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                <title>Brief von Paul Tillich an Hannah Arendtvon Juli 1947</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
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            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
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                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
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                    </address>
                </publisher>
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                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__554">Washington, D. C.</settlement>
                        <institution>United States Congress</institution>
                        <repository>Library of Congress</repository>
                        <collection>Hannah Arendt Papers</collection>
                        <idno>MSS 11056, Box 16,
                            010290–010291<!-- 010290–010294 würde Sinn ergeben (und von der Zählung passen, weil es darauf mit Nr. 010295 weiter geht), aber es von den vier Seiten ist je nur die vordere nummeriert. --></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, eigenhändig; als Abschrift überliefert.</p>
                    </physDesc>
                    <additional>
                        <listBibl>
                            <biblStruct type="journal" n="firstPrint">
                                <monogr>
                                    <author>Alf Christophersen</author>
                                    <author>Claudia Schulze</author>
                                    <title>Chronologie eines Eklats. Hannah Arendt und Paul
                                        Tillich</title>
                                    <imprint>
                                        <pubPlace ref="#tillich_place_id__37">Berlin/</pubPlace>
                                        <pubPlace ref="#tillich_place_id__70">Boston, MA</pubPlace>
                                        <date when="2002">2002</date>
                                        <biblScope>98–156, hier: 138</biblScope>
                                    </imprint>
                                </monogr>
                                <series>
                                    <title>Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift
                                        für Neuere Theologiegeschichte</title>
                                    <biblScope>Bd. 9, H. 1</biblScope>
                                </series>
                            </biblStruct>
                        </listBibl>
                    </additional>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <date when="1947-07" notBefore="1947-07-04">07.1947</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__75"> Hannah Arendt</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__75">Korrespondenz mit  Hannah Arendt</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__75" target="L11087.xml">Brief von Paul Tillich an Hannah Arendtvon Juni 1947</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10255.xml">Brief von Paul Tillich an Fritz Medicusvon 1936</ref></correspContext></correspDesc>
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                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
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        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2026-05-02" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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    </teiHeader>
    <text type="letter">
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                <pb n="1"/>
                <opener>
                    <dateline><hi rend="u">Thursday night</hi></dateline>
                    <salute>Liebe <rs ref="#tillich_person_id__75" type="person">Hannah</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Nun bin ich zwar unter dem Eindruck des Briefes von Glazel<note type="ea">Liegt
                        nicht vor.</note> so klug als wie zuvor danke Ihnen aber sehr für Ihr
                    Bemühen und möchte fragen, ob ich nicht vielleicht <hi rend="u">aus
                        Versehen</hi> aufgefordert bin? Ich muss nur noch bitten, mir das Schreiben
                    aus <rs ref="#tillich_place_id__225" type="place">Jerusalem</rs>
                    zurückzuschicken. Danke!</p>
                <p>Anbei eine Money Order für den <rs ref="#tillich_person_id__1008" type="person">Kafka</rs>. Es ist sehr lieb von Ihnen, dass Sie es auf Ihren Namen
                    bestellt haben! Noch mal: Danke!<pb n="2"/></p>
                <p>Und nun wollen Sie dass ich was berichte. Dieses werde ich nicht tun, da <rs ref="#tillich_person_id__3339" type="person">Hilde</rs> Ihnen alles erzählen
                    kann. Sie war hier als Sekretärin und ich habe ihr 60 Briefe nach <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> diktiert. Jetzt
                    schwimmt sie im Mina Lake und scheint ganz glücklich zu sein. Sie hat sich <hi rend="u">sehr</hi> über den <rs ref="#tillich_person_id__1008" type="person">Kafka</rs> gefreut. Zum dritten Mal Danke!</p>
                <p>Ich kann nur etwas über die sogenannte Seele schreiben. Sie ist in einem Stadium
                    kontinuierlicher Depression. Es ist sehr schön hier und sehr harmonisch mit den
                        <rs ref="#tillich_person_id__1624 #tillich_person_id__" type="person">Roberts</rs>, und<pb n="3"/> mein Buch geht langsam vorwärts, <q>aber etwas
                        fehlt</q>, wie es in der Oper
                    Mahagonni<!-- <note type="ea"><q>Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny</q> – Oper von Bertold Brecht (Libretto) und Kurt Weill (Musik).</note> -->
                    heisst! Oder es ist zu viel da: Die Last der Forderung vieler Menschen bei
                    abnehmender Kraft. Oder das Wissen um das Ende, das eigene und das einer Kultur.
                    Oder das Ausgestossensein aus der Geschichte, teils erzwungen, teils aus totaler
                    Verzweiflung an ihr. Oder die alten und immer neuen menschlichen Konflikte. Oder
                    der Konflikt von Sein und Sollen im Ich. I became a less and less well adjusted
                    child. Aber das Er<pb n="4"/>gebnis ist nicht eine Wendung gegen das was
                    adjustment fordert (wie noch bei Ihnen) sondern eine Wendung gegen das Selbst
                    und infolgedessen <q>unglückliches Bewußtsein</q>.<!-- Hegel Anspielung --></p>
                <p>Was sagt die weise Frau aus der Tiefe ihrer Seele (or out of her pragmatic
                    experience)?</p>
                <p>Eine Antwort würde den dreifachen Dank in einen 3x3 fachen verwandeln!</p>
                <closer>
                    <signed>Ihr <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">P. T.</rs>
                    </signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1008">
                  <persName>Kafka, Franz</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Franz Kafka (3. Juli 1883 – 3. Juni 1924) wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Prag auf und studierte dort Jura. Neben seiner Anstellung bei einer Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt begann er unter dem Einfluss Max Brods literarisch zu veröffentlichen. Ab 1912 entstanden mit Das Urteil, Die Verwandlung sowie den Romanentwürfen Der Verschollene, Der Process und Das Schloss seine prägenden Werke, die innerfamiliäre Herrschaft und existenzielle Bedrohung zum Thema haben. Sein Leben war von schwierigen persönlichen Beziehungen und Krankheit überschattet. 1924 starb er an Tuberkulose. Durch die editorische Arbeit Brods wurde er postum zu einem der einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts, dessen Werk das Adjektiv kafkaesk hervorbrachte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1624">
                  <persName>Roberts, David</persName>
                  <occupation>Amerikanischer Theologe</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>David Everett Roberts (1911–1955) war ein amerikanischer Philosoph, der sich mit Ethik und Religionsphilosophie befasste. Er lehrte in den Vereinigten Staaten und suchte in seinen Arbeiten nach einer Vermittlung zwischen christlicher Theologie und moderner Existenzphilosophie. Roberts gilt als Vertreter einer generationellen Übergangsfigur zwischen klassischem Idealismus und personalistischem Denken der Nachkriegszeit.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3339">
                  <persName>Fränkel, Hilde</persName>
                  <occupation>Sekretärin von Paul Tillich</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__75">
                  <persName>Arendt, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1906-10-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Linden (Hannover)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1975-12-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>New York, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philosophin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11850391X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden geboren. 1933 musste die jüdisch stämmige Philosophin Deutschland zunächst verlassen und ging nach Frankreich. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich emigrierte sie später in die Vereinigten Staaten. Besondere Aufmerksamkeit erlangte sie unter anderem für ihr Werk Eichmann in Jerusalem, das sie nach ihrer Teilnahme am Adolf-Eichmann-Prozess verfasste. Darin prägte sie vor allem das Konzept der „Banalität des Bösen“. Wie Paul Tillich zählt auch Hannah Arendt zu den Public Intellectuals des 20. Jahrhunderts.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__225">
                  <placeName>Jerusalem</placeName>
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                  <placeName>Deutschland</placeName>
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