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            <title>Rundbrief von Paul Tillich an Unbekanntvom 2. Februar 1934</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
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               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3229-6246">Ole Soldatow</name>
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         </titleStmt>
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            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
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                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/219(18)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
               </physDesc>
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            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
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               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
               <date when="1934-02-01">01.02.1934</date>
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               <persName>Unbekannt</persName>
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         </correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
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      <creation><date type="sort" when="1934-02-01"/></creation></profileDesc>
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         <change who="OS" when="2025-06-02">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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         <div type="writingSession">
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            <opener>
               <dateline><rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York City</rs> 606 West,
                  122nd Street, <date when="1934-02-01">February 1, 1934</date></dateline>
               <salute>Ihr Lieben Alle!</salute>
            </opener>
            <p>Zunächst meinen sehr sehr herzlichen Dank für die vielen entzückenden Antworten, die
               unsere Rundbriefe und unsere persönlichen Weihnachtsbriefe gefunden haben. Wir hatten
               vielfach das Gefühl einer engeren Verbundenheit als sie in der Zeit bestand, in der
               man sich sehen konnte. Das gemeinsame Stehen in einem grossen Schicksalsklang aus
               jedem Eurer Briefe wieder und hat uns viel geholfen in den wehmütigen Tagen um
               Weihnachten herum und in den schwierigen Tagen und Wochen, die auf die Klarheit von
               meiner endgültigen Einordnung in die Gruppe IV folgten. In der nächsten Woche
               beginnen meine Vorlesungen und sicher keine Zeit mehr zum Schreiben sein, es soll
               denn in den sehr kurzen Osterferien. Darum soll dies mein vorläufig letzter Rundbrief
               sein, falls nicht besondere Anlässe eintreten, wieder zu schreiben.</p>
            <p>Von den Weihnachtstagen lässt sich nicht viel sagen. Wir stellten uns einen
               wunderschönen Baum, zu dem aber charakteristischerweise keine bunten Lichter
               gehörten, da die Americaner zum Teil unter politischem Druck und der Steuergefahr
               fast nur bunte elektrische Lämpchen an ihren Baum tun. Und die früher zahlreich
               vorhandenen deutschen Kerzen in diesem Jahr bezeichnenderweise gänzlich fehlten. In
               den Weihnachtstagen selbst waren wir mittags und abends bei Americanern eingeladen,
               sehr schlicht und entzückend, am ersten Weihnachtstag nachmittags zu einer
               wundervollen Hänsel-und-Gretel-Aufführung in der Metropolitan-Oper. Zwischen
               Weihnachten und Neujahr verbrachten wir den kältesten Tag, der hier seit 17 Jahren
               gemessen worden ist, auf dem Lande bei unseren Freunden <rs ref="#tillich_person_id__1815" type="person">Sommerfelds</rs> von der <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New-York</rs>-University, früher
               Germanist in <rs ref="#tillich_place_id__143" type="place">Frankfurt a.M.</rs> Obwohl
               man fast eine Stunde braucht, um dorthin zu fahren, besteht die gesamte Landschaft
               meilen- und meilenweit aus kleinen und grossen Landhäusern mit Gärten oder Parks,
               nirgend aber <pb n="2"/>offene Landschaft, Wald oder Feld wie in Deutschland auch in
               der Nähe der grossen Städte. Die Häuser selbst haben meist einen spezifisch
               amerikanischen Stil, der dadurch charakterisiert ist, dass eine Veranda rings um das
               Haus läuft und ein Aufbau aus Holzpfosten den Eingang markiert. Das ergibt einen ganz
               besonderen, mir sonst von nirgendwoher bekannten Eindruck. – In der Neujahrsnacht
               waren wir am Times Square, erst in einem grossen Tanzraum mit ein paar tausend
               Menschen, die mit wenig Alkohol und viel Lustigkeit und noch viel mehr Lärm das neue
               Jahr begrüssten, dann auf der Strasse – wo ein geradezu unvorstellbarer Lärm, aber
               ohne Wüstheit und Betrunkenheit die Luft erfüllte. Das war so anstrengend, dass wir
               früher, als wir wollten, nach Hause gingen. In den Hotels und Privathäusern soll es
               zum Teil etwas toller zugegangen sein, doch ist das Gesamtbild günstiger als vor
               Aufhebung der Prohibition.</p>
            <p>Ueber die Prohibition habe ich inzwischen einiges eingesehen und begriffen. Die
               ungeheure Wucht, mit der die Aufhebung durchgeführt und von allen Kreisen, mit denen
               ich darüber gesprochen habe, gebilligt wurde, ist in folgendem begründet: Die
               verbotene Alkoholeinfuhr war zu einem der grössten und einträglichsten Geschäfte
               geworden, die es überhaupt in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> gab. Aber es war ein Geschäft, das infolge des gesetzlichen Verbotes
               in den Händen der Unterwelt und des Verbrechertums lag. Auf diese Weise kamen sich
               riesige Kapitalien in den Händen von Verbrechern an und dadurch eine gewaltige Macht
               zur Durchführung der Korruption auf allen Gebieten. Dieser Zustand bedeutete geradezu
               eine Gefährdung der staatlichen Existenz der <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">U.S.A.</rs> Es ist also nicht etwa ein Sieg des Alkoholkapitals über
               die Moral, sondern ein Sieg der öffentlichen Moral über das Verbrecherkapital.
               Theologisch kann man vielleicht sagen, dass wieder einmal, wie so oft in der
               Geschichte, der Versuch misslungen ist, das Reich Gottes durch Gesetze zu
               realisieren. Im Januar waren wir alle etwas krank infolge unglaublich schneller
               Temperaturstürze. Abends geht man noch im lauen Golfstromwind ohne Hut und im offenen
               Mantel am Fluss spazieren, <pb n="3"/>am nächsten Morgen erwacht man in eisigkaltem
               Zimmer und draussen tobt ein Polarsturm, der einem den Atem einfrieren lässt, wenn
               man auch nur über die Strasse geht. Zwischendurch hatten wir zweimal sehr netten
               Logierbesuch, zuerst von <rs ref="#tillich_person_id__2094" type="person">Arnold
                  Wolfers</rs> mit seiner <rs ref="#tillich_person_id__2400" type="person">Frau</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">Erdmuthes</rs>
               Patentante, die in Yale-University in <rs ref="#tillich_place_id__770" type="place">New Haven</rs> sitzen, dann von <rs ref="#tillich_person_id__1621" type="person"><!-- wahrscheinlich Robert Ulrich, der Diplomat-->Robert Ulrich</rs> aus <rs ref="#tillich_place_id__126" type="place">Dresdener</rs>, die direkt von
               Deutschland kamen und uns viel erzählt haben von Menschen und Dingen. Seine Frau ist
               die bekannte Schwedin und Wahldoktorin <rs ref="#tillich_person_id__271" type="person">Elsa Brandström</rs>. Sie wurden beide hier in grosser Aufmachung
               empfangen – es ist jedesmal sehr aufregend, wenn deutsche Freunde kommen und ein sehr
               schöner Weg, wenn man zum Pier geht und das Schiff aus Deutschland langsam einführt.
               Nebenan lag die Bremen und guckte mit ihrem mächtigen Bugspitz über das Trottoir der
               Uferstrasse. Sie, <rs ref="#tillich_person_id__271" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1621" type="person">Ulrichs</rs></rs>, kommen nach <rs ref="#tillich_place_id__70" type="place">Boston</rs> an die Harvard-University.
               Endgültig ist noch nicht entschieden. Jedenfalls brachten sie uns einen neuen Strom
               von Wärme und Heimat mit.</p>
            <p>Dann waren wir zum Gegenbesuch bei <rs ref="#tillich_person_id__2400" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__2094" type="person">Wolfers</rs></rs> in <rs ref="#tillich_place_id__770" type="place">New Haven</rs> von Freitag bis Sonntag
               voriger Woche. Man fährt zwei Stunden mit Schnellzug immer an der Küste entlang und
               kommt selbst auf diese Weise nirgends ganz aus den Häusern heraus. Dafür aber viele
               wunderschöne Stellen, wo der oder genauer der Sund zwischen Long Island und dem
               Festland in das Binnenland hereinsetzt. <rs ref="#tillich_place_id__770" type="place">New Haven</rs> macht trotz seiner 200 000 Einwohner einen durchaus
               kleinstädtischen Eindruck. Zahllose einzelne Häuser im Landhausstil, vielfach im
               Kolonialstil, d.h. im alten schlichten Stil der englischen ersten Einwanderer; die
               Universität natürlich gotisch mit fabelhaften luxuriösen Neubauten. <rs ref="#tillich_person_id__2400" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__2094" type="person">Wolfers</rs></rs> wohnen in einem schönen Wohntrume mit weitem
               Blick über die Stadt und die sehr schöne bergige Landschaft. Wir machten eine Fahrt
               durch <rs ref="#tillich_place_id__1" type="place"><!-- ID -->Conneticut</rs> und eine
               der kleinen abgelegen Neu-England-Staaten und erlebten zum erstmal wirklich unbebaute
               amerikanische Landschaften. Berge und Täler mit stark wasserhaltigem Bergboden usw.
               Schon die <pb n="4"/>Tatsache, einer reinen Landschaft, die mancher deutschen
               Mittelgebirgslandschaft ähnlich ist, wirkte unglaublich versöhnend auf mich. Am
               Mittag gleich nach der Ankunft habe ich meinen ersten englischen speech gehalten über
               die religiöse Lage. Es war im Universitätsfrauenklub grösstenteils besucht von
               älteren Professorenfrauen im typischen Neuenglandstil, d. h. im wesentlichen unter
               Verzicht auf ästhetische Kategorien. Im übrigen ging es ganz gut, <rs ref="#tillich_person_id__2094" type="person">Wolfers</rs> behauptete, die
               englische Aussprache wäre hoffnungsvoll und der Inhalt hat die Leute ebenfalls
               angeregt. Am schwersten wurde mir die richtige S i l b e n betonung. Die Rede dauerte
               etwa eine halbe Stunde. Dann waren wir im ganzen fünfmal eingeladen, zum Teil bei
               sehr netten Leuten. Die Weltlage steht im Mittelpunkt aller Gespräche. Das Gefühl des
               unvermeidlich Kommenden dämpft auch die konservativsten Amerikaner ganz gehörig.
               Dafür sorgt <rs ref="#tillich_person_id__3370" type="person">Roosevelt</rs>
               schon.</p>
            <p>Das bringt mich auf mancherlei Gedanken, die die amerikanische Situation
               herausfordert. Zunächst etwas, was mir dauernd auffällt, dass man hier durchweg in
               Weltperspektiven denkt. Die sonst politischen Länder sind nicht sehr viel weiter
               entfernt als Europa. Sie sind eine ganz konkrete Realität für amerikanisches Denken.
               Und seit der neuen Verbindung mit <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> laufen alle Gedanken und Gespräche immer einmal um die Achse herum.
               Dazu hat man das Negerproblem unmittelbar im Lande und die südamerikanische Welt
               unmittelbar vor den Toren. Von diesen Weltperspektiven aus werden auch die
               europäischen Probleme behandelt. Selbverständlich stehen die deutschen Ereignisse
               durchaus im Zentrum. Die Nachrichten über das kleine <rs ref="#tillich_place_id__776" type="place">Österreich</rs> nehmen in den grossen Blättern mehr Raum ein, als
               etwa der ganze <rs ref="#tillich_place_id__738" type="place">China</rs> oder
               Südamerika. Ständig werden Vergleiche gemacht zwischen dortiger Situation und
               derjenigen Europas, insbesondere nach der Krise. Einige unserer klugen Freunde
               behaupten freilich, der richtige Vergleich wäre die grosse Depression in den
               achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Doch ist das immerhin fraglich, besonders,
               was die <pb n="5"/>geistige Haltung der führenden Schichten gegenüber dem
               Fortschrittsglauben und der liberalen Form des Kapitalismus anbetrifft. Man hofft
               durch die <rs ref="#tillich_person_id__3370" type="person">Rooseveltsche</rs>
               Ueberwindung der kapitalistischen Anarchie auf halbdemokratischem Wege in die neue
               Epoche herüberzukommen. Es liegen auch Anzei- gen vor, dass das gelingen wird.
               Andererseits finden sich auch überall pessimistische Betrachtungen. Die eigentlich
               revolutionäre Schicht sind hier zurzeit die Farmer, die etwa 42 % der Bevölkerung
               ausmachen und in wachsender Masse durch das <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New Yorker</rs> Kapital enteignet werden. Noch haben sie keine
               revolutionäre Organisation, ebenso wenig eine revolutionäre Ideologie. Ihr ganzer
               Wille geht auf Herabsetzung ihrer Schulden und höhere Preise für agrarische Produkte.
               Das letztere ist recht begründet, wie wir selber bei unseren Einkäufen feststellen
               können. Die Arbeiterbewegung ist als politische Bewegung sehr schwach, in viele
               kleine kämpfende Gruppen gespalten, die ganz ähnliche ideologische Kämpfe führen, wie
               sie bei uns an der Tagesordnung waren. Wichtig ist allein die höchst konservative
               Gewerkschaftsbewegung. So ist hier sehr vieles ähnlich und doch auch ganz anders. Am
               wichtigsten ist zweifellos die tiefe Erschütterung des allen Fortschrittsoptimismus.
               Ich merke die Erschütterung unmittelbar an Stärksten in der Theologie, wo meine
               Problemstellungen umgänglich die Situation passen. Aber auch in Philosophie und
               Pädagogik machen sich die gleichen Erschütterungen bemerkbar. Der Erziehungsgedanke
               scheint mir der wichtigste zu sein, den die Amerikaner überhaupt je gehabt haben. Die
               positive Seite dieses Gedankenbildes haben wir am <rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">Erdmuthes</rs> Schule erlebt. Ich ist nach wie vor glücklich darin
               und denkt schon so viel in Englisch, dass sie selbstständig englische Geschichten
               schreibt und schon besser englische Kinderbücher liest als ihre allerdings jüngeren
               Klassenkameraden. Eine <pb n="6"/>ebenfalls höchst positive Wirkung der pädagogischen
               Idee ist die Stellung der Amerikaner zu den Universitäten, der wir und viele andere
               die Arbeitsmöglichkeit in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs>
               verdanken. In dem uns betreffenden, jetzt herausgekommenen Bericht des emergency
               committee heisst es u. a.: "In a very real sense universities represent for Western
               democracies the Palladia of the idea of progress." Auch die erstaunliche Energie und
               unerhörte Volkstümlichkeit, mit der <rs ref="#tillich_person_id__3370" type="person">Roosevelt</rs> sein Werk in Angriff genommen hat, ist von diesem Glauben
               getragen. Und doch finden sich Zeichen, dass er in den fortgeschrittensten Kreisen
               erschüttert wird. So hatte ich gestern mit <rs ref="#tillich_person_id__3374" type="person">William Adam Brown</rs>, dem Chairman des Federal Council of
               American Churches, ein Lunch-Gespräch, in dem er auf meine Hinweise gegen den
               Erziehungsoptimismus sehr wenig zu antworten versuchte und mich aufforderte, über das
               Problem "Erziehung und Macht" etwas zu schreiben. In Yale hatte ich mit mehreren
               theologischen und philosophischen Professoren ein sehr interessantes Gespräch über
               den Sinn der tragischen Weltanschauung. Einer meiner Opponenten fasste das Tragische
               sofort als Erziehungsleiden auf und bezeichnete es als Mittel zur sittlichen
               Vervollkommung. Ich fuhr demgegenüber das schwere Geschütz auf, was <rs ref="#tillich_person_id__3371" type="person">Reinhart</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__3372" type="person">Rüzler</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__3373" type="person">Otto</rs> mir in ihren drei mit
               grösster Dankbarkeit und Freude aufgenommenen Büchern über <rs ref="#tillich_person_id__3367" type="person">Sophokles</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__3368" type="person">Parmenides</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__3369" type="person">Dionysos</rs> geliefert hatten. Die
               in diesen Büchern lebende antike tragische Haltung ist Amerikanern äusserst schwer zu
               vermitteln. Und doch fand ich von einigen Seiten Unterstützung und Versuche, das
               echte tragische Element im alten Calvinismus aufzuweisen. Auch die Vertiefung der
               anthropologischen Einsichten führt hier und da zu einer Erschütterung des
               Fortschrittsoptimismus. Sehr deutlich kann man übrigens feststellen, wie eng diese
               Dinge mit der ökonomischen Tatsache der Krise des Hochkapitalismus verbunden
               sind.</p>
            <p>Eine sehr interessante Theorie der neuesten Wolkenkratzer gab neulich einer unserer
               Freunde. Die beiden letzten und grössten dieser <pb n="7"/>Art, das
               Empire-State-Building und das Rockefeller-Center sind ausgesprochen unökonomisch. Sie
               sind rein privatwirtschaftlich betrachtet, höchst unzweckmässig und haben zu riesigen
               Geldverlusten geführt. Dafür sind sie eindeutig Symbole geworden, die den Übergang
               des Privaten in einen feudalen Kapitalismus anzeigen. Sie stehen in derselben Linie
               wie die alten Prunkbauten der Feudalherren, die ja auch ökonomisch eine ungeheure
               Vergeudung bedeuteten, dafür aber von höchster symbolischer Kraft waren. Aus dem
               Privatinteresse wächst unmittelbar im dialektischen Umschlag eine neue Öff-
               entlichkeit. Die unteren Geschosse des Rockefeller-Center sind allgemein zugänglich,
               mit riesigen, höchst fragwürdigen Fresken geschmückt, auch mit „Ravennaistischen“
               Mosaiken, nur dass an der Stelle, wo in <rs ref="#tillich_place_id__1" type="place"><!-- ID -->Ravenna</rs> Christus steht, eine symbolische Verkörperung des
               Gedankens (Thought) steht.</p>
            <p>Ganz gross ist hier das Musikleben. Die Metropolitan opera ist unerhört in ihren
               Kräften, Orchester, Sänger und Dirigent (jetzt meistens <rs ref="#tillich_person_id__3366" type="person">Toscanini</rs>) allerersten Ranges.
               Unglaublich gute Konzerte mit den besten Namen sind zu hören, für <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> komisches Programm, <rs ref="#tillich_person_id__2822" type="person">Brahms</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__3361" type="person">Ravel</rs>, moderne und alte Musik
               durcheinander <rs ref="#tillich_person_id__3362" type="person">Rossini</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__173" type="person">Beethoven</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__3363" type="person">Bach</rs>, viel <rs ref="#tillich_person_id__3364" type="person">Schumann</rs>, <rs ref="#tillich_place_id__3365" type="place">Haydn</rs>, italienische Musik und
               russische, viel moderne Franzosen .... im Radio Opern- und Konzertübertragungen, die
                  <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> sehr geniesst.</p>
            <p>Ich selbst muss meine Zeit teilen zwischen Kollegvorbereitung, die äusserst mühsam
               ist, weil jeder Satz im Englischen erarbeitet werden muss (ich lege ein gedrucktes
               Programm meiner Columbia-Vorlesungen bei) – und zahlreichen Besprechungen über
               mancherlei theoretische und praktische Probleme mit deutschen und amerikanischen
               Freunden.</p>
            <p><rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New Yorker</rs> ist wirklich der
               Schnittpunkt nicht nur aller amerikanischen Probleme und Tendenzen, sondern auch der
               europäisch-amerikanischen Beziehungen. Ich bin froh, dass ich gerade hier bin,
               obgleich ich mir bewusst bin, dass die eigentliche d.h. provinzielle <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> noch nicht <pb n="8"/>noch
               nicht kennen gelernt zu haben. Da ich aber in den nächsten Wochen Vorträge in <rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">Chicago</rs> und einigen anderen Orten
               habe, werde ich wenigstens einniges davon zu sehen bekommen.</p>
            <p>Alle Entscheidungen über die Zukunft sind im Schwebezustand. Ich kann darum nichts
               darüber schreiben. Auf die vielen persönlichen Briefen, die als Antwort auf meine
               Weihnachts-Neujahrsgrüsse gekommen sind, will ich später antworten, wenn das Semester
               sich etwas eingespielt hat und ich einiges weiss, was ich jetzt noch nicht weiss.
               Dankbar bin ich für Zusendung von wichtigen Büchern und Broschüren, dabei kann es dem
               Einsender passieren, dass sich, wie bei Stepuna neuem Buch über das Antlitz <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russlands</rs> sofort jemand findet, der
               eine englische Uebersetzung vermittelt.</p>
            <p>Im übrigen hat das Leben in vieler Beziehung den Charakter der Alltäglichkeit
               angenommen, was für das Arbeiten sehr nützlich, für das Schreiben ereignisschwangerer
               Briefe sehr schädlich ist. Weshalb Ihr Euch diesmal mit acht Seiten begnügen müsst!!!
               ......</p>
            <closer>
               <salute>Lebt alle wohl und gebt die Briefe schnell und mit richtigen Adressen weiter.
                  Und schreibt, so oft Ihr könnt, Euren sehnsüchtigen <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs></salute>
               <signed>P</signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__143">
                  <placeName>Frankfurt am Main</placeName>
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                     <geo>50.11552 8.68417</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/2925533/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q122166308</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__376">
                  <placeName>Russland</placeName>
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                     <geo>60.00000 100.00000</geo>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q159</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__70">
                  <placeName>Boston</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q100</idno>
               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__122">
                  <placeName>Deutschland</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q183</idno>
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               <place xml:id="tillich_place_id__105">
                  <placeName>Chicago, Illinois</placeName>
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               <place xml:id="tillich_place_id__776">
                  <placeName>Österreich</placeName>
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               <place xml:id="tillich_place_id__319">
                  <placeName>New York City</placeName>
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               <place xml:id="tillich_place_id__770">
                  <placeName>New Haven (CT)</placeName>
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                  <placeName>Dresden</placeName>
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               <place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
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               <place xml:id="tillich_place_id__1">
                  <placeName> Nouvron-Vingré</placeName>
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               </place>
               <place xml:id="tillich_place_id__738">
                  <placeName>China</placeName>
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                     <geo>35.00000 105.00000</geo>
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                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/1814991/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q148</idno>
               </place>
               </listPlace><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__2094">
                  <persName>Wolfers, Arnold</persName>
                  <birth>
                     <date>1892-06-14</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Sankt Gallen</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1968-07-16</date>
                  </death>
                  <occupation>Politikwissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119262819</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Arnold Wolfers (14. Juni 1892 – 16. Juli 1968) war ein schweizerisch-amerikanischer Politikwissenschaftler, geboren in St. Gallen. Nach juristischer Promotion 1917 wandte er sich Volkswirtschaft und Politikwissenschaft zu und habilitierte sich 1929 in Berlin. Ab 1922 arbeitete er an der Deutschen Hochschule für Politik, zunächst als Mitarbeiter Paul Tillichs in einer Arbeitsgemeinschaft zum religiösen Sozialismus, ab 1930 als Direktor. 1933 emigrierte er in die USA und lehrte von 1935 bis 1957 in Yale. Als Realist prägte er das Billardkugelmodell der Internationalen Beziehungen. Später beriet er das amerikanische Außenministerium.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3361">
                  <persName>Ravel, Maurice</persName>
                  <occupation>Komponist, Pianist und Dirigent</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1621">
                  <persName>Robert, Ulrich</persName>
                  <occupation>Deutscher Diplomat</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3370">
                  <persName>Roosevelt, Theodore</persName>
                  <occupation>Amerikanischer demokratischer Politiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118749633</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3362">
                  <persName>Rossini, Gioachino</persName>
                  <occupation>Komponist</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3371">
                  <persName>Reinhart</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__173">
                  <persName>Beethoven, Ludwig van</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3363">
                  <persName>Bach, Johann Sebastian</persName>
                  <occupation>Komponist, Violinist und Organist</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Johann Sebastian Bach (21. März 1685 – 28. Juli 1750) war ein deutscher Komponist und Thomaskantor in Leipzig. Nach seiner Ausbildung und frühen Organistenstellen wirkte er in Weimar und Köthen, bevor er 1723 das Thomaskantorat in Leipzig übernahm. Dort schuf er zahlreiche Kantaten sowie bedeutende Kirchenwerke wie die „Matthäuspassion“ und die h-Moll-Messe. Bachs Musik verbindet lutherische Frömmigkeit mit hoher kompositorischer Kunst und prägte die europäische Musikgeschichte nachhaltig.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__570">
                  <persName>Farris, Erdmuthe</persName>
                  <birth>
                     <date>1926-02-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>2016-03-26</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168750431</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Erdmuthe Farris (17. Februar 1926 – 26. März 2016), geborene Tillich, war die Tochter des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Ihr familiärer Rufname lautete Mutie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1815">
                  <persName>Sommerfeld, Martin</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3373">
                  <persName>Otto</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2400">
                  <persName>Wolfers, Doris</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1311087400</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Doris Wolfers (Lebensdaten unbekannt), geborene Farrer, war die Ehefrau von Arnold Wolfers, den sie 1918 heiratete, als dieser als Anwalt in St. Gallen tätig war. Mehr biographische Informationen sind derzeit nicht bekannt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3367">
                  <persName>Sophokles</persName>
                  <occupation>Dichter</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3374">
                  <persName>Brown, William Adam</persName>
                  <occupation>Chairman des Federal Council of American Churches</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__271">
                  <persName>Brändström, Elsa</persName>
                  <birth>
                     <date>1888-03-26</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Sankt Petersburg</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1948-03-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Cambridge, Mass.</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philanthropin, Lehrerin und Krankenschwester</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118514407</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elsa Brändström (26. März 1888 – 4. März 1948) war eine schwedische Philanthropin, geboren in Sankt Petersburg. Im Ersten Weltkrieg betreute sie als Krankenschwester deutsche und österreichische Kriegsgefangene in sibirischen Lagern und erhielt dafür den Beinamen „Engel von Sibirien". Später gründete sie Heime für Kinder von Kriegsgefangenen, veröffentlichte 1922 einen Erlebnisbericht und gehörte zu den Mitbegründern der Studienstiftung des deutschen Volkes. 1929 heiratete sie Robert Ulich; 1933 emigrierte die Familie in die USA, wo sie Flüchtlingshilfe organisierte. Sie starb in Cambridge. Paul Tillich würdigte sie nach ihrem Tod als Verkörperung tätiger Liebe.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3364">
                  <persName>Schumann, Robert</persName>
                  <birth>
                     <date>1810-06-08</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Zwickau</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1856-07-29</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Endenich</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Komponist, Musikkritiker und Dirigent</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3368">
                  <persName>Parmenides von Elea</persName>
                  <occupation>Philosoph und Vorsokratiker</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Parmenides (kaum vor 510 – nach 450 v. Chr.) war Philosoph aus Elea in Süditalien. In seinem in Hexametern verfassten Gedicht lehrte er die Einheit des Seienden: Alles, was gedacht wird, muss seiend sein, ein Nichtsein ist undenkbar. Sein und Denken gehören zusammen. Werden und Vergehen gelten ihm als Illusion der Sterblichen. Damit wurde Parmenides zu einer Autorität für die Sophisten. Platon setzte sich im Dialog Sophistes kritisch mit seiner Lehre auseinander und stellte ihr ein Verständnis von Einheit gegenüber, das auch Vielheit zulässt.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3369">
                  <persName>Dionysos</persName>
                  <occupation>Griechischer Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Dionysos, eine der ältesten Figuren der griechischen Mythologie, verkörperte Wein, ekstatische Riten und Verwandlung: In Männer-Symposien galt er als „Lysios“ (Befreier), bei Frauen-Mänaden als Auslöser wilder Bergorgien, in der Polis als Schutzpatron des Theaters, dessen Tragödien zu seinen Festen entstanden. Seine Kulte—von städtischen Prozessionen bis zu Mysterien, die ein seliges Jenseits versprachen—bewegten sich stets zwischen gesellschaftlicher Integration und regelüberschreitender Ekstase; in Rom wurden die Bacchanalien 186 v. Chr. als politisch gefährliche Orgien eingeschränkt. Im 19. Jahrhundert stilisierte die pagane Religionskritik Dionysos zum Gegenbild Christi: unzerstörbares, rauschhaftes Leben versus asketische Erlösung am Kreuz.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3366">
                  <persName>Toscanini, Arturo</persName>
                  <occupation>Dirigent</occupation>
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                  <persName>Rüzler</persName>
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                  <persName>Brahms, Johannes</persName>
                  <occupation>Komponist</occupation>
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</TEI>