<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10621.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10529.xml" next="L11162.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Postkarte? von Karl Löwith an Paul Tillich vom 4. Oktober 1941</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1214">Karl Löwith</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 162(43)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich mit handschriflichen Einfügungen</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1214">Karl Löwith</persName>
               <date when="1941-10-04">04.10.1941</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1214">Korrespondenz mit Karl Löwith</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1214" target="L10529.xml">Brief von Karl Löwith an Paul Tillich vom 4. Oktober 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1214" target="L10927.xml">Brief von Paul Tillich an Karl Löwith vom 05. April 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10529.xml">Brief von Karl Löwith an Paul Tillich vom 4. Oktober 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11162.xml">Brief von Walther Hunzinger an Paul Tillich vom 4. Oktober 1941</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1941-10-04"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-08-21">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline>Berlin, <date when="1933-06-02">2. Juni 33</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr
                  Tillich</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>Komisch – tiefsinnig – natürlich dass ich heut von Ihnen höre: wohlvorbereitet durch
               ein Zeitungsreferat über einen Vortrag hierselbst betreffend – na irgend etwas
               Schreckliches, wo völkisch-politisch philosophisch polemisch gefaselt wurde. Mein
               Sohn fragte mich, wieso denn die Philosophie versagt habe; worauf ich mich vermass zu
               antworten, Es ist nur recht und <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">
                  tillich</rs> zu bekennen, dass damit Herr T gemeint ist. – Hörend dass Sie und <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Gehmahlin</rs> bei Ihren Freunden <rs ref="#tillich_person_id__1423" type="person">O.</rs> weilten, rief ich dort an – aber 2 Posttage zu spät,
               um Sie womöglich noch einmal zu sehn. Nehmen Sie den Willen für die Tat. –
               Hoffentlich erholen Sie sich dort oben, und bekommen Lust zu neuer Arbeit. Ich zwinge
               mich zu arbeiten, aber es "fluscht nicht" wie der Berliner sagt. Dafür bilde ich mich
               still und altmodisch, vergleiche <rs ref="#tillich_person_id__972" type="person">Jaspers</rs> mit den Indizien in fremden Ländern, zumal Albion, und lese in dreitausend
               Jahren goethisch herum. – <rs ref="#tillich_person_id__1610" type="person">Der
                  berühmte Altphilologe</rs> – liest wieder, was sagen Sie dazu. Man sagte mir
               schmunzelnd, man habe ihn etwas bearbeitet in Bezug auf die Form seines Gesuches; und
               dann nach <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs> geschrieben, er
               könne auch anders... Glauben Sie das? – Ausserdem habe ich ein Verspaar gereimt in
               sklavischer Ausnutzung eines englischen Wortes, das leider Prosa war. Daran können
               Sie ermessen, wie ich zur Zeit verfasst bin.</p>
            <p>Geburt ist Risiko und Agonie <lb/>Das wissen Schöpfer, – Rezensenten nie.</p>
            <p>Ich schreib es mir zur Warnung, da ich ja eine riesige Literaturhistorie – zunächst
               denke, und dann kondensiere, bis der Stein der Weisen in meiner Hand Wasser
               ausschwitzt, auf 112 Seiten!<pb n="2"/> Vom Academic Assistance Council haben Sie
               wohl gehört, ich zweifle sogar nicht dass Sie in den Listen sind; es waren zunächst
               164 Namen. Auch unser <rs ref="#tillich_person_id__1815" type="person">Somm.</rs>
               steht darauf. – Ich starre zuzeiten
               mesmerisiert wie ein Kaninchen auf das Reptil der äusseren Not, die so unheimlich
               wachsend sich nähert, ja jetzt schon feste Umrisse hat. Nun soll ich auch noch
               Ehestandsbeihilfen beisteuern, dh hunderte neue Steuern unter diesem Namen
               aufbringen. – Schweigen wir davon, so interessant es ist. –</p>
            <closer>
               <salute>Lebe Wohl!</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1610" type="person">Melissandros</rs></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1815">
                  <persName>Sommerfeld, Martin</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1423">
                  <persName>Oppenheim, Paul</persName>
                  <occupation>Chemiker und Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1013629523</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Oppenheim (17. Juni 1885 – 22. Juni 1977) war ein deutsch-amerikanischer Chemiker, Philosoph und Industrieller, geboren in Frankfurt am Main. Nach dem Studium in Freiburg und Gießen wurde er 1908 promoviert und übernahm den familieneigenen Juwelengroßhandel, ab 1926 arbeitete er bei der I. G. Farben. Mehreren verfolgten Wissenschaftlern, darunter Carl Gustav Hempel und Kurt Grelling, ermöglichte er die Flucht aus Deutschland. 1933 emigrierte er nach Belgien, 1939 in die USA, wo er als Privatgelehrter in Princeton lebte. Er publizierte zur Wissenschaftstheorie und Gestaltpsychologie und begründete mit Hempel das Hempel-Oppenheim-Schema. Er starb in Princeton.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1610">
                  <persName>Riezler, Kurt</persName>
                  <birth>
                     <date>1882-02-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1955-09-06</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Diplomat und Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118601008</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Kurt Riezler (11. Februar 1882 – 6. September 1955) war ein deutscher Diplomat und Philosoph. Nach Studium in München und Promotion zur antiken Wirtschaftsgeschichte trat er ins Auswärtige Amt ein, wo er zum engen Vertrauten des Reichskanzlers Bethmann Hollweg aufstieg. 1915 heiratete er Käthe Liebermann, die Tochter des Malers Max Liebermann. 1920 zog sich Riezler aus Protest gegen den Versailler Vertrag aus der Politik zurück. Als Privatgelehrter wurde er 1928 Kurator und Professor für Philosophie in Frankfurt, wo er sich 1929 für Tillichs Berufung einsetzte. 1933 wurde er verhaftet und seines Amtes enthoben, 1934 verlor er seine Lehrbefugnis. 1938 emigrierte das Ehepaar in die USA, wo Riezler an der New School for Social Research und später an anderen Universitäten lehrte. 1954 ließ er sich in Rom nieder.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__972">
                  <persName>Jaspers, Karl</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Jaspers, Karl (23.2.1883 Oldenburg – 26.2.1969 Basel). Im Anschluss an sein Studium der Medizin arbeitete J. in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg. Er habilitierte sich 1913, ebenfalls in Heidelberg, an der Philos. Fakultät für das Fach Psychologie und wurde 1916 Extraordinarius für Psychologie, 1921 Ordinarius für Philos. 1937 wurde er zwangspensioniert und erhielt ab 1938 Publikationsverbot. 1945 nahm er seine Lehrtätigkeit wieder auf und beteiligte sich am Wiederaufbau der Universität. 1948 folgte er einem Ruf nach Basel, wo er bis 1961 lehrte.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__37">
                  <placeName>Berlin</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>52.52437 13.41053</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2950159/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q64</idno>
               </place>
               </listPlace></back></text>
</TEI>