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      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 1. September 1946</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1928"> Paul Tillich</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>Deutschland</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__143">Frankfurt a.M.</settlement>
                  <institution>Goethe-Universität Frankfurt</institution>
                  <repository>Universitätsbibliothek Frankfurt</repository>
                  <collection>UBA Ffm</collection>
                  <idno>Na 1<!-- Johann Wolfgang Goethe-Universität, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Archivzentrum: UBA Ffm Na 1 25  --></idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
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         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
               <date when="1946-09-01">01.09.1946</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__931">Max Horkheimer</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__931">Korrespondenz mit Max Horkheimer</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10941.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 08. Mai 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L11085.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 28. Mai 1947</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10995.xml">Brief von Friedrich Spiegelberg an Paul und Hannah Tillich vom 28. August 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11001.xml">Brief von Gerhard Heinzelmann an Paul Tillich vom 2. September 1946</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="Deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1946-09-01"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2026-02-15">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><rs ref="#tillich_place_id__769" type="place">East Hampton, Long Island, N.Y.</rs> <date when="1946-09-01">Sept. 1 1946</date></dateline>
               <salute>Ihr lieben <rs ref="#tillich_person_id__931" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1213" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Vier</rs></rs></rs>!<!-- vierte Person vermutlich Adorno --></salute>
            </opener>
            <p>erste Antwort auf viele Briefe und Telegramme an meinem 60<hi rend="above">ten</hi>
               Geburtstag soll an Euch gehen. Sie ist mit Bleistift geschrieben, da es mit meinem
               geschenkten Dauer-Füll-Federhalter nicht weit her ist. Mein Dank muss in 4 Teile
               zerfallen. Der erste Teil betrifft Euch nur indirekt, insofern nämlich <rs ref="#tillich_person_id__1213" type="person">Leo</rs> als Euer Vertreter (und sein
               eigner) nicht nur hier war, sondern auch eine wunderschöne, warme Geburtstagsrede auf
               mich gehalten hat. Ich fühlte durch seine Worte hindurch Euch alle – Der zweite Teil
               ist landwirtschaftlich und ist darin begründet, dass Ihr mir nicht nur den Ankauf des
               Hauses (des eigentlichen ganz grossen Geburtstagsgeschenkes) ermöglicht habt, sondern
               auch <pb n="2"/> noch eine landwirtschaftliche Maschine, einen lawnmower, dazu
               geschenkt habt. Er ist zwar noch nicht in Erscheinung getreten, wird es aber, sobald
               etwas auf dem Markt ist. – Der dritte Teil des Danks ist alkoholisch: 2 grosse Kisten
               stehen zu Haus, und der <rs ref="#tillich_person_id__1213" type="person">Leo</rs> hat
               noch 2 besonders schöne Flasche mitgebracht. Dass Ihr meine dionysischen Elemente
               unterstützt ist der Ausdruck dafür, dass Ihr mich wirklich und richtig seht. – Und
               der vierte Teil des Dankes richtet sich ganz speziell an <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Fred</rs>. Vorgestern kam der
               Aufbauartikel über den 60 jährigen <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillich</rs>, der mir noch eine Reihe sehr netter Glückwünsche eingebracht
               hat. Er ist so gut geschrieben, wie ich es mir nur hätte wünschen können. Er ist
               natürlich viel zu nett und entschuldigt rührenderweise sogar meine politische Sünde
               (für die mir <rs ref="#tillich_person_id__1610" type="person">Riezler</rs> auf einer
               geistreichen Postkarte ein Californisches Klos-<pb n="3"/> zwecks Ablässung
               vorschlägt). Haben Sie Dank, vielen Dank, und glauben Sie mir, dass <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> und ich oft an Euch
               herüberdenken und etwas traurig in dem Bewusstsein sind, dass Euer aller Hiersein
               immer kürzer und Euer Dortsein immer länger sein wird.</p>
            <p>Ich habe 6 sehr arbeitsreiche Sommerkurswochen in <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> (gewöhnlich 10, in einer Woche 20 Stunden Kolleg im New
               Yorker Klima). Hier ist es schon recht kühl und herbstlich in der Stimmung, ich
               arbeite immer noch viel im Garten, aber weniger als im Mai-Juni. Der Jungle wird
               zurückgedrängt, die Weinbeeren werden blau, das Gras leuchtet im saftigen Grün.
               Gemüse ist mehr da, als wir essen können, das Meer rauscht zum Fenster herein, und
               der Regen, der regnet <unclear>jeglichen</unclear> (zweiten) Tag.– Die letzten 3 Tage
               war <rs ref="#" type="person">Cohn</rs><!-- unklar wer gemeint ist --> hier, noch
                  ziemlich<pb n="4"/> frisch von <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> zurück, trotz seiner Ruhe und Nüchternheit aufs Tiefste erregt
               über das gebrochene moralische Rückrat und die Hoffnungslosigkeit der Deutschen, über
               den steigenden Kampf gegen <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> und die Reaktion in manchen Lagern hier. Er hat Unglaubliches
               gesehen und gehört, aber er ist auch ohne den Enthusiasmus, der ihm an sich möglich
               ist. (Confidential!) </p>
            <p>Als Symbol für die Art wie ich mir mein Alter vorstelle, kann ich Euch erzählen, dass
            ich einen griechisch-englischen Plato und einen ebensolchen Aristoteles geschenkt bekommen habe und
            dass alle Studenten in ihren Briefen mich drängen, die Dogmatik zu schreiben.</p>
            <p>Wird der Geist, der dafür nötig ist, über mich kommen? Helft mir dazu! Ich kämpfe mit abgründigen 
            Defaitismus.</p>
            <closer>
               <salute>In Dank und Freundschaft<lb/>Euer</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs></signed>
            </closer>
         </div>
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   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__376">
                  <placeName>Russland</placeName>
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                  <placeName>Deutschland</placeName>
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                  <placeName>East Hampton (NY)</placeName>
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                  <placeName>New York City</placeName>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1213">
                  <persName>Löwenthal, Leo</persName>
                  <occupation>deutscher Literatursoziologe</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1521">
                  <persName>Pollock, Friedrich</persName>
                  <occupation>Deutscher Soziologe und Ökonom</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Bereits als Jugendlicher lernte er Max  Horkheimer kennen, mit dem gemeinsam er zeitlebens in Arbeitsteilung und engster Freundschaft zusammenlebte. Ab 1919 Studium der Nationalökonomie und nebenher Philosophie in München, Freiburg und Frankfurt/Main, 1923 Promotion. P. war von Beginn an am Frankfurter Institut für Sozialforschung beschäftigt, hauptsächlich im administrativen Bereich. 1933 Emigration, zunächst nach Genf, 1934 weiter in die USA, wo das übersiedelte Institut in New York in den Räumen der Columbia Universität unterkam. P. war in den Folgejahren weiterhin für die Finanzen und Administration des Instituts zuständig. 1935 heiratete er die geschiedene gebürtige Französin Andrée Marx (1898-1939), geb. Woog, die er bereits seit Jugendtagen kannte. 1950 ging P. zurück nach Deutschland, 1959 zog er gemeinsam mit Horkheimer ins schweizerische Montagnola.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1610">
                  <persName>Riezler, Kurt</persName>
                  <birth>
                     <date>1882-02-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1955-09-06</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Diplomat und Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118601008</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Kurt Riezler (11. Februar 1882 – 6. September 1955) war ein deutscher Diplomat und Philosoph. Nach Studium in München und Promotion zur antiken Wirtschaftsgeschichte trat er ins Auswärtige Amt ein, wo er zum engen Vertrauten des Reichskanzlers Bethmann Hollweg aufstieg. 1915 heiratete er Käthe Liebermann, die Tochter des Malers Max Liebermann. 1920 zog sich Riezler aus Protest gegen den Versailler Vertrag aus der Politik zurück. Als Privatgelehrter wurde er 1928 Kurator und Professor für Philosophie in Frankfurt, wo er sich 1929 für Tillichs Berufung einsetzte. 1933 wurde er verhaftet und seines Amtes enthoben, 1934 verlor er seine Lehrbefugnis. 1938 emigrierte das Ehepaar in die USA, wo Riezler an der New School for Social Research und später an anderen Universitäten lehrte. 1954 ließ er sich in Rom nieder.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
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                  <persName>Horkheimer, Max</persName>
                  <occupation>Sozialphilosoph</occupation>
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                     <p>Max Horkheimer (14. Februar 1895 – 7. Juli 1973) war ein deutscher Sozialphilosoph und zentrale Figur der Frankfurter Schule. Nach kaufmännischer Lehre und Kriegsdienst studierte er Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie, promovierte 1922 in Frankfurt und habilitierte sich dort 1925. Auf Betreiben Paul Tillichs erhielt er 1930 das Ordinariat für Sozialphilosophie und damit die Leitung des Instituts für Sozialforschung. 1933 emigrierte er über Genf in die USA, wo mit Adorno die Dialektik der Aufklärung entstand. Sein Programm einer interdisziplinären Gesellschaftsforschung nannte er ab 1937 Kritische Theorie. 1949 kehrte er nach Frankfurt zurück und leitete 1951 bis 1953 die Universität.</p>
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