<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10533.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10531.xml" next="L10535.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Walter Friedländer an Paul Tillich vom 19. Oktober 1941</title>
            <author ref="#tillich_person_id__627">Walter Friedländer</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__1032">Albany, New York</settlement>
                  <institution>University at Albany</institution>
                  <repository>M.E. Grenander Department of Special Collections &amp; Archives</repository>
                  <collection>German and Jewish Intellectual Émigré Collections</collection>
                  <idno>ger-3  Ser 2, Sub 2a, Box 14 Folder 325</idno><!-- University of Albany Libraries, Ger-3, Ser 2, Sub 2a, Box 14, Folder 325 -->
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__627">Walter Friedländer</persName>
               <date when="1941-10-19">19.10.1941</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__627">Korrespondenz mit Walter Friedländer</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__627" target="L10522.xml">Brief Walter Friedländer an Paul Tillich vom 24. Juni 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__627" target="L10891.xml">Undatierter Brief von Walter Friedlander an Paul Tillich vermutlich von Januar 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10531.xml">Brief von Unbekannt (verm. Friedrich Pollock) an Paul Tillich vom 10. Oktober 1941</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10535.xml">Brief von Hilde Frankel (Sekretärin von Paul Tillich) an Walter Friedländer vom 1. November 1941</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1941-10-19"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-09-30">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener>5530 Dorchester Ave<lb/><rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">Chicago, Ill.</rs><lb/><dateline><date when="1941-10-19">19. Oktober 1941</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
                  Tillich</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>ich freute mich, von <rs ref="#tillich_person_id__3390" type="person">Li</rs><!-- Zuordung
            unklar --> zu hören, dass Sie einen schönen Sommer im Osten verbracht haben. Gewiss hatten Sie alle 
            bei der schweren Arbeit und unaufhörlichen Anspannung, die das Schicksal dieser Genration geworden
            ist, die Ruhe dringend nötig. Sicher sind Sie unterdes wieder im vollen Ansturm der Arbeit. Deshalb
            können wir leider nicht daran denken, in dem Masse Gedanken über die Aufgaben dieser Epoche auszutauschen
            wie ich es manchmal wünschte.</p>
            <p>Heute habe ich eine Bitte, die das American Committee for Christian Refugees angeht. Unter den
            Refugees, die von ihm betreut werden, befindet sich <rs ref="#tillich_person_id__3824" type="person">Mrs. <hi rend="underline             ">Lucy Krueger</hi></rs>, 124 East 146th Street. Sie ist eine junge Frau, die ich seit vielen Jahren
            aus der Kinderfreunde-Bewegung her kenne. Sie ist Kindergärtnerin, hat in der Emigration bei 
            <rs ref="#tillich_place_id__343" type="place">Paris</rs> ein kleines Kinderheim eingerichtet, dann mit
            <rs ref="#tillich_person_id__3825" type="person">Dr. W. Fabian</rs> <!-- Zuordnung unklar --> an dessen
            Aufklärungsdienst mitgearbeitet und ist dann im Rahmen der letzten Rettungsaktion herübergekommen.
            Sie hat seit Ende September ein Kind, ein kleines Maedel, und es bestehen Schwierigkeiten, den Vater des
            Kindes zu heiraten, der ein deutscher Arzt, auch Flüchtling, wohl jetzt mit ihr zusammen lebt.</p>
            <p><rs ref="#tillich_person_id__3824" type="person">Lucy Krueger</rs> schilderte mir,
               dass sie vom Komitee vor der Geburt des Kindes recht unfreundlich behandelt und bis
               zur letzten Zeit zur Hausarbeit genötigt worden ist. Vielleicht koennen Sie anregen,
               dass Ihre Lage jetzt wohlwollend geprüft und nach der <q>case work method</q>
               konstruktive Pläne für <rs ref="#tillich_person_id__3824" type="person"> Mrs.
                  Krueger</rs> ausgearbeitet werden. Sie denkt daran, neben ihrem eigenen Kind
               einige andere Babies in Pflege zu nehmen. Unter Umständen ist das kein unvernünftiger
               Plan, bei dem das American Committee for Christian Refugees sie wohl dadurch fördern
               könnte, dass es Verbindung mit anderen <q>child placing agencies</q> verschafft.
               Möglicherweise kann auch für den Vater des Kindes etwas in beruflicher Hinsicht
               vermittelt werden.</p><p>Wann kommen Sie wieder zu einem Vortrag nach <rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">
               Chicago</rs>? Bitte grüßen sie <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Ihre Frau</rs> und die gemeinsamen Freunde von mir.</p><closer>
               <salute>Mit Dank und herzlichem Gruss<lb/>Ihr</salute>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3825">
                  <persName>Fabian, Walter</persName>
                  <birth>
                     <date>1902-08-24</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1992-02-15</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__244">Köln</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Politiker, Widerstandskämpfer und Journalist</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3390">
                  <persName>Friedländer, Lia</persName>
                  <occupation>Physiotherapeutin und Künstlerin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1242291210</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3824">
                  <persName>Krueger, Lucy</persName>
                  <occupation>Kindergärtnerin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119429683</idno>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__343">
                  <placeName>Paris</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>48.85341 2.34880</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2988507/</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__105">
                  <placeName>Chicago, Illinois</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>41.85003 -87.65005</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/4887398/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q1297</idno>
               </place>
               </listPlace></back></text>
</TEI>