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         <titleStmt>
            <title>Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 25. März 1934</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1924">Johannes Tillich</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
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            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/193</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1924">Johannes Tillch</persName>
               <date when="1934-03-25"><!-- 25.03.1934 --></date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1924">Korrespondenz mit Johannes Tillch</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1924" target="L10025.xml">Brief von Paul Tillich an Johannes Tillich vom 06. Januar 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1924" target="L10045.xml">Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 23. Mai 1934</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10011.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vermutlich von Frühjahr 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10033.xml">Brief von Richard Wegener an Paul Tillich vom 7. April 1934</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1934-03-25"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-04-19">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <!-- AB HIER GEHT DER EIGENTLICH BRIEF LOS -->
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline><rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs>, <date when="1934-03-25">25. III. 34</date></dateline>
               <salute>Mein lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
            </rs>!</salute>
            </opener>
            <p>heute, wo ich diesen Brief beginne, ist Palmsonntag. Wohl seit sehr langer zeit hat 
            unsere ev. Kirche nicht unter so trüben Umständen die Karwoche begonnen als in diesem Jahr, 
            dennoch, wir singen das 
            hosianna und schauen von fern das Oster<unclear>morgenrot</unclear> hinter dem Kreuz, 
               dieses Vorwort mag <sic>dieser</sic> sagen wie ich z. Z. fühle.</p>
            <p>Und nun habe vielen Dank für Deinen Brief vom 15.III<note type="ea">nicht überliefert</note>, auch Deinen Brief an <rs ref="#tillich_person_id__1762" type="person">Elisabeth
            </rs> habe ich gelesen. Gottlob, daß es Euch den Umständen nach gut geht. Auch <unclear>ich</unclear> muß u.
               kann zufrieden sein. Seit den <unclear>Sommer</unclear> geht es etwas besser. </p>
            <p>Den Vergleich mit August 1914 kann ich in dem von Dir gemeinten Sinn nicht
               weiterführen. Der Aufschwung ist sicherlich mehr als ein zeitweises Aufflackern
               versterbender Glut. Die Ursprungstraditionen waren nicht abgebrochen oder erstorben,
               sie waren nur "verdrängt", sie sind nun wiedererwachte Kräfte, die - wie ich glaube -
               lange Lebensdauer haben. Daß die N.<unclear>P</unclear>. Regierung auch Fehler
               gemacht hat, hat <rs ref="#tillich_person_id__687" type="person">Göbbels</rs> kürzlich in einer Rede rundweg zugegeben, aber
               demgegenüber stehen soviel Errungenschaften u. gute Maßnahmen - namentlich in
               sozialer Beziehung -,<pb n="2"/> daß das Fundament des N.<unclear>P</unclear>.
               Staates gut befestigt u. gesichert ist. </p>
            <p>Dagegen stimme ich dem Vergleich mit dem Leipziger Interim zu. Wie energisch die
               "Flazianer" auftreten u. kämpfen beweisen die Erklärungen der "Westfälischen
               Bekenntnissynode" vom 16. März, die 25.000 Teilnehmer hatte und eine "geistliche"
               Kirchenleitung in Opposition gegen das <unclear>???</unclear>regiment geschaffen hat.
               Auch in anderen Provinzen gibt es "freie Bekenntnissynoden. Die Spannung ist demnach
               sehr stark, <unclear>Melancholie</unclear> wird da kaum halten können. Über kurz oder
               lang muß eine klare Entscheidung (vielleicht eine Scheidung) kommen.</p>
            <p>Wenn ein Emigrant Dich gefragt hat, ob Du ihn zur Rückehr nach Deutschland raten
               könntest, so würde ich an Deiner Stelle dies verneinen, und gerade auch dann, wenn
               der Frager an seinem Vaterland hängt. Er würde sich gemäß seiner bisherigen
               Einstellung hier nicht wohl fühlen, er würde sich jetzt hier wie in einem fremden
               Lande fühlen. Es würde ihm auch schwer möglich sein, in der Stille zu leben u. für
               sich zu arbeiten. Die täglichen Vorgänge bringen notwendig Erregung u. Spannungen,
               denen man sich nicht entziehen kann. Diese ernsten Bedenken <pb n="3"/> muß man
               aussprechen, so sehr auch seine Familie wünschen mag, ihn wieder hier zu haben. Im
               übrigen muss er ja selbst entscheiden. Falls er aber <unclear>probeweis</unclear>
               einen Besuch in d. alten Heimat machen will u. kann, soll er sich gesundheitlich sehr
               in Acht nehmen, auch im Mai wehen hier oft noch <unclear>scharfe</unclear> Winde, wie
               zur Zeit, wo es aus allen Richtungen Zugluft gibt.</p>
            <p>Das "Haus auf festem Grunde" wird vielleicht sein Banner gänzlich einziehen müssen
               wegen der Neugestaltung der Studentschaft; ein General-<unclear>konvent</unclear>
               beschloß, am bisherigen Prinzip mit seinem Ehrbegriff (u. Genugtuung ohne Waffen)
               entschieden festzuhalten, während die früheren katholischen Verbände Kompromisse
               schließen wollen.</p>
            <p>Ich freue mich, daß Du in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> etwas herumkommst, wenn die Vorträge auf den Reisen
               auch viel Mühe machen. Gottes Segen zu aller Arbeit!</p>
            <p>Ich arbeite jetzt wieder im alten Garten. Am liebsten würde ich nach <rs ref="#tillich_place_id__219" type="place">Italien</rs>
               reisen; aber ich fühle mich doch zu schwach dazu u. kann
            nur <pb n="4"/> ganz kurze Strecken laufen. So wird es wohl wieder zu einem Aufenthalt in <unclear>Starkow</unclear> kommen.</p>
            <p>Fein, das <rs type="person">Erdmuthe</rs> dort gut gedeiht. Grüße sie u. besonders auch <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> auf's Herzlichste.</p>
            <p>Ich schließe diesen Brief heute am 1. Ostertag. Die Sonne scheint hell u. warm. Möge die Ostersonne auch Euch hell und warm leuchten.</p>
            <closer>
               <salute><unclear>viele</unclear> Grüße</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1924" type="person">Dein tr. Vater</rs></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1924">
                  <persName>Tillich, Johannes Oskar</persName>
                  <birth>
                     <date>1857-06-03</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Berlin, Deutschland</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1937-07-30</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer, Superintendent und Konsistorialrat</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631602</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Oskar Tillich (1857 – 1937) war ein evangelisch-lutherischer Pfarrer und Theologe. 1885 hatte er Wilhelmina Mathilde Dürselen geheiratet, die 1903 verstarb. Seine erste Pfarrstelle hatte er in der lutherischen Gemeinde Starzeddel bei Guben, wo 1886 sein Sohn Paul geboren wurde. Johannes Oskar Tillich und Wilhelmina Mathilde Dürselen waren also die Eltern des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. 1891 wurde Johannes Oskar Tillich Superintendent des Kirchenkreises Schönfließ in der Neumark, 1900 folgte seine Berufung nach Berlin, wo er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt wurde.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1762">
                  <persName>Seeberger, Elisabeth</persName>
                  <birth>
                     <date>1893-06-17</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1986</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">Keine GND-Nummer</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elisabeth Seeberger (17. Juni 1893 – 1986) war die Schwester des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Im Jahr 1917 heiratete sie Erhard Seeberger, der über viele Jahre als Pfarrer in Berlin-Tempelhof tätig war.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__687">
                  <persName>Goebbels, Joseph</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
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                  <placeName>Italien</placeName>
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