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                <title>Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 8. Juli 1937</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1516">Harald Poelchau</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-3229-6246">Ole Soldatow</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                        <idno>Box 175 (14)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1516">Harald Poelchau</persName>
                    <date when="1937-07-08">08.07.1937</date>
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                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1516">Korrespondenz mit Harald Poelchau</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L01008.xml">Brief von Harald Poelchau an Paul Tillich vom 8. März 1929</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1516" target="L11532.xml">Brief vpn Paul Tillich an Harald Poelchau vom 4. März 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10348.xml">Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 16. Juni 1937</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10351.xml">Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichnach dem 12. Juli 1937</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1937-07-08"/></creation></profileDesc>
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            <change when="2025-06-17" who="OS">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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    </teiHeader>
    <text type="letter">
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            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener>
                    <dateline><rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">B.</rs> den <date when="1937-07-08">8.7.37</date></dateline>
                    <salute>Lieber <rs type="person" ref="#tillich_person_id__1928">Paulus</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Es tut mir sehr leid, dass ich Euch nun in diesem Jahr wieder nicht sehen kann
                    und ich hoffe nur, dass Du bald einmal einen Lehrstuhl in <rs ref="#tillich_place_id__503" type="place">England</rs> bekommst, damit ein
                    Treffen möglich wird. Für <rs ref="#tillich_place_id__343" type="place">Paris</rs> fühlte ich mich Anfang Juni noch zu elend; ausserdem gab es
                    keine Gesellschaftsreisen und erst recht keine Devisen für <rs ref="#tillich_place_id__161" type="place">Frankreich</rs>. Hinzukam, dass
                    die Theologen jetzt besonders scharf überwacht werden, wenn sie ins Ausland
                    wollen, wie denn nun ja auch die Teilnahme an <rs ref="#tillich_place_id__788" type="place">Oxford</rs> praktisch verboten ist, soweit man nicht einfach
                    die Pässe verweigert. Jedenfalls unser Treffen kommt nicht zustande, so viel mir
                    auch daran gelegen war. Ich hätte, abgesehen davon Euch und die Kinder zu sehen,
                    gern einmal Deine Beurteilung der politischen und kirchlichen (was ja bei uns
                    dasselbe ist) Lage und Entwicklung gehört und Dich über allerlei Persönliches um
                    Rat gefragt. Z.B. beschäftigt uns augenblicklich die Frage sehr, ob wir einen
                    einjährigen Jungen, dessen Vater, ein Theologe, für vorläufig nicht absehbare
                    Zeit im Konzentrationslager sitzt, behalten sollen oder nicht. Wir finden, dass
                    dieser Junge schon in der kurzen Zeit, seidem wir ihn haben, unser ganzes Leben
                    so stark verändert, dass kein Raum und keine Kraft für das bleibt, was wir in
                    meiner Lage in der Grosstadt für die auf uns angewiesenen Menschen leisten
                    sollten.</p>
                <p><pb n="2"/>In den Kirchenkampf werde ich durch meine Gefängnissonderstellung
                    nicht direkt hineingezogen. Soweit er als ein politischer erkannt und geführt
                    wird, hat wohl die Bekenntnisfront recht. Dass aber die "offizielle" Kirche
                    immer energischer vor der Bildung einer Sekte warnt, ist wohl auch nötig. Am
                    sc-hlimmsten ist wohl, dass im Grunde wenig wirklich bedeutende Köpfe da sind.
                    Was mit der Komödie der Kirchenwahl wird, weiss niemand. Nun bin ich gespannt,
                    welche Ergebnisse <rs ref="#tillich_place_id__788" type="place">Oxford</rs>
                    bringen wird. Hoffentlich lässt man sie bei uns herein und beschlagnahmt sie
                    nicht vorher wie die Vorarbeiten zur grossen Quäkerkonferenz in <rs ref="#tillich_place_id__748" type="place">Philadelphia</rs>, einer Tagung,
                    zu der man nicht einmal dem Führer der deutschen Quäker, <rs ref="#tillich_person_id__3408" type="person">Emil Fuchs</rs>, einen Pass
                    bewilligt hat.</p>
                <p>Ich bin noch müde und kann nicht viel schreiben, weil ich die Nacht mit 3 heute
                    hingerichteten gewacht habe, die im Jahre 1931 in eine Schiesserei zwischen SA
                    und KPF verwickelt gewesen waren. Du wirst das verstehen. Euch wünsche ich noch
                    schöne Tage in <rs ref="#tillich_place_id__219" type="place">Italien</rs>, einem
                    Lande, dass mir noch viel stärker militarisiert erscheint als <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>; aber davon merkt
                    Ihr ja in den Bergen nicht viel. <rs ref="#tillich_place_id__2041" type="person">M.-L.</rs> wird uns ja dann das persönliche von Euch berichten. Ob sie auch
                    einen Sonderdruck der <rs ref="#tillich_work_id__1" type="work"><!-- um welche Anthropologie es sich handelt, ist mir nicht klar; vielleicht weiß jemand mehr -->Anthropologie</rs>
                    mitbringt? Mit herzlichem Gruss von <rs ref="#tillich_person_id__2737" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1516" type="person">uns
                            beiden</rs></rs>.</p>
                <closer>Euer <signed><rs type="person" ref="#tillich_person_id__1516">Harald</rs></signed>
                </closer>
            </div>
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                  <placeName>Oxford</placeName>
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                  <placeName>Italien</placeName>
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                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1516">
                  <persName>Poelchau, Harald</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118595318</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Harald Poelchau (5. Oktober 1903 – 29. April 1972) wirkte als Gefängnisseelsorger, Anhänger eines christlich geprägten Sozialismus und Gegner des NS-Regimes in Deutschland. Während seines Theologiestudiums prägte ihn der 1924 in Marburg lehrende Paul Tillich nachhaltig in Richtung des religiösen Sozialismus und wurde ein lebenslanger Freund. Bei Tillich promovierte er 1931 in Frankfurt. 1933 trat er als erster vom NS-Regime eingesetzter Geistlicher seinen Dienst als Gefängnisseelsorger an, unter anderem in Tegel und Plötzensee, und begleitete bis 1945 etwa tausend Menschen zur Hinrichtung. Heimlich schmuggelte er Nachrichten und verhalf gemeinsam mit seiner Frau zahlreichen verfolgten Juden zu Unterkünften im Untergrund. Ab 1941 gehörte er dem Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke an. Nach dem Krieg baute er das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen mit auf und wurde 1951 erster Sozial- und Industriepfarrer der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2737">
                  <persName>Poelchau, Dorothee</persName>
                  <birth>
                     <date>1902</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1977</date>
                  </death>
                  <occupation>Bibliothekarin und Widerstandskämpferin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/139217185</idno>
               </person>
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