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                <title>Brief von Wilhelm Pauck an Paul Tillich vom 17. August 1946</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1464">Wilhelm Pauck</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
                        <postCode>1010</postCode>
                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/173(39)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1464"> Wilhelm Pauck</persName>
                    <date when="1946-08-17">17.08.1946</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1464">Korrespondenz mit  Wilhelm Pauck</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1464" target="L10901.xml">Brief von Paul Tillich an Wilhelm Pauck vom 08. Januar 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10974.xml">Brief von Fred S. Weissman an Paul Tillich vom 16. August 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10977.xml">Brief von Hannah Arendt an Paul Tillich vom 18. August 1946</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1946-08-17"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-09-17" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
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                <pb n="1"/>
                <opener><fw place="top" type="letterhead">THE CHICAGO THEOLOGICAL SEMINARY <lb/>5757
                        UNIVERSITY AVENUE <lb/><rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">CHICAGO</rs>
                    </fw>
                    <fw place="left"><rs ref="#tillich_person_id__1464" type="person">WILHELM
                            PAUCK</rs>, D. THEOL. <lb/><hi rend="i">Professor of Historical
                            Theology</hi>
                    </fw>
                    <dateline>D. <date when="1946-08-17">17. Aug. 1946</date>.</dateline>
                    <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>,</salute>
                </opener>
                <p>in meinem Schreibtisch liegt noch ein Manuskript, das vor zehn Jahren ein Beitrag
                    zu einer Art Festschrift zu Deinem fünfzigsten Geburtstag sein sollte. Damals
                    konnte man wirklich noch an die Möglichkeit solcher akademischen Höflichkeiten
                    denken, obwohl die Ausführung des Planes nicht gelang und wohl überhaupt nicht
                    versucht wurde. Heute kommt es einem sehr seltsam vor, wenn Anstalten gemacht
                    werden, den sechzigsten Geburtstag eines, der <unclear>repräsentativ</unclear>
                    ist und vielen, Freunden und andern, viel bedeutet, festlich und gar mit
                    gewissem öffentlichen <unclear>Pomp</unclear> zu begehen.<pb n="2"/> Der
                    öffentliche <q>Pomp</q> wird am <date when="1946-08-20">20. August</date>
                    fehlen, aber ich denk mir, daß viele Deiner Freunde dann Deiner besonders
                    gedenken werden. Deshalb kannst Du Dir vorstellen, was passiert wäre, wenn wir
                    noch in der angeregten, hoffnungsvollen <sic>Atmospäre</sic> der zwanziger Jahre
                    lebten. Dann wäre der 60. Geburtstag <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillichs</rs> ein öffentliches
                        <unclear>menschliches</unclear> Ereignis gewesen. Man hätte mit Verwunderung
                    und Bewunderung die bemerkenswerte Tatsache gefeiert, daß solche Kerle wie Du 60
                    Jahre alt werden. Obwohl Dir heute öffentlich nicht mehr so wichtig ist, wie es
                    früher hätte sein können, ist es doch im Zusammenhang des Lebens derer, die Dich
                    lieben, ein merkwürdiges Ereignis. Weißt Du noch, was für eine Rolle früher
                    einmal in unseren mehr oder weniger ernst-humorvollen Gesprächen über unsere
                    Zukunft die <q><unclear>Inselgreise</unclear></q> gespielt haben. Nach
                    menschlichem Berechnen, <unclear>tust</unclear> Du nun einen gewaltigen
                        <unclear>Schritt</unclear>, wirklich selbst einer zu werden. Aber es ist mir
                    konkret unbegreiflich<pb n="3"/> wie das
                    <unclear>¿¿¿</unclear><!-- z/g/p...als,  --> geschehen könnte. Trotzdem Du
                    selbst letzthin öfters bemerkt hast, daß wenn man ein gewisses Alter erreicht,
                    man zu allerhand Dingen nicht mehr fähig ist, bist Du mir doch immer noch der,
                    der in den zwanzigern in <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs> die Hoffnungen und Pläne der Jugend aussprach u der in den
                    dreißigern hier in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>
                    – trotz allem, was inzwischen geschehen war – die Geistigkeit der wachsenden
                    Zukunft verkörperte. Nach meinem Gefühl wird <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillich</rs> nie alt. Mein wärmster Wunsch zu diesem
                    Deinem Geburtstag ist, daß Du das selbst – auch von Dir aus – so empfinden
                    mögest. Solch ein Gedanke würde für Dich den Entschluß bedeuten, alles zu tun,
                    um die Dogmatik, die alle, die mit Dir und von Dir %'gehofft haben, von Dir
                    erwarten, fertig zu machen. Denn darin werden sie den richtigen<pb n="4"/>
                    <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Tillich</rs>
                    <unclear>kriegen</unclear> – in einem bedeutenden Sinne zeitlos, wenn auch wegen
                    der <unclear>¿¿¿</unclear> der Welt jetzt, wie auch schon früher, verzeitigt.
                    Denn das hast Du vor vielen, vielleicht allen von uns voraus, daß, während wir
                    dazu bestimmt sind, in den kritischen
                    <unclear>Z¿¿</unclear><!-- evtl. Zeitl... --> verzeitigt zu werden, Du es
                    geschafft hast, etwas Zeit-Überragendes in dir darzustellen, trotzdem Du auch
                    der Verzeitigung deinen Sold bezahlt hast. Deshalb kann man zu Deinem 60.
                    Geburtstag den Wunsch aussprechen, <unclear><sic>das</sic></unclear> Du uns das
                    schenkst, was deine geistige Haltung am klarsten ausdrücken würde – die
                    Dogmatik. Denk doch mal, was das bedeutet, daß außer Orthodoxen und Leuten wie
                        <rs ref="#tillich_person_id__137" type="person">Barth</rs>, die irgendwie
                    aus dem Totenreich sprachen, nur Du dazu fähig bist, eine <q>Dogmatik</q> zu
                    schreiben – eine, die lebendig ist!</p>
                <p>Es ist schade, daß wir soweit von einander wohnen<supplied>.</supplied><pb n="5"/> Ich würde zu gerne mal zu Euch <unclear>rüberkommen</unclear>. Neulich hatte
                    ich Gelegenheit, an unsere Tage in <rs ref="#tillich_place_id__989" type="place">Gatlinburg</rs> in <unclear>besonderer</unclear><!-- <q>besonder</q> -->
                    Weise zu denken. Die waren doch wunderschön, trotzdem sie mir nicht erlaubt
                    waren. Ich werde – auch mit der <unclear>Resignation</unclear>, die mir
                    auferlegt ist – an Dich – und <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs>! – denken, wenn ich von <date from="1946-09-15" to="1946-10-15">Mitte September bis Mitte Oktober</date> auf Mt. <unclear>Desert</unclear>
                    bin (wir werden dann in Mc <unclear>Ciffert</unclear> cottage wohnen). Ich werde
                    mich an einen jüngeren <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs> erinnern, der aber noch immer derselbe ist, der unbedingt im
                    eiskalten Ozean schwimmen mußte und an den Felsen beim Thunder-Hole seine
                    Autobiographie schrieb – und ich werde an der Bank in <rs ref="#tillich_place_id__854" type="place">Bar Harbor</rs> vorbeigehen, deren
                        <unclear>Bild</unclear> ich <unclear>mal</unclear>
                    <unclear>herauszugeben</unclear> versprochen habe, aber das ich noch immer
                    behalte!</p>
                <closer>
                    <salute>Habt's schön am <date when="1946-08-20">20.</date>! Ich werde in
                        Gedanken bei Euch sein.</salute>
                    <signed>Wie immer Dein <rs ref="#tillich_person_id__1464" type="person">Wilhelm</rs>. </signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q30</idno>
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                  <placeName>Gatlinburg (TN)</placeName>
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                  <placeName>Bar Harbor</placeName>
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                  <placeName>Chicago, Illinois</placeName>
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               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__137">
                  <persName>Barth, Karl</persName>
                  <occupation>Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118506803</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Karl Barth (10. Mai 1886 – 10. Dezember 1968) war ein Schweizer reformierter Theologe und einer der bedeutendsten evangelischen Dogmatiker des 20. Jahrhunderts. Nach dem Studium arbeitete er als Pfarrer, später lehrte er als Professor in Deutschland und Basel. 1935 wies ihn das NS-Regime wegen seiner Gegnerschaft aus. Mit der Auslegung des Römerbriefs begründete er die Dialektische Theologie und wandte sich gegen den liberalen Protestantismus. Hauptwerk blieb die Kirchliche Dogmatik. Mit Paul Tillich verband ihn ein anhaltender theologischer Austausch, in dem beide gegensätzliche Positionen vertraten, etwa zur analogia entis.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
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                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
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                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
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                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1464">
                  <persName>Pauck, Wilhelm</persName>
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