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            <title>Brief von Paul Tillich an Lily Pincus vom 29. November 1935</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3229-6246">Ole Soldatow</name>
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            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
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            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
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            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>Box 174(66)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich, unvollständig</p>
               </physDesc>
            </msDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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      <profileDesc>
         <correspDesc>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
               <date when="1935-11-29">29.11.1935</date>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1498">Lily Pincus</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1498">Korrespondenz mit Lily Pincus</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1498" target="L10467.xml">Brief von Paul Tillich an Lilly Pincusvom 31. Juli 1935</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1498" target="L10375.xml">Brief von Lily Pincus an Paul Tillich vom 31. August 1937</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10236.xml">Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 4. November 1935</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10321.xml">Brief von Paul Tillich an Fritz Medicusvon Dezember 1935</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1935-11-29"/></creation></profileDesc>
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         <change who="OS" when="2025-04-07">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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         <div type="writingSession">
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            <opener><dateline>99 Claremont Ave. N.Y.C.<date when="1935-11-29">Nov. 29.
                  35.</date></dateline>
               <salute>Liebe <rs ref="#tillich_person_id__1498" type="person">Lilly</rs>:</salute>
            </opener>
            <p>Schnell, um nicht wieder bis zum nächsten Schiff warten zu müssen, will ich ein paar
               Worte schreiben. Zunächst dass in den letzten Monaten kein Mensch von mir etwas
               ausser dienstlichen Antworten bekommen hat - weil es über menschliche Kräfte gegangen
               wäre. Mann kann sich viel aber nicht allen Schlaff abknapsen. Und das wäre nötig
               gewesen, wenn ich ausser der unendlichen Manuskript-Arbeit noch hätte schreiben
               wollen. Zweitens muss ich Dir sagen, dass Dein grosser Brief mehr als hohen Ranges
               ist. Drittens und vor allem dass wir in Gedanken und Sorge und Liebe immer bei Euch
               sind und bei jeder Nachricht fragen: Wie gehts Euch? Deine beiden Briefe zeigen es ja
               nun einigermassen, innerlich und äusserlich. Sie bewegen uns sehr und wir denken mit
               Intensität mit Euch und Euren Entscheidungen. So sehr ich <rs ref="#tillich_person_id__1211" type="person">Claires</rs> Haltung verstehe so sehe
               ich sie durchaus im Lichte meiner letzten gedanklichen und z. T. auch praktischen
               Versuche, dort zu bleiben: D.h. ich sehe sie negativ und stehe ganz auf Deiner Seite.
               Ein NeuAnfang unter den gegebenen Voraussetzungen scheint mir sinnlos zu sein. Ich
               halte es für sinnlos für Euch, sowohl Geld wie Seele in einem Anfang zu investieren
               der halb Anfang und halb Fortsetzung ist. Ich finde so lange es irgend geht, wirklich
                  <hi rend="u">fortsetzen</hi>, das bleiben was Ihr wart, ein Ort der vielen etwas
               bedeutet. Und, wenn es nicht mehr möglich ist, radikal neu anfangen, "in einem Land,
               das Ich Dir zeigen will", wie es zu Abraham gesagt war! Ich möchte das gern noch
               deutlicher sagen: Ihr seid durch ein uraltes Schicksal immer wieder auf das geworfen,
               was wir uns geistig erkämpfen müssen. Beides hat Gefahren. Unsere Gefahr ist, dass
               die meisten, da das Schicksal sie nicht zwingt, den Befehl an Abraham nicht hören.
               Eure Gefahr ist dass es von den meisten nur als ein äusseres, nicht als ein geistiges
               Schicksal erfahren wird. Die wenigen aber auf beiden Seiten, die einen, denen
               Schicksal Geist wird und die anderen deren Geist Schicksal wird, sollen zusammen
               stehen und wissen, dass sie der Zeit und nicht dem Raum verantwortlich sind, Während
               ich dieses schreibe fällt mir die Rede zur Einweihung Eures
               Hauses ein. Ich habe sie vor mir und citiere nur den Satz: Wir müssen wieder und
               wieder den Raum verlassen der uns umfängt, um der Zeit, um der Zukunft willen." Die
               folgenden Sätze nehmen dann Bezug auf den Abrahamsbefehl und den Geisteskampf der
               Gegenwart. Es war wie eine Ahnung! Von Beyers möchte ich sagen, sie sind nicht weit
               genug gegangen, haben sich in einer Oase festhalten lassen -- Kennt Oskar Beyer
               eigentlich die Oxford-Bewegung? Ich könnte mir denken, dass er in ihr nicht nur
               persönlich einen Halt finden, sondern auch in ihr etwas bedeuten könnte. Wenn er ein
               stark religiöses Euch, in dem er die tiefen und feinen intensionen seiner Seele zum
               Ausdruck bringen könnte, z. B. in englischer Sprache veröffentlichen würde, so könnte
               auch eine äussere Wirkung vielleicht hier oder sonst wo in der angelsächsischen Welt
               ermöglicht werden. Aber Du hast Recht, dass du selbst Nein dazu sagst für Dich und
               uns. Die Auswahl des Platzes hat abgesehen von der selbstverständlichen und die
               Willkure, (wie sie bei Beyers vorlag) ausschliessenden äusseren Schicksals-Weisung
               nach dem Gesichtspunt zu geschehen; wo</p>
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                  <persName>Pincus, Lily</persName>
                  <occupation>Britische Sozialarbeiterin und Autorin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118594419</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Lily Pincus (13. März 1898 – 22. Oktober 1981) war eine deutsch-britische Sozialarbeiterin und Schriftstellerin. Nach ihrer Ausbildung in Fototechnik arbeitete sie als Röntgenassistentin. 1922 heiratete sie einen Juristen, mit dem sie ab 1925 in Potsdam ein Wohngemeinschaftsprojekt mit dem befreundeten Ehepaar Löwenfeld teilte – ein intellektuelles Zirkel, das auch dem Theologen Tillich nahestand. 1939 emigrierten beide nach Großbritannien, wo sie Tätigkeiten in Sozialwesen übernahm. 1948 gründete sie ein Institut zur Ehforschung an einer Londoner Klinik und leitete dieses bis 1965.</p>
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               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1211">
                  <persName>Löwenfeld, Claire</persName>
                  <occupation>Diätetikerin</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Claire Loewenfeld (27. September 1899 – 20. August 1974) war eine deutsche Ernährungswissenschaftlerin und Kräuterkundige. Nach ihrer Ausbildung an einer bekannten Schweizer Klinik arbeitete sie in London als Diätologin in einem Kinderkrankenhaus, wo sie sich auf die Ernährungsbehandlung einer Verdauungserkrankung spezialisierte. Während des Zweiten Weltkriegs initiierte sie eine Kampagne zur Nutzung von Wildfrüchten als Vitaminquelle und verfasste verbreitete Informationsschriften dazu. Nach dem Krieg gründete sie mit ihrem Ehemann ein Unternehmen für hochwertige getrocknete Kräuter. Sie verfasste mehrere Bücher zu Ernährung und Kräuterkunde und gehörte zu den frühen Mitgliedern eines führenden Umweltverbandes. Sie war eng mit dem Theologen Paul Tillich befreundet, dessen Kreis sich in ihrem Haus in Potsdam traf, bevor Tillich ins Exil gehen musste. 1938 emigrierte sie mit ihrer Familie nach England.</p>
                  </note>
               </person>
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