<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10540.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10539.xml" next="L10541.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 01. Dezember 1941</title>
            <author ref="#tillich_person_id__931"> Max Horkheimer</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>Deutschland</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__143">Frankfurt a.M.</settlement>
                  <institution>Goethe-Universität Frankfurt</institution>
                  <repository>Universitätsbibliothek Frankfurt</repository>
                  <collection>UBA Ffm</collection>
                  <idno>Na 1 Nr. 52</idno><!-- Johann Wolfgang Goethe-Universität, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Archivzentrum: UBA Ffm (Na 1, 52 [22] 181r) -->
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__931">Max Horkheimer</persName>
               <date when="1941-12-01">01.12.1941</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__931">Korrespondenz mit Max Horkheimer</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10510.xml">Brief von Max Horkheimer an Paul Tillich vom 20. Dezember 1940</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__931" target="L10541.xml">Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 06. Dezember 1941</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10539.xml">Brief von Werner Richter an Paul Tillich vom 30. November 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10541.xml">Brief von Paul Tillich an Max Horkheimer vom 06. Dezember 1941</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1941-12-01"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-07-05">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener>13524 d´Este Drive<lb/>
               <rs ref="#tillich_place_id__851" type="place">Pacific Palisade, California</rs>
               <dateline><date when="1941-12-01">1. December 1941</date>
            </dateline>
               <salute>Liebe <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1923">Freunde</rs></rs>:</salute>
            </opener>
            <p>Diese Zeilen sollen nur Zeichen unserer guten Gedanken sein. Ob meine
               leidenschaftlichen Versuche, etwas zustande zu bringen, ueber das wir alle froh sein
               duerfen, wirklich zum Ziel fuehren, weiss ich nicht. Ich lerne erst jetzt den vollen
               Umfang meiner Maengel kennen. Das Missverhaeltnis zwischen den Kraeften und der
               Aufgabe ist grauenvoll. Aber niemand kann dankbarer fuer die Zeit sein, die ihm zur
               Besinnung geschenkt ist, und ich verspreche Euch dass ich jede Stunde nuetzen
               will.</p>
            <p>Ernsthaft bedrueckt mich mein Versprechen an <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__1209" type="person">Lowe</rs>, diesen Winter zurueckzukehren. Ich hatte ja sehnlich gehofft, dass wir
               uns gegen Ende des Sommers sprechen. Wenngleich Eure lieben Briefe aus <rs ref="#tillich_place_id__852" type="place">Rehoboth Beach</rs> damals die traurige
               Nachricht brachten, dass dies nicht zu verwirklichen war, habe ich doch keinen
               Augenblick das Gefuehl gehabt, dass unsere Verbindung, unser Einverstaendnis
               unterbrochen ist. Mit "Reason and Revolution" gehe ich taeglich um und leide freilich
               darunter, dass ich einzelne Punkte nicht im Gespraech aufhellen kann. Aber nun stehe
               ich vor der Frage, ob ich eine Reise jetzt verantworten kann. Wenn ich Ende Dezember
               nach <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place"> New York</rs> fahre, anstatt dass
                  <rs ref="#tillich_person_id__1521" type="person">Pollock</rs> hierherkommt, wird
               er sich nicht erholen, und fuer mich bedeutet die Unterbrechung einen Rueckfall von
               vielen Wochen.</p>
            <p>Wollt Ihr so lieb sein und mir ein <sic>paat</sic> Worte schreiben? Eines steht fest: Der Gedanke, dass Ihr mein Verhalten ernsthaft
            missbilligen koenntet, waere meinem Vorhaben gefaehrlicher als eine Unterbrechung noch so vieler Wochen.</p>
            <p><rs ref="#tillich_person_id__932" type="person">Maidon</rs> laesst aufs herzlichste gruessen. Sie ist fast den ganzen Tag in Haushaltung und Garten beschaeftigt.
            Ihr haettet Eure Freude an ihr, und ihr wisst, wie ich meine, dass Ihr zu den ganz wenigen Menschen gehoert, an denen sie mit wirklicher Liebe
            haengt.</p>
            <closer>
               <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1923">Dr. &amp; Mrs. Paul Tillich</rs></rs>
               99 Claremont Avenue
               <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York City</rs>, N.Y.
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1521">
                  <persName>Pollock, Friedrich</persName>
                  <occupation>Deutscher Soziologe und Ökonom</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Bereits als Jugendlicher lernte er Max  Horkheimer kennen, mit dem gemeinsam er zeitlebens in Arbeitsteilung und engster Freundschaft zusammenlebte. Ab 1919 Studium der Nationalökonomie und nebenher Philosophie in München, Freiburg und Frankfurt/Main, 1923 Promotion. P. war von Beginn an am Frankfurter Institut für Sozialforschung beschäftigt, hauptsächlich im administrativen Bereich. 1933 Emigration, zunächst nach Genf, 1934 weiter in die USA, wo das übersiedelte Institut in New York in den Räumen der Columbia Universität unterkam. P. war in den Folgejahren weiterhin für die Finanzen und Administration des Instituts zuständig. 1935 heiratete er die geschiedene gebürtige Französin Andrée Marx (1898-1939), geb. Woog, die er bereits seit Jugendtagen kannte. 1950 ging P. zurück nach Deutschland, 1959 zog er gemeinsam mit Horkheimer ins schweizerische Montagnola.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1209">
                  <persName>Löwe, Adolf</persName>
                  <occupation>deutscher Soziologe und Nationalökonom</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119383292</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolph Lowe (4. März 1893 – 3. Juni 1995) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialtheoretiker und Philosophiefachmann. Nach akademischer Ausbildung unter führenden Ökonomen begann er 1922 eine Karriere in der staatlichen Wirtschaftsverwaltung. 1926 erwarb er seine Lehrbefähigung durch Forschungen zu Konjunkturbewegungen und trug zur Gründung eines bedeutenden Wirtschaftsforschungsinstituts bei. Zwischen 1926 und 1931 leitete er eine Forschungsabteilung am Kieler Institut und war Vertreter einer angesehenen ökonomischen Schule. Ab 1931 hatte er eine Professur in Frankfurt inne und arbeitete in einem Forschungsinstitut mit soziologischem Schwerpunkt. 1933 emigrierte er nach England und lehrte später ab 1940 an einer New Yorker Universität, wo er bis 1963 die Verbindung von Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftslehre erforschte. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__932">
                  <persName>Horkheimer, Rose Christine</persName>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__851">
                  <placeName>Pacific Palisades</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>34.04806 -118.52647</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5380378/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q1370207</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__319">
                  <placeName>New York City</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>40.71427 -74.00597</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5128581/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q60</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__852">
                  <placeName>Rehoboth Beach (DE)</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>38.72095 -75.07601</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/4144284/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q755106</idno>
               </place>
               </listPlace></back></text>
</TEI>