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            <title>Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 5. Februar 1935</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1647">Eugen Rosenstock–Huessy</author>
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               <name key="https://orcid.org/0009-0006-5231-3094">Sebastian Kueffner</name>
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               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
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                     <country>Österreich</country>
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               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/180(7)</idno>
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                  <p>Brief, maschinenschriftlich mit handschriftlichen Korrekturen und Beifügungen</p>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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         <change who="SK" when="2025-05-05">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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            <opener><dateline><rs ref="#tillich_place_id__82" type="place">Cambridge Mass.</rs> Lowell House H21<lb/> 
               <date when="1935-02-05">5. Februar 1935</date>
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               <salute>Lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr Tillich</rs>,</salute>
            </opener>
            
            <p>Es sind noch viele einfach sprachliche Missverständnisse zwischen uns und ich bitte Sie, sich die Mühe nicht verdriessen zu lassen, einfach zunächst festzustellen, wo wir uns verstehen und wo absolut nicht. In Sachen Universität sind wir deskriptiv einig, auch in Sachen Sta<unclear><add rend="hand">mm.</add></unclear> Ich darf noch– auch deskriptiv hinzufügen<supplied>,</supplied> dass der Kleinbürger als Klasse prophetisches Wissen innerhalb seines Horizontbereiches nur im Zungenreden einzelner – <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs> – vorzufinden braucht. Die grossartige Institution eines <del rend="s">solchen</del> <add place="superlinear" rend="hand"/>vererblichen prophetischen Wissens<hi rend="u">amtes</hi> ist die komplexe Frucht einer Grossmacht– auseinandersetzung, nämlich von Staat und Kirche. Beides<add rend="hand">, Staat wie Kirche</add> <del rend="s">weil objektiver, Geist ist </del> <add place="superlinear" rend="hand">als Reproduktions(institutioneller) Körper hausen</add> jenseits des auf Verkauf über den Ladentisch eingestellten Mittelständlers und Handwerkers und Kleinbauern.<add place="superlinear" rend="hand"><q><unclear>Tauf</unclear> steiler Höh.</q></add><note type="ea">Hier ist handschriftlich das <q>T</q> und das <q>a</q> von <q>Tauf</q> ineinandergeschoben geschrieben, so dass das Wort entweder "Auf" oder "Tauf" heißen könnte.</note></p>

            <p>(<add place="superlinear" rend="hand">Für den kleinen Mann <hi rend="u">ist</hi></add> <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs><del rend="s"><hi rend="u">ist</hi></del> zurzeit die deutsche Universität. Und sachlich kann das <q>niederdeutsche</q> oder <q>niedergedeutschte</q> dritte Reich sehr wohl fünfzehn Jahre von den Vorräten leben, die sich vorfinden. Das Zerstören der geistigen Reproduktionsorgane wird erst dann fühlbar werden. Die Professoren waren <date when="1920">1920</date> genau so dumm wie jetzt, dumm im tiefen Sinne der Instinktlosigkeit. Und ich bin ja von dem unrettbaren Untergang des Universitätssystems seit <date when="1919">1919</date> durchdrungen, habe auch dieses Glaubens gelebt und es nur mit dem <foreign xml:lang="lat">Si fractus illabatur orbis</foreign><note type="ea">Dieser lateinische Spruch bezieht sich auf ein Zitat aus Horaz' Oden (III, 3, 7) dem die Worte <q>Impacidum ferient ruinae</q> folgen. Zusammen bedeutet die Übersetzung: <q>wenn der Erdkreis zusammenbrechend einstürzt, auf einen Unerschrockenen werden die Trümmer niederfallen</q></note><!-- https://www.enzyklo.de/Begriff/Impavidum_ferient_ruinae --> ––– halten wollen, weil <del rend="s"><unclear>man oben manchmal mitgestorben sein muss, um mit wieder aufzuerstehen.</unclear></del> <add place="superlinear" rend="hand">ich <date when="1923">1923</date> in der Universität die einzige Überwinterungsstätte</add> <add rend="hand">fand. (Die Desperados gingen ins Gefängnis. Aber ich bin Kein Revolutionär.)</add><pb n="2"/></p>
  
            <p>Ich kann die Schlussakte <add place="superlinear" rend="hand">im Schicksal der Universität seit 32</add> – Korporäle kommandieren Instruktion, wie Sie treffend sagen, – nicht tragisch nehmen, weil die Tragödie eben im Anrollen war. <date when="1866">1866</date>, <date when="1890">1890</date>, <date when="1918">1918</date> sind die Etappen; <date when="1914">1914</date> (92 Kulturträger) ist auch eine. <rs ref="#tillich_person_id__808" type="person">Harnack</rs> wurde noch <date when="1889">1889</date> durch <rs ref="#tillich_person_id__224" type="person">Bismarck</rs> gegen <rs ref="#tillich_person_id__3323" type="person">Kaiserin</rs> und Ev. Oberkirchenrat nach <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs> geholt, aber eben von <rs ref="#tillich_place_id__762" type="place">Giessen</rs>, das heisst von <hi rend="g">ausserhalb</hi>!<note type="ea">Hier könnte auf den sogenannten "Kulturkampf" angespielt werden, bei dem Otto von Bismarck durch sein Vorhaben den Einfluss der katholischen Kirche und ihrer Autonomie mittels Gesetzen zur Angleichung an den Staat zu reduzieren. Dadurch kam es zu Spannungen mit Kaiserin Augusta, der katholischen Kirche und dem evangelischen Oberkirchenrat.</note><!-- -> https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/otto_von_bismarck_der_eiserne_kanzler/pwiederkulturkampfbismarcksstreitmitdempapst100.html#:~:text=Bismarck%20sah%20vor%20allem%20zwei,Bismarck%20f%C3%BCr%20%22reichsfeindlich%22%20hielt. --> Innerhalb Preussens wäre das selbst <rs ref="#tillich_person_id__224" type="person">Bismarck</rs> nicht gelungen. Und da wir nun dank <rs ref="#tillich_person_id__624" type="person">Herrn Frick</rs> reine Preussen sind, und die deutsche Natio germanica der Christenheit zu einem blossen wenn auch grossen Einzelstaat geworden ist, so ist die Universität für diesen einzelstaatlichen Körper zu gewichtig und er gibt diese Weltinstitution an die Welt zurück. In der Welt existiert sie natürlich auch keimhaft, aber nicht prinzipiell bisher. Columbia ist ein gutes Beispiel, wieviel sich einmalig durch ehrenvolle Nachahmung erreichen lässt. Aber gleich hier springt ein Unterschied unseres Denkens hervor. Obwohl wir deskriptiv einig gehen, sehe ich doch im Reformations-deutschland eine<hi rend="u"> prinzipielle</hi> Lösung, die in Columbia fehlt. Der Unterschied zwischen beiden ist der von mehraltriger– Marxistisch ausgedrückt: reproduzierender–Institution und einaltrigem bloss tatsächlichem <q>happening</q>, reinem glücklichen Zufall.</p>
            
            <p>Es wäre wichtig, wenn wir an diesem relativ kleinen Punkte uns verständen. Dazu will ich helfen, indem ich natürlich die Unbeamtetheit des berufenen Sprechers <add place="superlinear" rend="hand">(<rs ref="#tillich_person_id__1737" type="person">Schopenhauer</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__1275" type="person">Marx</rs> – aber <rs ref="#tillich_person_id__1275" type="person">Marx</rs> war mehr Europäer.)</add> für durchaus möglich halte, nur nicht immer, überall und allein. Ich glaube an Aemter, reproduzierende Institutionen. <add place="superlinear" rend="hand">Das ist mein <hi rend="u">Ausgangspunkt</hi>. Doch erleichtert es vielleicht das Verstehn wenn ich hinzufüge:</add> Ich bin sehr kritisch hinsichtlich der Lebensdauer solcher Institutionen, weil ich den Verdacht habe, dass <add place="superlinear" rend="hand">heut</add> die Oekonomie universaler, die Bekenntnisse partikularer werden müssen. Ein weltweites Amt der europäischen Christenheit könnte also möglicherweise einfach daran<pb n="3"/> heut sterben müssen, dass die universalen Aemter: Imperium, <foreign xml:lang="lat">Sacerdotium</foreign><note type="ea">Kann aus dem Lateinischen als <q>Priestertum</q>, <q>Priesteramt</q> oder <q>Priesterwürde</q> übersetzt werden.</note><!-- https://de.wikipedia.org/wiki/Sacerdotium#:~:text=Sacerdotium%20(seltener%20auch%20Sazerdotium)%20bedeutete,im%20Heiligen%20R%C3%B6mischen%20Reich%20zusammen.-->, Studium, heut alle <del rend="ow"><unclear reason="covered">¿¿¿</unclear></del> <add place="superlinear">ruiniert</add> werden, und die Oekumene ausdrücklich für eine Mehrzahl von Rassen Glauben, Religionen, <hi rend="g">Stämmen</hi> sich kraft einer einheitrepräsentierenden Oekonomie konstituieren muss. Pax, aber keine Pax Romana, sondern die Pax der Apokalypse mit ihrem seltsamen tempellosen Lebensbaum <q><foreign xml:lang="lat">ad sanitatem <hi rend="u">gentium</hi></foreign>!</q><!-- <note type="ea"> "Aus dem Lateinischen als "für die Gesundheit der Nationen" übersetzt." -> VORSICHT hab Google Übersetzer hier verwendet, müsste bessere Quellen geben!</note>--></p>
                  
            <p>Dies bringt mich zu einem ersten Missverständnis: Die Geschichte vom Samariter stammt von <rs ref="#tillich_person_id__1808" type="person">Soederblom</rs>; dem sagte ein alter Bauer, dass die Zeit des Priestertums (<rs ref="#tillich_place_id__369" type="place">Rom</rs>) und die des Leviten (<rs ref="#tillich_place_id__613" type="place">Wittenberg</rs>) nun vorbei sei, und dass nun das des Samariters einbräche. Priestertum ist aber– und da haben Sie mich nicht verstanden,– lebenslängliche Aussonderung aus dem Volke als clerus, Elite, gentleman, das Gebildete oder dergleichen. Jede solche Aussonderung verführt <add place="superlinear" rend="hand">das Volk dazu</add> – objektiv – den Mitgliedern <del rend="s">dazu</del><add place="superlinear" rend="hand">der Elite</add> Geist kraft priesterlicher, klerikaler, elitemässiger Aussonderung <del rend="s">vom Volke abgenommen zu kriegen</del> <add place="superlinear" rend="hand">abgenommen</add>. Jede Dummheit von <rs ref="#tillich_person_id__378" type="person">Winston Churchill</rs> oder von <rs ref="#tillich_person_id__2017" type="person">Max Weber</rs> war autoritär, <hi rend="g">weil</hi> jener ein von <rs ref="#tillich_person_id__378" type="person">Churchill</rs>, und dieser ein deutscher Professor war, und weil beides sakrale Eliten darstellten zu ihrer Zeit. Nach dem Kriege war vom deutschen Professor– wegen des Verschwindens der gesamten übrigen <hi rend="u">Herrenschicht</hi>! – nur noch dieser hohepriesterliche Heiligenschimmer übrig. In richtiger Erkenntnis, dass sie, die Professoren, nun der Rest der herrschenden Klasse par excellence geworden seien, stürzte sich die Leibgarde der Hohenzollern auf die Kriegsschuldlüge, um gleichsam durch das Objekt ihrer Tätigkeit den Mangel an funktionaler Herrschaft wettzumachen. So wurde das Amt des Professors ganz und gar zum Symbol der Zugehörigkeit zur herrschenden Schicht (Alle Roman<del rend="ow">e</del><add rend="hand">bücher</add>, die etwas auf sich hielten, hatten deshalb einen deutschen Professor zu enthalten!), und damit wurde es priesterlich, weil der Logos<add rend="hand">träger</add> nun von <del rend="s">der</del> <add place="superlinear" rend="hand">Seiner</add> Aussonderung als Klerus seine Autorisierung erhielt.<pb n="4"/></p>
                  
            <p>Damit war des Ende des paulinischen Lehramtes da. E<add rend="hand">S</add> war schon vorbereitet mit dem<add place="superlinear" rend="hand">Gewalltischen</add> Erblichwerden des Pfarrerstandes, dieser <foreign xml:lang="lat">contradictio in adiecto</foreign><note type="ea">Diese Phrase kommt von einer lateinischen Redewendung, die übersetzt werden kann als <q>unmittelbarer Widerspruch</q> oder <q>Widerspruch in sich</q>.</note> des allgemeinen Priestertums. Aber der dialektische Umschlag von weltweitem <rs ref="#tillich_person_id__1468" type="person">Paulus</rs> in national petrinisches Priestertum war erst mit dem sichtbaren Sturz der Fürstenklasse vollendet. <add place="superlinear" rend="hand">Da erst spielte der Professor den Fürsten !</add> Und so ist es die Tragik gerade der bewussten Streiter für die Universität, dass sie alle unter diesen <add place="superlinear" rend="hand">priesterlichen</add> Schein geraten sind. Das habe ich sagen wollen, wenn ich auch Sie selber nicht ausnehmen konnte, ebensowenig wie mich von dieser Verstrickung durch eine soziologische Fatalität. Wir erschienen als Hohepriester als Klerus, als Elite, als herrschende Schicht. Sogar unsere Ferien und die Kolleggelder wurden als Privilegien einer Aristokratie missverstanden! Demgegenüber war und ist es belanglos, <hi rend="g">was</hi> wir auf den Kathedern und in unsern Büchern gesagt haben. Das Wort und die Wahrheit haben eine andere Dignität, wenn sie der Priester spricht oder <del rend="s">– ja, wer? Denn der Priester hat eben nicht nur den Laien, das Volk, die Masse sich gegenüber</del><add rend="hand">,</add><del rend="s">sondern</del><add place="superlinear" rend="hand">der Laie. Aber der gegensatz Priester-Laie ist nicht der Einzige Gegensatz. Im Luthertum war denn <q>sakralen</q> Fürstenamt ein vorpriesterliches, nämlich prophetisches Lehramt beigesellt wurden und</add> der alte schwedische Bauer hat es ausgeplaudert<add rend="hand">:</add> Es gibt<add rend="hand">,</add><add place="superlinear" rend="hand">nach dem Priestertum,</add> zwei weitere Möglichkeiten für die Verwaltung des Logos in institutioneller Art. (Charisma, Propheten<del rend="ow">amt</del><add rend="hand">tum</add> und all die Weberschen Kategorien sind unproduktiv weil sie un<hi rend="u">rep</hi>roduktiv konzipiert sind. Was kommt es denn gross darauf an, ob <rs ref="#tillich_person_id__3582" type="person">Deborah</rs> <hi rend="u">einmal</hi> singt. Dass es eine ganze Epoche der Richter in <rs ref="#tillich_place_id__892" type="place">Israel</rs> gegeben hat, ist das <hi rend="g">Reproduk</hi>tions– problem, dass allein Gedankenarbeit, Denken, erfordert. Die einmaligen Geniestreiche der Geschichte sind kein Thema für das Denken, sondern bleiben das was sie eben wirklich sind: <hi rend="g">Wunder</hi>! Die Wunder der Bibel etc. werden ja nicht durch die rationalistische Aufklärung aus der Welt geschafft, sondern durch ihre <hi rend="g">Reproduzierbarkeit</hi>.<pb n="5"/></p>
            
            <p>In jedem Augenblicke gibt es <hi rend="g">einmaliges</hi>, <hi rend="g">erstmaliges</hi> Geschehen = <hi rend="g">Wunder</hi>, und reproduziertes, in seiner Geschöpflichkeit <hi rend="g">vollendetes</hi> Geschehen. Hierbei drückt des Wort <hi rend="g">vollendet</hi> besser als reproduzierbar aus, was dieser Lebenstatsache widerfahren ist: Sie ist einmal ganz und gar an ihr Ende gekommen, und daher nun der Wiederholung fähig geworden, denn das Ende einer Sache ist nicht ihr einfacher Tod, sondern der Tod, der in die Wiedergeburt des nämlichen zurückleitet.</p>
                  
            <p>Der Levit ist zum Lesenden, Lehrenden und Zeugenden geworden, zu einem Daueramt in der – paulinischen – Neuzeit– kraft des Elements der Forschung. Denn Forschen heisst, die Lehre vergessen können und wieder-erkennen, und eben dadurch <hi rend="g">vollendet</hi> Forschung das Lehramt, weil sie den Kreislauf über Tod und Wiederauferstehung ermöglicht.<rs ref="#tillich_place_id__613" type="place">Wittenberg</rs> ohne Bibelübersetzung und <rs ref="#tillich_place_id__1301" type="place">Melanchthons</rs> griechische Grammatik, <rs ref="#tillich_place_id__189" type="place">Halle</rs> ohne die Wiedergeburt der protestantischen Ethik durch das Naturrecht der <rs ref="#tillich_person_id__1914" type="person">Thomasius</rs> Schule <del rend="ow">in <rs ref="#tillich_place_id__189" type="place">Halle</rs> etc,</del>, <rs ref="#tillich_place_id__224" type="place">Jena</rs> ohne die Wissenschaftslehre wären nicht imstande gewesen, <hi rend="u">vollendete </hi>Gefässe der Reproduktion des Levitenamtes zu sein.</p>
                  
            <p>Seitdem die Forschung aufgehört hat zu <hi rend="g">übersetzen</hi> oder soweit sie aufhört zu übersetzen, hat sie sich missverstanden, und statt der ewigen Erneuerung des Levitenamtes zu dienen, ist Forschung nun der Totengräber des Levitenamtes. Es hat seine Totengräberfunktion– welche nur die Erneuerung der speziellen zeitlichen Lehrform betraf,–missverstanden als eine Funktion, durch welche Lehre überflüssig werde. Diese Forschung frisst sich und die Universität nun auf. Aus...!<pb n="6"/></p>
                  
            <p>Nun also scheint es zu heissen : Ablösung vor : Ist die Repräsentation des Samariters in einer Institution nicht unmöglich? Ich beschränke mich auf eine Andeutung des sehr komplizierten, aber eben durch die Apokalypse gedeckten Tatbestandes: Das Wort ist im Samariter nicht etwa nur Incognito im Kierkegaardschen Sinne. Bei <rs ref="#tillich_person_id__1049" type="person">K.</rs> ist ja <hi rend="g">der</hi> Christ incognito. Das heilsgechichtlich– institutionelle Problem der Reproduktion des Logos hat aber nichts mit der Reproduktion der christlichen Persönlichkeit zu tun. Kirche und Christentum sind und bleiben ewig zweierlei, selbst im johanneischen Zeitalter unbenannter Kirche <hi rend="g">und</hi> unbenannter Christlichkeit. Unbenanntheit beider macht beide noch immer nicht identisch. <del rend="s">Eine Stadt </del> <add place="superlinear" rend="hand">Auch das Land <rs ref="#tillich_place_id__225" type="place">Jerusalem</rs></add> ist eine <hi rend="u">Stadt</hi>, auch wenn <hi rend="u">kein Tempel</hi> inmitten steht. Und eine <hi rend="u">Stadt</hi> ist ein Problem von Mehraltrigkeit, und nicht von blosser schlechter Existenz von Endchristen. Kurzum die Stadt auf dem Berge muss auch reproduziert werden. Das kann sie, <add rend="hand">auch</add> wenn der Funke des Geistes nicht mehr lebenslänglich (Klerus) oder, nach dem Sesshaftwerden des Talents = Habilitation, für ein Menschenalter <del rend="ow">erfolgt</del> an eine Person geknüpft wird. – Es ist merkwürdig wie immer übersehen wird, dass ein Priester dem Begriffe nach (Unschuld, Jungfräulichkeit,) und jede Elite <add place="superlinear" rend="hand">Kraft</add> Geburt, Erziehung, Genie, Anlage etc. ) <hi rend="u">siebzig Jahre</hi> sind was sie sind, der Levit und Berufsträger in der Neuzeit aber nur ein <hi rend="u">halbes</hi> Leben lang, nämlich von seiner <hi rend="u">Berufung</hi> an! Für das johanneische Amt der Samariterlehrer wird nun die Zeitspanne, während der das Wort an einen <add place="superlinear" rend="hand">bestimmten</add> Träger geknüpft erscheint, noch kürzer. Sie geht unter das halbe Menschenleben der Berufenheit hinunter in den Augenblick. Das habe ich ja in meinen Beitrag für Ihr <rs ref="#tillich__X3ICTQUC" type="work">Kairosjahrbuch</rs> in ungewollter Zuspitzung auf Ihre eigene Lehre ausgeführt. Ich spreche<pb n="7"/> dort davon, dass wir in jedem Augenblick die <foreign xml:lang="lat">socii aetatis Jesu</foreign> <note type="ea"> Könnte als "Zeitgenossen Jesu" übersetzt werden. Rosenstock verwendet diesen Ausdruck auch in seinem Beitrag <q><rs ref="#tillich__XE5RGI9I" type="work">Protestantismus und Seelenführung</rs></q>(S.246) der in Tillichs <rs ref="#tillich__8QVLLY9A" type="work">Band 2 des Kairos Jahrbuches</rs> erschien.</note> zu spielen hätten, mit wechselnden Rollen, niemand wüsste bis zum Ende wer der <rs ref="#tillich_person_id__1004" type="person">Judas</rs> war, nur sei einer immer sicher der <rs ref="#tillich_person_id__1004" type="person">Judas</rs>, der das Drama eben durch seine Schwäche, Ungeduld oder Glaubenslosigkeit überstürze. Angewandt auf die Lehre bedeutet das ein Allmächtigwerden des Logos in allen Menschen. Durch die Massenbekehrungen <del rend="s">zum Sozialismus</del><add place="superlinear" rend="hand"><hi rend="u">jedes</hi> Jahrhunderts (Planung, Kreuzzüge, Bettelmönche, <rs ref="#tillich_person_id__1228" type="person">Luther</rs>, Pietismus, Sozialismus)</add> ist erneut jedem eine Seite der ewigen Wahrheit <add place="superlinear" rend="hand">immer wieder</add> zugänglich geworden und damit ist sie <del rend="s">ihm</del><add place="superlinear" rend="hand">nun <hi rend="u">allen</hi></add> anvertraut. <add place="superlinear" rend="hand">Die Situation des Jahres 30 ist auf den Kopf gestellt! Denn</add> Wenn der Logos<hi rend="u">allent</hi>halben eingedrungen ist, so ist er nun n<hi rend="u">irge</hi>nds mehr <!--sic specific -->personnifiziert! Er lebt im Intervall zwischen denen, die <hi rend="u"><del rend="ow">uni</del><add rend="hand">alle</add></hi> <del rend="s">ihn</del> <add place="superlinear" rend="hand"><hi rend="u">etwas</hi> vor ihm</add> gehört haben, und nun <add rend="hand">aus</add> dem Zwiespalt von Glauben und Nicht–Glauben nur durch den <del rend="s">bindenden </del> <add place="superlinear" rend="hand">jeweiligem</add> Akt zwischen <del rend="s">ihnen</del> <add place="superlinear" rend="hand">einander</add> hinausgelangen können. Die Institution der <foreign xml:lang="lat">Una sancta</foreign><!-- <note type="ea"><q>Una sancta</q> aus dem Lateinischen wird als <q>die eine heilige (Kirche)</q> übersetzt.</note> --><!-- Siehe dazu auch <rs ref="#tillich_person_id__" type="person">Max Josef Metzger</rs> und die überkonfessionelle “Una sancta” Bewegung.-->, der faktischen Einheit <add place="superlinear" rend="hand">der Welt</add> macht den Logos zum Geheimnis einer zwischenpersönlichen Situation. Wenn dies auszuführen wäre, so wäre daraus die schliessliche Erlösung des <rs ref="#tillich_person_id__1004" type="person">Judas</rs> abzuleiten und aller Insassen der Hölle. Die andern Seelen tragen <hi rend="u">vorübergehend</hi> ihre Last. <rs ref="#tillich_person_id__425" type="person">Dante</rs> ging bloss vorüber. Hingegen der barmherzige Samariter trägt den Blutenden <del rend="s">auf</del> <add place="superlinear" rend="hand">vorübergehend</add>. Aber, vergessen wir nicht das Gesetz unter dem dieser Samariter steht: Er muss wieder in das Dunkel zurück, aus dem er kam. Wenn er Rote Kreuz Schwester wird oder Diakonossin oder Sozialfürsorger, so ist das etwas rechtes, aber hat nichts mehr mit <hi rend="u">dem Amt des Samariters</hi> zu tun. Es gehört zu dessen Wesen, dass sich seine Funktion wieder von ihm lösen muss. Ich sage: <hi rend="u"><hi rend="g">muss</hi></hi>. Dies war und ist der Kerngedanke des Arbeitslagers, und sie können gewiss sein, dass das Arbeitslager eher die Instruktionskorporäle wieder loswird, als die Universität. <del rend="s">Aber</del> <add place="superlinear" rend="hand">Denn</add> die Abschaffung des geistigen Eigentums ist die entscheidende Tatsache im Zeitalter des barmherzigen Samariter des Denkens <add place="superlinear" rend="hand">und sie ist bei gemeinsamer Arbeit natürlich.</add> Es kommt nicht nur <hi rend="u">nicht</hi> darauf an, <hi rend="u">wer</hi> etwas gesagt hat, sondern es ist sogar eine Beeinträchtigung <hi rend="u">der</hi> göttlichen Wahrheit wenn man dar</p>
            <p><note place="bottom" rend="hand">Der Sozialismus musste scheitern weil es nicht mit der <!---->Abschaffung oder Entmächtigung des geistigen Eigentum angefangen hat. Alle Sünden sind aber geistig. Da liegt wohl eine tiefe Differenz.</note><pb n="8"/></p>
            <p>auf achtet, wer etwas sagt. Das habe ich sagen wollen, als ich erwähnte, dass und wie stark ich plagiert worden bin. Es <hi rend="u">musste so sein</hi>, aber es tat trotzdem weh. In einer Welt, die noch immer auf geistiges Eigentum ja, auf 'Ismen, das heisst auf Schulbildung aus ist, war die Vorwegnahme des <q>vorübergehenden</q> Denkens oft lebensgefährlich. Weil ja eben unsere ganze Lebens– und Wirtschaftsordnung auf das Levitenamt des Berufs – viel mehr als auf das Kapital– gebaut ist. Nicht zu beanspruchen, was man doch hatte, war also eine qualvolle Prozedur. Ich halte dies aber für genau so erforderlich, wie die Abschaffung der sozialen Ungerechtigkeit in Geldsa<del rend="ow">c</del>hen, – an die ich nur sehr relativ glaube, weil ja die Proletarier alle in Geld denken, also garnicht frei von der Ungerechtigkeit sind. Mit meiner Forderung des Samariterdenkens wird oft verwechselt der Gruppenegoismus (Eine Gruppe hat es gemacht, kein Individuum, <rs ref="#tillich_place_id__662" type="place">Berneuchen</rs>, <rs ref="#tillich_place_id__800" type="place">Patmos</rs> etc.). Ich <!--sic-->leugne<!-- läugne- verm. Alte Schreibweise --> nicht, dass hier ein Versuch in der Richtung vorliegt, aber eben nur bei sofortiger Auflösung des Kreises oder der Gruppe, nach ges<supplied>c</supplied>hehener Begegnung.</p>
                  
            <p>Wenn nun die Formung des <q>vorübergehenden</q> Raumes der Bezeugung die Aufgabe der Zukunft ist, die den Christen vom Heiden unterscheiden wird –– Der Christ weiss um die Offenbarung <add place="superlinear" rend="hand">an alle im Zuge der Heilsgeschichte seit Christi Geburt</add><!-- stelle? --> und hat nun als einzige Kraft der Bezeugung die Selbstüberwindung zu begehen und es <q>nicht als eine<hi rend="u">n Raub zu</hi> erachten,</q> dass <add place="superlinear" rend="hand">vielleicht</add> ein anderer <add place="superlinear" rend="hand">besser als er selber</add> Gott bezeugt !!! –– so ergibt sich meine Scheu, mit einem sozialen Bekenntnis mich Ihnen einfach anzuschliessen. Das Leben <rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesu Christi</rs> ist – auch das wieder ein Gegensatz zwischen uns– immer der Ausgangspunkt <add place="superlinear" rend="hand">für alle mein Denken</add> gewesen, <hi rend="u">niemals seine Lehre<add rend="hand">!</add></hi> Im Alter der Kirche finden Sie den <foreign xml:lang="gr">IXTHYS</foreign><note type="ea"><q>IXTHYS</q> oder <q>ΙΧΘΥΣ</q> ist Griechisch für <q>Fisch</q>.</note>, das heist, das Leben Jesu als die einzige Institution der Kirche, aus der sich alle anderen erneuern. Gerade wegen meiner – nicht intuitiven<add rend="hand">,</add> '<del rend="ow">B</del><add rend="hand">b</add>itte'; sondern <hi rend="u">institutionellen</hi>, nur am Reproduzieren interessierten Sehweise, hat mich nur die feste Grundlage des wirklichen Lebens und Sterbens des vollkommenen <pb n="9"/>Menschen vor der Versteinerung und der Anbetung papistischer oder bolschewistischer Machtgötzen bewahren können. Wenn der vollkommene Mensch das Mass jeder Institution ist, <add place="superlinear" rend="hand">wenn</add> vor allen Dingen auch für ihre Zeitgemässheit im Kairossinne, <add place="superlinear" rend="hand">für</add> die Erfülltheit der Zeit der Mensch, sein Vorhandensein, einzig entscheidet und niemals eine Idee oder ein Programm<supplied>,</supplied> so ist Ihr Gegensatz <add rend="hand">"</add>dialektisch<add rend="hand">"</add> und <add rend="hand">"</add>intuitiv<add rend="hand">"</add> nicht genug, um uns über einanderaufzuklären. Ich empfinde Ihre Methode als griechisch und den Inhalt Ihrer Frohen Botschaft als messianisch– jüdisch. Das eigentlich christliche Element spüre ich nicht darin. Eine Verschweissung jüdischer Eifersucht auf das Endreich der Sozialen Gerechtigkeit und griechischer Klarheit in Bezug auf die Dialektik alles ihm, dem Endreich voraufliegenden genügt meiner Seele keineswegs. <rs ref="#tillich_person_id__690" type="person">Göthe</rs>, nicht <rs ref="#tillich_person_id__1049" type="person">Kierkegaard</rs><add rend="hand">!</add> Wenn ich im neunzehnten Jahrhundert wählen müsste, hielte ich <rs ref="#tillich_person_id__690" type="person">Göthe</rs> – mit <rs ref="#tillich_person_id__690" type="person">Göthe</rs> selber– für den besseren Christen als <rs ref="#tillich_person_id__1049" type="person">Kierkegaard</rs>– weil, ja weil ebendas Wort Fleisch geworden ist und weil die Frage, <hi rend="g"><hi rend="uu">Wann</hi></hi> der Mensch dies oder das zu sagen, zu tun, zu bekennen, oder zu lassen hat, die eigentliche Glaubensfrage an den Christen ist. Was ich Ihnen, dem Lehrer des Kairos, nicht zu sagen brauche. Dank dem Kairos, ist es Ihnen möglich geworden, im Griechischen Bereich weiterzudenken, weil Kairo dem biographischen Denken im Sinne <rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesu</rs> eben am nächsten von allen Begriffen kommt. Aber entscheidend ist doch, dass des Wort Fleisch geworden <add rend="hand">ist</add>. <hi rend="u"><rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesus</rs> hat alles was er getan hat, zur rechten Zeit getan.</hi> Und wenn ich das nicht glaubte, würde ich mich für keinen Christen halten können. Kreuz, Wunder, Weglaufen von Hause, Flucht nach <rs ref="#tillich_place_id__723" type="place">Aegypten</rs>, <foreign xml:lang="lat"><rs ref="#tillich_person_id__1478" type="person">Petri</rs> Quo vadis</foreign>?<note type="ea"><q>Quo vadis</q> ist ein lateinischer Ausdruck und kann im Deutschen übersetzt werden als <q>Wohin gehst du?</q>. Hier kann auf eine Geschichte in den apokryphen Petrus Akten referenz genommen werden in denen Petrus, Jesus auf dem Weg zu Rom diese Frage stellt.</note>... Christentum ist die Erfüllung der Zeit und deshalb etwas drittes jenseits Judentum und <del rend="s">Christ</del><add place="superlinear" rend="hand">Griech</add>entum. <rs ref="#tillich_person_id__1494" type="person">Philo</rs> war kein Christ. Er war bloss Jude + Grieche. <add rend="hand"> Jesus spricht weder dialektisch noch intuitiv. Und ich bestreite energisch, dass ich intuitiv schreibe oder dialektisch zu schreiben hätte. Intuition und Dialektik, Poesie und Prosa <unclear>starben beide</unclear>der Gerechtigkeit der wirklichen und vollen menschlichen Sprache. Das Vertrauen und das</add><pb n="10"/> <add place="top" rend="hand">Apostolicum liegen jenseits von Dialektik oder Intuition. Mit der Überwindung beider Halbheiten (Wie Dialektik, Wie Intuition) fängt das echte Denken <hi rend="u">überhaupt</hi> <hi rend="u">erst an</hi>. Vorher ist es ein schatten haftes Denken, so Gespenstisch wie Rosenzweig es in ersten Teil des Stern beschreibt. Deshalb sind Sie ja dann Theologe! Denn Politik, Arbeit der ganze Tagesdreck muss mit der Sprachkraft des Vaterunser "besprochen" werden. ... Das heisst Glauben!</add></p>
                  
            <p>Wenn Jesus nicht mit dreissig Jahren gekreuzigt worden wäre, so würde man noch etwas eher sich einreden können, zu <hi rend="u">wissen</hi>, was man mit 50 in dieser Welt darzustellen hat. Aber so kann man selbst das nicht. Man muss, sogar mit 45, 50, 55, <hi rend="g">glauben</hi>, was sehr anstrengend ist. Und daher verstehen Sie bitte meine Zurückhaltung zu Ihrem Programm. Ich glaube, dass nach einem Jahrhundert des bürgerlichen Mannes und der Orgien der Geistesfreiheit und des geistigen Eigentums der Bürger und Mann von 40 oder 50 Jahren exemplarisch und paradigmatisch ins Leiden gerückt worden ist. Wir alle haben unter der Abschaffung des Bürgers als Jahrhundertgottheit zu leiden, ungeachtet unserer– vielleicht individuellen – Unbürgerlichkeit. Damit, mit dieser Verhaftung an mein Gesamtgenerationenschicksal, fühle ich mich aber persönlich freigesprochen. Es ist genug Leiden über mich als Gattungswesen verhängt. Als Vater meines <rs ref="#tillich_person_id__3325" type="person">Sohnes</rs>, als Bruder meiner Geschwister<note type="ea">Eugen war der Bruder von: Dorothea Kantorowicz; Martha Eva Prochownik; Katherina(Käte) Hamburger (geb. Rosenstock später Karin Roon oder Klara?)<!-- https://www.deutsche-biographie.de/sfz108212.html ___ https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:24LH-7CG?lang=de, siehe Hamburger Briefwechsel und ist Nicht Schwester Käte Hamburger(könnte einfach Katharina sein oder eben DIE Käte Hamburger aus dere anderen Familie)https://www.kreislandeshut.de/persoenlichkeiten/nicht-im-kreis-geborene/;--> Eva Charlotte Rosenstock; Edith Agnes (Ditha Rosenstock) Hirschmann<!-- wer ist dann Agnes Rosenstock Wurzmann https://www.erhfund.org/subseries/series-7/ -->; und Herta Michel.</note>, als Sohn meiner <rs ref="#tillich_person_id__3329" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3326" type="person">Eltern</rs></rs>, als Professor, kurzum in jeder einzigen meiner Beziehungen zu einer mehraltrigen reproduktiven Funktion, bin ich ins Leiden gestellt. Das genügt. Ich lehne jede weitere, subjektivistisch– jugendliche Neigung und Bereitschaft, darüber hinaus zu leiden, als mir widerwärtig ab. Der junge Mensch in mir war immer leidenswillig. Der Nicht<add rend="hand">,=</add> Noch–nicht–in–die–Volksordnung Eingewachsene ficht oder leidet sich in sein Volk hinein. Das alles ist von unserer Generation genommen. Als Gattung, als Jahrgang, als Amtsträger verfolgt, denke ich nicht daran, mich jetzt für die Verwirklichung des Johanneischen Reiches<!-- ? --> einzusetzen. Dies ist mir eben <add rend="hand"><hi rend="uu">jetzt</hi></add><pb n="11"/> durchaus unziemlich.<add place="superlinear" rend="hand">Während ich fünfzehn Jahre lang von nichts anderem als diesem besessen war.</add> Deshalb nur habe ich bei Ihnen und mir einen Stellungswechsel (Theologe und Philosoph) vorausgesetzt, weil ich vermute, dass dies Gefühl für das unziemliche jedes nicht im Gattungsmässigen Begründeten Leidens rein aus meiner individuellen Lage entspringen mag. Ihr Brief las sich doch etwas wie ein Aufruf. Wenn ich demgegenüber alles, was ich über das Lebensalter unserer Generation und über ihre Lage empfinde, an einem Bilde deutlich machen darf, so wäre es dieses. Ich empfinde wie <rs ref="#tillich_person_id__2523" type="person">Odysseus</rs> im neunten Buche der <rs ref="#tillich__M79367QH" type="work">Odyssee</rs><!-- brauch ich ne generische dafür? -->, als er nach vielen Schwierigkeiten bei den Phäaken<note type="ea">Die Phäaken sind, in der Odyssee von Homer, ein Volk begnadeter Schiffsbauer und Seefahrer, welches ursprünglich nahe der Kyklopen lebte, diese aber nach etlichen Überfällen zum ausgewandern bewogen wurden.</note> endlich, endlich anfangen darf zu reden. Und was sagt der göttliche Dulder? Bietet er ein Programm an? Identifiziert er sich mit den Phäaken, mit den Griechen, mit den Notleidenden, mit den Göttern? Kurz, ist er im Alter der Eschatologie und des Messianismus? Nichts von alledem. Er sagt – und ich glaube, es hat ihn innerlich lächeln gemacht–: <q>Ich bin <rs ref="#tillich_person_id__2523" type="person">Odysseus</rs>, der Sohn des <rs ref="#tillich_person_id__3330" type="person">Laertes</rs>, der in allen Listen den Menschen gegenwärtig bin <hi rend="u">und <hi rend="g">dessen Ruhm den Olymp</hi> erreicht</hi>.</q> Gerade so denke ich müssen wir jetzt im fremden Lande zunächst unsere Identität <hi rend="u">mit uns selber</hi> herauskehren, und darüber kommt die Identifizierung mit der leidenden Menschheit bei mir momentan erheblich zu kurz. Ich könnte für diese Wiederherstellung meiner Ganzheit sogar noch eine ausführliche Begründung liefern, aber ich bezweifle, dass diese mehr als die Rationalisierung meines Instinktes ist: Jetzt um gar keinen Preis individuell Leiden suchen. <add rend="hand">Wer so reden muss wie <rs ref="#tillich_person_id__2523" type="person">Odysseus</rs> bei den Phäaken, hat genug zu tun, diese Extravertierung innerlich auszubalanzieren. Wollte er gleichzeitig, noch jene durch jedes Leiden <hi rend="u">wollen</hi> aufgenötigte innere <hi rend="u">Spaltung</hi> in sich befördern, so würde er wie ein Geist<!-- Burist --> verblaßen<!-- verplazen-->.</add><pb n="12"/></p>
            
            <p>Ich bin nun weit entfernt, daraus eine Regel für alle, die mit mir nach <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> gekommen sind, abzuleiten. Ich vermute, dass für die meisten die Situation sich anders darstellt. Aber soweit noch Ein Sinn für die <hi rend="u">Geschichtlichkeit</hi> des Christentumes in uns lebendig ist, kann sie nicht von der rechten Zeit absehen, in uns und in <rs ref="#tillich_person_id__981" type="person">Jesus</rs>.. Das macht uns zu seinen Brüdern. Und die Zeit hat ein anderes Gesicht für den Mann von 45, den Jüngling von 20, und den Bräutigam von 30. Der Inhalt meiner Lehre wird gewiss nicht so sehr erheblich von der Ihren abweichen. Ich hebe eine soziale, Trinität in einem oikodynamischen System dargestellt, mit der ich Comtismus<note type="ea">Beziht sich auf <rs ref="#tillich_person_id__396" type="person">Auguste Comte</rs>, der auch als Begründer des Positivismus gilt, sowie der Soziologie seinen Namen gab.</note> und Marxismus beide zu befrieden und auf eine bloss menschliche Trinität zu beschränken hoffe und Sie werden die Tragweite meiner Anthropologie leicht erkennen, wenn ich Ihnen sage, dass ich drei menschliche Zustände zugrundelege: den Menschen der Temporality in seiner Arbeit, den Menschen der Zeitlosigkeit in seiner Gattungshaftigkeit im Dienst der Art, und die Person in ihrer <q>Timeliness</q> – womit ich Ihr Kairos subjektiviere und übersetze. –– Aber dies ist nicht eigentlich wichtig für unseren Briefwechsel heute. Höchstens, dass es zeigt, dass es mir mit meinem wissenschaftlichen Denken jenseits Dialektik und Intuition bitterer Ernst ist und dass es ein solches drittes Denken gibt oder es gibt kein Christentum !–– Aber das wichtigere heut zwischen uns ist die Zeugenschaft. Ich habe <date when="1919">1919</date> gegenüber Ihnen definiert: Ein Lehrer des Gesetzes, <add place="superlinear" rend="hand">aber</add> ein Zeuge der Freiheit. Ich glaube, Sie haben gegen diese Definition heute nichts einzuwenden. Das neue seitdem ist folgendes für mich: Kairos, Zukunftsträchtig <add place="superlinear" rend="hand">im Sinne der <hi rend="u">Welt</hi>geschichte</add> sind die johanneischen Formen. Von ihrer Anbahnung oder Verwirklichung bin ich aber innerlich und äusserlich abgelöst und ausgeschlossen. <add place="superlinear" rend="hand">Ich empfinde mich in dem kurzfristigen Sinne des Zeitgeschehens als entaktualisiert.</add> Ich entdecke also – und ich bin mir aller soziologischen Verursachungen dabei wohl bewusst – die zeitlose und relativ ewige Berechtigung auch des Levitenamtes wieder, damit die re<pb n="13"/>lative Möglichkeit der Katheder autorität. Da ich niemals Idealist gewesen bin, fühle ich mich unschuldig genug, <rs ref="#tillich_person_id__1705" type="person">Schelling</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__839" type="person">Hegel</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__589" type="person">Fichte</rs> auf dem Katheder zu traktieren. Die <del rend="s">Zeugenschaft</del><add place="superlinear" rend="hand">Repräsentation des Denkens</add> ist also ohne mein <unclear>Zutun aus</unclear> dem im engsten Sinne <add place="superlinear" rend="hand">Zeit</add> geschichtlichen Ablauf (von <rs ref="#tillich_person_id__1468" type="person">Paulus</rs> zu <rs ref="#tillich_person_id__985" type="person">Johannes</rs>, aus der Neuzeit in die Endzeit, aus dem Nationalismus in den Soizialismus) hinausgerückt in eine geschichtslosere Sphäre, zu der ja vielleicht <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> im Ganzen gerechnet werden kann. <add place="superlinear" rend="hand">Es ist eben alles immer gleichzeitig und zugleich jedes uns <hi rend="u">einmal</hi> als <hi rend="u">Geschehend</hi> da.</add> Irgend eine Erwartung, in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> zum Zuge zu kommen habe ich nicht. Da ich auch nicht Amerikaner werden kann, so bleibt die Zukunft ganz offen. Ich bin aber in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> nicht als Deutscher, nicht als Jude der Rasse nach, nicht als Christ, sondern als Europäer, der etwas durchexerziert hat, was erstens hier noch unbekannt ist, zweitens was hier überwintern muss um seiner Werthaftigkeit willen. Als <hi rend="u">Europäer</hi>, als <rs ref="#tillich_person_id__1394" type="person">Nietzsches</rs> guter Europäer, fallen gewisse Unbeholfenheiten der Situation, <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>–<rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> dahin. Das Jahrhundert, in dem sich <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> und <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> auseinandersetzten, ist vorbei. Nur als Europäer können wir die Amerikaner zwingen, unser <del rend="s">Bild</del><add place="superlinear" rend="hand"><unclear>gesamterzeisches Dasein</unclear></add> aufzunehemn, und, vielleicht, für die letzte gegnung mit <rs ref="#tillich_place_id__738" type="place">China</rs> und <rs ref="#tillich_place_id__772" type="place">Indien</rs> zu erneuern. An diese Erneuerung unseres Glaubens im Ringen mit <rs ref="#tillich_person_id__3340" type="person">Laotse</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__312" type="person">Buddha</rs> glaube ich, aber dies ist ein Theorem, dessen Vitalität noch nicht unmittelbar wirksam geworden ist. Als Europäer ist meine Zeugenschaft nicht die des Märtyrers für eine politische Ueberzeugung in meinem engeren Vaterlande <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>. Dies ist keine die Amerikaner oder den Weltgeist (!!!! wer lacht da?) interessierende Angelegenheit. <rs ref="#tillich_person_id__425" type="person">Dantes</rs> <rs ref="#tillich_place_id__141" type="place">Florenz</rs> ist belanglos gegenüber der Tatsache, dass er der erst<hi rend="u">e Italiener </hi> war. So sind wir die ersten Europäer, umso mehr, weil wir es uns nicht ausgesucht haben, es zu sein. Man ist nur das ganz, was man nicht mit dem bischen Willen gewollt hat.</p>
            
            <p><add rend="hand"><rs ref="#tillich_person_id__1275" type="person">Marx</rs> war es weniger als wir.</add><pb n="14"/></p>
                  
            <p>Dies ist unser Unterschied– nicht in jeden Einzelfall wie ich wohl weiss, aber durch den Zeitpunkt .  gegenüber <add place="superlinear" rend="hand">der Emigration der</add> Italiener <add place="sublinear" rend="hand"><date when="1922">1922</date></add> oder Russen<add place="superlinear" rend="hand"><date when="1918">1918</date></add>. Wir kommen in dem ersten Augenblick amerikanischer Offenheit für die europäische Grundhaltung: Bussfertigkeit, Selbstkritik, dialektische Erneuerung. Das ist der christliche Kern <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europas</rs>. Ihn zu bezeugen, sind wir genötigt, kraft unserer Art und Eigenart.</p>
                  
            <p>Dass sich daraus praktische Arbeitsaufgaben die Fülle herleiten lassen, steht mir ganz unmittelbar fest. Aber wir bezeugen das Leben nicht der Tod, nicht ein Märtyrertum, sondern ein männliches, höchstpersönliches, wenn auch zum Spiel mit dem allzu persönlich– rein bürgerlichen fähiges Europäertum.</p>
                  
            <p>Und deshalb ist die Lehre von der sozialen Gerechtigkeit mir im Augenblick und für <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>– das sich an einen durch Sozialismus verbrämten <add place="superlinear" rend="hand">riesigen</add> <hi rend="g">Graft</hi><note type="ea">Ein <q>Graft</q> ist eine alte Bezeichnung für <q>Wassergraben</q>. In medizinischer Fachsprache kann <q>Graft</q> auch für Transplantat stehen.</note> zu vergiften droht– von bedenklicher Aktualität. Wer ist denn hier Sozialist? Alle die die nichts gelernt haben, die Abstrakten, die Kairosunfähigen. Wollen Sie wider sich durch die kompromittieren, die unbelehrbar sind. Sie gaben sich weiss Gott in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> genug selbst damit geschadet. Alles was von Ihnen in der Richtung Selbstaufopferung und des bösen Scheins verlangt werden kann, haben Sie sich auferlegt. Weshalb nun nicht aus der Dialektik <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>–<rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> herausgehen, in die fruchtbare <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europa</rs>–<rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>, in der Sie und ich sein dürfen und sein müssen, wozu uns der Herrgott geschaffen hat, ganz unangestrengt, ganz unverkrampft, bloss existenziell und in dem was uns Spass macht, (soweit das Geld dazu reicht)?</p>
            
            <p>Auf nach Europa in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> !</p><pb n="15"/>
                                   
            <p>Und würden wir uns nicht mit jedem Schielen nach dem niedergedeutschten kleindeutschen <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Hitlerlande</rs><note type="ea">Zu dem Begriff <q>Hitlerlande</q> wäre auch eine Kontroverse zu erwähnen welche 1941 zwischen <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul Tillich</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__75" type="person">Hannah Arendt</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__1519" type="person">Heinz Pol</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__3359" type="person">Wilfred C. Hulse</rs>, und dem als Vansittartisten verstandenen<rs ref="#tillich_person_id__1220" type="person">Emil Ludwig</rs> in der jüdischen Emigrations Zeitschrift "Aufbau" folgen sollte.<!-- siehe aus: "Chronologie eines Eklats. Hannah Arendt und Paul Tillich" Alf Christophersen und Claudia Schulze, 2008 DeGruyterBrill) --></note> selber Lügen strafen? Wir waren nach <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> gestellte, delegierte Kinder Gottes und Europäer und waren es gewiss zufrieden, als Deutsche und in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> die <foreign xml:lang="lat">Magnalia Dei</foreign><note type="ea">Kann aus dem Lateinischen in das Deutsche übersetzt werden als "Gottes große Werke" oder "Gottes Gorßartigkeit". "Magnalia Dei" könnte auch ein Verweis auf ein <rs ref="#tillich_person_id__2523" type="person">Buch</rs> (1926) von <rs ref="#tillich_person_id__3344" type="person">Schmidt Expeditus</rs> sein.</note> zu loben und zu preisen. Wir sind durchaus entgegengesetzter Lage wie die 48er. Diese hatten für ihre Ideale– lies ihre Zukunft– in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> gekämpft und verloren, und daher waren sie gute deutsche Aussaat hier in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> und die <rs ref="#tillich_person_id__3345" type="person">Karl–Schurz</rs> Foundation hält diesen Dank in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> für seine gute Aussaat fest. Wir sind, wenn überhaupt etwas, eher Ernte als Saat, sind schon an und in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> fertiggewordene Menschen und Europäer, die eine übereilte Jungmenschheit verhindern konnte in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> weiterzuleben. Sie hat uns nicht unsere Ideale genommen. Was wäre denn das? Sie hat uns bloss für überlebt erklärt, und wir, wir erklären noch nicht tot zu sein. Dann müssen wir aber eben das bezeugen. Leben bezeugt sich nur durch Unbefangenheit und Zukunftshaftigkeit. Deshalb mag ich nichts, wofür ich bereits gelitten habe. Es gibt doch noch so viel anderes zu bezeugen und zu leben, was ich vor lauter Gewissenhaftigkeit mir bisher nie erlaubt habe, zu sein, zum Beispiel ein Gelehrter, ein Historiker, ein Reisender. <foreign xml:lang="lat">Ecce huma mitas Europaeana</foreign><!--Google translate spuckt das aus: "Betrachten Sie die sanfte europäische Erde", bessere Quellen?-->. Nur so verhindere ich jene, mich ueberhaupt zu erreichen. Ich binde meine Klinge nicht mit ihnen. Sie können mir den Buckel herunterrutschen. Ich führe mit ihnen Krieg. soweit für meine Existenz nötig. Aber ich bestimmen, ob ich kämpfe, und lasse mich nicht durch diese dummen Jungen herausfordern. Sie mögen schreien in ihren Wäldern Germaniens und sie werden schreien, bis sie wissen, dass sie vor ihrer eigenen Judenangst so schreien, aber ehe sie nicht und wenn sie nicht ihre Angst eingestehen, und ich weiss nicht ob sie je so viel Christentum in sich aufbringen, kann ich mit ihnen nicht reden. Auch nicht gegen sie. Es gibt ja Leute, die wenn sie unter die<pb n="16"/> Räuber fallen, dann durchaus die Räuber bekehren wollen und manchmal soll das auch gelingen. Zu dieser Rolle aber finde ich nichts in mir vor. Ich glaube, dieser Typus <del rend="s">fällt</del> <add place="superlinear" rend="hand">gehört</add> selber unter <add place="superlinear" rend="hand">den</add> des Samariters. Und eben der ist in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> zurzeit vertagt, und in mir versiegt.</p>
            
            <p>Also auf nach Europa in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>! Und in das erste richtige <rs ref="#tillich_place_id__736" type="place">Europa</rs> !!
            </p>            
            <closer>
               <salute>Ihr herzlich grüssender</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1647" type="person">Eugen Rosenstock</rs></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__3345">
                  <persName>Schurz, Carl</persName>
                  <occupation>Politiker, Publizist,  Rechtsanwalt und Botschafter</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118611720</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1228">
                  <persName>Luther, Martin</persName>
                  <birth>
                     <date>1483-11-10</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Eisleben</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1546-02-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Eisleben</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118575449</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Martin Luther (10. November 1483 – 18. Februar 1546) war ein deutscher Reformator und Theologe. Nach seinem Studium in Erfurt trat er 1505 in ein Kloster ein, wurde 1512 promoviert und wirkte als Professor in Wittenberg. 1517 löste er mit seinen Thesen gegen den Ablass den Bruch mit der Papstkirche aus, der 1521 zur Exkommunikation führte. In der Folge entwickelte er seine reformatorische Theologie und übersetzte die Bibel ins Deutsche. Seine Lehre betonte die Gnade Gottes und die Autorität der Schrift und prägte Kirche und Kultur nachhaltig.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__425">
                  <persName>Dante Alighieri</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118523708</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__378">
                  <persName>Churchill, Sir Winston</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1468">
                  <persName>Paulus</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118641549</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paulus von Tarsus (1. Jhdt.) gilt als wichtigster Missionar des frühen Christentums und als einer der ersten christlichen Theologen. Aus jüdisch-pharisäischer Tradition stammend und im Besitz des römischen Bürgerrechts, wandelte er sich nach einem Bekehrungserlebnis vom Verfolger der Christen zum Apostel der nichtjüdischen Völker. Er durchreiste den Mittelmeerraum, gründete Gemeinden und blieb mit diesen über Briefe in Verbindung, die als älteste Texte des Neuen Testaments gelten. Im Zentrum seiner Theologie standen Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, woraus er die Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade ableitete. Seine Lehre prägte die christliche Theologie nachhaltig und wirkte tief in die europäische Geistesgeschichte hinein.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1478">
                  <persName>Petrus</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3323">
                  <persName>von Sachsen-Weimar-Eisenach, Augusta</persName>
                  <occupation>Erste Deutsche Kaiserin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118651102</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1705">
                  <persName>Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph</persName>
                  <birth>
                     <date>1775-01-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Leonberg (Landkreis Böblingen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1854-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Bad Ragaz</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118607057</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (27. Januar 1775 – 20. August 1854) war ein deutscher Denker und zentrale Figur des deutschen Idealismus. Nach seinem Studium wirkte er als Dozent an mehreren bedeutenden Universitäten – Jena, Würzburg, München, Erlangen und Berlin. Sein Werk umfasste verschiedene philosophische Entwicklungsphasen, angefangen bei transzendentalphilosophischen Überlegungen bis hin zu Naturphilosophie und später zu metaphysischen Systemen. In seiner Schrift zur Freiheit (1809) deutete er die menschliche Existenz als fähig zur moralischen Wahl und bestimmte den Willen als Grundprinzip. Seinen späteren Arbeiten unterschied er zwischen einer begrifflichen und einer offenbarungsorientierten Philosophie. Sein Denken wirkte nachhaltig auf Schopenhauer, Kierkegaard, Jaspers, Heidegger und den Theologen Tillich.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1808">
                  <persName>Soederblom, Nathan</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3582">
                  <persName>Deborah</persName>
                  <occupation>Richterin und Prophetin aus dem Richterbuch des Tanach</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1108794203</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1004">
                  <persName>Judas</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__396">
                  <persName>Comte, Auguste</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118521748</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__981">
                  <persName>Jesus von Nazaret</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118557513</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Jesus von Nazaret (Anfang des 1. Jhdts.) war ein Wanderprediger und Lehrer aus Galiläa, der mit seiner Verkündigung von Liebe, Umkehr, Gerechtigkeit und dem bevorstehenden Reich Gottes schnell Anhänger fand. Den neutestamentlichen Berichten zufolge durchwanderte er mit zwölf Jüngern Judäa und Galiläa, vollbrachte Heilungen und reizte die religiösen Autoritäten durch seine unkonventionelle Deutung der Tora. Unter dem römischen Präfekten Pontius Pilatus wurde er in Jerusalem unter dem Verdacht des Aufruhrs gekreuzigt. Seine Anhänger verkündeten daraufhin seine Auferstehung, woraus das frühe Christentum entstand. Seine Gestalt prägt bis heute Theologie, Kultur und Geschichte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1647">
                  <persName>Rosenstock- Huessy, Eugen</persName>
                  <occupation>Rechtshistoriker und Soziologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/160472423</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__808">
                  <persName>Harnack, Adolf von</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf von Harnack (7. Mai 1851 – 10. Juni 1930) war ein deutscher protestantischer Theologe. Er wurde am 7. Mai 1851 in Dorpat geboren. Bereits sein Vater, Theodosius Harnack, war ein protestantischer Theologe. Er war der Onkel der Widerstandskämpfer Falk Harnack und Arvid Harnack.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3329">
                  <persName>Rosenstock, Paula</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3325">
                  <persName>Rosenstock Huessy, Hans</persName>
                  <occupation>Psychiater</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/139267115</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1220">
                  <persName>Ludwig, Emil</persName>
                  <occupation>Schriftsteller und Übersetzer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118780778</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2523">
                  <persName>Odysseus</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118589385</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Odysseus ist ein Held in der griechischen Mythologie, Sohn des Laërtes und der Antikleia, König von Ithaka, Gemahl der Penelope und Vater des Telemachos. Im Trojanischen Krieg erlangte er durch Klugheit und List, etwa beim Bau des Trojanischen Pferdes, großen Ruhm. Homers Odyssee schildert seine zehnjährige Irrfahrt voller Gefahren auf dem Heimweg. Nach seiner Rückkehr tötete er die Freier seiner Frau und übernahm wieder die Herrschaft. Nach der Telegonie starb er durch die Hand seines Sohnes Telegonos, wobei es auch andere Varianten seines Todes gibt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1737">
                  <persName>Schopenhauer, Arthur</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Arthur Schopenhauer (22. Februar 1788 – 21. September 1860) war ein Philosoph aus Deutschland. Er begründete eine pessimistische Metaphysik des Willens, in der der Wille das tragende Prinzip der Welt darstellt, während Verstand und Vernunft ihm nachgeordnet sind. In seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung verknüpfte er die Erkenntnislehre Kants mit der Vorstellung eines blinden, ruhelosen Willens. Befreiung vom Druck dieses Willens fand er in Kunst, Mitleid und Askese. Seine Ethik beruhte nicht auf dem kantischen Vernunftprinzip, sondern auf dem Mitgefühl. Auf diese Weise bereitete er den Boden für Psychoanalyse und Lebensphilosophie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1275">
                  <persName>Marx, Karl</persName>
                  <occupation>Deutscher Ökonom</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118578537</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Marx, Karl (5.5.1818 Trier – 14.3.1883 London) war ein deutscher Philosoph und Gesellschaftstheoretiker. Er stammte aus einer jüdischen, später evangelisch getauften Familie, studierte in Bonn und Berlin und promovierte 1841 in Jena. Nach journalistischer Tätigkeit in Köln lebte er ab 1843 im Exil, zunächst in Paris, wo er Friedrich Engels begegnete, mit dem er 1848 das Kommunistische Manifest veröffentlichte. Seit 1849 lebte er in London, wo er trotz Krankheit und Armut publizistisch arbeitete und von Engels finanziell unterstützt wurde. Marx entwickelte den historischen Materialismus, analysierte ökonomische Gesellschaftsformationen und prägte die Arbeiterbewegung nachhaltig. Seine Schriften machten ihn zum Haupttheoretiker des Sozialismus und zu einer Schlüsselfigur der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1049">
                  <persName>Kierkegaard, Sören</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118562002</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Søren Aabye Kierkegaard (5. Mai 1813 – 11. November 1855) war ein dänischer Theologe, Philosoph und Schriftsteller. Geprägt von der strengen Frömmigkeit seines Vaters, studierte er Theologie in Kopenhagen, löste 1841 seine Verlobung mit Regine Olsen und legte 1843 mit Entweder – Oder sein erstes großes Werk vor. Unter zahlreichen Pseudonymen verband er ästhetische, psychologische und religiöse Betrachtungen, während er unter eigenem Namen den christlichen Anspruch radikalisierte. In Werken wie Der Begriff Angst, Die Krankheit zum Tode und Einübung im Christentum entfaltete er seine Existenzphilosophie, die den einzelnen Menschen vor Gott in den Mittelpunkt stellt. Bis zu seinem Tod führte er in heftiger Polemik einen Angriff auf die dänische Staatskirche. Postum wurde er zum einflussreichen Begründer von Existenzphilosophie und -theologie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__910">
                  <persName>Hitler, Adolf</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau am Inn – 30. April 1945, Berlin) war Vorsitzender der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und ab 1934 als „Führer“ diktatorischer Staats- und Regierungschef des Deutschen Reiches. Er entfesselte 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der über 70 Millionen Menschen das Leben kostete, und trug die Hauptverantwortung für den Holocaust an den europäischen Juden. Als oberster Befehlshaber der Wehrmacht führte er eine totalitäre Herrschaft, die Terror, Propaganda und aggressive Expansion vereinte und große Teile Europas verwüstete. Beim Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ beging Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid; eine Grabstätte gibt es nicht.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3344">
                  <persName>Schmidt, Expeditus</persName>
                  <occupation>Schriftsteller, Lektor, Redakteur, Theaterkritiker, Literarhistoriker und Theaterwissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/117499455</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1494">
                  <persName>Philon von Alexandria</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Philon von Alexandria (um 15/10 v. Chr. – nach 40 n. Chr.) war ein jüdischer Philosoph und bedeutendster Denker des hellenistischen Judentums. Er verband jüdische Theologie mit platonischen, stoischen und neuplatonischen Ideen. Bekannt wurde er durch seine allegorische Bibelauslegung, in der er Gestalten und Geschichten des Pentateuch als Symbole für Tugenden deutete. Zentral war sein Logos-Begriff, den er als Mittler zwischen Gott und Welt beschrieb. Damit prägte er die christliche Theologie nachhaltig, besonders Christologie und Trinitätslehre, während seine Wirkung im Judentum gering blieb.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__589">
                  <persName>Fichte, Johann Gottlieb</persName>
                  <birth>
                     <date>1762-05-19</date>
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                        <placeName>Rammenau</placeName>
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                  <death>
                     <date>1814-01-29</date>
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                  <note type="bio">
                     <p>Johann Gottlieb Fichte (19. Mai 1762 – 29. Januar 1814) war ein deutscher Philosoph und Erzieher. Als Professor in Jena und Berlin prägte er die Frühphase des Deutschen Idealismus und bereitete mit seiner Wissenschaftslehre den Übergang von Kants Kritizismus zu Hegels Systemdenken vor. Fichte verband theoretische Philosophie mit einer Ethik der Freiheit und gilt als einer der geistigen Wegbereiter des modernen Selbstbewusstseins.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3340">
                  <persName>Laozi</persName>
                  <occupation>Philosoph</occupation>
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                  <persName>Johannes</persName>
                  <occupation>Evangelist</occupation>
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               <person xml:id="tillich_person_id__1519">
                  <persName>Pol, Heinz</persName>
                  <occupation>Journalist, Schriftsteller und Filmkritiker</occupation>
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                  <persName>Laertes</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2017">
                  <persName>Weber, Max</persName>
                  <birth>
                     <date>1864-04-21</date>
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                        <placeName key="#tillich_place_id__135">Erfurt</placeName>
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                     <date>1920-06-14</date>
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                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
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                  <note type="bio">
                     <p>Weber, Max (21.4.1864 Erfurt – 14.6.1920 München) war Jurist, Nationalökonom, Soziologe und einer der einflussreichsten Intellektuellen seiner Zeit. Er lehrte in Berlin, Freiburg, Heidelberg, Wien und München, engagierte sich politisch und prägte mit der „Protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitalismus“ sowie mit „Wirtschaft und Gesellschaft“ die moderne Sozialwissenschaft. Zentral waren seine Analysen zum Rationalismus, zur Entzauberung der Welt und zur Rolle religiöser Ethiken für die Entstehung des Kapitalismus. Mit Begriffen wie Idealtypus, Charisma, Gesinnungs- und Verantwortungsethik oder „stahlhartes Gehäuse“ beeinflusste er weit über die Soziologie hinaus die Geistes- und Theologiegeschichte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1914">
                  <persName>Thomasius, Christian</persName>
                  <birth>
                     <date>1655-01-01</date>
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                        <placeName key="#tillich_place_id__260">Leipzig</placeName>
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                  </birth>
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                     <date>1728-09-23</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__189">Halle (Saale)</placeName>
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               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3326">
                  <persName>Rosenstock, Carl Theodor</persName>
                  <occupation>Bankier und Handelsrichter</occupation>
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               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__624">
                  <persName>Frick, Wilhelm</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119055201</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__839">
                  <persName>Hegel, Georg Wilhelm Friedrich</persName>
                  <birth>
                     <date>1770-08-27</date>
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                        <placeName key="#tillich_place_id__420">Stuttgart</placeName>
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                  </birth>
                  <death>
                     <date>1831-11-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
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                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118547739</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Georg Wilhelm Friedrich Hegel (27. August 1770 – 14. November 1831) war ein deutscher idealistischer Philosoph. Nach Theologie- und Philosophiestudium in Tübingen, wo er mit Hölderlin und Schelling zusammentraf, arbeitete er als Privaterzieher in der Schweiz und Frankfurt. 1801 habilitierte er sich in Jena und veröffentlichte dort sein Hauptwerk zur Phänomenologie des Geistes. Danach leitete er ein Gymnasium in Nürnberg, bevor er 1816 an die Universität Heidelberg wechselte und 1818 Fichte an der Berliner Universität nachfolgte. Seine Lehrveranstaltungen zu Logik, Recht, Geschichte und Religion gewannen großen Einfluss. Als Zentfigur des deutschen Idealismus formte sein dialektisches Denksystem die Philosophie des 19. Jahrhunderts nachhaltig. Er starb 1831 während einer Cholerapandemie in Berlin.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3359">
                  <persName>Hulse, Wilfred C.</persName>
                  <occupation>Kinderarzt, Publizist und Chairman der jüdischen Zeitschrift „Aufbau"</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/117056197</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__690">
                  <persName>Goethe, Johann Wolfgang von</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Johann Wolfgang von Goethe (28. August 1749 – 22. März 1832) gilt als der herausragendste deutsche Dichter und Verkörperung einer kosmopolitischen europäischen Geisteshaltung. Nach seiner frühen Sturm-und-Drang-Periode mit den Werken Götz von Berlichingen und Die Leiden des jungen Werther formte er in Weimar – angeregt durch eine Reise nach Italien und die enge Verbindung mit Schiller – die klassische Epoche durch Theaterstücke, naturkundliche Forschungen und den Entwicklungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre. In seinem Spätwerk schuf er den West-östlichen Divan, umfassende lebensgeschichtliche Aufzeichnungen sowie Wilhelm Meisters Wanderjahre und stellte unmittelbar vor seinem Tod den zweiten Teil des Faust fertig. Damit beeinflusst er Dichtung, Forschung und Kunst bis in die Gegenwart.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1394">
                  <persName>Nietzsche, Friedrich</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118587943</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Friedrich Nietzsche (15. Oktober 1844 – 25. August 1900) war ein deutscher Philosoph und Autor. Nach altphilologischem Studium wirkte er ab 1869 als Professor in Basel. Sein Frühwerk zur Tragödie führte zum Bruch mit dem Komponisten Wagner und zum Austritt aus dem akademischen Lehramt. Als unabhängiger Schriftsteller – geprägt von chronischen Leiden – verfasste er mehrere Hauptwerke, in denen er metaphysische und christliche Traditionen attackierte und Konzepte wie Machtwirksamkeit, zyklische Zeit und eine posthumane Existenzform entwickelte. 1889 erlitt er einen psychischen Kollaps und verbrachte seine letzten Jahre in Weimar.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__224">
                  <persName>Bismarck, Otto von</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__312">
                  <persName>Buddha</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__75">
                  <persName>Arendt, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1906-10-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Linden (Hannover)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1975-12-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>New York, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philosophin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11850391X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden geboren. 1933 musste die jüdisch stämmige Philosophin Deutschland zunächst verlassen und ging nach Frankreich. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich emigrierte sie später in die Vereinigten Staaten. Besondere Aufmerksamkeit erlangte sie unter anderem für ihr Werk Eichmann in Jerusalem, das sie nach ihrer Teilnahme am Adolf-Eichmann-Prozess verfasste. Darin prägte sie vor allem das Konzept der „Banalität des Bösen“. Wie Paul Tillich zählt auch Hannah Arendt zu den Public Intellectuals des 20. Jahrhunderts.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__772">
                  <placeName>Indien</placeName>
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                  <placeName>Israel</placeName>
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            <author>
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          </monogr>
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              <publisher>Otto Reichl Verlag</publisher>
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          <monogr>
            <title level="m">Kairos. 2ter Band: Protestantismus als Kritik und Gestaltung</title>
            <author>
              <forename>Paul</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </author>
            <imprint>
              <pubPlace>Darmstadt</pubPlace>
              <publisher>Otto Reichl Verlag</publisher>
              <date>1929</date>
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          </monogr>
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        <biblStruct type="book" xml:id="tillich__X3ICTQUC" corresp="http://zotero.org/groups/5701116/items/X3ICTQUC" n="Tillich (Hg.), Kairos. 1ter Band: Zur Geisteslage und Geisteswendung, 1926">
          <monogr>
            <title level="m">Kairos. 1ter Band: Zur Geisteslage und Geisteswendung</title>
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              <forename>Paul</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </editor>
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              <pubPlace>Darmstadt</pubPlace>
              <publisher>Otto Reichl Verlag</publisher>
              <date>1926</date>
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          </monogr>
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