<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L10017.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10047.xml" next="L10048.xml">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title>Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich, vermutlich von Juni 1934</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                        <postCode>1010</postCode>
                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Hannah. Papers, 1896-1976.</collection>
                        <idno>bMS 721/3(4)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <date notBefore="1934-06-01" notAfter="1934-07-16">01.06.1934</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1923">Hannah Tillich</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1923">Korrespondenz mit Hannah Tillich</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1923" target="L10041.xml">Postkarte von Paul Tillich an Hannah Tillich vom 16. April 1934 [PS]</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1923" target="L10016.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich, vermutlich von Juni 1934</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10047.xml">Brief von Hans-Jürgen Seeberger an Paul Tillich vom 28. Mai 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10048.xml">Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 7. Juni 1934</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1934-06-01"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-05-15" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><salute>Liebste <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs>!</salute></opener>
                <p>Nun schreibe ich doch noch mal als Antwort auf Deinen Brief mit dem <rs ref="#tillich_person_id__570" type="person">Erdmuthe</rs>-Bildchen.<note type="ea">Liegt nicht vor.</note> Ich sitze nach dem Abendbrot auf meines
                    Daches Zinnen, das Wasser ist spiegelglatt, die Sonne geht unter. Unten in den
                    Bäumen summen Millionen Mücken und Junikäfer. Heut sind wir im Canou zu der
                    zweiten der Naturschutzinseln herübergefahren (Entfernung 5–10
                        Min.)<supplied>.</supplied> Mit phantastischen Buchten, alles wie in
                    Indianerbüchern. Heute haben sich auch allerhand Schlangen auf der Insel
                    gezeigt. Eine Wasserschlange hat <del rend="s">der D</del>
                    <rs ref="#tillich_person_id__394" type="person">Colm</rs> auf unserer Canoufahrt
                    erschlagen; eine lief mir unter dem Canou weg, als ich es ins Wasser schob. Der
                    Diener hat eine schwarze gefangen und auf eine andere geschossen. Sie sind aber
                    alle ungefährlich und stören mich nicht im Geringsten. Man ist eben in der
                    Wildnis. Sonst waren wir heut sehr fleissig, <rs ref="#tillich_person_id__394" type="person">Colm</rs> und ich haben stundenlang jeder an seinem Artikel
                    geschrieben; ich natürlich auf einem Fels am Wasser. Vergiss nicht, ein gutes
                    Mückenmittel mitzubringen. Wir haben hier <hi rend="u">Mosquitone</hi><pb n="2"/> das nach 2 Minuten alles beseitigt. Am besten für jeden einen Stift, da man
                    es gut tut, immer bei sich zu haben. Im Haus ist natürlich keine einzige und
                    dadurch ist es gar nicht schlimm. Der Erfinder des Screens sollte in jeder Stadt
                    ein Denkmal haben (und in Wallhall einziehen, wie <rs ref="#tillich_person_id__394" type="person">Colm</rs> sagte) – – So sitze
                    ich zwischen Schlangen und Mücken und bin selig, weil es so schön ist.</p>
                <p>Über das Geld habe ich mit <rs ref="#tillich_person_id__394" type="person">Colm</rs> gesprochen: Es ist technisch kaum möglich, dass ich Dir jetzt was
                    schicke, da wir kanadisches Geld haben und, um Dollar mit Postanweisung zu
                    schicken, eine Extrafahrt nach <rs ref="#tillich_place_id__684" type="place">America</rs> machen müssten: Nun hatte <rs ref="#tillich_person_id__3272" type="person">Frau Pratt</rs> mir angeboten, Dir noch Geld zu leihen und ich
                    hatte ihr gesagt, sie sollte Dich fragen; Du kannst also dort anrufen. <rs ref="#tillich_person_id__394" type="person">Colm</rs> sagte, Du sollst bei
                        <rs ref="#tillich_person_id__579" type="person">Feiler</rs> anrufen: Halifax
                    7-3332; sonst <rs ref="#tillich_person_id__210" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3274" type="person">Bewers</rs></rs> oder <rs ref="#tillich_person_id__1194" type="person"><rs ref="#tillich_person_id__3275" type="person">Loebs</rs></rs>.</p>
                <p>Der Schmerz<supplied>,</supplied> dass Ihr nicht da seid, wird mit jedem
                    herrlichen Tag groesser. Wenn doch das Telegramm käme! Schicke es nicht zu spät,
                    da es nicht gebracht, sondern zweimal am Tag auf der Post abgeholt wird!</p>
                <closer><salute>Kommt!</salute>
                    <signed>Euer <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul</rs></signed></closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__210">
                  <persName>Bewer, Julius August</persName>
                  <birth>
                     <date>1877-08-28</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1953-09-01</date>
                     <settlement>
                        <placeName>New York</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/116158972</idno>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3272">
                  <persName>Pratt, ???</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3274">
                  <persName>Bewer, ???</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3275">
                  <persName>Loeb, ???</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1194">
                  <persName>Loeb, Lotta</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__394">
                  <persName>Colm, Gerhard</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__570">
                  <persName>Farris, Erdmuthe</persName>
                  <birth>
                     <date>1926-02-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__126">Dresden</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>2016-03-26</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168750431</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Erdmuthe Farris (17. Februar 1926 – 26. März 2016), geborene Tillich, war die Tochter des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Ihr familiärer Rufname lautete Mutie.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__579">
                  <persName>Feiler, Arthur</persName>
               </person>
               </listPerson><listPlace><place xml:id="tillich_place_id__684">
                  <placeName>Vereinigte Staaten von Amerika</placeName>
                  <location type="coords">
                     <geo>39.76000 -98.50000</geo>
                  </location>
                  <idno type="geonames">https://sws.geonames.org/6252001/</idno>
                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q30</idno>
               </place>
               </listPlace></back></text>
</TEI>