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            <titleStmt>
                <title>Brief von Richard Plaut an Paul Tillich vom 29. Februar 1946</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1511">Richard Plaut</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
                        <postCode>1010</postCode>
                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/175(3)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1511">Richard Plaut</persName>
                    <date notBefore="1946-02-28" notAfter="1946-03-01">29.02.1946</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1511">Korrespondenz mit Richard Plaut</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1511" target="L10912.xml">Brief von Richard Plaut an Paul Tillich vom 26. Februar 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1511" target="L10973.xml">Brief von Richard Plaut an Paul Tillich vom 16. August 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10912.xml">Brief von Richard Plaut an Paul Tillich vom 26. Februar 1946</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10914.xml">Brief von Paul Tillich an Freda Kirchwey vom 02. März 1946</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1946-02-28"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-06-26" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><dateline><date notBefore="1946-02-28" notAfter="1946-03-01">February 29,
                            1946</date><note type="ea">Das Jahr 1946 war kein Schaltjahr, daher hat
                            es keinen 29. Februar 1946 gegeben. Vermutlich wurde der Brief am <date when="1946-03-01">01. März 1946</date>
                        geschrieben.</note></dateline>
                    <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>,</salute>
                </opener>
                <p>Ich schreibe dieses auf Deutsch weil es ja doch privat ist. Bitte nehmen Sie mirs
                    nicht übel – – aber wie immer kommt es erstens anders, zweitens als man
                    denkt.</p>
                <p>Die Situation bei der NATION ist folgendermassen. Ich sprach mit dem sehr netten
                        <rs ref="#tillich_person_id__3458" type="person">King Gordon</rs>, der mich
                    und meine Schreiberei kennt: seitdem ich den ersten Harper-fellowship gewonnen
                    habe, kennen mich auf einmal ne Menge Leute, und ausserdem war ich ja ein Jahr
                    book editor – – so das ist also das. <rs ref="#tillich_person_id__3458" type="person">King Gordon</rs> sprach mit <rs ref="#tillich_person_id__3459" type="person">Margaret Marshall</rs>, literary editor der NATION, die zwar
                    erst sagte sie schätze mein Werk ausserordentlich, aber folgendes erklärte:</p>
                <p>Sie hat ein <q>sabbatical year</q>. D. h. in einem Monat kommt ein junger Poet,
                        <rs ref="#tillich_person_id__3460" type="person">Randolf Jarrall</rs> (er
                    hat eine irrsinnig reiche Frau, Oil money) und übernimmt ihren Platz. Sie hat
                    all die <q>kulturellen</q> departments unter sich, Film, Musik, Drama. Sie will
                    niemanden nehmen bevor er kommt, das wäre also am <date when="1946-04-01">ersten
                        April</date>. Ich solle also mit dem reden. Das nennt man auf englisch <q>to
                        pass the buck</q>.</p>
                <p>Zweitens: der Film kritiker der NATION ist ein sonderlicher junger Mann der bei
                    TIME bis vor kurzem im Film Dept. war. Da hat er einfach die NATION Kritiken als
                    Beiprodukt schreiben können. TIME hat ihn jetzt in das Buch dept. versetzt,
                    sodass er die Filme nicht mehr sieht. Er weiss noch nicht, ob er weitermacht
                    oder nicht. Er wurde kürzlich im NEW YORKER und sonstwo angegriffen, da er
                    erklärte, er könne Stücke besprechen, die er nie gesehen habe – – – typischer,
                    surrealistischer und unsauberer Snobbismus. Natürlich kann er dann weiter Filme
                    besprechen auch wenn er sie NICHT sieht ... erinnert mich an selige <rs ref="#tillich_person_id__15" type="person">Wiesengrund</rs>-Zeiten der in
                    unserem Seminar – – – erinnern Sie sich – – einen Druckfehler bei <rs ref="#tillich_person_id__839" type="person">Hegel</rs> mit allem
                    metaphysischem Applomb interpretierte, und als Sie entdeckten dass es verdruckt
                    war, mit demselben Eifer das Gegenteil interpretierte.</p>
                <p>Drittens: das heisst ich würde <hi rend="u">nach wie vor gerne <rs ref="#tillich_person_id__3457" type="person">Kirchwey</rs> sehen</hi>.
                    Der <rs ref="#tillich_person_id__3460" type="person">Jarrall</rs> (der neue,
                    kommende literary editor) wird mich ganz anders behandeln wenn ich seinen boss –
                    – der übrigends nett sein soll? – – kenne. Ein neuer editor nimmt was ihm der
                    Editor-in-Chief vorschlägt. Daher: obwohl <rs ref="#tillich_person_id__3459" type="person">Marshall</rs> erklärt, sie könne nichts machen, ist es sehr
                    gut wenn die Nation im Fall dass der Film kritiker weggehn muss, einen Ersatz im
                    Feuer hat. Es gibt nämlich wenig gute Filmkritiker die für das Honorar der NATION
                    was gutes machen.</p>
                <p>Viertens: vielen Dank. Fünftens: vielleicht sehen wir uns wirklich mal? Sind drei
                    Jahre her ...</p>
                <closer><salute>Lassen Sie mich via unseren Freund hören</salute><!-- Nicht ermittelt -->
                    <signed>Ihr alter <rs ref="#tillich_person_id__1511" type="person">Richard</rs></signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p>P. S. Ich habe schon graue Haare. Denken Sie –</p>
                </postscript>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__839">
                  <persName>Hegel, Georg Wilhelm Friedrich</persName>
                  <birth>
                     <date>1770-08-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__420">Stuttgart</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1831-11-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118547739</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Georg Wilhelm Friedrich Hegel (27. August 1770 – 14. November 1831) war ein deutscher idealistischer Philosoph. Nach Theologie- und Philosophiestudium in Tübingen, wo er mit Hölderlin und Schelling zusammentraf, arbeitete er als Privaterzieher in der Schweiz und Frankfurt. 1801 habilitierte er sich in Jena und veröffentlichte dort sein Hauptwerk zur Phänomenologie des Geistes. Danach leitete er ein Gymnasium in Nürnberg, bevor er 1816 an die Universität Heidelberg wechselte und 1818 Fichte an der Berliner Universität nachfolgte. Seine Lehrveranstaltungen zu Logik, Recht, Geschichte und Religion gewannen großen Einfluss. Als Zentfigur des deutschen Idealismus formte sein dialektisches Denksystem die Philosophie des 19. Jahrhunderts nachhaltig. Er starb 1831 während einer Cholerapandemie in Berlin.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3459">
                  <persName>Marshall, Margaret Alice</persName>
                  <occupation>Journalistin</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3458">
                  <persName>Gordon, John King</persName>
                  <occupation>Theologe und Hochschullehrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1076995993</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__15">
                  <persName>Adorno, Theodor W.</persName>
                  <birth>
                     <date>1903-09-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__143">Frankfurt am Main</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1969-08-06</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__462">Visp</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Musik- und Sozialphilosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118500775</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Theodor W. Adorno (11. September 1903 – 6. August 1969) war ein Philosoph, Soziologe, Komponist und Pädagoge aus Deutschland. Gemeinsam mit Max Horkheimer gilt er als einer der zentralen Vertreter der Kritischen Theorie, auch Frankfurter Schule genannt. Aufgewachsen in wohlhabendem Frankfurter Milieu, erhielt er eine intensive musikalische Bildung und beschäftigte sich früh mit Kant. Nach philosophischem Studium widmete er sich der Komposition im Umkreis von Arnold Schönberg und arbeitete als Musikkritiker. Ab 1931 lehrte er als Privatdozent in Frankfurt, bis ihm die Nationalsozialisten 1933 die Lehrtätigkeit untersagten. Während der NS-Zeit emigrierte er in die USA, wo er am Institut für Sozialforschung tätig war, empirische Studien zum autoritären Charakter durchführte und mit Horkheimer die Dialektik der Aufklärung verfasste. Nach seiner Rückkehr leitete er das wiedereröffnete Frankfurter Institut mit und wirkte als öffentlicher Intellektueller auf das geistige Leben Nachkriegsdeutschlands ein. Sein Denken steht in der Tradition von Kant, Hegel, Marx und Freud. Trotz inhaltlicher Nähe zur Studentenbewegung distanzierte er sich von deren Aktionismus und Gewaltbereitschaft.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3460">
                  <persName>Jarrell, Randall</persName>
                  <occupation>Schriftsteller und Literaturkritiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118776010</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1511">
                  <persName>Plaut, Richard</persName>
                  <occupation>Germanist und Schriftsteller</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Studium in Frankfurt/Main, unter anderem bei Tillich. Nebenbei schrieb er Filmkritiken für die Frankfurter Zeitung. 1933 flüchtete der homosexuelle und jüdische P. auch unter Anraten Tillichs in die Schweiz, wo er in Basel weiterstudierte und 1935 promoviert wurde. Daneben weiterhin journalistische Tätigkeiten für die Baseler Nationalzeitung. In der Schweiz lebte er gemeinsam mit Oskar  Koplowitz und Dieter  Cunz, gemeinsam schrieben sie Kriminalromane unter dem Pseudonym Stefan Brockhoff. 1938 Emigration in die USA, auch hier hielt er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Er wurde zunächst durch das von Tillich mitbegründete Friendship House versorgt, schrieb Filmkritiken, arbeitete als Sekretär für Klaus Mann und später für das Office of War Information. Nach dem Krieg konnte er sich ab 1947 durch eine Lehrstelle an der City University of New York im akademischen Betrieb etablieren, daneben lehrte er zeitweise an der New School for Social Research. In späteren Jahren wurde er zudem für sein Engagement in der Homosexuellenbewegung bekannt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3457">
                  <persName>Kirchwey, Mary Frederika "Freda"</persName>
                  <occupation>Journalistin und Publizistin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/116187387</idno>
               </person>
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