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         <titleStmt>
            <title>Brief von Alex Lorch an Paul Tillich vom 16. Dezember 1941</title>
            <author ref="#tillich_person_id__3863">Alex Lorch</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/137(17)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
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         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__3863">Alex Lorch</persName>
               <date when="1941-12-16">16.12.1941</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__3863">Korrespondenz mit Alex Lorch</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10541.xml">Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 06. Dezember 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10543.xml">Brief von Paul und Hannah Tillich an Max und Maidon Horkheimer vom 21. Dezember 1941</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1941-12-16"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-10-07">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><date when="1941-12-16">16. Dezember 1941.</date></dateline>
               <salute>Sehr geehrter <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr Professor
                  Tillich</rs>!</salute>
            </opener>
            <p>Ich schicke Ihnen beiliegend Abschrift eines Briefes von <rs ref="#tillich_person_id__483" type="person">
            Anton Döring</rs>, den ich dieser Tage erhielt.</p>
            <closer>
               <salute>Mit besten Grüssen</salute>
               <signed>Ihr sehr ergebener<rs ref="#tillich_person_id__3863" type="person"><hi rend="hand">Lorch</hi></rs></signed>
            </closer>
         </div>
         <div type="writingsessionangehängterBrief"><pb n="1"/><opener><rs ref="#tillich_place_id__1039" type="place">St. Gallen</rs>, Brauerstrasse 35,
                     <dateline><date when="1941-11-22">den 22. Nov. 41.</date></dateline>
               <salute>Mein lieber Freund <rs ref="#tillich_person_id__3863" type="person">Alex</rs>!</salute></opener>
         <p>Mein Telegramm<!--<note type="ea">liegt nicht vor</note> --> wirst Du inzwischen schon in Händen
               haben und weisst nun, dass es mir und meinen Lieben noch gut geht. Der Grund meines
               mehrmonatigen Schweigens liegt darin, dass ich im Laufe dieses Sommers hier einen
               richtigen Existenzkampf geführt habe. Du wirst vielleicht erstaunt sein, wenn Du
               hörst, um was es sich handelt. Man wollte mich wie andere in ein Arbeitslager
               stecken. Das wäre an sich noch nicht schlimm gewesen, wenn man ein Ende dieses
               Lagerlebens voraussehen könnte. Das kann man aber nicht. Nun habe ich mich schon etwa
               2 Jahre mit einer amerikanischen Erfindung beschäftigt, Pflanzen, d.h. Nährpflanzen
               und Zierpflanzen ohne Erde in Wasser zu kultivieren. Das ist für die <rs ref="#tillich_place_id__397" type="place">Schweiz</rs> noch vollkommen neu im
               Hinblick auf die wirtschaftliche Ausbeutung dieses Verfahrens. Kurz vor meiner
               Einberufung ins Arbeitslager machte ich nun den hiesigen Behörden den Vorschlag, mich
               derartige Versuche machen zu lassen. Viele Leute, darunter sogar Chemiker, hielten
               mich nicht mehr richtig bei Verstand, als sie sahen, dass ich mit aller mir eigenen
               Zähigkeit für diesen meinen Vorschlag zu kämpfen begann. Agronomen von Bedeutung,
               sogar die Eidgenössische Technische Hochschule in <rs ref="#tillich_place_id__480" type="place">Zürich</rs> hielt von der Sache garnichts – aber am Ende liess man
               mich doch zu Versuchen kommen und zwar in der Gärtnerei der Kantonalen Strafanstalt
               Kolonie <rs ref="#tillich_place_id__1040" type="place">Saxeriet</rs> im <rs ref="#tillich_place_id__1041" type="place">Rheintal</rs>. Ich bin noch an diesem
               Ort und der Brief wird noch in der Strafanstalt geschrieben. Aber in einigen Tagen
               kann ich die Versuche als beendet erklären. Und zwar haben sie mit einem in jeder
               Hinsicht vollem Erfolg geendet. Ich stand unter einem furchtbaren Druck. Mein
               Ansehen, sogar meine Ehre stand auf dem Spiel. Unter stärkster Konzentration und mit
               einer unerhörten Arbeitsintensität habe ich diesen Erfolg erkämpft und nun kann ich
               in einigen Tagen wieder mit erhobenem Haupte nach <rs ref="#tillich_place_id__1039" type="place">St. Gallen</rs> zurueckkehren. Meine Lage hier im Lande hat sich wohl
               durch dies<supplied>en</supplied> Verlauf der Sache wesentlich geändert und es liegen
               Anzeichen dafür vor, dass in nächster Zeit, wohl im Laufe des kommenden Frühjahrs,
               die Sach<supplied>e</supplied> irgendwo in grösserem Ausmass praktiziert werden wird.
               Das ist die Lage, in welcher ich mich befinde.</p> 
         <p>In dieser arbeitsreichen Zeit habe ich alle meine Freunde sehr vernachlässigt. Du und
               die anderen Freunde in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>
               werden dies gewiss entschuldigen. Willst Du <rs ref="#tillich_person_id__3885" type="person">Ernst Langendorf</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Tillich</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__1209" type="person">Löwe</rs> von diesem Sachverhalt in Kenntnis setzen, damit sie wissen, bei <rs ref="#tillich_person_id__483" type="person">Anton Döring</rs> wird alte Treue nie
               vergessen. Meine Uebersiedlung nach dort mit Familie wird wohl nie zu stande
                  g<supplied>e</supplied>bracht werden können, denn meine Durchreise durch <rs ref="#tillich_place_id__685" type="place">Spanien</rs> halte ich unter den
               gegebenen Umständen nicht für ratsam. So müssen wir die europäische Tragödie hier
               verleben in der festen Hoffnung, dass der, welcher die Gerechtigkeit auf Erden
               begründet hat, sie auch nicht untergehen lassen wird. Wir befinden uns auf dem
               letzten Felsen der Freiheit auf dem Kontinent <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place"> Europa</rs> und wir wissen nicht, was auch noch diesem Felsen
               bevorsteht. Fällt auch dieser, dann wissen wir, dass wir zu den Grundsätzen, für die
               wir ein Leben lang gekämpft und gestritten haben, in Treue gestanden haben.</p>
         <closer><salute>Ich drücke Dir, Deiner lieben Frau und den anderen oben genannten Freunden im Geiste herzlich
         die Hand.</salute>
         <signed>Dein <rs ref="#tillich_person_id__483" type="person">Anton</rs>.</signed></closer>
            
         
         
         </div>
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                  <placeName>Europa</placeName>
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                  <placeName>St. Gallen</placeName>
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                  <placeName>Zürich</placeName>
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                  <placeName>Strafanstalt Saxerriet</placeName>
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                  <placeName>Rheintal</placeName>
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                  <placeName>Schweiz</placeName>
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               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__483">
                  <persName>Döring, Anton</persName>
                  <occupation>Gewerkschaftsfunktionär</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>1906-1909 Gartenbaulehrte, 1911 Eintritt in die SPD (später vorübergehend Mitglied der USPD), 1919-1922 Geschäftsführer des Frankfurter Gärtnereiverbandes und 1922-1928 des Staats- und Gemeindearbeiterverbandes Offenbach. 1928-1933 war er Sekretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Frankfurt/Main. 1933 flüchtete er in die Schweiz, nachdem er zuvor in seiner Funktion als Reichsbanner-Führer einen bewaffneten Widerstand des RB vorbereitet hatte. In der Schweiz weiter gärtnerische Tätigkeit, daneben unter dem Decknamen Bärtschi Zellenbildung und Einfuhr von Druckschriften, Aufbau einer illegalen Gewerkschaftsorganisation, die 1938 zerschlagen wurde. 1950 kehrte er nach Deutschland zurück, arbeitete wieder als Gärtner in Frankfurt/Main und engagierte sich in der SPD.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3885">
                  <persName>Langendorf, Ernst</persName>
                  <birth>
                     <date>1907-12-15</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rod an der Weil</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1989</date>
                  </death>
                  <occupation>Journalist</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1030297983</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3863">
                  <persName>Lorch, Alex</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1209">
                  <persName>Löwe, Adolf</persName>
                  <occupation>deutscher Soziologe und Nationalökonom</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119383292</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolph Lowe (4. März 1893 – 3. Juni 1995) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialtheoretiker und Philosophiefachmann. Nach akademischer Ausbildung unter führenden Ökonomen begann er 1922 eine Karriere in der staatlichen Wirtschaftsverwaltung. 1926 erwarb er seine Lehrbefähigung durch Forschungen zu Konjunkturbewegungen und trug zur Gründung eines bedeutenden Wirtschaftsforschungsinstituts bei. Zwischen 1926 und 1931 leitete er eine Forschungsabteilung am Kieler Institut und war Vertreter einer angesehenen ökonomischen Schule. Ab 1931 hatte er eine Professur in Frankfurt inne und arbeitete in einem Forschungsinstitut mit soziologischem Schwerpunkt. 1933 emigrierte er nach England und lehrte später ab 1940 an einer New Yorker Universität, wo er bis 1963 die Verbindung von Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftslehre erforschte. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück.</p>
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