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            <title>Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 12. August 1942</title>
            <author ref="#tillich_person_id__931"> Max Horkheimer</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno><!-- Horkheimernachlass (Na 1, 53 [186]173r ff.) / MHA: I 25.234 --></idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich mit handschriflichen Einfügungen</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
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         </sourceDesc>
      </fileDesc>
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         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__931">Max Horkheimer</persName>
               <date when="1942-08-12">12.08.1942</date>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__931">Korrespondenz mit Max Horkheimer</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10555.xml">Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 14. Februar 1942</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10605.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 13. März 1943</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10587.xml">Brief von S. Marck an Paul Tillich vom 7. August 1942</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10590.xml">Brief von Hannah Arendt an Paul Tillich vom 19. August 1942</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1942-08-12"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2025-08-28">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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         <div type="writingSession">
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            <opener>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>:</salute>
            </opener>
            <p>Ich weiss nicht, ob Sie ahnen, welche Freude Sie mir mit Ihren <q>Bemerkungen zu
                  Vernunft und Selbsterhaltung</q> bereitet haben. Die Liebe und der Ernst, mit
               denen Sie durch den Aufsatz gegangen sind, bedeutet mehr Ermutigung als einige der
               enthusiastischen Aeusserungen, die wir aus dem Munde mancher Leser vernahmen. Ihre
               Notizen bestärken mich in dem Glauben, dass die freien Bewegungen kleiner Gruppen,
               von denen Sie auf Seite 15 sprechen, wirklich lebendig sind, und dass ich das Glück
               habe, in einem solchen Kreis mit Ihnen verbunden zu sein. Ich danke Ihnen von ganzem
               Herzen.</p>
            <p>Gern moechte ich auf jeden einzelnen Punkt ausführlich eingehen, soweit ich nicht
               einfach einen Irrtum anzuerkennen habe. Ich fuehle jedoch, dass die Arbeit, der ich
               gegenwaertig jede der allzu wenigen Stunden widme, die mir unvermeidliche Abhaltungen
               und eine gewisse koerperliche Schwaeche lassen, die einzig wahre Antwort auf die
               ernsteren Schwierigkeiten darstellt, die es möglicherweise zwischen uns zu klären
               gibt.</p>
            <p>Mein Leben verlaeuft ganz regelmaessig. Morgens mache ich einen kleinen Spaziergang
               mit <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Pollock</rs>, dann schreibe ich
               im Anschluss an ein ziemlich methodisches Studium Notizen und Entwuerfe, nachmittags
               sehe ich zumeist <rs ref="#tillich_person_id__15" type="person">Teddie</rs>, um mit
               ihm den endgueltigen Text festzustellen. Zuweilen bespreche ich auch mit <rs ref="#tillich_person_id__1263" type="person">Marcuse</rs> die ihm zufallenden
               Teile. Der Abend gehoert <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Pollock</rs>, manchmal auch <rs ref="#tillich_person_id__2397" type="person">Weil</rs>. Dazwischen liegen Seminare und die Beschäftigung mit den praktischen
               Fragen des Instituts.</p><p>Erst seit kaum zwei Monaten darf ich davon reden, dass <add place="superlinear"><hi rend="hand">wir</hi></add> am wirklichen Text <del rend="s">ge</del>arbeite<del rend="s">t</del><add place="across"><hi rend="hand">n</hi></add>
               <del rend="s">wird</del>. Die ganze Zeit vorher ist mit Studien und anderen Arbeiten
               dahingegangen, von denen ich freilich keine bedaure. An vorlaeufigen Aufzeichnungen
               liegt schon eine ganz stattliche Reihe vor, die endgueltige Formulierung wird jedoch
               noch Jahre beanspruchen. Dies liegt zum <del rend="s">kleinen</del> Teil an der <add place="superlinear"><hi rend="hand">objektiven</hi></add> Schwierigkeit der
               Aufgabe eine Formulierung der dialektischen Philosophie zu liefern, die den
               Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gerecht wird, zum <del rend="s">groesseren</del>
               Teil an unserer mangelnden Routine, Schwerfaelligkeit des Denkens und der<pb n="2"/>
               Unklarheit ueber wichtige Punkte, in der wir immer noch befangen sind. Versprechen
               Sie sich um Gottes Willen kein grossartiges Ergebnis, am Ende wird nicht vielmehr
               herauskommen als eine Art Protokoll unserer Ihnen laengst vertrauten Gedanken. Sie
               werden ohnehin sagen, dass all das in den Diskussionen der und der Sekte im <add place="superlinear"><hi rend="hand">4</hi></add><del rend="s">6</del>. oder <add place="superlinear"><hi rend="hand">5</hi></add><del rend="s">7</del>. Jahrhundert
               schon viel besser formuliert worden sei. Trotzdem erfuellt die Arbeit das Beduerfnis,
               vor dem wahrscheinlich baldigen Untergang ein bischen klarer zu sehen und <del rend="s">etwas</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">einiges</hi></add> zu hinterlassen, was diesem oder jenem etwas
               bedeuten mag.</p>
            <p>Von der Vorstellung, dass unsere Gedanken <q>in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> durchschlagen</q> koennten, wie es in den
                  <q>Bemerkungen</q> auf der ersten Seite heisst, bin ich weit entfernt. Das waere
               gleichbedeutend mit der Aenderung der Welt. Wir duerfen nicht mehr hoffen, als dass,
               wenn der Tag einmal anbrechen sollte, das, was wir geschrieben haben, als ein sehr
               kleines Sternchen erkannt wird, das kaum wahrnehmbar in der grauenhaften Nacht der
               Gegenwart geschienen hat. Wie sollte der Blick, der in das Feuerwerk der Magazine und
               der <add place="superlinear"><hi rend="hand">anderen</hi></add> routinierten
               Produktionen der wissenschaftlichen und ausserwissenschaftlichen Massenkultur starrt,
               wenn er sich von dort abwendet, <del rend="s">etwas</del> anderes wahrnehmen <del rend="s">koennen</del> als eben die Finsternis. Der Vorschlag des <q>
                  materialreichen argumentierenden Buchs</q> ist gewiss der menschlichste, der uns
               gemacht werden kann, nicht sowohl wegen der Leser, die dabei <q>demokratischer</q>
               behandelt würden, als um unserers eigenen aeusseren Schicksals willen. Aber auch Sie
               selbst werden nicht annehmen, dass eine solche Publikation sich von den literarischen
               Elementen jener Illumination des Grauens anders unterscheiden koennte, als <add place="intralinear"><hi rend="hand">gerade noch</hi></add> durch <del rend="s">die
                  etwas</del> fremdartige Thesen. Was aber sind Thesen: Die unseren, als <add place="right"><hi rend="hand"> Leitsätze einer erfolgreichen
                  Publikation</hi></add> wuerden dem Bouquet der Raketen <del rend="s">noch</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">in lautem Fall</hi></add> eine
               neue Farbschattierung hinzufuegen. <add place="superlinear"><hi rend="hand">Ich weiss
                     ja wie unendlich gut Sie es meinen</hi></add>. Soll es <add place="sublinear"><hi rend="hand">aber</hi></add> wirklich kein Denken mehr geben, das von der
               Intention auf Durchschlag so frei ist <hi rend="hand">!</hi>
               <del rend="s">wie von dem, was durchschlaegt, vom menschlichen Anliegen.</del> Ich
                  <del rend="s">weiss sehr wohl</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">zweifle nicht daran</hi></add>, dass es <del>auch</del>
               <add type="superlinear"><hi rend="hand">auch heute</hi></add> eine <del rend="s">positive</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">positive</hi></add> Art literarischer
               Wirksamkeit <del rend="s">heute</del> geben kann<add place="superlinear"><hi rend="hand">, zu der wir Ja sagen,</hi></add> und Sie selbst gehoeren zu den
               ganz wenigen Beispielen dafuer, aber dazu – mag es an uns oder der Sache liegen –
               sind wir <pb n="3"/>
               <del rend="s">einfach</del><add place="superlinaer"><hi rend="hand">immer
                  noch</hi></add> nicht <del rend="s">weit</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">stark</hi></add> genug.</p>
            <p>Ihre Kritik des Stils spricht Gedankengaenge aus, die <del rend="s">mir</del><add place="superlinaer"><hi rend="hand">uns</hi></add> selbst nicht fern liegen. Die
               Entscheidung zu dem sprachlichen Verfahren, das sie diktatorisch nennen, ist jedoch
               nicht leichtfaellig getroffen worden. Nur um dies zu belegen und nicht weil darin die
               massgebenden Gruende entwickelt waeren, zitiere ich eine Stelle aus einer kleinen
               Abhandlung ueber europaeische Verhaeltnisse, die ich im letzten Jahr geschrieben habe.<lb/>
               <q>.......(Haupt- und Nebensatz).......</q><lb/> Bei nicht wenigen kritischen
               Anmerkungen, in denen Sie Fehler berichtigen und auf Gefahren der Darstellung
               hinweisen, <del rend="s">habe ich nichts anderes zu tun als Ihnen </del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">kann ich Ihnen nur</hi></add> einfach
                  <del>zu danken und beizustimmen</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">recht geben</hi></add>. Ganz obenan steht
               natuerlich die Abstempelung von <rs rend="#tillich_person_id__494" type="person">Duns
                  Scotus</rs> als eines Dominikaners. Sie haengt damit zusammen, dass ich seit
               meinen philosophiegeschichtlichen Semestern unter <rs ref="#tillich_person_id__118" type="person">Clemens Baeumker</rs> zwar sehr eifrig die Kirchenvaeter aber nicht
               die Scholastiker gelesen habe. Aus jenen Studienjahren aber hatte sich irgendwo im
               Unbewussten die Vorstellung erhalten, die Dominikaner wirkten relativ frueh in <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs>, <del rend="s">vor
                  allem</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">besonders</hi></add> in <rs ref="#tillich_place_id__788" type="place">Oxford</rs>. Da sich dort auch ein
               grosser Teil der Lehrtaetigkeit von <rs rend="#tillich_person_id__494" type="person">Duns <del rend="s">Scotus</del></rs> abspielte, so war <rs rend="#tillich_person_id__494" type="person"><del rend="s">Duns
                  Scotus</del></rs><add place="superlinear"><hi rend="hand">er</hi></add> im
               Hintergrund meines Kopfes eine truebe Verbindung zu den Dominikanern eingegangen.
                  <del rend="s">Gehe</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">Bin</hi></add>
               ich uebrigens ganz <add place="superlinear"><hi rend="hand">im Irrtum</hi></add>
               <del rend="s">fehl</del>, wenn ich glaube, dass auch im Dominikaner-Orden neben den
               strengen Anti-Scotisten nominalistische und empiristische Stroemungen sich geltend
               machten? <del rend="s"> Für d</del> <add place="across"><hi rend="hand">D</hi></add>ie Ausfuehrungen über <rs ref="#tillich_person_id__494" type="person">
                  Duns</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__2074" type="person">Occam</rs><del rend="s">bin ich sehr dankbar</del> <add place="intralinear"><hi rend="hand">waren mir
                     jedenfalls willkommen</hi></add>.
            </p>
            <p>Dasselbe gilt fuer dass, was Sie ueber <rs ref="#tillich_person_id__1228" type="person">Luther</rs> sagen. (Meine Erinnerung an das Epitheton <q>Bestie</q>
               neben dem der <q>Hure</q> und <q>tollen Naerrin</q> truegt mich sicher nicht. Ich
               habe leider das Material nicht hier, um die Stellen anzugeben. Wenn Sie interessiert
               sind, werde ich mir jedoch gern die Buecher kommen lassen und sie Ihnen mitteilen.)
               Ich muss freilich zugeben, dass es mir nicht leichtfaellt, <rs ref="#tillich_person_id__1228" type="person">Luther</rs> gegenueber die
               Objektivitaet zu wahren. Wenn Sie ihn patriarchalisch, gesetz- und
               institutionsfeindlich, wagend, anti-<pb n="4"/>kapitalistisch, anti-mechanistisch,
               anti-asketisch nennen, so sprechen Sie damit die Wahrheit aus, aber die Wahrheit
               implicite. Jeder dieser Begriffe zeigt <del rend="s">uns</del> in unserer
               gegenwaertigen politischen und geographischen Situation die positiven Seiten, aber
               sie enthalten <add place="superlinear"><hi rend="hand">doch</hi></add> zugleich <del rend="s">das Moment der </del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">die</hi></add> teuflische<del rend="s">n</del> Destruktion, <del rend="s">das</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">die</hi></add> wir drueben am Werk sehen. Sie haben mit Recht den
               Begriff des Patriarchalen an den Anfang gestellt. In der Tat schwingt <rs ref="#tillich_person_id__1228" type="person">Luther</rs> die maennliche Zuchtrute:
               er ist der Held des Anti-Semitismus und der Bauernmassaker. Er hat vorweggenommen,
               was die Goebbels und Streichers sich nur ausdenken konnten und ich habe
               einschliesslich seiner Bibeluebersetzung kaum eine Zeile von ihm gelesen, bei der ich
               die Beziehung zu dieser Seite seines Wesens nicht deutlich verspuert haette. Das
                  Patriarchal<del rend="s">sch</del>e <del rend="s">aber</del>ist <add place="superlinear"><hi rend="hand">ferner</hi></add> nicht der einfache Gegensatz
               zum Buergerlichen, das beweisen <del rend="s">gerade</del> die Nazis und ich habe ein
               Gefuehl, dass wir <del rend="s">auch hier noch</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">gerade hier in diesem Land einmal</hi></add>
               den <add place="superlinear"><hi rend="hand">kühnen</hi></add> Wagemut erfahren <del rend="s">werden</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">können</hi></add>, der unter der <del rend="s">pazifistischen</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">bürgerlichen</hi></add>Huelle verborgen ist. Unter dem Legalismus schlummert,
               kaum fester als drueben von dem Aus<del rend="s">s</del><add place="across"><hi rend="hand">f</hi></add>bruch, die Gesetzesfeindlichkeit, unter dem
               buergerlichen Puritanismus der Trieb zum Exzess. Die Askese ist doppelsinnig, sie
               gehoert zur Einrichtung im Schlechten Bestehenden, aber auch zum Widerstand gegen das
               Unrecht. Wenn man wie <del rend="s">wir</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">Sie und ich heute</hi></add> in einer
               Atmosphaere sinisterer Sachlichkeit zu existieren hat, erscheint die <add place="superlinear"><hi rend="hand"><unclear>enthemmte</unclear></hi></add>
               Anti-Askese, <add place="superlinear"><hi rend="hand">die</hi></add> drueben <add place="superlinear"><hi rend="hand">Triumphe feiert</hi></add> gerade so lange als
               das Höhere, bis man <del rend="s">sie beim</del>
               <add place="sublinear"><hi rend="hand">das</hi></add> frischfroehliche<del rend="s">n</del> Morden <del rend="s"> am Werk sieht</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">in nächster Nähe am Werk sieht. Dann sehnt
                     man sich wieder ins mechanistische Bürgertum zurück.</hi></add> Mir kommt
               gerade eine Aufzeichnung ueber Askese in die Hand, die ich vor einiger Zeit notiert
               habe. Ich hefte sie diesem Brief an <note type="ea">liegt nicht vor</note>. Sie ist
               nichts anderes als eine <del rend="s">Art</del> Randbemerkung zur Lektüre der
               Upanishads, recht einseitig und fragwürdig. Ich sende sie Ihnen bloss als einen
               Gruss, weil wir gerade darauf zu sprechen kamen. </p>
            <p>Ihre Bemerkungen über die Jansenisten wie über <rs rend="#tillich_person_id__2808" type="person">Loyola</rs> sind mir überaus wertvoll. Ich glaube freilich, dass
               sich auch für meine Auffassung einiges sagen liesse. Hier handelt es sich <del rend="s">wirklich</del> um Auseinandersetzungen im Material und ich hoffe sehr,
               dass ich den Anteil des Protestantismus <del rend="s">bei</del>
               <add place="across"><hi rend="hand">und</hi></add> der Gegenreformation an der <del rend="s">Erziehung zur</del> industriellen Gesinnung der Massen <add place="superlinear"><hi rend="hand">einmal</hi></add> deutlicher machen kann, als
               es in den Behauptungen des Aufsatzes geschah. Sie haben ganz recht, wenn sie diese
               als ungenügend und fragwürdig bezeichnen. <add place="sublinear"><hi rend="hand">Jetzt kann ich leider wieder nur allgemein daherreden – (Gedankenstrich kein
                     Absatz.)</hi></add>
               <pb n="5"/> Die unmittelbare Wirkung des Jesuitismus lässt sich gewiss nur bei den
               von Ihnen bezeichnetet Gruppen<add place="superliear"><hi rend="hand">der
                     Oberklasse</hi></add> feststellen, trotzdem kann <del rend="s">sie im
                  Zusammenhang einer</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">er ein mächtiges
                     Element der</hi></add> geistigen Transformation der Massen ge<del>standen
                  haben, in die alle im</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">bildet haben,
                     wie es der Aufsatz</hi></add>
               <del rend="s"> erwähnten Elemente einzigartige Funktionen ausübten</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">unterstellt. Dasselbe gilt für den
                     Protestantismus</hi></add>. Auch wenn Ihre Erklärung, der ich <del rend="s">gewiss</del> nicht zu widersprechen wage, dass weder die nord- und die
               ostdeutschen Bauern noch gar das ländliche Proletariat von irgendeiner
               protestantischen Bewegung je ergriffen worden seien, völlig richtig ist, so will es
               mir doch scheinen, als ob die religioesen Einflüsse auf die geistige Struktur des
               europaeischen Industrieproletariats <del rend="s">nicht</del> durch die Wirksamkeit
               der früh- und hochmittelalterlichen Kirche<add place="superlinear"><hi rend="hand">nicht</hi></add> genügend bezeichnet <del rend="s">wären</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">seien</hi></add>. Gewiss waren im 17. und
               18. Jahrhundert in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">zusammen</hi></add> mit den agrarischen
               Massen auch die miserabel bezahlten Landpfarrer verwildert, denen zuweilen nicht mehr
               blieb als der Lohn eines Bauernknecht<del rend="s">e</del>s. Aber der Einfluss der
               Religion auf die Verfassung der Massen war nicht bloss ein unmittelbarer, sondern er
               vollzog sich ebenso sehr durch den Geist der Gesetze und der Verwaltung hindurch,
               ferner durch das Vorbild der Herren, Bürger und Beamten. Man denke an den Dienst der
               Burschen und der Mädchen bei den Herrschaften in Stadt und Land und ferner an die
               Armee. Die europäischen Arbeiter sind durch die Hungerpeitsche und andere Schrecken
               in die Manufakturen und Fabriken getrieben worden. <add place="superlinear"><hi rend="hand">Das duldet keinen Zweifel.</hi></add> Dass sie aber nicht immer
               wieder wegliefen, sobald die Milderung der drakonischen Gesetze eine Chance dazu
               liess, wie es noch am Anfang der bolschewistischen Industrialisierung in <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> geschah, daran hat, wie
               ich meine, die neuere Religiositaet ihren mächtigen Anteil. Durch sie ist, wie durch
               die kulturellen Massnahmen der russischen Bürokratie der Zweckrationalismus des
               modernen Arbeiters, der ihn zu seinen Leistungen befähigte, <add place="superlinear"><hi rend="hand">mit</hi></add> entfesselt worden, ähnlich übrigens, wie in <rs ref="#tillich_place_id__710" type="place">Japan</rs> durch die Wiedergeburt des
               Shintoismus und die durch sie veranlasste moderne Restauration des japanischen
               Buddhismus, asiatische Prozesse, in denen manche Züge der europäischen
               Religionsentwicklung als Karikatur<add place="intralinear"><hi rend="hand">en</hi></add> wiederkehren. Übrigens war es eine kleine Genugtuung für mich, dass
               beim Hinweis auf die diesbezüglichen Behauptungen des Aufsatzes, die zweifelslos der
               Präzisierung bedarf, auch Ihnen ein Satz unterlaufen ist, wie der über den
                  <q>ungeheuren Libertinismus<pb n="6"/> der katholischen Oberschichten der
                  Gegenreformation, des Barok und Rokoko.</q><add place="intralinear"><hi rend="hand"><del rend="s">Sogar Holly</del> Damit nimmt es selbst Hollywood
                     noch auf.</hi></add></p>
            <p>Bei der Stelle über die Kleinen in der christlichen Welt und der Aufklärung handelt
               es sich um ein Missverständnis, an dem der Text des Aufsatzes <add place="superlinear"><hi rend="hand">vielleicht</hi></add> nicht unschuldig ist.
               Gemeint ist <add place="superlinear"><hi rend="hand">nämlich</hi></add> nicht das
               theologische Problem, in welchen Zustand die ungetauften sterbenden Kinder übergehen,
               sondern das handgreiflichere, was die christliche Welt <del rend="s">nicht
                  sterbenden</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">lebendigen</hi></add>
               Kindern angetan hat. Es wird darauf angespielt, dass bis über die Schwelle der
               Aufklärung das Schicksal der Kleinen, <add place="left"><hi rend="hand">von der
                     höchsten Oberklasse abgesehen,</hi></add><del rend="s">im allgemeinen</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">in der Regel</hi></add> unbeschreiblich
               furchtbar war. Das gilt fürs Mittelalter wie die beginnende Neuzeit, für die
               katholischen wie für die protestantischen Gegenden. Denken Sie selbst noch an die
               Jugend von <rs ref="#tillich_person_id__882" type="person">Herder</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__589" type="person">Fichte</rs>, welch letzterer einmal
               den Plan <del rend="s">machte</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">fasste</hi></add>, den Torturen <del rend="s">der Erziehung in</del>
                  Schulpfort<add place="intralinear"><hi rend="hand">s</hi></add> zu entfliehen und
               wie <rs ref="#" type="fictionalperson">Robinson</rs><!-- wie markieren? --> auf einer
               Insel zu leben, ja einen wirklichen Fluchtversuch ausführte. <del rend="s">Es
                  versteht sich, dass es den <add place="superlinear"><hi rend="hand">Kindern
                        der</hi></add> Ärmsten am schlimmsten erging.</del> Das Schicksal der <del rend="s">Kinder und</del> Lehrlinge im Mittelalter vollzieht sich auf der Ebene
               des modernen Konzentrationslagers. Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich sage,
               dass bis zum 19. Jahrhundert hin die Sterblichkeit der Kinder nach ihrem 3. und 4.
               Lebensjahr durch Misshandlung so groß war, wie durch Krankheit und das heisst
               wirklich nicht wenig. All dies hat nur sehr vermittelt mit der von der Psychoanalyse
                  <del rend="s">gemeinten</del><add place="superlinear"><hi rend="hand"><unclear>gege??el?</unclear></hi></add> individuellen
               Triebunterdrückung <del rend="s">bei den Kindern</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">in den Familien</hi></add> des 19. Jahrhunderts zu tun, auf die Sie
               hinweisen. Dies hängt vielmehr direkt mit dem Bild der unschuldigen Kindheit
               zusammen, das sich die Bourgeoisie des 19. Jahrhunderts als eine Ausflucht schuf.<add place="left"><hi rend="hand">Das <add place="superlinear"><hi rend="hand">wirkliche</hi></add> Kind <hi rend="underline">musste</hi> eben unschuldig sein. </hi></add>Im 20.
               tritt dann die Strukturveränderung des Ödipuskomplexes ein, <del rend="s">auf</del>die der Aufsatz <del rend="s">anspielt</del><add place="intralinear"><hi rend="hand">beschreibt</hi></add>.</p>
            <p>Entscheidend sind die Fragen, die Sie auf Seite 14 und den folgenden
                  <q>Bemerkungen</q> berühren. <del rend="s">Ihre Beantwortung, bescheidender
                  gesagt, ihrer Förderung dient im Grund unsere <add place="superlinear"><hi rend="hand">meine</hi></add> ganze Arbeit hier.</del> Ich <add place="left"><hi rend="hand">weiss nicht, ob ich Sie ganz verstanden habe. Mir scheint,
                        <del rend="s"> in dem</del> was Sie sagen, <del rend="s">???</del> ein<add place="superlinear"><hi rend="hand">wichtiges</hi></add> Zugeständnis zu
                     unserer Denkart zu enthalten.</hi></add><del rend="s">glaube, dass der
                  Gegensatz <add place="superlinear"><hi rend="hand">unserer</hi></add> der beiden
                  Auffassungen, im Interesse seiner Aufhebung, zunächst noch radikaler gefasst
                  werden kann, als es in den <q>Bemerkungen</q> geschieht.</del> Indem <del rend="s">diese</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">Sie</hi></add> nämlich die Ansicht von der
               reinen Entmenschlichung <add place="superlinear"><hi rend="hand">verneinen</hi></add>, die der Aufsatz übrigens nicht behauptet, <pb n="7"/><del rend="s">verneinen</del>, setzen Sie zugleich den Begriff der reinen
               Menschlichkeit, den Sie doch im Interesse der Lehre vom radikal Bösen ablehnen
                  wollen<add place="superlinear"><hi rend="hand">, voraus</hi></add>. <del rend="s">
                  So will es mir wenigstens scheinen.</del> Wenn man aber diesen Begriff oder den
               der Wahrheit auch nur als theoretische Funktion gelten lässt, geschweige denn als
               Grundmotiv des Denkens, so wird man finden, dass seine negierende Kraft in der Tat
               das Leben des Geistes ausmacht. Sie haben Recht, dass man damit <q>irgendwie
                  ausserhalb</q> steht. Aber dieses Draussenstehen lässt sich, wie ich glaube, nicht
               durch die Angabe irgendeines <q>Restes</q>, die Bezeichnung einzelner Gruppen oder
               Programme als <del rend="s">die</del><add place="superlinear"><hi rend="hand">der</hi></add>
               <del rend="s">N</del><add place="superlinear">n</add>ichtentmenschlichten, bestimmen.
               Solche Vergegenständlichung scheint mir vielmehr mit der Selbstpreisgabe der Theorie
               an die ins Unheil verstrickte Praxis identisch zu sein. Ein Beispiel dafür ist der
               interessante Artikel von <rs ref="#tillich_person_id__1390" type="person">Niebuhr</rs>
               <q>A faith for history's greatest crisis</q> in der Juli Nummer von
                  <q>Fortune</q>, den ich mit grosser Erschütterung gelesen habe. Schon der Titel
               zeigt die Waffenstreckung vor dem Pragmatismus an.<add place="left"><hi rend="hand">Er begründet aus <unclear>dem <q>Bichn</q></unclear>, was man sich nur
                     wünschen kann.</hi></add></p>
            <p>Wird von jenem Ausserhalb anders gesprochen als durch die sich äussernde Negativität
               des unbestechlichen Gedankens, so wird das Draussen zum Drinnen, der <q>Rest</q> geht
               auf und die Gruppen werden aus Zeugen und Kämpfern der Wahrheit zu Apologeten von
               Gesinnung und Institutionen. Darf ich uns noch einmal selbst zitieren? <del rend="s">In</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">An</hi></add> einer Stelle, an der wir uns
               mit dem Vorwurf von der Einseitigkeit der Negativität auseinandersetzen, <del rend="s">welche</del>
               <add place="superlinear"><hi rend="hand">weil sie</hi></add> das Gute an der Macht
                  <del rend="s">zu</del> unterschlage<del rend="s">n scheint</del>, heisst es<lb/>
               <q>.....(Die Lüge insinuiert.....</q>)<lb/>Die Vorstellung von der bisherigen
               Geschichte als Vorgeschichte ist kein Wunderglaube, denn das Denken hängt nicht an
               den mehr oder minder verifizierbaren Voraussagen einer besseren Gesellschaft. Es
               vermag jedoch deren, wenn auch noch so schwachen, Garanten zu bilden, indem es der
               Erfahrung der schlechten Vergangenheit immer wieder die Treue aufsagt. Wenn ich jetzt
               die letzten Sätze der <q>Bemerkungen</q> wieder lese, so finde ich, dass sie trotz
               der Widersprüche dem eben Ausgesprochenen <del rend="s">gar</del> nicht so fern sind.
               Diese Identität zur Klarheit zu erheben halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben,
               deretwegen ich hier bin.</p>
            <p>Darf ich Ihnen sagen, dass Ihr Brief<note type="ea">liegt nicht vor</note> gegen <rs ref="#tillich_person_id__1220" type="person">Ludwig</rs> an den Aufbau für mich zu den Lichtblicken im Dunkel<pb n="8"/> der Emigration gehört.</p>
            <p>Ihnen und den Ihrigen sende ich die liebsten Wünsche für einen guten Fortgang der wohlverdienten Erholung, denen sich <rs ref="#tillich_person_id__932" type="person">Maidon</rs> aufs wärmste
            anschliesst.</p>
            <closer>
               <salute>Herzlichst,</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__931" type="person"/></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__710">
                  <placeName>Japan</placeName>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1263">
                  <persName>Marcuse, Herbert</persName>
                  <occupation>Deutsch-US-amerikanischer Philosoph, Politologe und Soziologe</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Marcuse, Herbert (19.7.1898 Berlin – 29.7.1979 Starnberg) war Philosoph. Nach Promotion 1922 und Studien bei Husserl und Heidegger arbeitete er 1932–1943 am Institut für Sozialforschung, emigrierte in die USA und war später Professor für Politikwissenschaft. Er verband marxistische Revolutionstheorie mit kritischer Theorie, Psychoanalyse, Surrealismus und zeitgenössischen Strömungen wie Feminismus. Zentral war seine Kritik des »technologischen Apriori«, das er durch ästhetische, moralische und erotische Transformation des Alltags zu überwinden suchte. In den 1960er Jahren wurde er zu einer Leitfigur der Studenten- und Bürgerrechtsbewegung.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1228">
                  <persName>Luther, Martin</persName>
                  <birth>
                     <date>1483-11-10</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Eisleben</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1546-02-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Eisleben</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118575449</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Martin Luther (10. November 1483 – 18. Februar 1546) war ein deutscher Reformator und Theologe. Nach seinem Studium in Erfurt trat er 1505 in ein Kloster ein, wurde 1512 promoviert und wirkte als Professor in Wittenberg. 1517 löste er mit seinen Thesen gegen den Ablass den Bruch mit der Papstkirche aus, der 1521 zur Exkommunikation führte. In der Folge entwickelte er seine reformatorische Theologie und übersetzte die Bibel ins Deutsche. Seine Lehre betonte die Gnade Gottes und die Autorität der Schrift und prägte Kirche und Kultur nachhaltig.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1390">
                  <persName>Niebuhr, Reinhold</persName>
                  <occupation>US-amerikanischer Theologe</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Niebuhr, Karl Paul Reinhold (21.6.1892 Wright City, Missouri – 1.6.1971 Stockbridge, Massachusetts) war ein US-amerikanischer evangelischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler. Er stammte aus einer deutschen Einwandererfamilie, studierte an der Yale Divinity School, wurde 1915 ordiniert und war bis 1928 Pfarrer in Detroit. Von 1928 bis 1960 lehrte er Religionsphilosophie am Union Theological Seminary in New York. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften, hielt 1939 die Gifford Lectures und erhielt mehrere Ehrendoktorate. 1931 heiratete er Ursula Mary Keppel-Compton.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1521">
                  <persName>Pollock, Friedrich</persName>
                  <occupation>Deutscher Soziologe und Ökonom</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Bereits als Jugendlicher lernte er Max  Horkheimer kennen, mit dem gemeinsam er zeitlebens in Arbeitsteilung und engster Freundschaft zusammenlebte. Ab 1919 Studium der Nationalökonomie und nebenher Philosophie in München, Freiburg und Frankfurt/Main, 1923 Promotion. P. war von Beginn an am Frankfurter Institut für Sozialforschung beschäftigt, hauptsächlich im administrativen Bereich. 1933 Emigration, zunächst nach Genf, 1934 weiter in die USA, wo das übersiedelte Institut in New York in den Räumen der Columbia Universität unterkam. P. war in den Folgejahren weiterhin für die Finanzen und Administration des Instituts zuständig. 1935 heiratete er die geschiedene gebürtige Französin Andrée Marx (1898-1939), geb. Woog, die er bereits seit Jugendtagen kannte. 1950 ging P. zurück nach Deutschland, 1959 zog er gemeinsam mit Horkheimer ins schweizerische Montagnola.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__118">
                  <persName>Baeumker, Clemens</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2074">
                  <persName>Wilhelm von Ockham</persName>
                  <birth>
                     <date>1285</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Ockham</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1347</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118633015</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Ockham, Wilhelm von (ca. 1288 Ockham, Surrey – 9.4.1347 München) war franziskanischer Philosoph, Theologe und politischer Theoretiker der Spätscholastik. Er gilt als Hauptvertreter des Nominalismus und wurde durch das nach ihm benannte „Rasiermesser“ bekannt, das die Bevorzugung einfacher Hypothesen fordert. Seine Schriften behandeln Logik, Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Ethik und Politik. Wegen seiner Parteinahme im Armutsstreit der Franziskaner geriet er in Konflikt mit Papst Johannes XXII., wurde exkommuniziert und fand Zuflucht in München, wo er bis zu seinem Tod wirkte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__882">
                  <persName>Herder, Johann Gottfried</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__15">
                  <persName>Adorno, Theodor W.</persName>
                  <birth>
                     <date>1903-09-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__143">Frankfurt am Main</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1969-08-06</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__462">Visp</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Musik- und Sozialphilosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118500775</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Theodor W. Adorno (11. September 1903 – 6. August 1969) war ein Philosoph, Soziologe, Komponist und Pädagoge aus Deutschland. Gemeinsam mit Max Horkheimer gilt er als einer der zentralen Vertreter der Kritischen Theorie, auch Frankfurter Schule genannt. Aufgewachsen in wohlhabendem Frankfurter Milieu, erhielt er eine intensive musikalische Bildung und beschäftigte sich früh mit Kant. Nach philosophischem Studium widmete er sich der Komposition im Umkreis von Arnold Schönberg und arbeitete als Musikkritiker. Ab 1931 lehrte er als Privatdozent in Frankfurt, bis ihm die Nationalsozialisten 1933 die Lehrtätigkeit untersagten. Während der NS-Zeit emigrierte er in die USA, wo er am Institut für Sozialforschung tätig war, empirische Studien zum autoritären Charakter durchführte und mit Horkheimer die Dialektik der Aufklärung verfasste. Nach seiner Rückkehr leitete er das wiedereröffnete Frankfurter Institut mit und wirkte als öffentlicher Intellektueller auf das geistige Leben Nachkriegsdeutschlands ein. Sein Denken steht in der Tradition von Kant, Hegel, Marx und Freud. Trotz inhaltlicher Nähe zur Studentenbewegung distanzierte er sich von deren Aktionismus und Gewaltbereitschaft.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1220">
                  <persName>Ludwig, Emil</persName>
                  <occupation>Schriftsteller und Übersetzer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118780778</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__931">
                  <persName>Horkheimer, Max</persName>
                  <occupation>Sozialphilosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118553615</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Max Horkheimer (14. Februar 1895 – 7. Juli 1973) war ein deutscher Sozialphilosoph und zentrale Figur der Frankfurter Schule. Nach kaufmännischer Lehre und Kriegsdienst studierte er Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie, promovierte 1922 in Frankfurt und habilitierte sich dort 1925. Auf Betreiben Paul Tillichs erhielt er 1930 das Ordinariat für Sozialphilosophie und damit die Leitung des Instituts für Sozialforschung. 1933 emigrierte er über Genf in die USA, wo mit Adorno die Dialektik der Aufklärung entstand. Sein Programm einer interdisziplinären Gesellschaftsforschung nannte er ab 1937 Kritische Theorie. 1949 kehrte er nach Frankfurt zurück und leitete 1951 bis 1953 die Universität.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__589">
                  <persName>Fichte, Johann Gottlieb</persName>
                  <birth>
                     <date>1762-05-19</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rammenau</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1814-01-29</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118532847</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johann Gottlieb Fichte (19. Mai 1762 – 29. Januar 1814) war ein deutscher Philosoph und Erzieher. Als Professor in Jena und Berlin prägte er die Frühphase des Deutschen Idealismus und bereitete mit seiner Wissenschaftslehre den Übergang von Kants Kritizismus zu Hegels Systemdenken vor. Fichte verband theoretische Philosophie mit einer Ethik der Freiheit und gilt als einer der geistigen Wegbereiter des modernen Selbstbewusstseins.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__494">
                  <persName>Duns Scotus</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Duns Scotus (1265/66? Duns, Schottland – 8. November 1308 Köln) war ein schottischer Franziskaner, der nach Studien und Sentenzen-Vorlesungen in Oxford und Paris 1307 als Lector principalis an das Kölner Konventstudium kam. In seinem unvollendeten Hauptwerk, der Ordinatio zu Petrus Lombardus, und in De primo principio entwickelte er Schlüsselideen wie den univoken Seinsbegriff, die formale Unterscheidung, die haecceitas als Prinzip der Individuation sowie einen Gottesbeweis aus dem Begriff des unendlichen Seienden, wobei er Philosophie und Theologie strikt trennte und zugleich die göttliche Willensfreiheit (Akzeptationslehre) betonte. Diese „subtile“ Metaphysik begründete den Scotismus und wirkte von Ockham und Suárez über die barocke Schulmetaphysik bis hin zu Leibniz, Wolff und modernen Denkern wie Heidegger fort.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2397">
                  <persName>Weil, Felix</persName>
                  <birth>
                     <date>1898-02-08</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Buenos Aires</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1975-09-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Dover, Del.</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Institutsgründer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/117251062</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Er war der Gründer/Finazier des Instituts für Sozialforschung.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__932">
                  <persName>Horkheimer, Rose Christine</persName>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>