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         <titleStmt>
            <title>Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 06. Dezember 1941</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno/> <!-- Horkheimernachlass (Na 1, 52 [19]178r) -->
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
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         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
               <date when="1941-12-06">06.12.1941</date>
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            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__931">Max Horkheimer</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__931">Korrespondenz mit Max Horkheimer</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10540.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 01. Dezember 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10546.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 05. Januar 1942</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10540.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 01. Dezember 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10542.xml">Brief von Alex Lorch an Paul Tillich vom 16. Dezember 1941</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1941-12-06"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-07-08">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><date when="1941-12-06">December 6th. 1941</date>
               <rs ref="#tillich_person_id__931" type="person">Dr. Max Horkheimer</rs>
            13524 d´Este Drive
               <rs ref="#tillich_place_id__851" type="place">Pacific Palisade, Cal.</rs></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__931" type="person">Max</rs> :</salute>
            </opener>
            <p>Es ist furchtbar lieb von Ihnen, uns zu Huetern Ihres Gewissens zu machen. Ich nehme
               die Funktion wenigstens in diesem Fall gern an und gebe Ihnen als alter Priester
               volle Absolution. Wenn Sie in einer produktiven Welle sind – und daran zweifle ich
               nach <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Pollock</rs>s Bericht nicht,
               dann muessen Sie fortfahren und wir sind gern bereit fuer Sie die Lasten und hin und
               wieder auch Freuden des taeglichen Lebens in <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> zu tragen.</p>
            <p>Wie gern ich mit Ihnen über meine propositions reden wuerde, koennen Sie sich denken.
               Warum schreiben Sie mir nicht zum Zweck Ihrer eigenen Selbstklaerung einen kritischen
               Brief ? Ich weiss was solche Briefe fuer meine eigene Entwicklung bedeutet haben,
               auch wenn sie unbeantwortet geblieben sind. Aber Ihnen wuerde ich sogar vielleicht
               antworten.</p>
            <p>Ich selbst sehne mich heraus an die Fortsetzung meiner im Sommer so schoen begonnenen
               Arbeit. Aber ich weiss nicht ob der Wunsch noch erfuellbar ist oder ob das Schicksal
               bestimmt hat, dass die Fetzen frueherer produktiver Ideen, die ich in die Welt
               geschleudert habe das bleiben werden was ich zur Entwicklung des Denkens beitragen
               konnte. Ich fuerchte fast, es ist so bestimmt, obgleich ich mich wie ein auf dem Sand
               zappelnder Fisch dagegen wehre, aber ohne die Kraft, ins Wasser zurueckzukehren.</p>
            <p>Bleiben Sie in Ihrem Wasser und lassen Sie sich weder durch Verlockungen noch durch Gewissensbedenken herauslocken so 
            lange Sie im Schwimmen sind.</p>
            <p>Durch Zufall habe ich gehoert, dass Sie uns auch <rs ref="#tillich_person_id__15" type="person">Teddy</rs> weggelockt haben. Mit 
               <rs ref="#tillich_person_id__1263" type="person">Marcuse</rs> hatte ich einen sehr schoenen Abend und von den Abenden mit
               <rs ref="#tillich_person_id__1209" type="person">Löwe</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Pollock</rs>
               wissen Sie ja das Protokoll.</p>
            <p>Wenn ich an Sie schreibe stehen die Bilder der pazifischen Kueste vor meinen Augen und wenn ich hoere, dass <rs ref="#tillich_person_id__932" type="person">Maidon</rs> im Garten arbeitet moechte ich kommen und mich als Gaertnergehilfe verdingen. Da man hier nicht leben kann, ohne
               <pb n="2"/> zu traeumen, so haben wir schon jetzt angefangen, uns einen Californischen Sommer vorzustellen. Dass er nicht Wirklichkeit 
               werden wird ,dafuer werden schon die Politiker in <rs ref="#tillich_place_id__554" type="place">Washington</rs> sorgen ,deren
            einziges Interesse der Ruin aller Festbezahlten zu sein scheint.</p>
            <p>Habt ihr eigentlich von dem Erdbeben in <rs ref="#tillich_place_id__853" type="place">Long Beach</rs><!-- am 14. November 1941 gab es ein Erbeben
            im Los Angeles (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_earthquakes_in_California), vermutlich bezieht sich Tillich hierauf--> etwas gemerkt ? 
               Ich habe als ich es las heftig an Euch gedacht.
               
               
            </p>
            <closer>
               <salute>Gruessen Sie <rs ref="#tillich_person_id__932" type="person">Maidon</rs> und die andern und seien Sie selbst innigst gegruesst
               von Ihrem</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1263">
                  <persName>Marcuse, Herbert</persName>
                  <occupation>Deutsch-US-amerikanischer Philosoph, Politologe und Soziologe</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Marcuse, Herbert (19.7.1898 Berlin – 29.7.1979 Starnberg) war Philosoph. Nach Promotion 1922 und Studien bei Husserl und Heidegger arbeitete er 1932–1943 am Institut für Sozialforschung, emigrierte in die USA und war später Professor für Politikwissenschaft. Er verband marxistische Revolutionstheorie mit kritischer Theorie, Psychoanalyse, Surrealismus und zeitgenössischen Strömungen wie Feminismus. Zentral war seine Kritik des »technologischen Apriori«, das er durch ästhetische, moralische und erotische Transformation des Alltags zu überwinden suchte. In den 1960er Jahren wurde er zu einer Leitfigur der Studenten- und Bürgerrechtsbewegung.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1521">
                  <persName>Pollock, Friedrich</persName>
                  <occupation>Deutscher Soziologe und Ökonom</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Bereits als Jugendlicher lernte er Max  Horkheimer kennen, mit dem gemeinsam er zeitlebens in Arbeitsteilung und engster Freundschaft zusammenlebte. Ab 1919 Studium der Nationalökonomie und nebenher Philosophie in München, Freiburg und Frankfurt/Main, 1923 Promotion. P. war von Beginn an am Frankfurter Institut für Sozialforschung beschäftigt, hauptsächlich im administrativen Bereich. 1933 Emigration, zunächst nach Genf, 1934 weiter in die USA, wo das übersiedelte Institut in New York in den Räumen der Columbia Universität unterkam. P. war in den Folgejahren weiterhin für die Finanzen und Administration des Instituts zuständig. 1935 heiratete er die geschiedene gebürtige Französin Andrée Marx (1898-1939), geb. Woog, die er bereits seit Jugendtagen kannte. 1950 ging P. zurück nach Deutschland, 1959 zog er gemeinsam mit Horkheimer ins schweizerische Montagnola.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__15">
                  <persName>Adorno, Theodor W.</persName>
                  <birth>
                     <date>1903-09-11</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__143">Frankfurt am Main</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1969-08-06</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__462">Visp</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Musik- und Sozialphilosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118500775</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Theodor W. Adorno (11. September 1903 – 6. August 1969) war ein Philosoph, Soziologe, Komponist und Pädagoge aus Deutschland. Gemeinsam mit Max Horkheimer gilt er als einer der zentralen Vertreter der Kritischen Theorie, auch Frankfurter Schule genannt. Aufgewachsen in wohlhabendem Frankfurter Milieu, erhielt er eine intensive musikalische Bildung und beschäftigte sich früh mit Kant. Nach philosophischem Studium widmete er sich der Komposition im Umkreis von Arnold Schönberg und arbeitete als Musikkritiker. Ab 1931 lehrte er als Privatdozent in Frankfurt, bis ihm die Nationalsozialisten 1933 die Lehrtätigkeit untersagten. Während der NS-Zeit emigrierte er in die USA, wo er am Institut für Sozialforschung tätig war, empirische Studien zum autoritären Charakter durchführte und mit Horkheimer die Dialektik der Aufklärung verfasste. Nach seiner Rückkehr leitete er das wiedereröffnete Frankfurter Institut mit und wirkte als öffentlicher Intellektueller auf das geistige Leben Nachkriegsdeutschlands ein. Sein Denken steht in der Tradition von Kant, Hegel, Marx und Freud. Trotz inhaltlicher Nähe zur Studentenbewegung distanzierte er sich von deren Aktionismus und Gewaltbereitschaft.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__931">
                  <persName>Horkheimer, Max</persName>
                  <occupation>Sozialphilosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118553615</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Max Horkheimer (14. Februar 1895 – 7. Juli 1973) war ein deutscher Sozialphilosoph und zentrale Figur der Frankfurter Schule. Nach kaufmännischer Lehre und Kriegsdienst studierte er Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie, promovierte 1922 in Frankfurt und habilitierte sich dort 1925. Auf Betreiben Paul Tillichs erhielt er 1930 das Ordinariat für Sozialphilosophie und damit die Leitung des Instituts für Sozialforschung. 1933 emigrierte er über Genf in die USA, wo mit Adorno die Dialektik der Aufklärung entstand. Sein Programm einer interdisziplinären Gesellschaftsforschung nannte er ab 1937 Kritische Theorie. 1949 kehrte er nach Frankfurt zurück und leitete 1951 bis 1953 die Universität.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1209">
                  <persName>Löwe, Adolf</persName>
                  <occupation>deutscher Soziologe und Nationalökonom</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119383292</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolph Lowe (4. März 1893 – 3. Juni 1995) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialtheoretiker und Philosophiefachmann. Nach akademischer Ausbildung unter führenden Ökonomen begann er 1922 eine Karriere in der staatlichen Wirtschaftsverwaltung. 1926 erwarb er seine Lehrbefähigung durch Forschungen zu Konjunkturbewegungen und trug zur Gründung eines bedeutenden Wirtschaftsforschungsinstituts bei. Zwischen 1926 und 1931 leitete er eine Forschungsabteilung am Kieler Institut und war Vertreter einer angesehenen ökonomischen Schule. Ab 1931 hatte er eine Professur in Frankfurt inne und arbeitete in einem Forschungsinstitut mit soziologischem Schwerpunkt. 1933 emigrierte er nach England und lehrte später ab 1940 an einer New Yorker Universität, wo er bis 1963 die Verbindung von Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftslehre erforschte. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__932">
                  <persName>Horkheimer, Rose Christine</persName>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__853">
                  <placeName>Long Beach</placeName>
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                  <placeName>Washington, D.C.</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q61</idno>
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