<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10169.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10263.xml" next="L10170.xml">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Karl Ludwig Schmidt an Paul Tillich vom 25. Februar 1935</title>
            <author ref="#">Karl Ludwig Schmidt</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 182(30)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#">Karl Ludwig Schmidt</persName>
               <date when="1935-02-25">25.02.1935</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__">Korrespondenz mit Karl Ludwig Schmidt</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__" target="L10003.xml">Rundbrief von Paul Tillich vom 1. Dezember 1933</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__" target="L10172.xml">Brief von Marie Feislein an Paul Tillich vom 12. März 1935</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10263.xml">Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vom 24.Februar 1936</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10170.xml">Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichvom 5. März 1935</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1935-02-25"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2026-07-23">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><rs ref="#" type="place">Lichtensteig, Kt. St. Gallen</rs> <date when="1935-02-25">25.2.35</date></dateline>
               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">
                  Tillich</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>inzwischen werden Sie meine Karte <note type="ea">liegt nicht vor?</note> vom 12.2
               und meinen Brief <note type="ea">liegt nicht vor?</note> vom 15.2. und von <rs ref="#" type="person">Hinrichs</rs> die ThBl 1935 Nr. 1 und Nr. 2 und <q>Deutsches
                  Volkstum</q> Febr. 1935 erhalten haben. Ich hatte <rs ref="#" type="person">Hinrichs</rs> gebeten, Ihnen auch <rs ref="#" type="person">Emmanuel Hirsch</rs>,
               Christliche Freiheit und politische Bindung .. zu schicken. <rs ref="#" type="person">Hinrichs</rs> fragte, ob das wirklich ? nötig sein, da doch anzunehmen sein, daß
               Hirsch selbst Ihnen ein Exemplar schicken werde. Ich habe nun gestern die
               Hirsch'sche Broschüre erhalten und nehme sicherlich mit Recht an, das Hirsch,
               der es nunmehr ablehnt, mit Ihnen selbst zu reden, nicht daran denkt, Ihnen seine ja
               nicht Ihnen, sondern <rs ref="#" type="person">Stapel</rs> gegebene <q>Antwort</q> zu
               schicken. Damit keine Zeit verloren geht, schicke ich Ihnen sofort mein eigenes
               Exemplar, und zwar mit derselben Post als Drucksache.</p>
            <p>Es erscheint als eine selbstverständliche Notwendigkeit, daß Sie <hi rend="underline">sofort</hi>
            in den ThBl eine kräftige Antwort auf Hirschs <q>Antwort</q> geben, unter Einbeziehung
            eines kräftigen Hiebes auf den Allerweltsschinpfer Stapel. Ueber das Echo, das Ihr Offener
            Brief ausgelöst, habe ich implicite durch meine Zusammenstellung in den ThBl 1935 Nr. 1 
            unterrichtet. Es wird immer deutlicher, dass es gut und richtig und damit notwendig war,
            über das genannte Echo so genau zu berichten.  Bevor Hirsch mit seiner <q>Antwort</q>
            auf den Plan getreten ist, habe ich dafür gesorgt, daß urbi et orbi klar gemacht wird, wie
            unsagbar einsam – wirklich mit Recht einsam – Hirsch dasteht, wenn doch ganz und halb 
            verständige Theologen in so großem Ausmaß Ihnen zustimmen. Diese bemerkenswerte Phalanx
            kann jetzt nicht mehr wegdiskutiert werden. Das jetzt mancher auf Stapels und Hinrichs 
            neueste Ergüsse hin es mit der Angst zu tun kriegen mag, braucht einen nicht weiter zu
            beschäftigen. Hinrichs hat mir am 14.12 zu Stapels Brief im <q>Deutschem Volkstum</q> 
            Febr. 1935 geschrieben:<q>Sachlich bringt mein Brief ebensowenig wie seine erste Notiz
            in der Diskussion eine Förderung, so daß sich wohl ein Eingehen darauf erübrigt.</q>
            Sicherlich sollten die Zuständekomplexe in der deutschen evangelischen Theologie und Kirche 
            so sein, daß Sie und ich uns mit einem gar nicht einlassen. Aber der Mann hat nun mal
            einen großen Einfluß, den es zu brechen gilt. Wenn das äußerlich nicht gelingt
            – damit muß natürlich nach der Lage der Dinge gerechnet werden –, so bedeutet das 
            etwas wie finis theologiae et ecclesiae. Man muß sich schon etwas pathetisch ausdrücken.
            Stapel und Hirsch, auftretend in derselben <q>Hanseatischen Verlagsanstalt</q>, loben
            sich gegenseitig in die Höhe. Und die früheren Todfeinde <rs ref="#" type="person">Gogarten</rs>
            und <rs ref="#" type="person">E.M. Müller</rs> treten zusammen mit ihnen auf. Für
            jeden Kundigen handelt sich bei solchen Bündnisse um nichts anderes als um politische
            Verbindung und Verfilzung, die durch allerlei Pseudotheologie, deren Meister gerade
            Stapel ist, vernebelt zu werden droht. Für die weniger Kundigen gibt es in solchem wüsten
            Nebel keine Klarheit mehr, wenn sie nicht durch deutliche Kampfworte aufgerüttelt werden,
            aber durch echte Kampfworte, wie sie nun gerade Ihnen zur Verfügung stehen. Unsereiner
            ist solchen Kampf und solchen Dienst der Sache schuldig. Und wenn jetzt allenthalben
            eine wirklichkeitsnahe Theologie verlangt wird – oft werden dabei olle Kamellen nur mit
            einer Etikette versehen –, nun, so dürfen sich gerade ThBl nach dem klaren Ruf Ihres
            Offenen Briefes am allerwenigsten einer rechten Wirklichkeitsnähe entziehen. Mit dem
            Sachlichen hängt das Taktische, das füglich im Dienste des Sachlichen steht, zusammen:
            Stapel und Genossen wollen den ThBl durch das traurige Mittel der politischen Denunziation –
            dabei hat Hirsch immer hin noch ein bißchen mehr Hemmungen als der im Grunde 
            hemmungslose Stapel – den Garaus machen. Bevor ich mich in der Januar-Nummer für Stapel 
            geäußert hatte – er hatte diese Nummer, wenn ich recht sehe, ziemlich verspätet zu
            Gesicht bekommen –, operierte er schon wieder mit neuen Giftpfeilen. Demgegenüber gibt es
            für das Weiterbestehen der ThBl nur <hi rend="underline">eine</hi> erfolgreiche Methode:
            wir müssen uns wehren, ohne uns auch nur einen Augenblick zu verkriechen. Wenn Stapel
            dumm-dreist-frech die ThBl an die Seite des <q>Neuen Tage-<pb/>buchs</q> usw. stellt,
            so darf man sich erst recht nicht verkriechen.</p>
            <p>Bei meinem Bericht über das Echo Ihres Offenen Briefes habe ich mit Absicht die
                  <q>Jüdische Rundschau</q> vom 1.1.35 fortgelassen. Man kann nicht gut auch noch
               die jüdische Frage mit behandeln. Stapel hat dafür gleich das jüdische Organ genannt.
               Das mag zunächst auf sich beruhen. In den letzten Tagen haben sich, was wichtiger
               ist, noch mal zwei Schweizer Zeitungen geäußert. Einmal die <q>Basler Nachrichten</q>
               vom 17.2., Literaturblatt zu Nn46, unter der Ueberschrift <q>Der religioese
                  Sozialismus</q>; ein ganz ordentliche Referat schließt mit dm Satz: <q>Es sei der
                  Brief allen denen empfohlen, die das genaue Bild der geistigen Lage unserer Zeit
                  recht zu sehen sich bemühen.</q> Und dann die <q>Neue Zürcher Zeitung</q> vom
               19.2. Nr. 291, die ein gutes Referat so schließt: <q>Wem <add place="superlinear">(sic)</add> es um die Klärung der theologischen und weltanschaulichen Fragen
                  geht, die den Hintergrund der Zeitereignisse bilden, darf man auf die Antwort
                  gespannt sein, die Hirsch geben wird. Bis heute wissen wir nur, dass die
                  Zeitschrift <q>Deutsches Volkstum</q> daraufhin – <add place="superlinear"><hi rend="hand">die Th. Bl.</hi></add> wie <add place="superlinear">übrigens</add> auch die <q>Christliche Welt</q> – politisch wegen
                     <q>Emigrantenkolonie</q> denunzierte!</q> An ein kurzes Referat über meinen
               kleinen Aufsatz über <rs ref="#" type="person">Barth</rs>/<rs ref="#" type="person">Kittel</rs> ist folgender Schlusssatz gehängt: <q>Den einen bleibt die eigene
                  Christlichkeit ganz unproblematisch, trotzdem ein politischer Wind ihre Segel
                  schwellt. Für die andren ist das Verhältnis des christlichen Anforderungen des
                  Staates das drückendste Problem. Jene haben die Macht des totalitären Staates für
                  sich, diese das Wagnis des Glaubens.</q></p>
            <p>Aber nun zu Hirschs <q>Antwort</q>! Das Beste seiner Broschüre ist der gute Umschlag.
               Literarisch ist sein Offener Brief an Stapel ein mixtum compositum. Während Sie bei
               allem Gewicht einer Abhandlung einen wirklichen Brief geschrieben haben, hat das
               Hirsch überhaupt nicht fertig gebracht. Symptomatisch ist, daß Stapel schon im Voraus
               einen Dankbrief auf den an ihn gerichteten Brief geschrieben hat: ihm selbst ist
               offenbar der Hirsch'sche Erguß zu fade, sodaß er um die Wirkung bangt. Im
               übrigen ist es traurig-komisch – ich deutete das schon an –, wie sich diese beiden
               Leute gegenseitig in die Höhe loben. Was früher Hirsch und <rs ref="#" type="person">Holl</rs> in diesem genre getan haben, das tun nun Hirsch und Stapel. Hirsch
               spielt den Mann, ist aber ein Weib. Zum Ganzen kann man nur sagen, daß er die Sache
               vernebelt und seine eigene Person demütig-hochmütig beweihräuchert. Sein Kampf gegen
               Ihre Zitate ist eine in der Sache gegenstandslose Mikrophilologie. Daß er, um nicht
               als von Ihnen abhängig zu erscheinen – halb gibt er's in allerlei Ihnen
               gewidmeten laudationes zu –, ruft er <rs ref="#" type="person">Fichte</rs> als Ihren
               und seinen gemeinsamen Meister an (wobei dann noch nebenher ein Wort über ihren
               besonderen Meister <rs ref="#" type="person">Schelling</rs> fällt). Das ist ein
               Kniff, der sein Kneifen verdecken soll. Es kommt nur drauf an, das Gefäß zu sehen,
               aus dem er seinen wässrigen Nebel nimmt. Auf S. 35 f hat er das Gefäß kurz gezeigt,
               indem er das allein entscheidend Wichtige in Klammern bringt:<q>Ich darf hier gleich
                  anwendend bemerken: das in meiner Pflicht als deutscher Mann gegründete Verhältnis
                  der Treue und Hingabe, in dem ich zu der <rs ref="#" type="place">Deutschland</rs>
                  jetzt erneuernden Bewegung und Macht stehe, hat darin seinen festen Halt und seine
                  unverbrüchliche Heiligung, daß Führer und Bewegung und Regiment sich und das Volk
                  unter den Herrn der Geschichte beugen, der uns alle zu Zucht und Ehre und Treue
                  und Opfer und Wagnis im Ringen des Ganzen verpflichtet...</q> Zu solchem Gerede
               ist jeder Kommentar eigentlich überflüssig. Man kann nur dreimal rufen: sic, sic,
               sic! Woher will der <q>deutsche Mann</q>, woher will gar der Theologe und Kirchenmann
               solchen <q>Glauben</q>
               <q>unter Beweis stellen</q>? Woher will er den Vorwurf begegnen, daß er hier nichts
               anderen als einem irrigen politischen Urteil, besser Ressentiment folgt?! Unerhört
               oberflächlich ist Hirschs <q>Beweis</q> für Deutschlands angeblich freie Theologie
               und Kirche, wenn er gegen Geismar-Kopenhagen auf §. 35 schreibt:<q>Ich hab zwischen
                  meiner Stellung als Universitätslehrer im nationalsozialistischen Staat und als
                  Lehrer und Prediger des Evangeliums noch keinen Widerstreit gemerkt, der mich
                  gezwungen hätte, auf die erste zu verzichten.</q> Ja, Herr Hirsch hat nichts, aber
               auch gar nichts gemerkt. Auf S. 55 läuft die sattsam bekannte Grammophonwalze, daß
               wir nun mit unserer christlich-deutschen Kultur vor dem Bolschewismus gerettet worden
               seien. Auf S.61 wird <rs ref="#" type="person">Hitler</rs> als <pb n="3"/> der Mann
               eines <q>echten ehrlichen Gebetswortes</q> hingestellt. Daß der Verkündiger des
               Evangeliums einen Menschen so beurteilen, so zu deuten unternimmt, ist nichts anderes
               als ein Sakrileg. Schließlich ist es dann nicht weiter verwunderlich, daß einer, der
               sich eines solchen Sakrilegs schuldig macht, zu sagen wagt: <q>So habe ich gar keine
                  Sorge, daß je ein deutscher nationalsozialistischer Staatsmann das <q>eigentlich
                     Christliche</q> als einen Feind und Störer seines politischen Wollens ansehen
                  werde...</q> Das ist ein Sakrileg par excellence. Dabei ist peinlich verdächtig
               der Hinweis mit Anführungszeichen auf das <q>eigentlich Christliche</q>.</p>
            <p>Vom Theologisch-Kirchlichen einmal abgesehen hat isch Hirsch in seinem Geleitwort
               recht gut einen <q>krummen Zililisten, der vermittelst des durchaus weiblichen Geräts
                  der Schreibmaschine am geschichtlichen Geschehen Anteil nimmt</q> genannt.
               Unerfindlich ist, warum die Schreibmaschine ein <q>durchaus weibliches Gerät</q> sein
               soll. Ach, ich möchte einmal Hirsch gesehen haben, wenn er neben mir in <rs ref="#" type="place">Rußland</rs> einen blutigen Sturmangriff hätte mitmachen sollen!
               Warum muß dieser keifende <q>krumme Zivilist</q> so kriegerisch tun?</p>
            <p>Daß er nicht die Unbekümmertheit hat, an Sie nun auch einen Offenen Brief zu schreiben,
            und daß er dabei Stapel zu seinem Beichtiger macht, ist eine klägliche Koketterie. Und 
            Sie werden nun darauf verzichten können und müssen, ihm einen offenen Brief mit <q>Lieber
            Emanuel</q> und <q>herzlichem Gruß</q> zu widmen.</p>
            <p>In summa: Ich schlage Ihnen vor, daß Sie mir <hi rend="underline">sofort</hi> ein
               peinlich druckfertiges Manuskript schicken, das eine knappe, lapidare, scharfe Abfuhr
               für den herumspringenden, herumzappellnden, kreischenden Hirsch enthält. Ich werde
               mit dieser Abfuhr das theologische Publikum in der März/April-Doppelnummer der ThBl
               bekannt machen. In derselben Nummer wird <rs ref="#" type="person">Iwand-Riga</rs>
               einen Aufsatz pro, aber dann auch Kontra <rs ref="#" type="person">Karl Barth</rs>
               schreiben, dem er eine Haltung jenseits von Gesetz und Evangelium mit Recht vorhält.
               Bis dahin wird dann das März-Heft des <q>Deutsche Volkstums</q> erschienen sein, wo
               sich ja wohl Herr Stapel noch einmal äußern dürfte. Vielleicht werde ich dann auch
               noch meinerseits ein kurzes Wort sagen. Implcite wird das Nötige in derselben Nummer
               der ThBl in meinem Vortrag (<rs ref="#" type="place">Bern</rs>, Dezember 1934) über
                  <q>Reich, Kirche, Staat, Volk, eine sprachliche und biblische Erörterung</q> zu
               lesen sein. Ich gehe dann sachlich auch auf Ihre briefliche Erörterung vom 23.1. ein.
               Zur vorläufigen Erläuterung heute nur noch dies: 1) <q>Dämonisch</q> ist der Staat an
               sich: Röm. 13,1 wird von exousiai gesprochen und damit von den dämonischen
               Zwischenmächten; 2) hierzu muß klarer, als das bei <rs>Karl Barth</rs> geschieht,
               Stellung genommen werden, wenn man nicht einer doketischen Christologie und
               Ekklesiologie huldigen will. </p><p> Zum Schluß teile ich Ihnen noch etwas aus einem Briefe mit, den mir am 21.2. Landesbischof <rs ref="#" type="person">D. Th Wurm</rs>, <rs ref="#" type="place">Stuttgart</rs>,
               geschrieben hat: <q>Für die Zusendung der Nr. mit dem offenen Brief Tillichs an
                  Hirsch bitte ich meinen besonderen Dank entgegennehmen zu wollen. Ich kann aus der
                  Erfahrung der kirchlichen Praxis der entscheidenden These nur zustimmen. Wer hätte
                  gedacht, daß wir einmal ein solches Repetiorium der Kirchen- und Dogmegeschichte
                  bekommen würden wie heute? Keines der Probleme der Vergangenheit bis auf das
                  Verhältnis der Confessoren und Lapsi bleibt und erspart; aber das ist auch das
                  Große neben dem vielen Kleinen und Niederdrückenden</q>
               <rs ref="#" type="person">Wurm</rs> hat hier mehr gesagt, als er selbst schafft. Zum
               mindesten ist er in der Gefahr des turificatus, wenn nicht gar des libellaticus. Aber
               solche Leute wie den <rs ref="#" type="person">Wurm</rs>, der nun weitab ist von
               Hirsch, muß man stärken. Und dazu sollen Sie helfen. </p><closer>
               <salute>Mit herzlichen Grüßen con Haus zu Haus</salute>
               <signed>Ihr<rs ref="#" type="person">K.L. Schmidt</rs>.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>