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         <titleStmt>
            <title>Brief von Walther Werner an Paul Tillich vom 4. Juni 1948</title>
            <author ref="#tillich_person_id__2588">Walther Werner</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 203(11)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__2588">Walther Werner</persName>
               <date when="1948-06-04">04.06.1948</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__2588">Korrespondenz mit Walther Werner</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__2588" target="L11165.xml">Brief von Paul Tillich an Walter Wernervom 21. Juni 1948</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11144.xml">Brief von Louise Werner an Paul Tillich vom 4. Juni 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11150.xml">Brief von Fedor Stepun an Paul Tillich vom 6. Juni 1948</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1948-06-04"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2026-03-10">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><rs ref="#tillich_place_id__236" type="place">Kassel</rs>, Reginestr. 12 <date when="1948-06-04">4.6.48</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>!</salute>
            </opener>
            <p>Die Zeit war zu kurz – zu gern hätte ich noch mit Dir gesprochen, über vieles, was
               uns bewegt, und was wir gern mit Dir besprochen hätten. Aber ich hoffe
               zuversichtlich, Du wirst uns noch mal Gelegenheit geben zu ein paar Stunden zum
               Plaudern.</p>
            <p><rs ref="#tillich_person_id__2039" type="person">Oma</rs> war heute selig. Dein Paket
               kam an, aus <rs ref="#tillich_place_id__143" type="place">Frankfurt</rs>
               ausgezeichnet verpackt, und mit grandiosem Inhalt. Unsere alte Kaffeetante war
               beglückt über den Kaffee, zwei Büchsen! Übrigens sind die hier zusammengestellten
               Pakete fast zweckmässiger als die Original-Carepakete, die Qualität der Sachen ist
               offenbar auch besser. Allerdings haben wir die Fleischbüchsen noch nicht aufgemacht.
               Sehr gute Schokolade, die Oma, allerdings beide Omas und ich leider auch, ruckartig
               verkonsumiert hat. Heute mittag sagte sie strahlend: So, jetzt ist sie alle! Gott sei
               Dank!</p>
            <p>Hab vielen herzlichen Dank. Ich habe in den letzten Wochen, die wirklich sehr schwer
               waren, mich bemüht, alles ran zu schaffen, was ich konnte. Aber so gross sind meine
               Möglichkeiten nicht und die Mittel beschränkt. Wir – fressen noch <rs ref="#" type="person">Oma Albrecht</rs>s <!-- unklar, wer gemeint ist -->Brilliantohrringe
               auf, – die ich vorigen Sommer vertauschte, mir davon Instrumente organisierte,
               Operationsmöbel etc., das Haus bezw. die Wohnung bestreite und den Rest jagen wir
               durch die Gurgel, allerdings in fester Form. So habe ich die Omas vor dem
               dringendsten auch bewahren können, aber ohne die amerikanische Hilfe wäre es ganz
               ausgeschlossen gewesen, da ich ja doch vor allem Produktionsmittel für meine Existenz
               schaffen musste, also Kleider u. dergl.<pb n="2"/> kommen gar nicht in Frage. Nur vor
               Hunger musste ich sie schützen, und da<supplied> ha</supplied>ben die Pakete von
               Brubaker und Kilde grossartig geholfen. Bitte versäume doch nicht, Ihnen selbst meine
               tiefe, tiefe Verbundenheit auszudrücken. Ich versuche wenigstens, die Liebe, die sich
               in der Beiden Tun kundgibt, nach meinen Kräften weiterzugeben. Und das ist nicht nur
               für die eigene Eitelkeit befriedigend, sondern sogar nutzbringend. Denk nur, heute
               kam ein Mann, dessen Tochter ich (ohne Entgelt) vor Monaten wegen seiner Notlage mal
               helfen konnte, und brachte eine halbe Hammelkeule!</p>
            <p><rs ref="#" type="person">Oma Albrecht</rs> ist vorgestern noch in das
               Elisabethkrankenhaus aufgenommen wegen, wegen der unsagbaren Schwäche und
               Unterernährung. Einen Organbefund haben wir nicht, ausser Heimweh und Unterernährung.
               Die andere Umgebung wird ihr guttun. <rs ref="#" type="person">Heidi</rs><!-- unklar wer gemeint ist --> soll auch hin, sie hat dauernd Fieber ohne
               fassbare Ursache, die körperliche Resistenz ist zu geschwächt. Sie war schon im
               Hersfelder Krankenhaus, aber sie musste wegen Ueberbelegung mit Infektionskrankheiten
               nach zwei Tagen ungeklärt wieder entlassen werden. </p>
            <p>Am Dienstag kam <rs ref="#tillich_person_id__4718" type="person">Walter
                  Krust-Ortlieb</rs> zu mir, der Chefredakteur der Kasseler Zeitung, eine sehr
               sympathische Figur, überparteilich, und ich glaube, wirklicher Idealist im Sinne
               eines Humanismus. Er ist sehr erfreut, dass Du prinzipiell bereit bist, zu uns privat
               in <rs ref="#tillich_place_id__236" type="place">Kassel</rs> zu sprechen. Thema?
               Deine Vorschläge erbitten wir. Der Kreis der Menschen, der Dich <hi rend="underline">gerne</hi> hören möchte, ist vielfältig. Ganz Junge, Unerfahrene, dialektisch
               ungeübte Jungens, Theologen, Wirtschaftler, Aerzte, Politiker aus allen Lagern. Es
               soll auf keinen Fall irgendeinen politischen oder offoziellen Anstrich haben. Ganz
               privat, im privaten Kreis, vielleicht mit Beisammensein hinterher für einige Stunden.
               Quartier (einfach)<pb n="3"/> entweder bei mir oder anders wo besorge ich für Dich,
               dass Du nicht nachts zu fahren brauchst. Du glaubst nicht, wie gross der Hunger nach
               Worten aus der <q>anderen</q> Welt ist, und wie gross die Aufnahmebereitschaft.</p>
            <p>Es wäre sehr schön von Dir, wenn Du uns einen Termin sagen könntest und Deine Wünsche äussern
            würdest über Form und Umfan<supplied>g</supplied>.</p>
            <p>Soll der Bürgermeister gebeten werden? Oder sieht das politisch aus? Soll die Auswahl
               nach einem bestimmten Niveau der Begriffsmöglichkeit getroffen werden? Bitte äussre
               doch ganz kurz Deine Wünsche. Wir hoffen sehr auf Dich! Die Diskussion mit dem
               Einzelnen ist doch der einzige Weg für uns, Klarheit zu suchen und einen Weg
               zueinander zu finden.</p>
            <p> <rs ref="#tillich_person_id__2039" type="person">Oma</rs> lässt tausendmal danken! Sie wird selbst noch schreiben, aber
            dieser Brief soll fort.</p>
            <p>Ist Dir <rs ref="#tillich_person_id__4719" type="person">Prof. Dr. med. Sippel</rs>
               noch ein Begriff? Er kennt Dich auch persönlich von irgend einer Diskussion über <rs ref="#tillich_person_id__1394" type="person">Nietzsche</rs>. Er ist jetzt Leiter
               der Ärztekammer hier. Mit <rs ref="#tillich_person_id__1696" type="person">Schafft</rs><!-- Zuordnung unklar --> war ich gestern in einer Versammlung der
               Ev. Kirche, Hilfswerk, Flüchtlingsprobleme. Ich konnte ihn aber nicht sprechen. Ich
               vermute, er lehnt uns wegen seiner politischen Bindung a priori ab, aber leider
               sicher, ohne uns gehört zu haben. Er kennt sicher nur den Radau des Wahlkampfes. Das
               bedaure ich sehr. Ich habe ihn zum ersten Male gesehen und weiss sonst nichts von
               ihm.</p>
            <p>Wenn es Dir möglich ist, mach unsere Bitte wahr und schreib bald.</p><closer>
              <salute>Mit herzlichen Grüssen</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__2588" type="person"><hi rend="hand">Walther Werner</hi></rs></signed>
            </closer>
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                  <placeName>Frankfurt am Main</placeName>
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                     <geo>50.11552 8.68417</geo>
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               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__236">
                  <placeName>Kassel</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>51.31667 9.50000</geo>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32067925</idno>
               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__4718">
                  <persName>Krust-Ortlieb, Walter</persName>
                  <occupation>Chefredakteur Kasseler Zeitung</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2588">
                  <persName>Werner, Walther</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Er war der jüngere Bruder von Hannah Tillich.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1394">
                  <persName>Nietzsche, Friedrich</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118587943</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Friedrich Nietzsche (15. Oktober 1844 – 25. August 1900) war ein deutscher Philosoph und Autor. Nach altphilologischem Studium wirkte er ab 1869 als Professor in Basel. Sein Frühwerk zur Tragödie führte zum Bruch mit dem Komponisten Wagner und zum Austritt aus dem akademischen Lehramt. Als unabhängiger Schriftsteller – geprägt von chronischen Leiden – verfasste er mehrere Hauptwerke, in denen er metaphysische und christliche Traditionen attackierte und Konzepte wie Machtwirksamkeit, zyklische Zeit und eine posthumane Existenzform entwickelte. 1889 erlitt er einen psychischen Kollaps und verbrachte seine letzten Jahre in Weimar.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1696">
                  <persName>Schafft, Hermann</persName>
                  <birth>
                     <date>1883-12-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Langenstein b. Halberstadt</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1959-06-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__236">Kassel</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Pädagoge, Direktor und Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/140540970</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hermann Schafft (2. Dezember 1883 – 2. Juni 1959) war ein deutscher evangelischer Theologe, Professor und Regierungsdirektor in Kassel. Nach dem Studium in Halle, Berlin und Tübingen wirkte er als Pfarrer, Militärseelsorger und später in leitenden kirchlichen und pädagogischen Funktionen. Als religiöser Sozialist engagierte er sich in der Neuwerk-Bewegung und war Herausgeber der Zeitschrift Neuwerk. 1933 wurde er aus politischen Gründen beurlaubt und frühzeitig in den Ruhestand versetzt. Nach 1945 übernahm er auf Vorschlag seines engen Freundes Paul Tillich das Amt eines Regierungsdirektors in Kassel und war für das Schulwesen in Nordhessen zuständig.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2039">
                  <persName>Werner, Louise</persName>
                  <birth>
                     <date>18??-08-21</date>
                  </birth>
                  <note type="bio">
                     <p>Louise Werner (Lebensdaten unbekannt) war die Mutter von Hannah Tillich. Mehr biographische Informationen sind derzeit nicht bekannt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4719">
                  <persName>Sippel, ?</persName>
                  <occupation>Arzt</occupation>
               </person>
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