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            <title>Brief von Ernst Schoen an Paul Tillich und Familie vom 28. Januar 1935</title>
            <author ref="#tillich_person_id__3216">Ernst Schoen</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0006-5231-3094">Sebastian Kueffner</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
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            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
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            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/182(43)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich mit handschriftlichen Korrekturen</p>
               </physDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__3216">Ernst Schoen</persName>
               <date when="1935-01-28">28.01.1935</date>
               <placeName ref="#tillich_place_id__271">London Nordwest Bezirk 3</placeName>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
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         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__3216">Korrespondenz mit Ernst Schoen</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10161.xml">Brief von Paul Tillich an Nina Baringvom 13. Januar 1935</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10261.xml">Brief von Paul Tillich an Fritz Medicusvom 30. Januar 1936</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1935-01-28"/></creation></profileDesc>
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         <change who="SK" when="2025-04-07">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
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         <div type="writingSession">
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            <opener><dateline>32, Belsize Park,<lb/><rs ref="#tillich_place_id__271" type="place">London</rs>,N.W.3,<date when="1935-01-28">28/I/35</date>.</dateline>
               <salute>Liebe <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">Familie Tillich</rs></rs></rs>,</salute>
            </opener>
            <p>Wir hören, dass Sie sich neulich schon wieder mal freundlich nach uns erkundigt haben. Sie müssen es also Ihrer eignen freundschaftlichen Bekümmernis um uns zuschreiben, wenn ich Sie heute nochmals mit unsern Angelegenheiten langweile.</p>
            
            <p>Seit ich Ihnen Mitte <date when="1934-12">Dezember</date> von uns berichtete, habe ich dem hiesigen Vertreter der National Broadcasting Company, einem Herrn <rs ref="#tillich_person_id__3217" type="person">Bate</rs>, ein etwa 20 Tippseiten langes Memorandum über die Notwendigkeit der Gründung eines Forschungs–und Lehrinstituts der Rundfunkdarstellung für mich überreicht, nebst der Schilderung von etwa 10 meiner Rundfunkstücke und–aufführungen in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> und hier, einigen gedruckten Artikeln, usw. Er sagte mir, dass ihm diese Gründung <q>verfrüht</q> scheine, und so machten wir aus, er möge seine New Yorker bosses<!-- --> fragen, ob sie mir wenigstens eine Stellung geben wollten, die so ein Institut vorbereiten würde. Kopie meines Institut–Entwurfs mit Darstellung der Sachlage habe ich dann gleich auch an den Herrn <rs ref="#tillich_person_id__1084" type="person">Dr. Kotschnig</rs> nach <rs ref="#tillich_place_id__707" type="place">Genf</rs> geschickt, weil er als ich ihn hier sah, meiner Sache so sicher schien und mich geradezu bat ihn auf dem laufenden zu halten, und weil mir andrerseits das Verhalten der Amerikaner in meiner Sache recht undurchsichtig vorkommt. Ich habe an Herrn <rs ref="#tillich_person_id__1084" type="person">Dr. Kotschnig</rs> seit Anfang dieses Monats drei Briefe gerichtet–einen mit dem Entwurf, einen mit einem P.S., und schliesslich einen dritten, der sich nach dem Schicksal der beiden ersten erkundigte,– alle drei ohne jede Antwort, owbohl ich von andern Leuten hörte, dass sie während der selben<pb n="2"/> Zeit Brief aus <rs ref="#tillich_place_id__707" type="place">Genf</rs> von ihm hatten, so dass er also nicht verreist sein kann. Ich habe nun das dringende Gefühl, ihm gegenüber oder sonst in dieser Sache irgend eine Verfehlung begangen zu haben, wenn diese auch nur meiner stadtbekannten Dummheit entsprungen sein sollte. Vielleicht besteht der Fehler und die Dummheit darin, dass ich in angeborener Träumerei von allen Verhandlungen immer einen grob materiellen Verlauf erwarte, während sie sich in Wirklichkeit scheinbar immer in einem romantischen Ungefähr abspielen. Im vorliegenden Fall z.B. hätte ich angenommen, dass die N.B.C. Denen, die sich für mich ihr näherten, entweder geantwortet haben sollte: Wir können für diesen Mann nichts tun, oder aber: Wir können das und das für ihn tun, er kann die und die Stelle dann und dann zu dem und dem Gehalt antreten. In Wirklichkeit aber scheint sie gesagt zu haben: Wir können vielleicht irgendwann irgendwas für ihn tun, womit dann alle freundlichen Helfer zufrieden gewesen zu sein scheinen, und alles Andre meinem Genie überlassen scheint, die Gesellschaft zu einer Anstellung zu einem bestimmten Datum und mit einem bestimmen Gehalt zu überreden. Oder wie soll ich mir sonst wohl das Abschieben der Sache von <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> nach hier und das Schweigen von Herrn <rs ref="#tillich_person_id__1084" type="person">Dr. Kotschnig</rs> erklären? D.h., für das letztere habe ich in meinem unverschuldsvollen Sinn überhaupt keine Erklärung.</p>
            
            <p>Ich weiss nicht, ob Ihnen der <foreign xml:lang="fr">Cafard</foreign><note type="ea">Im alten französischen Gebrauch des Wortes, kann <q>Cafard</q> als Scheinheilig oder Heuchler übersetzt werden.</note> der Emigration in all seinen Spielarten bekannt ist? Wir jedenfalls leiden darunter in delirantem Stadium, kompliziert durch entsprechende chronische Pleite. Das Lange und Kurze dieser Schreibe soll daher nur sein Sie herzlichst zu bitten, ob Sie wohl bei Herrn <rs ref="#tillich_person_id__1084" type="person">Dr. Kotschnig</rs>, Herrn <rs ref="#tillich_person_id__4061" type="person">Professor Chamber<pb n="3"/>lain</rs><note type="ea">Hierbei könnte es sich um den Rechtsprofessor Joseph Perkins Chamberlain handeln, der möglicherweise mit Kotschnig in Korrespondenz stand und an Organisationen beteiligt war, die Flüchtlingen aus Europa zur Rettung und Hilfe beistanden.</note> – bei dem ich mich bisher nur ganz formell für seine Intervention bedankt habe – oder noch sonstwo eruieren könnten, was eigentlich los ist, ob ich wirklich etwas verfehlt habe und was, und ob und wie meine grob materiellen Wunschträume wohl doch noch mit der romantischen aber rauhen Wirklichkeit in Einklang gebracht werden können, bezw. ob und was ich selbst noch dazu tun kann. Ihrer freundlichen Antwort auf diese Fragen, falls Sie dazu einmal den Moment finden sollten, werden wir nun entgegenharren.</p>
            
            <closer>
               <salute>Inzwischen wie immer alle herzlichsten Wünsche und Grüsse Ihnen <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">allen Dreien</rs></rs></rs> – das selbe auch für <rs ref="#tillich_person_id__3221" type="person">Fräulein Bernstein</rs> – von <rs ref="#tillich_person_id__3222" type="person">meiner Frau</rs> und<lb/>Ihrem</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__3216" type="person">Ernst Schoen</rs></signed>
            </closer>
         </div>
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   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1084">
                  <persName>Kotschnig, Walter</persName>
                  <occupation>Politikwissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11634430X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>1920-1924 Studium der Politikwissenschaft in Graz und Kiel, wo er promoviert wurde. 1924 heiratete er die Psychologin Elined Prys (1895-1983), mit der er drei Kinder hatte. 1925-1934 arbeitete K. beim International Student Service in Genf, 1934-1935 beim Völkerbund. 1936 emigrierte die Familie in die USA, wo K. zunächst Gastprofessuren an verschiedenen Hochschulen innehatte und ab 1944 in verschiedenen Funktionen für das US-Außenministerium arbeitete. In diesem Rahmen nahm er auch beratenden Funktionen für die sich etablierenden Vereinten Nationen wahr.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3216">
                  <persName>Schoen, Ernst</persName>
                  <occupation>Deutscher Musikschriftsteller, Rundfunkpionier, Komponist und Übersetzer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/12229386X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Wurde Freund von Walter Benjamin studierte in Bern und heiratete 1926 seine Frau Johanna geb. Liman.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3217">
                  <persName>Herr Bate, ???</persName>
                  <occupation>Vertreter der National Broadcasting Company</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
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                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3222">
                  <persName>Schoen, Johanna</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Die Geb. Liman nahm nach dem Tod von ihrem Ehemann Ernst Schoen wieder ihren Muttername Gräfin Rogendorf von Mollenburg auf.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3221">
                  <persName>Frau Bernstein, ???</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__570">
                  <persName>Farris, Erdmuthe</persName>
                  <birth>
                     <date>1926-02-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>2016-03-26</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168750431</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Erdmuthe Farris (17. Februar 1926 – 26. März 2016), geborene Tillich, war die Tochter des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Ihr familiärer Rufname lautete Mutie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__4061">
                  <persName>Chamberlain, Joseph Perkins</persName>
                  <occupation>Jurist</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/102149992</idno>
               </person>
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                  <placeName>London</placeName>
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