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         <titleStmt>
            <title>Brief von Erika Vielhaber an Paul Tillich vom 21. September 1934</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1991">Erika Vielhaber</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 201(4)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1991">Erika Vielhaber</persName>
               <date when="1934-09-21">21.09.1934</date>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1991">Korrespondenz mit Erika Vielhaber</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10061.xml">Brief von Paul Tillich an Ehrhardt Seeberger vom 7. September 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10072.xml">Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 24. November 1934</ref></correspContext></correspDesc>
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            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1934-09-21"/></creation></profileDesc>
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         <change who="MI" when="2026-07-19">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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   <text type="letter">
      
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><rs ref="#tillich_place_id__38" type="place">Berlin-Friedenau</rs> am <dateline><date when="1934-09-21">21. IX 34</date></dateline>
               <salute>Sehr geehrter <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr
                  Professor</rs>,</salute>
            </opener>
            <p>es ist nun fast 3/4 Jahr her seit ich Ihnen zuletzt schrieb und ich muß Ihnen für
               zwei Briefe <note type="ea">liegen nicht vor</note> danken. Der letzte hat mich doch
               mehr getroffen als ich vorher dachte, obwohl ich schon lange nicht mehr an eine
               geistige Lösung zu hoffen gewagt hatte. Trotzdem glaube ich, daß dies nicht das
               letzte Wort in dieser Sache sein kann, nur sehe ich vorläufig auch keine Wege
               mehr.</p>
            <p>Warum Sie es besser finden nicht her gekommen zu sein begriff ich zuerst nicht.
               Gestern hörte ich von <rs ref="#tillich_person_id__1762" type="person">Ihrer
                  Schwester</rs> den Grund, sie erzählte mir auch, wie <unclear>stark</unclear>
               alles auf Sie gewirkt hätte. Es wäre natürlich viel besser, Sie kämen doch und
               könnten sich einmal richtig persönlich wiedersehen, sie sagte, das hätten Sie auch
               vor nächstes Jahr. Dann werde ich wohl gerade an meiner Theologischen
                  <unclear>Studienexamensarbeit</unclear> arbeiten ich werde mich jetzt beurlauben
               lassen und endlich richtig arbeiten. Daß ich ein Semester lang <q>Führerin</q>
               sämtlicher Berliner Studentinnen war schrieb ich wohl, es<pb n="2"/>war wesentlich
               mehr Arbeit als die theolog. Fachschaft, aber auch viel befriedigender. Ich sollte
               dann den ganzen Kreis übernehmen, auch alle Fachschulen, lehnte aber ab, weil ich es
               neben dem Studium nur auf Kosten von Gesundheit u. Nerven gekonnt hätte. Am
               schwersten hatte ich es mit den 150%igen und manchen Studenten-Kucken, die sich als
               Kenner der Schöpfung gebärdeten, die meisten waren aber vernünftig. </p>
            <p>Sonst geht es uns besser, als Sie vielleicht denken, allerdings haben wir uns
               vermindert und neu ergänzt. Wenn ich schreiben würde <q>uns geht es gut, aber seltsam
                  oder absolut heimatlos</q>, wäre es doch immer noch etwas schief. Uns geht Es, das
               Ziel, genau das gleiche wir früher, <unclear>voder</unclear> allem was inzwischen
               geschehen und nicht geschehen ist. Auf den ersten Blick würden Sie <q>uns</q>
               vielleicht unpolitisch finden, das kommt von einer gewissen Haltung, eher wie 1. Kor.
               4 29 f, die viele haben. <rs ref="#tillich_person_id__845" type="person">Karl
                  Heim</rs> sagte<pb n="2"/> in seinem letzten Kolleg über <unclear>Ethik</unclear>
               diesen Sommer, angesichts der Situation der evangelischen Kirche solle man nicht
               tanzen. Sie können sich sicher vorstellen, wie dies viele bewegte, zumal wir mitten
               in den letzten Semesterfeierlichkeiten standen und <rs ref="#tillich_person_id__845" type="person">Heim</rs> seine Ethik im Auditorium <unclear>Maximum</unclear> unter
               gespannter Aufmerksamkeit las, oder besser predigte. Er begründete diese Strenge mit
               einem Bild aus dem Weltkrieg, es müssten alle Seitenposten preisgegeben werden und es
               ginge darum, uns noch die eine, wichtigste Stellung zu halten, alles darauf zu
               konzentrieren. <q>Wir</q> haben uns später darüber unterhalten und seine Mahnung
               nicht befolgt. Wir tanzen, singen, marschieren, schulen und werden geschult, nur
               alles wie 1 Kor. 29 f und das geht sehr gut, vor allem leisten einige dabei viel und
               wir denken auf diese Weise jedenfalls hier und dort unentbehrlich zu werden. Sie
               finden das hoffentlich nicht zu bescheiden, denn das möchten wir nicht sein und sind
               es jedenfalls im persönlichen Leben nicht. <pb n="3"/> Leicht zu überwinden sind ja
               alle die, für die wir tausend Namen haben, die die Synthese schon unter dem Fußboden
               machen, manche von <q>uns</q> nennen sie die <unclear>Schlafbamper</unclear>, wobei
               die Lautmalerei nicht aus Humor, sondern aus Ekel stammt. Ungemein schwer wird mir
               die Auseinandersetzung mit den klugen, überlegenen, persönlich edlen und fähigen
               Anhängern von <rs ref="#tillich_person_id__1394" type="person">Nietzsche</rs> u. vor
               allem <rs ref="#tillich_person_id__668" type="person">George</rs>, die so imponierend
               geradlinig und trotz einer gewissen Massenverachtung optimistisch und zielstrebig
               sind.</p>
            <p>Jedenfalls kann ich gut verstehen, daß Sie im Geiste hier alles miterleben und alles
               verfolgen. Es ist ja so wunderbar lebendig bei uns, ich wäre totunglücklich, wenn ich
               auch wir ein Jahr aus unserem <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> weg müsste, alle anderen Länder kommen mir tot gegen uns vor.
               Das Buch von <rs ref="#tillich_person_id__904" type="person">E. Hirsch</rs> habe ich
               mit großer Spannung u. oft Aufregung gelesen. Es stammt doch nicht nur die
               Kairoslehre von Ihnen, viel <unclear>mehr</unclear> es ist ganz unbegreiflich, wie er
               das tun konnte. Und in dieser Wiese. Nun muß ich aber schlafen.</p><closer>
               <salute>Viele Grüße</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1991" type="person">Erika Vielhaber</rs></signed>
            </closer>
         </div>
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   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__668">
                  <persName>George, Stefan</persName>
                  <occupation>Schriftsteller und Verleger</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11853856X</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1762">
                  <persName>Seeberger, Elisabeth</persName>
                  <birth>
                     <date>1893-06-17</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1986</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">Keine GND-Nummer</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elisabeth Seeberger (17. Juni 1893 – 1986) war die Schwester des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Im Jahr 1917 heiratete sie Erhard Seeberger, der über viele Jahre als Pfarrer in Berlin-Tempelhof tätig war.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1991">
                  <persName>Vielhaber, Erika</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__904">
                  <persName>Hirsch, Emanuel</persName>
                  <birth>
                     <date>1888-06-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Bentwisch</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1972-07-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__743">Göttingen</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Systematischer Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118551477</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Emanuel Hirsch (14. Juni 1888 – 17. Juli 1972) war ein deutscher evangelischer Theologe. Nach Studien in Berlin und Göttingen lehrte er von 1921 bis 1945 als Professor für Kirchengeschichte, später für Systematische Theologie, an der Universität Göttingen. In Auseinandersetzung mit Fichte, Luther und Kierkegaard entwickelte er eine „ethische Geschichtsansicht“, die er unter anderem im Leitfaden zur christlichen Lehre (1938) und in der fünfbändigen Geschichte der neueren evangelischen Theologie (1949–1954) darlegte. 1933 begrüßte Hirsch den Nationalsozialismus, unterstützte die „Deutschen Christen“ und deutete Hitlers Bewegung als Überwindung einer kulturellen und staatlichen Krise, was sein theologisches Nachwirken nachhaltig belastete. Nach 1945 publizierte er weiter und leitete eine private Sozietät zur Relecture theologischer Klassiker, ohne seine politische Haltung grundsätzlich zu revidieren.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1394">
                  <persName>Nietzsche, Friedrich</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118587943</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Friedrich Nietzsche (15. Oktober 1844 – 25. August 1900) war ein deutscher Philosoph und Autor. Nach altphilologischem Studium wirkte er ab 1869 als Professor in Basel. Sein Frühwerk zur Tragödie führte zum Bruch mit dem Komponisten Wagner und zum Austritt aus dem akademischen Lehramt. Als unabhängiger Schriftsteller – geprägt von chronischen Leiden – verfasste er mehrere Hauptwerke, in denen er metaphysische und christliche Traditionen attackierte und Konzepte wie Machtwirksamkeit, zyklische Zeit und eine posthumane Existenzform entwickelte. 1889 erlitt er einen psychischen Kollaps und verbrachte seine letzten Jahre in Weimar.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__845">
                  <persName>Heim, Karl</persName>
                  <occupation>Deutscher evangelischer Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118547909</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Karl Heim (20. Januar 1874 – 30. August 1958) war ein deutscher evangelischer Theologe, der als Professor für Systematische Theologie in Halle, Münster und Tübingen wirkte. Aus dem schwäbischen Pietismus stammend, suchte er eine zeitgemäße Vermittlung von christlichem Glauben und modernem Weltbild. In Auseinandersetzung mit Erkenntnistheorie, Existenzphilosophie und Naturwissenschaft entwickelte Heim eine Theologie der „verschiedenen Dimensionen der Wirklichkeit“, die den Glauben intellektuell verantworten wollte. Mit Werken wie Glaubensgewißheit (1916) und Der evangelische Glaube und das Denken der Gegenwart (1931) wurde er zu einem der einflussreichsten Apologeten des Protestantismus im 20. Jahrhundert.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__122">
                  <placeName>Deutschland</placeName>
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