<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10048.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10017.xml" next="L10016.xml">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title>Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 7. Juni 1934</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0000-0001-5007-7397">Emil Lusser</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                        <postCode>1010</postCode>
                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/184(7)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <placeName ref="#tillich_place_id__697">Gananoque</placeName>
                    <date when="1934-06-07">07.06.1934</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1762">Elisabeth Seeberger</persName>

                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1762">Korrespondenz mit Elisabeth Seeberger</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1762" target="L10011.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vermutlich von Frühjahr 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1762" target="L10012.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vermutlich von August 1934</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10017.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich, vermutlich von Juni 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10016.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich, vermutlich von Juni 1934</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1934-06-07"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-03-31" who="EL">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><dateline><hi rend="u"><rs type="place" ref="#tillich_place_id__697">Gananoque, Ontario</rs>, <rs type="place" ref="#tillich_place_id__698">Canada</rs>
                            <date when="1934-06-07">7. Juni 1934</date></hi></dateline>
                    <salute>Liebste <rs type="person" ref="#tillich_person_id__1762">Elisabeth</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Das ist wohl der erste Geburtstagsbrief in Deinem Leben, den Du aus <del rend="s">Ka</del>
                    <rs type="place" ref="#tillich_place_id__698">Canada</rs> erhältst. Zwar sitze
                    ich nicht sehr tief drin; 100 m von unserer Insel entfernt läuft die Grenze
                    mitten im Fluss und schneidet manche Insel mitten durch. Immerhin bekommst Du
                    eine kanadische Briefmarke wie damals von dem Niagara-Fällen. – Unser
                    Geburtstagsgeschenk ist der Koffer, den die Mutter von Peter mitbringt und der
                    selbst zu den Geschenken gehört. Hoffentlich kannst Du was mit anfangen. – Meine
                    Genfer Reise habe ich nach allerhand Gesprächen mit mir selbst und anderen
                    aufgegeben. Auch die Amerikaner, die mich schicken wollten, fanden es besser so.
                    Ich hätte 2 Monate Arbeit, nämlich Einarbeit in Amerika verloren, auch hätte das
                    Wiedersehen <pb n="2"/>mit Euch und den überigen Europäischen Freunden zu viel
                    wieder aufgerissen, endlich wäre die Situation in Genf nicht ohne
                    Schwierigkeiten gewesen. Die Sache wird wahrscheinlich im nächsten Jahr werden.
                    Es kommt jetzt alles darauf an, dass ich mich hier sprachlich und
                    wissenschaftlich so einarbeite, dass nach Ablauf des nächsten Jahres eine gute
                    Stellung erreicht ist. Noch liegt nichts Festes vor. Ich
                        wünsche<supplied>,</supplied> dass wenn es vorliegt, es so ist, dass wir
                    Euch in manchem helfen können, das Euch dann vielleicht fehlen wird. Dir wünsche
                    ich als meinen Geburtstagswunsch, dass das nicht in zu starkem Masse der Fall
                    sein wird im neuen Lebensjahr... Dir und all Deinen und meinen Freunden und
                    Verwandten... Ich sitze hier in einem wirklichen Paradies, trotzdem es auch von
                    Mücken und Schlangen bewohnt ist. Aber sie stören nicht, da das ganze Haus, auch
                    alle Weranden mit dem wunderbaren "Screen" (feinstes Drahtgeflecht, der den
                    Blick kaum stört) versehen sind. Sonst wäre freilich <pb n="3"/>die Existenz
                    hier unmöglich. Die Insel ist 5 Min lang und 3 Min breit, felsig und ganz mit
                    Bäumen aller Art, Moosen, Sträuchern, Heidekraut und Blumen bedeckt. Zur Insel
                    gehören 2 Motorboote, ein Kanu und ein Ruderboot. Der Besitzer ist ein Herr <rs type="person" ref="#tillich_person_id__3209">Pratt</rs>, Sohn eines Mannes
                    der <unclear>Standard-Vil-Compane</unclear>, dessen Schwägerin eine deutsche
                    Studentin, die vor 3 Jahren hieher ausgetauscht wurde, ganz vorn, jetzt
                    Inhaberin vieler Millionen Dollars, mit uns allen befreundet ist. <del rend="s">Wir</del> Außer der Insel<supplied>,</supplied> wo wir wohnen gehört <rs type="person" ref="#tillich_person_id__3209">Pratt</rs> noch eine andere,
                    ebenso grosse. Ausserdem liegen hier in 5-10 Min. Entfernung mit Ruderboot 2
                    Naturschutz-Inseln des Staates Canada, die 3-4 x so gross und vollkommener <hi rend="u">Urwald</hi> sind. An vielen Stellen ist es unmöglich durchzukommen.
                    Übrigens nehmen die Amerikaner, wenn sie auf Fahrt gehen oder auch ganz
                    gewöhnlich auf Urlaub fahren, ist eine Axt mit, die extra dafür gemacht <pb n="4"/>ist, um sich Wege zu bahnen... das wäre was für <rs type="person" ref="#tillich_person_id__3201">Hans Jürgen</rs>. Der Fluss ist wie ein
                    ungeheuer breiter und Tagereisen langer See, in dem etwa 1600 Inseln liegen. Im
                    Haus ist modernster Stil. Massives <unclear>???</unclear>. Haus mit Weranden,
                    Dachterrassen bis zum obersten Zimmer, in dem ich diesen Brief schreibe mit
                    Blick auf den weiten blauen Fluss und viele kleine und grosse grüne
                        Felsen<unclear>???</unclear>. Wir sind ganz zu Gast hier. Das Essen wir vom
                    Diener serviert (mein alter Traum). Das Dienerehepaar (Sie ist die Köchin), ein
                    Dienstmädchen und der Verwalter sind die einzigen Bewohner der Insel. – Leider
                    kommt <rs type="person" ref="#tillich_person_id__1923">Hannah</rs> mit <rs type="person" ref="#tillich_person_id__570">Erdmuthe</rs> erst Ende dieser
                    Woche, da <rs type="person" ref="#tillich_person_id__570">Erdmuthe</rs> infolge
                    ihrer Krankheit nicht eher reisefähig war. Sie hatte ein hier epidemisch
                    auftrendes Drüsenfieber, ist aber weiter gesund. Ich erwarte jeden Augenblick
                    das Telegramm.. Und Ihr? Schreibt so viel wie möglich, auch über die Kirche. Wie
                    war <rs type="person" ref="#tillich_person_id__1924">Vaterchens</rs> Geburtstag?
                    Adresse immer die alte. Einen kräftigen Geburtstagskuss!</p>
                <closer>
                    <signed>Dein grosser <rs type="person" ref="#tillich_person_id__1928">Bruder</rs> in Amerika.</signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1924">
                  <persName>Tillich, Johannes Oskar</persName>
                  <birth>
                     <date>1857-06-03</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Berlin, Deutschland</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1937-07-30</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer, Superintendent und Konsistorialrat</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631602</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Oskar Tillich (1857 – 1937) war ein evangelisch-lutherischer Pfarrer und Theologe. 1885 hatte er Wilhelmina Mathilde Dürselen geheiratet, die 1903 verstarb. Seine erste Pfarrstelle hatte er in der lutherischen Gemeinde Starzeddel bei Guben, wo 1886 sein Sohn Paul geboren wurde. Johannes Oskar Tillich und Wilhelmina Mathilde Dürselen waren also die Eltern des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. 1891 wurde Johannes Oskar Tillich Superintendent des Kirchenkreises Schönfließ in der Neumark, 1900 folgte seine Berufung nach Berlin, wo er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt wurde.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1762">
                  <persName>Seeberger, Elisabeth</persName>
                  <birth>
                     <date>1893-06-17</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1986</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">Keine GND-Nummer</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elisabeth Seeberger (17. Juni 1893 – 1986) war die Schwester des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Im Jahr 1917 heiratete sie Erhard Seeberger, der über viele Jahre als Pfarrer in Berlin-Tempelhof tätig war.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3209">
                  <persName>Pratt, ???</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3201">
                  <persName>???, Hans Jürgen</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__570">
                  <persName>Farris, Erdmuthe</persName>
                  <birth>
                     <date>1926-02-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>2016-03-26</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168750431</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Erdmuthe Farris (17. Februar 1926 – 26. März 2016), geborene Tillich, war die Tochter des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Ihr familiärer Rufname lautete Mutie.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__698">
                  <placeName>Canada</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>60.10867 -113.64258</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6251999/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q16</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__697">
                  <placeName>Gananoque, Ontario</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>44.33342 -76.16607</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/5959326/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q1208051</idno>
               </place>
               </listPlace></back></text>
</TEI>