicht, daß auch dem Christentum verwandte Anschauungen, wenn sie tatsächlich
               praktisch verwirklicht werden, viel Gutes schaffen können. Wenn aber die Menschheit
               sich heute auf allen auf allen Lebensgebieten in einer so totalen Krise befindet,
               wenn überhaupt kein Weg gesehen wird, der in eine bessere Zukunft führt, dann kann
               auch nur eine totale Lösung helfen. Halbheiten schaffen es nicht mehr. Diesen
               Standpunkt muß man auch in der Frage des praktischen Christentums im Wirtschafts- und
               Gesellschaftsleben einnehmen, wenn man zum Christentum die klare Einstellung gewonnen
               hat, von der vorhin die Rede war. Ist jedoch die Menschheit in ihrer Mehrheit in den
               sogenannten kultivierten Ländern anderer Auffassung (ich denke hierbei an die starken
               marxistischen Strömungen in allen Ländern) dann soll dieser Weg auch kompromislos
               beschritten werden. Ich selbst<pb n="2"/>erkenne klar die Schwächen dieses Systems.
               Grundsätzlich handelt es sich dabei ja auch um die Durchdringung der Menschheit mit
               einer bestimmten Weltanschauung, die man an die Stelle einer Religion oder einer von
               dieser getragenen Weltanschauung setzen will.</p>
         <p>Nun könnte gesagt werden: Im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben braucht also nur nach
               den Grundsätzen des Christentums gehandelt zu werden und die Krise in diesen
               Lebensbezirken wird sich lösen. Tatsächlich würden dann bessere Lebensverhältnisse
               herbeigeführt werden, wie jeder tiefere Denker leicht erkennen kann. Weshalb sind
               diese besseren Verhältnisse aber bis heute nicht eingetreten und worin liegt für die
               Menschen die Schwierigkeit zu deren Herbeiführung. Sie liegt darin, daß die Menschen,
               statt an die absolute Wahrheit und Weisheit der christlichen Lehre zu glauben und
               nach derselben zu leben, ihrem kleinen Verstand, der alles besser wissen wollte,
               gefolgt sind. Dieser betete vor allen die Macht der Materie in jeder Form an. So war
               es immer und so ist es leider auch heute noch. Gerade in unserem Jahrhundert ist die
               Macht dieses Götzen gewaltig gewachsen und auch die Schrecken der vergangenen letzten
               Jahrzehnte haben dieser Macht keinen großen Abbruch getan. Die Entscheidung für oder
               gegen christliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung liegt also auch heute, wie
               immer, im freien Willen der Menschen selbst. Hat aber die Mehrheit der Menschen in
               den sogenannten Kulturländernntrotz des christlichen Kraftfeldes, in dem sie lebt,
               sich nicht schon wieder gegen eine wirkliche Besserung der Verhältnisse im
               Wirstschafts- und Gesellschaftsleben aus christlichem Geiste heraus, entschieden?
               Zieht man nicht erneut die vernünftiger scheinende Lösung aus dem Geiste des
               Materialismus auf allen Lebensgebieten vor? Man kann zwar heute erfreulicherweise
               häufiger von führenden Staatsmännern, Parteiführern usw. hören, daß allein das
               Christentum das Chaos entwirren könne. Wo aber bleiben die entscheidenen Taten im
               Leben der einzelnen Völker und in deren Zusammenleben mit den anderen Völkern der
               Erde? Mit einer noch so intensiven Verkündigung der christlichen Grundsätze durch die
               Kirchen und auch durch die Laienwelt ist die Macht des Materialismus, die dieser auf
               den größten Teil der Menschheit ausübt, nicht zu brechen. Ja, nicht einmal mehr durch
               das gute Beispiel weniger wirkliche<supplied>r</supplied> Tatchristen, das man
               vielleicht für edel, andererseits aber nicht für klug hält. Man glaubt nicht mehr an
               die höhere Vernunft einer Lösung der heutigen Krise aus christlichem Geiste, mag man
               dafür sich theoretisch zur Zeit in Wort und Schrift auch noch so sehr einsetzen.
               Andere Weltanschauungsgemeinschaften mit verwandten ethischen Grundsätzen erleben den
               gleichen Mißerfolg. Die Menschheit muß mit viel stärkeren Mitteln davon überzeugt
               werden, daß sie sich auf dem Irrwege befindet. Es geht in Wirklichkeit um die
               tatsächliche praktische Überwindung des Geistes des Materialismus, der sich ja im
               Wirtschafts- und Gesellschaftsleben so verderblich auswirkt. Ist das Christentum
               stark genug, diesen Geist mit realen Mitteln zu überwinden? Meines Erachtens
               bestimmt! Aber wie?</p>
        <p>Im Folgenden kann ich nur den Weg hierzu weisen. Den tatsächlichen Beweis für die
               Richtigkeit meiner bestimmten Überzeugungen muß die wissenschaftliche Forschung
               erbringen.</p>
        <p>Hier kurz meine Gedanken: Der Mensch ist ein Wesen das Gutes oder Böses denken und wollen
               kann. Das was gut (vernünftig) oder böse (unvernünftig) ist, wird allein richtig
               durch die christliche Religion dargelegt. Auf Grund der Lehre dieser Religion und
               auch bei unvoreingenommenem Nachdenken ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der
               Mensch mit Seele, Geist und Leib an das absolut Gute durch seinen Schöpfer Gott
               gebunden ist. Das heißt: Lebt der Mensch nach dem Gesetze des Guten (Vernünftigen),
               muß das auch für sein geistiges und leibliches Leben gut sein. Ein Leben unter
               Ausserachtlassung dieses Grundgesetzes, also ein böses (unvernünftiges) Leben,
               schädigt des Menschen geistiges und leibliches Leben im wahrsten Sinne des Wortes.
               Das Geheimnis der tiefsten Entstehungsursache geistiger und körperlicher Krankheiten
               wird damit offengelegt. Im Zusammenhang sind die Anfänge des vielgestaltigen Leides
               überhaupt in dieser Welt zu erkennen<supplied>.</supplied> Die letzten Sätze wären
               nun in vieler Hinsicht noch näher zu erläutern, was ich jedoch im Rahmen dieses
               kurzen Aufsatzes unterlasse. Es kommt mir vorerst auf das Wesentlichste an. Zudem
               will die Welt ja die Richtigkeit meiner Behauptungen bewiesen haben. Es wäre also im
               Interesse der gesamten Menschheit eine vordringliche Aufgabe der führenden
               wissenschaftlichen Forscher gemeinsam in dieser Richtung ihre Arbeit zu beginnen. Ich
               beziehe mich hierbei auf einen kurzen Hinweis eines Aufsatzes in Nr. 2 der Neuen
               Auslese über <q>Die neuen Grenzen des Geistes</q> von <rs ref="#tillich_person_id__4902" type="person">I.D. Bernal</rs>, worin letzterer
               anführte, daß das große physiologisch-psychologisc<supplied>he</supplied><pb n="3"/> Problem der
               Beziehungen zwischen Körper und Geist noch der Lösung harrt. Die Forschungsarbeiten
               auf den mir diesem Problem zusammenhängenden verschiedenen Wissenschaftsgebieten
               (Religionsphilosophie, Anthropologie, Biologie, Psychologie, Psychiatrie, Medizin,
               Blutforschung usw.) mögen nicht leicht sein. Ich bezweifle jedoch nicht, daß bei dem
               hohen Stand der heutigen Forschungsmethoden und ihren technischen Hilfsmitteln die
               Resultate letztlich die Richtigkeit meiner Behauptungen beweisen werden. Der
               Schlüssel für die Beweisführung liegt meines Erachtens in der immer schärferen
               Erkennung der Blutbildunterschiede beim einzelnen Menschen und dessen
               seelisch-geistiger Verfassung.</p>
        <p>Die Bestätigung der Richtigkeit der in meinen Ausführungen betonten Gesetzmäßigkeiten in
               den Beziehungen zwischen Seele, Geist und Leib durch die wissenschaftliche Forschung
               ist das Mittel zur Brechung der dämonischen Gewalt des unbezähmten materialistischen
               Geistes auf die Menschen.</p>
        <p>Im Verfolg dessen würde das Denken der Menschen überhaupt von Grund auf revolutioniert
               werden. Die entsprechenden Auswirkungen auf allen Lebensgebieten und damit auch auf
               Wirtschaft und Gesellschaft, würden nicht ausbleiben. Christliche Staatsmänner, in
               ihrer Haltung gestärkt durch diese neuen Erkenntnisse der Wissenschaft, sähen mit
               größerer Klarheit welche gesetzlichen Maßnahmen notwendig sind, eine nunmehr wirklich
               in die Tat umzusetzende christliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung fest zu
               untermauern. Die diesbezüglichen Rundschreiben des Führers der katholischen
               Christenheit, des Papstes in <rs ref="#tillich_place_id__369" type="place">Rom</rs>
               als Stellvertreter <rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesu Christi</rs>
               hier auf Erden, würden ihnen mehr als bisher richtungsweisend sein.</p>
        <p>Wenn dann sekundär nur noch ein gesunder Geist in materiellen Dingen Einfluß im
               Wirtschaftsleben hat, werden die vielen Probleme in diesem Bereich weniger schwer zu
               lösen sein. Aber gelöst werden müssen sie hier, wie auch auf anderen Gebieten des
               menschlichen Zusammenlebens. Die Kreise, die der Inhalt dieses Aufsatzes bezüglich
               einer Besserung der allgemeinen Lebensverhältnisse in erster Linie angeht, mögen sich
               nicht täuschen. Es geht um die Erhaltung der persönlichen und wirtschaftlichen
               Freiheit; allerdings nur innerhalb der aufgezeichneten Grenzen. Im anderen Falle ist
               diese Erhaltung der Freiheit überhaupt nicht mehr möglich.</p>
        <p>Der hohe moralische Wert der christlichen Lebensauffassung und die angeführten
               wissenschaftlichen Erkenntnisse machen es dem Menschen der Zukunft leichter, sich von
               der dämonischen Gewalt des Götzen Materialismus-Kapitalismus, der hauptsächlich das
               Wirtschaftsleben beherrscht, zu befreien.</p>
         <p>Sicherheit und ein angemessener Lebensstandard für alle im Einklang mit der unbegrenzten
               Produktionskraft der Menschen, ohne deren völlige Mechanisierung und
               Selbstentfremdung kann dann mühelos erreicht werden.</p>
         <p>Die zu erwartende geistige Neugeburt der Menschheit wird aber im übrigen soviel wertvolle Kräfte freimachen, die, 
         in Verbindung mit dem überreichen Segen, den die üppige Fülle der Natur den Menschen im Weltganzen gesehen
         immer gespendet hat, eine glücklichere Weltepoche einleiten.</p></div>
      
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   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__279">
                  <placeName>Marburg an der Lahn</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32121710</idno>
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                  <placeName>Gürzenich</placeName>
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                     <geo>50.79173 6.44338</geo>
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                  <placeName>Rom</placeName>
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                     <geo>41.89193 12.51133</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/3169070/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q220</idno>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__981">
                  <persName>Jesus von Nazaret</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118557513</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Jesus von Nazaret (Anfang des 1. Jhdts.) war ein Wanderprediger und Lehrer aus Galiläa, der mit seiner Verkündigung von Liebe, Umkehr, Gerechtigkeit und dem bevorstehenden Reich Gottes schnell Anhänger fand. Den neutestamentlichen Berichten zufolge durchwanderte er mit zwölf Jüngern Judäa und Galiläa, vollbrachte Heilungen und reizte die religiösen Autoritäten durch seine unkonventionelle Deutung der Tora. Unter dem römischen Präfekten Pontius Pilatus wurde er in Jerusalem unter dem Verdacht des Aufruhrs gekreuzigt. Seine Anhänger verkündeten daraufhin seine Auferstehung, woraus das frühe Christentum entstand. Seine Gestalt prägt bis heute Theologie, Kultur und Geschichte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4902">
                  <persName>Bernal, John Desmond</persName>
                  <birth>
                     <date>1901-05-10</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Nenagh</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1971-09-15</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__271">London</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Naturwissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118953958</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4901">
                  <persName>Moll, Wilhelm</persName>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>