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         <titleStmt>
            <title>Brief von Hannah Arendt an Paul Tillich vom 22. Juli 1942</title>
            <author ref="#tillich_person_id__75">Hannah Arendt</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>Deutschland</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__143">Frankfurt a.M.</settlement>
                  <institution>Goethe-Universität Frankfurt</institution>
                  <repository>Universitätsbibliothek Frankfurt</repository>
                  <collection>UBA Ffm</collection>
                  <idno>Na 1<!-- 	The Hannah Arendt Papers at the Library of Congress, General Correspondence 1938-1976  --></idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich <!-- übernommen von einem bereits veröffentlichten Transskript --></p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
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         </sourceDesc>
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      <encodingDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__75">Hannah Arendt</persName>
               <date when="1942-07-22">22.07.1942</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__75">Korrespondenz mit Hannah Arendt</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__75" target="L10536.xml">Brief von Hannah Arendt an Paul Tillich vom 10. November 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__75" target="L10590.xml">Brief von Hannah Arendt an Paul Tillich vom 19. August 1942</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10584.xml">Brief von Karl O. Paetel an Paul Tillich vom 18. Juli 1942</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10586.xml">Postkarte von Paul Tillich an Nina Rubinstein vom 6. August 1942</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1942-07-22"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2025-12-14">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener>
               317 W 95th Street<lb/> <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs>,
               den <dateline><date when="1942-07-22">22. Juli 1942</date></dateline><lb/>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr
                  Tillich</rs> –</salute>
            </opener>
            <p>ich muss Ihnen sagen, wie ungeheuer ich mich gefreut habe über Ihren Protest<!-- vermutlich: Tillich, Paul. „Was soll mit Deutschland geschehen? Gegen Emil Ludwigs neueste Rede“. Aufbau (New York) 8, Nr. 29 (17. Juli 1942): 5. --> gegen
               die <rs ref="#tillich_person_id__1220" type="person">Ludwig</rs>'sche Hetzrede<!-- Ludwig, Emil. „Ludwig Asks Fight on ‘German People’“. New York Times, 6. Juli 1942, S. 14.
               bzw. Ludwig, Emil. „Was soll mit Deutschland geschehen?“ Aufbau (New York) 8, Nr. 30 (24. Juli 1942): 5–6.-->. Ich bin
            der Meinung, dass Sie den jüdischen Emigranten mit Ihrer Aufforderung, sich zu dieser Frage zu äussern,
            einen grossen Dienst erwiesen haben. Wir werden vielleicht durch Ihr mutiges Vorgehen es endlich
            erreichen können, klare Fronten herzustellen.</p>
            <p>Sie haben natürlich ganz recht: es handelt sich um nichts anderes als einen auf den
               Kopf gestellten Antisemitismus. Dieser ist, fürchte ich, viel populärer als wir
               ahnen. <rs ref="#tillich_person_id__1220" type="person">Ludwig</rs> jedenfalls gilt
               als einer der beliebtesten Redner der Emigration; ich habe die von ihm geäusserten
               Ansichten von vielen Emigranten schon vernommen und obwohl ich nicht glaube, dass
               viele Leute es wagen werden, Ihnen öffentlich zu widersprechen, habe ich den
               Eindruck, dass in diesem Streit <hi>innerhalb der Emigration</hi> nur eine Minorität
               eindeutig auf Ihrer Seite stehen wird. Ich hörte bereits, dass Sie eben auch ein
               Antisemit seien, dass eben alle Goien Antisemiten seien und was derartige törichte
               Redensarten mehr sind.</p>
            <p>Nun scheint mir, dass Sie diese Reaktion wie auch den Vorfall selbst nicht allzu
               tragisch nehmen dürften. Schliesslich ist nur eine schmale Elite von deutscher
               Intelligenz weggegangen, während die jüdischen Flüchtlingen naturgemaess in ihrer
               überwältigenden Mehrheit aus verhinderten Gleichgeschalteten bestehen. Sie holen das
               nach so gut sie immer können. Das trifft auf <rs ref="#tillich_person_id__1220" type="person">Ludwig</rs> natürlich besonders zu, der mit seinem Kult der Grossen
               Männer wirklich das seinige für die Vorbereitung deutschen Bürgertums auf den
               Führerkult getan hat. Es hat ihn dann ja auch prompt in <rs ref="#tillich_person_id__1372" type="person">Mussolini</rs>s Arme geleitet,
               nachdem <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs> offenbar für
               einen jüdischen Biographen keine Verwendung hatte.</p>
            <p>Was nun Ihren Protest selbst anlangt, so begrüsse ich ihn aus zwei Gründen: einmal
               war ich immer der Meinung, dass der Wald- und Wiesenemigrant, der niemals so genau
               weiss, ob er gerade ein Jude oder ein Deutscher oder sonst wer ist, für die deutsche
               politische Emigration eine untragbare Belastung darstellt; und erlauben Sie mir zu
               sagen, dass ich hoffe, Sie werden gezwungen sein, sich von diesen verhinderten
               Gleichgeschalteten zu trennen. Was nun uns Juden selbst angeht, so sind wir in einer
               besonders schwierigen Lage. Bei allen andern Völker vollzieht sich im Verlauf dieses
               Krieges eine unerbittliche Trennung zwischen den Lumpen und den anständigen Menschen.
               Bei uns ist dies nicht der Fall: der Jude z. B., der gestern noch <rs ref="#tillich_person_id__4408" type="person">Franco</rs> finanziert hat oder nach
                  <rs ref="#tillich_place_id__343" type="place">Paris</rs> zurückgefahren ist, um
               dort mit den Nazis Geschäfte zu machen, erscheint morgen und erklärt, er sei ein
               Flüchtling. Das Schlimmste ist, dass er recht hat; er ist wirklich ein Flüchtling
               ganz egal was er getan oder gewollt hat. Wir sind natürlich nur zu interessiert
               daran, diese Herren wenigstens politisch loszuwerden. Es pflegen erfahrungsgemäss die
               Gleichen zu sein, die dann aus enttäuschter <q>Liebe</q> Vernichtungsmassnahmen oder
               Moralpredigen vorschlagen. Indem Sie die dem Antisemitismus entsprechenden
               Verhaltungsweisen der Juden aufdecken, helfen Sie uns natürlich, diese Scheidung zu
               erzwingen.</p>
            <closer>
                  <salute>Mit allen Guten Wünschen für Ihre Ferien bin ich <lb/>Ihre</salute>
               <signed>(<rs ref="#tillich_person_id__75" type="person">Hannah Arendt-Bluecher</rs>)</signed>
               </closer>
            <postscript><p>P.S. <rs ref="#tillich_person_id__3339" type="person">Frau Fraenkel</rs> erzaehlte mir gerade,
            dass das Em. Comm. f. displ. Scholars Sie meinetwegen in den Ferien belästigt hat. Das tut mir
            aufrichtig leid – und ich danke ebenso aufrichtig für Ihre Hilfe.</p></postscript>
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   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__910">
                  <persName>Hitler, Adolf</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau am Inn – 30. April 1945, Berlin) war Vorsitzender der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und ab 1934 als „Führer“ diktatorischer Staats- und Regierungschef des Deutschen Reiches. Er entfesselte 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der über 70 Millionen Menschen das Leben kostete, und trug die Hauptverantwortung für den Holocaust an den europäischen Juden. Als oberster Befehlshaber der Wehrmacht führte er eine totalitäre Herrschaft, die Terror, Propaganda und aggressive Expansion vereinte und große Teile Europas verwüstete. Beim Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ beging Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid; eine Grabstätte gibt es nicht.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
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                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
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                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4408">
                  <persName>Franco, Francisco</persName>
                  <birth>
                     <date>1992-12-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Ferrol</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1975-11-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Madrid</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Spanischer General und Diktator</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11853470X</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1220">
                  <persName>Ludwig, Emil</persName>
                  <occupation>Schriftsteller und Übersetzer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118780778</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3339">
                  <persName>Fränkel, Hilde</persName>
                  <occupation>Sekretärin von Paul Tillich</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__75">
                  <persName>Arendt, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1906-10-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Linden (Hannover)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1975-12-04</date>
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                        <placeName>New York, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philosophin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11850391X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden geboren. 1933 musste die jüdisch stämmige Philosophin Deutschland zunächst verlassen und ging nach Frankreich. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich emigrierte sie später in die Vereinigten Staaten. Besondere Aufmerksamkeit erlangte sie unter anderem für ihr Werk Eichmann in Jerusalem, das sie nach ihrer Teilnahme am Adolf-Eichmann-Prozess verfasste. Darin prägte sie vor allem das Konzept der „Banalität des Bösen“. Wie Paul Tillich zählt auch Hannah Arendt zu den Public Intellectuals des 20. Jahrhunderts.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1372">
                  <persName>Mussolini, Benito</persName>
               </person>
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                  <placeName>Paris</placeName>
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