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                <title>Undatierter Brief von Fedor Stephun an Paul Tillich vermutlich von August 1934</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1856">Fedor Stephun</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/189(42)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich</p>
                    </physDesc>
                    <additional>
                        <listBibl>
                            <biblStruct type="monograph" n="firstPrint">
                                <monogr>
                                    <author>Alf Christophersen</author>
                                    <editor>Mark D. Chapman, Theodore M. Vial, Jr. und Friedrich
                                        Wilhelm Graf (Hg.)</editor>
                                    <title> Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift
                                        für Neuere Theologiegeschichte </title>
                                    <edition>Band 18 (1)</edition>
                                    <imprint>
                                        <publisher>De Gruyter</publisher>
                                        <date when="2011">2011</date>
                                        <biblScope>102-172</biblScope>
                                    </imprint>
                                </monogr>
                            </biblStruct>
                        </listBibl>
                    </additional>
                </msDesc>
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        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1856">Fedor Stepun</persName>
                    <date notBefore="1934-08-02" notAfter="1934-12-31">02.08.1934</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928"> Paul Tillich</persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1856">Korrespondenz mit Fedor Stepun</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1856" target="L11013.xml">Brief von Paul Tillich an Fedor Stepun vom 10. Oktober 1946</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10012.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vermutlich von August 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10061.xml">Brief von Paul Tillich an Ehrhardt Seeberger vom 7. September 1934</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1934-08-02"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-05-20" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
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    </teiHeader>
    <text type="letter">
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            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><salute><note type="eb"> Die erklärenden Anmerkungen zu vorliegendem Brief
                            wurden z. T. (und geringfügig abgewandelt) aus seiner
                            Erstveröffentlichung übernommen.</note>Meine <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Lieben</rs></rs>!</salute></opener>
                <p> Schon lange haben wir nichts mehr von Euch gehört. <rs ref="#L10028" type="letter">Das letzte dritte Rundschreiben</rs> ist vom <date when="1934-02-01">1. Februar 34</date> und berichtet von den
                    Weihnachtstagen. Dann kam noch ein kürzerer Brief von <sic><rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hanna</rs></sic> mit
                    einigen Gedanken über <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroners</rs> und der Anfrage ob es ratsam wäre das <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs> nach <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> käme um sich
                    eigenst davon zu überzeugen was hier zu Lande vor sich geht. Es war mir
                    unmöglich von <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> aus
                    diese Frage zu beantworten und darum habe ich geschwiegen. Nun bin ich seit bald
                    zwei Wochen in <rs ref="#tillich_place_id__396" type="place">Schweden</rs> und
                    benutze diesen Aufenthalt um an Euch genauer und aufrichtiger zu schreiben<del rend="s">, als wie es von <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> möglich ist</del>. Die Tatsachen kennt Ihr ja selber,
                    vielleicht sogar besser als wir, die immer mehr und mehr dazu verurteilt werden
                    im Dunkeln zu waten und aufs geratewohl zu raten. Alles was ich <del rend="s">von mir aus</del> Euch <del rend="s">sagen</del>
                    <add place="superlinear">bieten</add> kann ist die Beschreibung der Stimmung in
                    der man lebt; und da muss ich sagen <add place="superlinear">dass ich</add> erst
                    hier in <rs ref="#tillich_place_id__396" type="place">Schweden</rs>, wo einem
                    der Atem so leicht geht <del rend="s">habe ich</del>
                    <add place="superlinear">es erst ganz</add> verstanden <add place="superlinear">habe</add> wie dumpf und schwül die Atmosphäre in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> ist. Der Kreis
                    der Menschen mit denen man ganz aufrichtig sein kann wird immer weniger, die
                    Kombination einer Gesellschaft von acht bis zehn Menschen immer unmöglicher; die
                    Dinge erinnern immer mehr und mehr an <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> mit den Unterschied allerdings, dass ich den
                    Kommunismus immer als <sic>schiksalsschweren</sic> Wahnsinn empfunden habe, den
                    Nationalsozialismus aber nicht umhin kann, als eine Laune des
                        <sic>Schiksals</sic>, als einen rasch montierten Wahnsinn zu erleben. Die
                    Röhm-Revolte kam nicht nur für uns, die der Partei fern stehen, sondern auch für <choice>
                        <abbr>P. G.</abbr>
                        <expan>Partei Genossen</expan>
                    </choice> und S. A. Mitglieder schliesslich doch absolut unerwartet und
                    unbegreiflich. Trotzdem ich mir die grösste Mühe gegeben habe ihre
                    soziologischen Hintergründe tiefer zu verstehen, ist mir dieses doch nicht
                    gelungen, weil ich bei <hi rend="u">grösster Mühe</hi> nur wenig ausländische
                    Presse zu Gesicht bekam und weil die deutsche so sehr lügt, dass man ihr auch
                    dann nicht traut, wenn sie die Wahrheit redet. Nur ganz<pb n="2"/> dumpf hat man
                    schon früher gehört, dass der sächsische S. A.-Führer furchtbar prasse, dass in
                        <rs ref="#tillich_place_id__759" type="place">Oberbärenburg</rs> ein grosses
                    Hotel zu dem Zwecke eines Gelages für 10 000 Mark für die Nacht abgekauft wurde,
                    dass die dort anberaumte Besprechung der S. A.-Führer wegen der Schlemmereien
                    und Lustbarkeiten nicht zu Stande gekommen sei, <sic>das</sic>
                    <rs ref="#tillich_person_id__3280" type="person">Herr Hein</rs> gegen Morgen
                        <add place="superlinear">einen anderen Besprechungsort angegeben habe</add>
                    mit seinem Auto irgendwo<del rend="s">hin</del> losgerast sei, und dass die
                    Unterführer ihn teilweise nicht verstanden haben, teilweise ihm nicht gefolgt
                    sind. Dieses eine Erzählung eines S. A. Unterführers der <hi rend="u">selbst</hi> bei der Besprechung zugegen gewesen ist. Ich gebe sie wieder
                    als ein vielleicht charakteristisches Stimmungsbild. Daneben ein ganz anders.
                    Eine einfache Aufwartung, die bei uns seit Jahren arbeitet, kam ungefähr einen
                    Monat vor der Revolte aufgeregt zu uns und sagte, sie hätte bei einer
                    Geheimversammlung wo viele S. P. D. Leute gewesen sind gehört, der Führer hätte
                    sich den Reichen verkauft, womit die S. A. unzufrieden sei. Man raune er würde
                    demnächst zu <rs ref="#tillich_person_id__1372" type="person">Mussolini</rs>
                    wegfliegen, wie das seinerzeit der <rs ref="#tillich_person_id__2070" type="person">Kaiser</rs> gemacht hätte. Dann würde die S. A. die Gelder der
                    Reichen ans Volk verteilen; dabei würde man allerdings das jüdische Kapital
                    schützen, weil die Juden in aller Welt fest zusammenhalten und <add place="superlinear">weil</add> der Angriff gegen das Judentum <del rend="s">könnte</del> dem Neuauf<del rend="s">ge</del>bau des Reiches durch die S.
                    A. schaden <add place="superlinear">könnte</add>. So abstrus dieser ganze
                    Bericht ist, so zeigt er doch wohl, dass das <q>Gerede</q> von der zweiten
                    Revolution eine bestimmte Volkssehnsucht in sich schliesst und dass das Wort von
                    dem National-Kapital<add place="superlinear">isten</add>
                    <rs ref="#tillich_person_id__910" type="person">Hitler</rs> seinen Resonanzboden
                    findet. Dass die Regierung den Versuch gemacht hat, die ganze Revolte aus dem
                    soziologischen ins <sic>patologische</sic> zu überführen schien mir Anfangs eine
                        <del rend="s">ganz</del> einfache Dummheit zu sein, doch habe ich später
                    einsehen müssen, dass die Führerschaft die Mentalität des deutschen Spiessertums
                    besser kennt als ich, und dass sie mit der zur Schau getragenen moralischen
                    Entrüstung alle Metzger, Grünwarenhändler und Frisöre sehr rasch auf ihre Seite
                    gekriegt hat. Vielleicht ist das nicht so dumm, weil in den meisten <hi rend="u">Durchsch</hi>nittsdeutschen <add place="superlinear">bis</add> in die
                    Professorenschichten hinauf <del rend="s">doch</del> sehr viel Spiessertum
                    steckt. Gleich nach der Revolte<pb n="3"/> sah es ganz eindeutig nach dem Sieg
                    der Reaktion, das heisst nach dem Bündnis von Reichswehr und Grosskapital aus.
                    Was jetzt nach dem Ableben <rs ref="#tillich_person_id__2485" type="person">Hindenburgs</rs> kommen wird, ist mir ganz unklar.<note type="ea"><rs ref="#tillich_person_id__2485" type="person">Paul von Hindenburg</rs>
                        ist am <date when="1934-08-02">02. August 1934</date> gestorben.</note> Ich
                    selbst würde die Rettung nur in der taktvollen Durchführung einer <hi rend="u">zweiten</hi> Revolution von oben, in der Aussöhnung mit <rs ref="#tillich_place_id__161" type="place">Frankreich</rs> und in dem <hi rend="u">Abbau der Ideokratie</hi> auf geistigem Gebiet sehen. So
                    selbstverständlich all das ist, so selbstverständlich ist es mir andrerseits,
                    dass die Regierung diesen Weg nicht gehen wird. Alle <sic>Ideokratischen</sic>
                    Diktaturen sind Krankheiten zum Tod.</p>
                <p>Was das mir näher bekannte Milieu der Hochschule anbetrifft so ist Lehrbetrieb
                    relativ gut verlaufen. Natürlich sind sehr viel weniger Studenten da (bei <rs ref="#tillich_person_id__3292" type="person">Kühn</rs> 14 Menschen, bei <rs ref="#tillich_person_id__2443" type="person">Janentcky</rs> 20, schon mehr
                    bei <rs ref="#tillich_person_id__3294" type="person">Delekat</rs>, dessen
                    Einfluss ganz bestimmt wächst und am meisten vielleicht bei mir, zwischen <del rend="s">der</del> 40 und 50 Zuhörern); die die da sind, sind meistens
                    übermüdet weil sie durch den S. A. Dienst und den militärischen Pflichtsport wie
                    auch durch politische Arbeitsgemeinschaften äusserst in Anspruch genommen sind.
                    Das Reichsbildungsministerium hat schon angefragt, ob die politische Ausbildung
                    der Studentenschaft dem Lehrbetrieb <add place="superlinear">nicht</add> schade,
                    was wir alle natürlich positiv beantwortet und auch belegt haben, was aber
                    meiner Ansicht nach nicht so bald zu einer Besserung der Lage führen wird. Trotz
                    all diesem möchte ich aber <del rend="s">doch</del> nicht <add place="superlinear">nur</add> klagen, denn es bildet sich ganz bestimmt
                    gerade in der neusten Zeit unter dem Druck der politischen Verhältnisse eine
                    Studentische Elite <add place="superlinear">heraus</add>, mit der es sich gut
                    arbeiten lässt. Allmählich wird man des seichten politischen Geredes müde und
                    tendiert einerseits zu einer wissenschaftlich vertieften Erkenntnis, andrerseits
                    zu einem vertieften Verständnis der politischen Situation der Gegenwart. <rs ref="#tillich_person_id__3292" type="person">Kühn</rs> sagt, dass seine
                    wenigen aber sehr anhänglichen Schüler ihm grade in dem letzten Semester <hi rend="u">hervorragende</hi> Arbeiten geliefert hätten und ich habe mit
                    meiner Darstellung von <rs ref="#tillich_person_id__1456" type="person">Pareto</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__1817" type="person">Sorel</rs>
                    und <rs ref="#tillich_person_id__1728" type="person"><sic>Karl</sic>
                        Schmitt</rs> durchaus Anklang und Interesse gefunden. Auch stimmungsgemäss
                    und stilistisch ist der neue nationalsozialistische Student durchaus sympathisch
                    und in<pb n="4"/> vielen Dingen dem schmissigen Chorbruder weitaus
                    überlegen.</p>
                <p>Zum Schluss dieses Seminarsemesters hat die Volkswirtschaft<add place="superlinear">liche</add> Fachschaft zu einem Wochenende nach <rs ref="#tillich_place_id__756" type="place">Blankenstein</rs> eingeladen. Wir
                    waren ungefähr 30 Mann die der Einladung gefolgt waren. Neben
                    gesellschaftlich-gemütlichem Beisammensein des ersten Abends, neben Schwimmen
                    und Turnen hat man sich auch mit politischen Fragen beschäftigt. Die
                    nationalsozialistischen Studenten tranken – sehr typisch – meistens Milch und
                    Wasser, die Chorstudendenten und unparteiischen meist Bier. Die
                    nationalsozialistischen wollten diskutieren die unparteiischen schwimmen. Ich
                    übersehe keinesfalls, dass im bestimmten Sinne dieser Unterschied sich dadurch
                    erklärt, dass die einen offen reden dürfen die anderen aber nicht <add place="superlinear">ein</add>mal aufrichtig schweigen. Doch ist damit nicht
                    alles erklärt. Die parteiischen Studenten erinnern irgendwie doch an die
                    russischen <del rend="s">Revolutions</del>
                    <add place="superlinear">sozialistischen</add> Studenten <add place="superlinear">der Vorkriegszeit;</add>
                    <del rend="s">und</del> alle unparteiischen hängen wiederum irgendwie mit dem
                    unpolitischen Chorstudenten zusammen, der es unter seiner Würde hielt die
                    Zeitung zu lesen. <del rend="s">Dabei sind</del> Die Parteiischen <add place="superlinear">sind</add> dümmer, primitiver und tölpelhafter, als die
                    Unparteiischen. <del rend="s">die</del>
                    <add place="superlinear">Der Geist der Unparteiischen ist aber nicht unbedingt
                        ein Vorzug, weil er</add> vielfach Stimmungsmomente der gefährdeten
                    Bourgeoisie in sich trägt. Der erste Abend des Zusammenseins hat den
                    studentischen Führer, einen langen, rotbäckigen, schwerfälligen Kerl mit einem
                    langsam, wie ein Bauernrad knarrendem Denken sehr enttäuscht (man wieherte,
                    trank Bier und spielte Skat) und er klagte beim abendlichen Spaziergang zu mir,
                        <sic>dass</sic> ganze Gift käme von der Stube in der Schänke und man müsse,
                    um zur Stimmung zu kommen, für die Fachschaft ein Zelt kaufen und Feuer brennen.
                    Ich nahm ihn unter den Arm, führte ihn so weit von einigen anderen Herrn
                    Dozenten weg, dass ich sicher sein durfte, dass man uns nicht ausspionieren
                    werde, und sprach mit ihm absolut aufrichtig über die geistige Situation des
                    Nationalsozialismus über den Unterschied von christlicher Gewissensfreiheit und
                    bloss liberaler Meinungsfreiheit, von dem Volke, als einer vor Gott bestehenden
                    Schuldgemeinschaft, woraus es sich ergebe, dass die Marxisten und
                        <q>Artfremden</q> zum deutschen Volke gehören, von dem Antisemitismus als
                    dem Sündenfall der christlichen Welt und <sic>viles</sic> andere mehr. Unser
                    langes Gespräch<pb n="5"/> endete damit, dass ich ihm aufrichtig sagte, <del rend="s">dass es</del> nun <del rend="s">in seiner Gewalt</del> stehe <add place="superlinear">es bei ihm</add>, mich Morgen beim Ministerium
                    anzuzeigen und zu Falle zu bringen. Er war sehr aufgeregt und antwortete er
                    hätte noch <hi rend="u">niemanden</hi> gehört und gesprochen, der in einer
                    solchen Sorge um den Nationalsozialismus lebe, und dass nur Menschen von meinem
                    Schlage der Studentenschaft heute helfen könnten. Allerdings sagte er auch noch,
                    dass er als <hi rend="u">Führer</hi> mich unter einem nächtlichen Sternenhimmel
                    gut anhören könne, dass er es aber nicht zulassen dürfe, dass ich solche Dinge
                    offen zu allen Studenten sage. Den nächsten Morgen gab es im Walde eine Sitzung
                    der Fachschaft, wo ein Aufsatz <add place="superlinear">aus</add> einer <choice>
                        <abbr>N. S. B. O.</abbr>
                        <expan>Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation</expan>
                    </choice> Zeitung vorgelesen wurde <add place="superlinear">in</add> welchen
                    ganz unverkenntlich sozialistische Tendenzen zum Ausdruck kamen. Es hiess da:
                    die Partei sei <hi rend="u">noch</hi> gezwungen die Wirtschaft kapitalistisch zu
                    führen, weil es noch keine sozialistischen Volkswirte gebe, dass es aber Aufgabe
                    der Studentenschaft sei, sich zu solchen zu erziehen. Der Aufsatz schloss mit
                    dem Satz: entweder würde der deutsche Student sozialistisch werden, oder es
                    würde ihn überhaupt nicht geben. Es wurde auch vorgeschlagen
                    Arbeitsgemeinschaften zwischen Arbeitern und Studenten zu bilden. Ein
                    nationalsozialistischer akademischer Heissporn, der Privatdozent <rs ref="#tillich_person_id__3296" type="person">Dr. Bössler</rs> aus <rs ref="#tillich_place_id__260" type="place">Leipzig</rs>, der sich bemüht <rs ref="#tillich_person_id__3297" type="person">Gerich</rs> welcher sich
                    beurlauben liess und ein Disziplinarverfahren gegen sich und den Führer der
                    Studentenschaft beantragt hat, zu verdrängen, schwelgte während der Diskussion
                    in einem Vergemeinschaftungs-Dusel zwischen Arbeitern und Studenten und griff
                    mich als einen Intellektualisten und Idealisten leidenschaftlich an. Ich wurde
                    wütend und erklärte, dass ich meine Erlebnisse nicht erst seit gestern habe, und
                    dass mir der Lebenspust nicht gleich ausgeht, wenn ich für zehn Pfennig
                        Wirtschafts<add place="superlinear">wissenschaftliche</add> Gedanken an die
                    Studentenschaft vermittele; dass ich <add place="superlinear">übrigens</add>
                    auch der festen Überzeugung <del rend="ow">bin</del> sei, dass auch die deutsche
                    Studentenschaft Leben und Denken zu vereinigen wissen wird. Mein Angriff hat
                    sehr gefallen und ich kam von dieser ganzen Reise als der eigentliche
                    Vertrauensdozent der Studentenschaft zurück. Es wurde beschlossen, dass im
                    nächsten Semester jeden Montag eine Kulturpolitische Diskussion mit einem
                    anschliessenden <add place="superlinear">gemeinsamen</add> Mittagessen
                    stattfinden sollte. Man schlug vor, dass man<pb n="6"/> die weltanschaulichen
                    Grundlagen des Nationalsozialismus des genaueren <add place="right">zu</add>
                    studieren und die drei Bücher <rs ref="#tillich__FRF9TJVD" type="work"><q>Mein
                            Kampf</q></rs>, <rs ref="#tillich__Q455SCBJ" type="work"><q>Mythos des
                            20. Jahrhunderts</q></rs> und das <rs ref="#tillich__PQ2A9PSA" type="work"><q>Dritte Reich</q></rs> durch<add place="superlinear">zu</add>arbeiten <del rend="s">solle</del>. Wenn ich allein die Sache leiten
                    sollte, so würde ich schon fertig werden, da aber von dem Studentenführer alle
                    Dozenten der Volkswirtschaftlichen Abteilung, unter denen mindestens zwei
                    Dunkelmänner sind, so habe ich Angst, dass aus dem ganzen Unternehmen ein
                    Kreutzverhör werden wird. Ablehnen lässt sich aber das Ganze auch nicht. Du
                    siehst <del rend="s">also</del>
                    <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs>, dass wir hier
                    einen nicht uninteressanten, aber recht schweren Stand haben vor allem als
                    Theologen und Soziologen. Angesichts all dieser Schwierigkeiten habe ich mir
                    eine Haltung angeeignet, die nicht von der Überlegung ausgeht, was aus <del rend="s">uns</del> mir wird, wenn ich so oder anders handle, sondern <del rend="s">ausschliesslich</del> allein aus der Sorge <del rend="s">heraus
                        handelte,</del> seinen Mann zu stehen und das Richtige zu tun. Dies bedeutet
                    keinesfalls irgend einen, wenn auch noch so kleinen Heroismus, sondern nur die
                    Konsequenz <del rend="s">der Überlegung</del>
                    <add place="superlinear">meiner Überzeugung,</add> dass ich <del rend="s">ja</del> selber nicht <del rend="s">weiss und nicht</del> wissen kann, was
                    für <rs ref="#tillich_person_id__2358" type="person">Natascha</rs> und mich rein
                    praktisch gesehen besser ist: das Bleiben in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> oder das Flie<del rend="ow">h</del><add>g</add>en aus <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>. So befinde ich mich in der angenehmen Situation eines
                    innersten Überzeugtseins <add place="superlinear">von</add> der prästabilierten
                    Harmonie zwischen Anstand und Zweckmässigkeit meiner Handlungsweisen. Mehr kann
                    man wirklich nicht verlangen. In unserer kulturwissenschaftlichen Abteilung ist
                    alles eigentlich sehr anständig vor sich gegangen; die Sache mit <rs ref="#tillich_person_id__3297" type="person">Gerich</rs> wird sich
                    augenscheinlich wieder ins alte Geleise bringen lassen. <rs ref="#tillich_person_id__924" type="person">Holldak</rs> hat man das
                    Prüfungsrecht genommen, worauf er sich entschlossen hat selber zu gehen. Man hat
                    ihm das volle <add place="superlinear">Ruhe-</add>Gehalt gewährt und er hat sich
                    in sein Landhaus bei <rs ref="#tillich_place_id__306" type="place">München</rs>
                    zurückgezogen. Die ganze Familie ist katholisch geworden und er arbeitet zur
                    Zeit über Kirchenrecht und Konkordate. Alles nicht sehr Gesinnungstüchtig, aber
                    doch wohl verständlich. <rs ref="#tillich_person_id__3298" type="person">Luchtenberg</rs>, <rs ref="#tillich_person_id__3292" type="person">Kühn</rs>, im Innersten auch <rs ref="#tillich_person_id__2443" type="person">Janentzki</rs> ich und <rs ref="#tillich_person_id__3299" type="person">Beste</rs> bilden bis jetzt ein ganz gut geschütztes aber
                    festes Bollwerk gegen Übergriffe der Zeit: bringen dabei allerdings der Zeit
                    auch ein bestimmtes Verständnis entgegen. <add rend="hand">(Ein
                        historisch-psychologisches, kein politisches)</add><pb n="7"/></p>
                <p><rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person"><sic>Hanna</sic></rs> möchte ich
                    noch etwas zu dem Punkte <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Richard Kroner</rs> sagen: ich glaube bestimmt, dass sie ihm gegenüber
                    unrecht hat. Man hat ihm eine böse Falle gestellt; da er auf gesetzliche Weise
                    nicht gestürtzt werden konnte, so hat man es – <del rend="s">oder so hat es sich
                        –</del> über Studentenkrawalle <del rend="s">entwickelt</del>
                    <add place="superlinear">gemacht</add>. Es kam zu bösen Schlägereien im
                    Auditorium, zu einer Aussprache zwischen <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs> und führenden Männern im Ministerium. Äusserlich
                    hat man <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs> durchaus
                    geschützt: die Schreihälse unter den Studenten wurden entfernt und es schien
                    alles wieder gut werden zu wollen. Doch war das alles nur Schein; nach einiger
                    Zeit hat man ihm <del rend="s">im</del>
                    <add place="superlinear">vom</add> Ministerium <add place="superlinear">aus</add> den Gedanken nahe gebracht, dass er in <rs ref="#tillich_place_id__238" type="place">Kiel</rs> nicht gut bleiben kann.
                    Ihr wisst: es kam zu einer Versetzung nach <rs ref="#tillich_place_id__143" type="place">Frankfurt</rs>, was meiner Ansicht nach nur eine Veränderung
                    des Zahlungsortes seines Ruhegehaltes bedeuten wird und zu einer Beurlaubung zu
                    Zwecken einer Studienreise nach <rs ref="#tillich_place_id__219" type="place">Italien</rs>. Das Ganze war für <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs> besonders dank einigen Details, über die ich hier
                    nicht sprechen kann, es würde zu weit führen, <hi rend="u">sehr bitter</hi>. Ich
                    fuhr nach <rs ref="#tillich_place_id__189" type="place">Halle</rs>
                    <del rend="s">hin</del>, um von ihm dort Abschied zu nehmen und ihn <del rend="s">sozusagen</del> nach <rs ref="#tillich_place_id__219" type="place">Italien</rs> zu begleiten. Wir waren anderthalb Tage zusammen. Bei <rs ref="#tillich_person_id__3300" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3301" type="person">Stenzels</rs></rs> und dann
                    auf einem langen Spaziergang. Ich habe wieder den Eindruck gehabt, dass er ein
                    sehr wesentlicher Mensch ist. Das grosse an seiner Haltung ist dies, dass er
                    nicht zu einem <hi rend="u">semitischen Gegenspieler des
                        Nationalsozialismus</hi> geworden ist. Er hat sich sein ganzes Leben lang
                    als Deutscher gefühlt und lässt sich durch die äusseren Umstände nicht einreden,
                    dass er Jude ist. Und dies ist bei ihm kein Krampf und <add place="superlinear">keine</add> physiologische Konjunktur sondern eine <hi rend="u">ganz
                        einfache Selbstverständlichkeit</hi>. Auch verwechselt er nicht, wie die
                    meisten durch das Beamtengesetz gemassregelten, <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> mit dem Nationalsozialismus; er fühlt und sagt
                    es (mit gutem Recht), dass er mehr Deutscher ist als <rs ref="#tillich_person_id__1643" type="person">Rosenberg</rs> oder <rs ref="#tillich_person_id__687" type="person">Goebbels</rs>. Da ich alle diese
                    Dinge hundertmal an mir selber erlebt und geprüft habe, da auch ich <del rend="s">wenn Ihr wollt</del> mein Wahlrussentum <add place="superlinear">gegen den russischen Nationalismus</add> nicht einmal zu verteidigen hatte,
                    und ganz genau weiss, dass ich russischer bin <del rend="s">wie <rs ref="#tillich_person_id__1838" type="person">Stalin</rs> und
                        andere</del> als es der russische Zarenhof war &amp; wie es <rs ref="#tillich_person_id__1838" type="person">Stalin</rs> ist, so habe ich
                    wirklich ein sehr tiefes Verhältnis zur Kronerschen Haltung. Auch sieht er das
                    Problem des deutschen Antisemitismus sehr vielseitig und damit vor allen Dingen
                    zweiseitig. Er sieht nicht nur die Schuld <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschlands</rs> gegen<pb n="8"/>über dem Judentum, sondern
                    auch die umgekehrte Schuld eines <hi rend="u">bestimmten Judentums</hi>
                    gegenüber <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>. Vor
                    allen Dingen sieht er aber sehr tief den Antisemitismus als eine christliche
                    Sünde und leidet unter diesem Antisemitismus nicht nur als Jude, sondern auch
                    als Christ, <add place="superlinear">genauer als ein Denker
                        christlich-idealistischer Haltung.</add> Er fühlt sich somit als Opfer und
                    Verfolger zugleich und das ist erst die ganze Tragik seiner menschlichen und
                    philosophischen Situation. An einem fehlt es ihm allerdings; und zwar an Stärke;
                    nicht der inneren Haltung, sondern des unmittelbaren Lebensgefühls. Er ist
                    furchtbar müde <del rend="s">geworden</del> und hat keinen Antrieb zur weiteren
                    Arbeit; ich habe ihn zu stärken gesucht und ihm geraten über all die Dinge die
                    wir mit ihm besprochen haben, also über das von mir oben <del rend="s">berichtete</del>
                    <add place="superlinear">angedeutete</add> zu arbeiten.</p>
                <p><rs ref="#tillich_person_id__1100" type="person">Seine Frau</rs> ist ganz anders;
                    in ihr hat die Zeit alles Deutsche sofort getilgt, sie ist von einem masslosen
                    Hass erfüllt und möchte, wie sie zu mir sagte, jedes blonde Kind an den Ohren
                    nehmen u<del rend="ow">m</del><add>nd</add> den Kopf a<del rend="s">n</del><add>uf</add> den Schultern um<del rend="s">zu</del>drehen.
                    Natürlich ist das eine furchtbare Überspanntheit <del rend="s">des
                        Ausdrucks</del> einer sehr müden und abgespannten Seele, – aber auch so
                    bleibt der <del rend="s">Ausdruck</del>
                    <add place="superlinear">Wunsch</add> charakteristisch. Besonders schwierig ist
                        <rs ref="#tillich_person_id__1100" type="person">Alicens</rs> Lage zwischen
                    Mann und Tochter. Dass <rs ref="#tillich_person_id__3302" type="person">die
                        Tochter</rs> die mosaische Konfession wieder angenommen hat und einen
                    Rabiner heiratet ist <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Richard</rs> trotz all den <hi rend="u">guten Worten</hi>, die er zu dem
                    Fall zu sagen <del rend="s">hat</del>
                    <add place="superlinear"><sic>weis</sic></add>, doch nicht angenehm. Für ihn
                    kommen damit die Ahnengespenster wieder herauf, um die Wirklichkeit seines
                    Deutschtums, <del rend="s">wo</del>
                    <add place="superlinear">die</add> er <del rend="s">es</del> so nötig hat zu
                    entwirklichen. All das ist überaus kompliziert.</p>
                <p>Nach dem Abendessen kam zu <rs ref="#tillich_person_id__3300" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3301" type="person">Stenzels</rs></rs> der
                    hallenser Kunsthistoriker <rs ref="#tillich_person_id__2429" type="person">Fantel</rs>
                    <add place="superlinear">(?)</add> und <rs ref="#tillich_person_id__3303" type="person">Frau</rs> hinüber. Auch dieser Mensch ist entlassen worden
                    wobei bei ihm die Dinge sehr viel schwerer liegen, da er zehn Kinder und eine
                    Schwiegermutter zu ernähren hat. Man sprach über dies und jenes und ging auf die
                    verschiedensten Möglichkeiten des weiteren Lebens ein. <rs ref="#tillich_person_id__1099" type="person">Kroner</rs> sass wie ein
                    blauäugiges Gespenst <del rend="s">schwer</del>
                    <add place="superlinear">hoch</add> aufgebaut auf einem hohen Stuhl. <rs ref="#tillich_person_id__1100" type="person">Alice</rs> schlummerte liegend
                    auf einem Diwan. <rs ref="#tillich_person_id__2429" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3303" type="person">Fantels</rs></rs> klagten,
                    jammerten und waren besorgt und unruhig wie Auswanderer auf ihren Bündeln
                    irgendwo auf einer <del rend="s">fremden</del>
                    <add place="superlinear">fernen</add> Station (sie sind gleich noch in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> zu Emigranten
                    geworden), vor dem offenen<pb n="9"/> Fenster standen blühende Apfelbäume, in
                    das Fenster strömte aber ein furchtbarer Gestank (es wurden auf einer
                    Papierfabrik alte Lumpen gekocht). Man hatte den Eindruck als seien es die
                    blühenden Bäume die so stinken und das gab einen so gespensterhaften und
                    bizarren Eindruck eines deutschen Frühlings. Das Ganze hatte irgendwie einen
                    sehr sonderbaren und symbolischen Sinn.</p>
                <p> Ich danke Euch sehr für die lieben Worte über <rs ref="#tillich__TRAQKSD8" type="work">mein Buch</rs> und <del rend="ow">um</del> für die Bemühungen
                    seiner Übersetzung. Ich höre soeben von meinem Verleger, dass die Sache nunmehr
                        <del rend="s">endgültig entschieden</del>
                    <add place="superlinear">zum Klappen gekommen</add> ist und dass es sich nur
                    noch um Einzelheiten der Bedingungen handelt. Es soll eine englische und eine
                    amerikanische Ausgabe erscheinen. Schon lange bemühen sich einige Menschen den
                        <rs ref="#tillich__PRWS99UZ" type="work">Pereslegin</rs>
                    <del rend="s">englisch</del>
                    <add place="superlinear">in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs></add> heraus zu bringen; ich habe keine rechte Einsicht in
                    die Mentalität des Amerikanertums und weiss nicht, ob der <rs ref="#tillich__PRWS99UZ" type="work">Pereslegin</rs> in <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">Amerika</rs> Erfolg haben könnte.
                    Wenn Ihr der Meinung seid dies könnte der Fall sein, so würde ich überaus
                    dankbar sein, wenn Ihr durch euren Bekanntenkreis die Übertragung und Herausgabe
                    vermitteln könntet. Ich habe das sehr bestimmte Gefühl, dass ich meines Bleibens
                    hier nicht unbedingt sicher sein darf und darum ist es für mich <hi rend="u">sehr <del rend="s">notwendig</del>
                        <add place="superlinear">wesentlich</add></hi>, meine Fühlhörner nach den
                    anderen Ländern auszustrecken.</p>
                <p>Ich bleibe hier in den skandinavischen Ländern evntuell noch bis zum <date when="1934-09-15">15. September</date>, wenn Ihr mir etwas schreiben wollt,
                    was sich nach <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>
                    nicht schreiben lässt, und etwas von mir beantwortet haben wollt was ich in <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs> nicht beantworten
                    kann, so schreibt sofort nach <rs ref="#tillich_place_id__757" type="place">Oslo</rs> (Dobrowen, Bennechesvei 10, <rs ref="#tillich_place_id__758" type="place">Oslo-Bygdö</rs>) wo wir wie ich denke so den <date when="1934-09-07">7.</date>, <date when="1934-09-08">8. September</date>
                    vielleicht aber auch schon einige Tage früher ankommen werden. <rs ref="#tillich_person_id__3304" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3305" type="person">Dobrowens</rs></rs> werden
                    im Winter in <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New York</rs> sein
                    und ich empfehle ihnen euch zu besuchen. Ich bin der festen Überzeugung, dass
                    Ihr euch gegenseitig Freude bereiten werdet. <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paulus</rs> kennt ja bereits <rs ref="#tillich_person_id__3305" type="person">Frau Dobrowen</rs>, wenn auch
                    nur ganz flüchtig. Es wird uns freuen wenn Ihr bei der Begegnung <hi rend="u">viel</hi> von euch erzählen werdet <add place="superlinear">&amp; von dem,
                        wie ihr <rs ref="#tillich_place_id__122" type="place">Deutschland</rs>
                        seht</add>, denn es ist anzunehmen, dass wir im Frühling <rs ref="#tillich_person_id__3304" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3305" type="person">Dobrowens</rs></rs> wieder
                    sehen. Nun habe ich <del rend="s">so ziemlich alles geschrieben was mir Euch zu
                        sagen interessant schien</del> Euch einiges wenige davon mitgeteilt, was mir
                    wesentlich schien. Natürlich könnte ich endlos plaudern doch muss ich an die
                    Arbeit. Ich schreibe zur Zeit an einem Artikel über meinen in <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> ver<pb n="10"/>storbenen Freund und einen grossen russischen Dichter <rs ref="#tillich_person_id__3307" type="person">Bjelji</rs>.<note type="ea"><rs ref="#tillich_person_id__1856" type="person">Stepun, Fedor</rs>:
                        <q>Pamjati Andreja Belago</q> (<q>Zum Gedenken an Andrei Beyi</q>, in: Sovremennye
                        Zapiski, Bd. LVI, 1934, 257–283.</note> Ich habe diesen Winter noch <rs ref="#tillich__QZ3H5HE5" type="work"><rs ref="#tillich__R4Z7T3UG" type="work">zwei andere Artikel über russische Schriftsteller</rs></rs>
                    im Hochland veröffentlicht. Wenn Ihr wollt und Interesse habt, kann ich Euch
                    alles was ich schreibe einschicken.</p>
                <closer><salute>Mit den herzlichsten Grüssen von uns beiden und in lebendigster
                        Sehnsucht Euch bald einmal <add place="superlinear">wieder</add> zu umarmen,
                        bleiben <add place="superlinear">wir</add> in alter Treue und
                        Gesinnung</salute>
                    <signed>Eure <rs ref="#tillich_person_id__1856" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__2358" type="person">Natadors</rs></rs></signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p><hi rend="hand">P. S. Ich weiß leider die Adresse von <rs ref="#tillich_person_id__1965" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__271" type="person">Ulichs</rs></rs>
                            nicht &amp; kann an sie nicht schreiben. Wenn ihr sie sehen solltet,
                            oder <del rend="s">¿¿¿</del> an sie schreiben, so grüßt sie herzlichst.
                            Grüßt vor allem <rs ref="#tillich_person_id__271" type="person">Elsa
                                Brändström</rs> von ihrem schönen Lande. Wir sind sehr glücklich
                            hier. Haben Gelegenheit auch das flache Land: die herrschaftlichen Sitze
                            und das Bauerntum kennen zu lernen. Waren unlängst auf einem alten
                            Schloss <sic>Grippsholm</sic>, <del rend="s">bei</del> auf einem schönen
                            Sitz des <rs ref="#tillich_person_id__3308" type="person">Grafen
                                Rosen</rs>, auch <del rend="s">bei</del> auf einem großen Fest,
                            einem großen Krebsessen mit viel <sic>Zeremoniel</sic>, Trinksprüchen
                            &amp; Tafelgesang. Man saß am Tisch über 2 Stunden. Hier ist noch altes
                            Europa. Überall sieht man Liberal-humanistische Gesichter. Es hat dies
                            alles seinen großen Vorzug.</hi></p>
                    <p><hi rend="hand">Sehr aufregend kommt von <rs ref="#tillich_place_id__376" type="place">Russland</rs> die Nachricht, dass die Kommunisten eine
                                <del rend="s">gr</del> breite Amnestie für die Emigranten
                            vorbereiten.</hi></p>
                </postscript>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1965">
                  <persName>Ulich, Robert</persName>
                  <birth>
                     <date>1890-04-21</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1977-06-17</date>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Ministerialbeamter, Germanist und Erziehungswissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/117281174</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Heinrich Gottlob Robert Ulich (21. April 1890 – 17. Juni 1977) war ein deutscher Ministerialbeamter, Germanist und Bildungsforscher. Nach Studien an verschiedenen Hochschulen und Promotion 1915 arbeitete er zunächst als Lehrer und Bibliothekar, bevor er von 1920 bis 1933 als Ministerialbeamter in Dresden für Hochschul- und Forschungsangelegenheiten zuständig war. Er stand der SPD und dem religiösen Sozialismus nahe und setzte sich für Reformpädagogik und internationale Bildungsprojekte ein. 1934 emigrierte er in die USA, wurde Professor in Harvard und gilt als Mitbegründer der vergleichenden Erziehungswissenschaft. 1970 kehrte er nach Deutschland zurück. Er war zunächst mit Elsa Brändström, später mit Mary Ewen Ulich verheiratet und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1958 mit dem Großen Verdienstkreuz.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1099">
                  <persName>Kroner, Richard</persName>
                  <occupation>Deutscher Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11890003X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Richard Kroner (8. März 1884 – 2. November 1974) war ein in Breslau geborener deutscher Philosoph und Theologe, der der südwestdeutschen Schule des Neukantianismus nahestand. Mit seinem zweibändigen Hauptwerk Von Kant bis Hegel leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Wiederentdeckung und Neubewertung des Deutschen Idealismus im 20. Jahrhundert. Nach der Emigration in die Vereinigten Staaten wirkte er als Vermittler zwischen kontinentaler und angelsächsischer Philosophie und zählt zu den bedeutenden Vertretern des Neuhegelianismus.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3303">
                  <persName>Frankl, Elsa</persName>
                  <occupation>Künstlerin</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3297">
                  <persName>Gehrig, Hans</persName>
                  <occupation>Volkswirt und Wirtschaftswissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/116493968</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__687">
                  <persName>Goebbels, Joseph</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2358">
                  <persName>Stepun, Natalja Nikolaevna</persName>
                  <death>
                     <date>1961</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1107814014</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Sie war die Frau von Fedor Stepun und war bekannt als Natascha.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3302">
                  <persName>Seligson, Gerda M.</persName>
                  <occupation>Klassische Philologin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/127303405</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3292">
                  <persName>Kühn, Johannes</persName>
                  <occupation>Historiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/116588187</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2070">
                  <persName>Wilhelm II.</persName>
                  <birth>
                     <date>1859-01-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__356">Potsdam</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1941-06-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Schloß Doorn (Holland)</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Deutscher Kaiser</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118632892</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Wilhelm II. (27. Januar 1859 – 4. Juni 1941) aus dem Haus Hohenzollern regierte von 1888 bis 1918 als letzter deutscher Kaiser und preußischer König. Im Dreikaiserjahr bestieg er mit 29 Jahren den Thron. Aus seiner traditionellen Herrschaftsvorstellung heraus beanspruchte er die persönliche Leitung der Regierungspolitik und löste durch sein als großspurig empfundenes Auftreten mehrfach politische Krisen aus. Der von ihm vorangetriebene Ausbau der Kriegsflotte und die imperiale Weltpolitik prägten seine Ära und trugen zu den Spannungen bei, die im Ersten Weltkrieg eskalierten. Während des Krieges wurde er von der Heeresleitung weitgehend entmachtet. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde seine Abdankung verkündet; er floh ins niederländische Exil, wo er bis zu seinem Tod 1941 erfolglos auf eine Wiederherstellung der Monarchie hoffte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3298">
                  <persName>Luchtenberg, Paul</persName>
                  <occupation>Kulturwissenschaftler, Pädagoge und Politiker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118729330</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1643">
                  <persName>Rosenberg, Alfred</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1728">
                  <persName>Schmitt, Carl</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2443">
                  <persName>Janentzky, Christian</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-01-29</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__370">Rostock</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1968-08-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Literaturwissenschaftler und Bibliotheksdirektor</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/117078190</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Er wirkte als Direktor der Bibliothek der TH Dresden.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3304">
                  <persName>Dobrowen, Issay</persName>
                  <occupation>Dirigent, Komponist und Pianist</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/103815651</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3305">
                  <persName>Dobrowen, Maria</persName>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/123715296</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1456">
                  <persName>Pareto, Vilfredo</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__924">
                  <persName>Holldack, Felix</persName>
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                  <persName>Stenzel, Bertha</persName>
                  <occupation>Philosophin</occupation>
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                  <persName>Mussolini, Benito</persName>
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                  <persName>Belyi, Andrej</persName>
                  <occupation>Dichter und Schriftsteller</occupation>
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               <person xml:id="tillich_person_id__910">
                  <persName>Hitler, Adolf</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Adolf Hitler (20. April 1889, Braunau am Inn – 30. April 1945, Berlin) war Vorsitzender der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und ab 1934 als „Führer“ diktatorischer Staats- und Regierungschef des Deutschen Reiches. Er entfesselte 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der über 70 Millionen Menschen das Leben kostete, und trug die Hauptverantwortung für den Holocaust an den europäischen Juden. Als oberster Befehlshaber der Wehrmacht führte er eine totalitäre Herrschaft, die Terror, Propaganda und aggressive Expansion vereinte und große Teile Europas verwüstete. Beim Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ beging Hitler am 30. April 1945 in Berlin Suizid; eine Grabstätte gibt es nicht.</p>
                  </note>
               </person>
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                  <persName>Rosen, Eric von</persName>
                  <occupation>Ethnologe</occupation>
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                  <persName>Stenzel, Julius</persName>
                  <occupation>Philosoph</occupation>
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               <person xml:id="tillich_person_id__3299">
                  <persName>Beste, Theodor</persName>
                  <occupation>Professor für Betriebswirtschaftslehre</occupation>
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                  <persName>Stepun, Fedor</persName>
                  <birth>
                     <date>1884-02-19</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__766">Moskau</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-02-23</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__306">München</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Russisch-Deutscher Literat, Soziologe und Philosoph</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/11875355X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Fedor Stepun (19. Februar 1884 – 23. Februar 1965) war ein Literat, Soziologe, Philosoph und Politiker russisch-deutscher Herkunft. Nach einem Philosophiestudium in Heidelberg und Promotion bei Wilhelm Windelband gründete er mit Max Weber und Georg Simmel die Zeitschrift Logos. Er nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil und engagierte sich 1917 nach der Februarrevolution politisch. Als Gegner der Bolschewiki wurde er 1922 mit dem sogenannten Philosophenschiff aus Russland ausgewiesen. Ab 1926 lehrte er als Professor für Soziologie an der Technischen Hochschule Dresden, bis ihn die Nationalsozialisten 1937 entließen und mit einem Rede- und Schreibverbot belegten. 1946 wurde er Honorarprofessor für russische Geistesgeschichte in München, wo er bis 1964 lehrte und rege als Redner wirkte.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__271">
                  <persName>Brändström, Elsa</persName>
                  <birth>
                     <date>1888-03-26</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Sankt Petersburg</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1948-03-04</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Cambridge, Mass.</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Philanthropin, Lehrerin und Krankenschwester</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118514407</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elsa Brändström (26. März 1888 – 4. März 1948) war eine schwedische Philanthropin, geboren in Sankt Petersburg. Im Ersten Weltkrieg betreute sie als Krankenschwester deutsche und österreichische Kriegsgefangene in sibirischen Lagern und erhielt dafür den Beinamen „Engel von Sibirien". Später gründete sie Heime für Kinder von Kriegsgefangenen, veröffentlichte 1922 einen Erlebnisbericht und gehörte zu den Mitbegründern der Studienstiftung des deutschen Volkes. 1929 heiratete sie Robert Ulich; 1933 emigrierte die Familie in die USA, wo sie Flüchtlingshilfe organisierte. Sie starb in Cambridge. Paul Tillich würdigte sie nach ihrem Tod als Verkörperung tätiger Liebe.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3296">
                  <persName>Boesler, Felix</persName>
                  <occupation>Wirtschaftswissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/12894630X</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1817">
                  <persName>Sorel, Georges</persName>
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               <person xml:id="tillich_person_id__2485">
                  <persName>Hindenburg, Paul von</persName>
                  <birth>
                     <date>1847-10-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Posen</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1934-08-02</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Kisielice (Ermland-Masuren)</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118551264</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul von Hindenburg (7. Juli 1847 – 2. August 1934) war im Ersten Weltkrieg gemeinsam mit Erich Ludendorff de facto der militärische Führer der deutschen Kriegsführung. Später gewann er 1932 unter anderem gegen Adolf Hitler die Reichspräsidentschaftswahl in Deutschland und wurde erneut Reichspräsident. Er war, bis zu seinem Tod, der letzte Präsident der Weimarer Republik.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1100">
                  <persName>Kroner, Alice</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3294">
                  <persName>Delekat, Friedrich</persName>
                  <occupation>Evangelischer Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118671340</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1838">
                  <persName>Stalin, Josef</persName>
                  <birth>
                     <date>1878-12-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Gori (Šida K̕art̕li)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1953-03-05</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Kunzewo (Moskau)</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118642499</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3280">
                  <persName>Hayn, Hans</persName>
                  <occupation>Deutscher Politiker und SA-Führer</occupation>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2429">
                  <persName>Frankl, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1878-04-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__1393">Prag</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1962-01-30</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Princeton, NJ</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Kunsthistoriker</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/115671994</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Er stammt ursprünglich aus Prag. 1907 studierte er in München Kunstgeschichte. 1938 emigrierte er in die USA.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__143">
                  <placeName>Frankfurt am Main</placeName>
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                  <placeName>Schweden</placeName>
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                  <placeName>Russland</placeName>
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                  <placeName>Leipzig</placeName>
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                  <placeName>Deutschland</placeName>
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                  <placeName>Kiel</placeName>
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                  <placeName>Blankenstein (Rosenthal am Rennsteig)</placeName>
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              <publisher>Franz Eher Nachfolger</publisher>
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            <title level="a">Wjatscheslaw Iwanow. Eine Porträtstudie</title>
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            <author>
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          <monogr>
            <title level="j">Hochland</title>
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            <author>
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            <title level="m">Der Mythus des 20. Jahrhunderts: Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit</title>
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              <surname>Rosenberg</surname>
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