<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10500.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10499.xml" next="L10501.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Karl Mannhein an Paul Tillich vom 5. September 1940</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1255">Karl Mannheim</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno><!-- Deutsche Nationalbibliothek; Sign: EB autogr. 313/7 --></idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1255">Karl Mannheim</persName>
               <date when="1940-09-05">05.09.1940</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1255">Korrespondenz mit Karl Mannheim</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10499.xml">Brief von Marguerite Block an Paul Tillich vom 29. August 1940</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10501.xml">Brief von Unbekannt an Paul Tillich vom 27. September 1940</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1940-09-05"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-09-23">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline>5, <unclear>Re</unclear> Park, <rs ref="#tillich_place_id__271" type="place">London</rs> N.W.II.<lb/><date when="1940-09-05">5. Sept. 40.</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>ich schreibe Euch diesmal um <rs ref="#tillich_person_id__1416" type="person">Rudolf
                  Olden</rs> einzuführen, der sich dem Staff der New School anschließt.</p>
            <p>Als ich mir überlegte wer ihm <unclear>wirklich</unclear> etwas bedeuten könnte und
               wem er vice versa wirklich was bedeuten <sic>konnte</sic> dachte ich an Euch. In diesem Fall
               sind beide Parteien so wunderbar <unclear>vergildet</unclear> dass sie sich sogar als
               Gojim etwas bedeuten müssen. Ich möchte nur noch hinzufügen, dass <rs ref="#tillich_person_id__1416" type="person">Olden</rs> durch sehr
                  <unclear>schwere</unclear> Dinge hindurchgegangen ist, ein bisschen Scheu vor der
               Möglichkeit steht ein neues Leben in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> zu beginnen und Ihr ihm sicher seelisch beistehen werdet.<pb n="2"/>Nicht allzulange vor dem Ausbruch des Krieges saß ich im Café Dome
               <!-- unklar welches Café gemeint ist, es gab ein Cafe du Dome in Paris zu der Zeit -->
               und habe Euer gedacht, setze einen Erinnerungstein den unbekannten
                  <unclear>Mädchen</unclear> die wir zu viert bewundert haben. Wo ist das alles
               hingekommen. – uber uns? Ich kann nicht schreiben. – es wäre zu viel zu sagen.
               Vielleicht erzählt <rs ref="#tillich_person_id__1209" type="person">Löwe</rs>
               einiges.</p>
            <p>In alter unveränderbarer Freundschaft</p><closer>
            <salute>Lebe Wohl!</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1255" type="person">Karl Mannheim</rs></signed>
            <rs ref="#tillich_person_id__1256" type="person">Julia</rs> schließt sich an.
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__271">
                  <placeName>London</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>51.50853 -0.12574</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2643743/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q84</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>39.76000 -98.50000</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6252001/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q30</idno>
               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1416">
                  <persName>Olden, Rudolf</persName>
                  <occupation>Journalist und Rechtsanwalt</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Studium der Rechtswissenschaften, Promotion in Heidelberg. Die Eindrücke des Ersten Weltkriegs führten zu einer radikalen Wandlung, O. wurde Pazifist und arbeitete in Wien als Journalist für die Zeitschriften Friede und Neuer Tag. 1924-1933 journalistische Tätigkeit und später stellv. Chefredakteur des Berliner Tageblatts, daneben Rechtsanwalt beim Kammergericht Berlin. Seit 1933 war er in dritter Ehe mit der Psychoanalytikerin Ika (1908-1940), geb. Halpern, verheiratet. O. war ein führendes Mitglied der Deutschen Liga der Menschenrechte. 1933 zunächst Flucht nach Prag, dann über Österreich und die Schweiz weiter nach Paris und schließlich nach London. 1936-1940 Lehrtätigkeit an der Universität Oxford und der London School of Economics, nebenher weiterhin journalistische und schriftstellerische Tätigkeit. Bei Kriegseintritt Großbritanniens zunächst als ‚feindlicher Ausländer‘ interniert, konnte er 1940 einen Ruf an die New Yorker New School for Social Research annehmen. Das Passagierschiff ‚City of Benares‘, auf dem Rudolf und Ika O. nach Amerika übersetzen wollten, wurde von einem deutschen U-Boot versenkt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1256">
                  <persName>Mannheim, Julia</persName>
                  <occupation>Psychoanalytikerin</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1255">
                  <persName>Mannheim, Karl</persName>
                  <occupation>Ungarischer Soziologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118577190</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Karl Mannheim (27. März 1893 – 9. Januar 1947) wirkte als Soziologe. Von 1930 bis 1933 lehrte er als Professor in Frankfurt am Main, bevor er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach London emigrierte und an der London School of Economics tätig wurde. Er gilt als Begründer der Wissenssoziologie, die Wissen als perspektivisch und gesellschaftlich geprägt versteht. Denkstile deutete er als Ausdruck von Weltanschauungen, die an bestimmte Herrschafts- und Wirtschaftsformen gebunden sind, und erschloss mit der dokumentarischen Methode kulturelle Phänomene als Spiegel sozialer Wirklichkeit. Besondere Bedeutung erlangten seine Untersuchungen zum konservativen Denken und zur Soziologie der Generationen.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1209">
                  <persName>Löwe, Adolf</persName>
                  <occupation>deutscher Soziologe und Nationalökonom</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119383292</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolph Lowe (4. März 1893 – 3. Juni 1995) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialtheoretiker und Philosophiefachmann. Nach akademischer Ausbildung unter führenden Ökonomen begann er 1922 eine Karriere in der staatlichen Wirtschaftsverwaltung. 1926 erwarb er seine Lehrbefähigung durch Forschungen zu Konjunkturbewegungen und trug zur Gründung eines bedeutenden Wirtschaftsforschungsinstituts bei. Zwischen 1926 und 1931 leitete er eine Forschungsabteilung am Kieler Institut und war Vertreter einer angesehenen ökonomischen Schule. Ab 1931 hatte er eine Professur in Frankfurt inne und arbeitete in einem Forschungsinstitut mit soziologischem Schwerpunkt. 1933 emigrierte er nach England und lehrte später ab 1940 an einer New Yorker Universität, wo er bis 1963 die Verbindung von Verhaltenswissenschaften und Wirtschaftslehre erforschte. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>