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                <title>Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger von Weihnachten 1934</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                    <name key="https://orcid.org/0000-0003-4455-6804">Brach S. Jennings</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/184(7)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <date notBefore="1934-12-17" notAfter="1934-12-24">17.12.1934</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1762"> Elisabeth Seeberger</persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1762">Korrespondenz mit  Elisabeth Seeberger</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1762" target="L10072.xml">Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 24. November 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1762" target="L10089.xml">Brief von Paul Tillich an Elisabeth Tillich vom Weihnachten 1935</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10078.xml">Brief von Walter??? Fritz an Paul Tillich vom 14. Dezember 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10080.xml">Brief von Gertrud Siemsen an Paul Tillich vom 19. Dezember 1934</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1934-12-17"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-05-07" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
            <change when="2026-08-28" who="BJ">Brief durchgelesen und geprüft; Kommentare
                hinzugefügt</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><salute>Liebste <rs ref="#tillich_person_id__1762" type="person">Elisabeth</rs>!</salute></opener>
                <p>Nun werdet Ihr (6 Stunden vor uns) <date when="1934-12-24">am Heiligen
                        Abend</date> zusammen sein und an uns denken, während wir gerade beim Lunch
                    sitzen. Was am Abend wird, ist noch nicht sicher. Entweder sind wir allein oder
                    wir haben 1 oder 2 weinende deutsche.. Paare bei uns. Am ersten Freitag sind wir
                    wahrscheinlich bei anderen Freunden draussen in einem wunderschönen Vorort, und
                    einen zweiten Freitag gibt es hier nicht. <date when="1934-12-31">Sylvester</date> werden wir dieses Mal wohl still zu Hause sein, da es mein
                    letzter Abend vor den 2 Monaten Trennung ist, da ich schon am <date when="1935-01-01">1<hi rend="sup">te</hi></date> nach <rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">Chicago</rs> abfahren muss. Briefe
                    vorläufig alle hierher!</p>
                <p>Es ist doch schon alles viel leichter als im vorigen Jahr; vor allem wegen der
                    Sprache. So konnte ich gestern auf einer kleinen Gesellschaft im Bohème-Viertel
                    von <rs ref="#tillich_place_id__319" type="place">New-York</rs>, genannt
                    Greenwich-Village, mich einen ganzen Abend über<pb n="2"/> alle möglichen Dinge
                    englisch unterhalten, so schnell wie in Deutsch, und ohne zu ermüden – was im
                    ersten Jahr immer noch der Fall war. – Auch ist der alte deutsche Freundeskreis
                    jetzt fast zur Hälfte hier. Wir haben z. B. einen Diskussionsabend, der genau zu
                    50% aus den Teilnehmern unseres Frankfurter Diskussionsabends besteht. Der
                    Arbeitsbetrieb ist hier unglaublich. Ich schlafe eigentlich nie mehr als 6
                    Stunden und bin den ganzen Tag in Bewegung. – Vor <rs ref="#tillich_place_id__105" type="place">Chicago</rs> graule ich mich
                    etwas; andererseits ist es natürlich in jeder Beziehung nützlich, Geld, Sprache,
                    Aufgabe. Aber so eine Junggesellen<unclear>zeistern</unclear> hat ja manches
                    gegen sich... Ich schicke eine an die Studenten verteilte
                        <unclear>Dispertion</unclear> meines einen Kollegs mit, damit Ihr seht, dass
                    ich auch noch an anderen Dingen arbeite. <rs ref="#tillich_person_id__1924" type="person">Vaterchen</rs> oder <rs ref="#tillich_person_id__2041" type="person">M. L.</rs> werden es Euch übsersetzen. Im <date when="1935-04">April</date> halte ich darüber <del rend="s">4</del> in Yale-Uni<pb n="3"/>versity 4 Vorträge, die nachher gedruckt werden.<note type="ea">Gemeint ist
                            <q>Die Lehre vom Menschen</q>, vgl. <rs ref="#tillich__6XQJ4GNW" type="work">EW, XVII</rs>, 263–314.</note> Im Übrigen betrachte ich
                    diese Dinge als das Programm meiner kommenden wissenschaftlichen Lebens-Arbeit.
                    Nach dem Erfolg meines Kollegs und eines zusammenfassenden Vortrags darüber, den
                    ich vor 2 Tagen vor den Professoren der Fakultät gehalten habe, scheine ich
                    damit gerade in die hiesige theologische Übergangs-Situation
                    hineinzuspringen.... Nun habe ich eine grosse Bitte, die Ihr auch mit <rs ref="#tillich_person_id__641" type="person">Frede</rs> besprechen müsst.
                    Nachdem seit 8 Tagen die <q>Junge Kirche</q>
                    <note type="ea">Eine Zeitschrift, die 1933 von Günther Ruprecht in Berlin
                        gegründet wurde. 1934 diente diese Zeitschrift als wichtiges Organ der
                        Bekennenden Kirche und war daher Repressionen, regionalen Verboten und
                        Zensur durch die Gestapo ausgesetzt, was 1941 zu ihrem Verbot führte. Danach
                        wurde die Veröffentlichung erst 1949 wieder aufgenommen.</note> nicht mehr
                    erscheint, ist mir eine wichtige Quelle genommen. Es bestehen nun drei
                    Möglichkeiten: Entweder sie lebt wieder auf: Das wäre das Beste; oder es
                    erscheint ein Ersatz; dann müsste ich den haben; oder es werden in anderer Weise
                    die wichtigsten Mitteilungen übermittelt; dann müsst Ihr eine Methode erfinden,
                    sie mir regelmässig, mindestens 14 tägig zukommen zu lassen. Bitte übderdenkt
                    das sehr intensiv! Alle etwaigen Kos<pb n="4"/>ten deckt von dem was da ist. Es
                    kommt sachlich und persönlich ausserordentlich viel darauf an, dass ich auf dem
                    Laufenden bleibe. – Und nun feiert ein schönes Fest. Ich denke daran, wie wir
                    zusammen 2 Tage vor Heilig-Abend den Baum schmückten und ich dann den Baukasten
                    herauskramte und die Weihnachtskirche baute. Wie lange ist das her. Bald 25
                    Jahre! Und nun sind die Kinder da, die ganz andere Dinge tun und ganz anders
                    fühlen. Aber etwas von der alten Mystik und Seligkeit ist doch wohl auch ihnen
                    erhalten. Denkst Du noch an unser Schachspiel immer ehe <rs ref="#tillich_person_id__1924" type="person">Vaterchen</rs> uns
                        hereinrief<sic>!</sic></p>
                <closer><salute>Euch allen Weihnachtsgruss und Kuss! <rs ref="#tillich_person_id__3208" type="person">Hans Jürgen</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__3311" type="person">Heidi</rs> sollen mal
                        wieder schreiben, auch wenn ich nicht antworten kann, weil wir ja nichts
                        mehr von ihrer Seele wissen.</salute><signed>Euer <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul</rs>.</signed>
                </closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1924">
                  <persName>Tillich, Johannes Oskar</persName>
                  <birth>
                     <date>1857-06-03</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Berlin, Deutschland</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1937-07-30</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer, Superintendent und Konsistorialrat</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631602</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Oskar Tillich (1857 – 1937) war ein evangelisch-lutherischer Pfarrer und Theologe. 1885 hatte er Wilhelmina Mathilde Dürselen geheiratet, die 1903 verstarb. Seine erste Pfarrstelle hatte er in der lutherischen Gemeinde Starzeddel bei Guben, wo 1886 sein Sohn Paul geboren wurde. Johannes Oskar Tillich und Wilhelmina Mathilde Dürselen waren also die Eltern des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. 1891 wurde Johannes Oskar Tillich Superintendent des Kirchenkreises Schönfließ in der Neumark, 1900 folgte seine Berufung nach Berlin, wo er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt wurde.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3311">
                  <persName>Seeberger, Adelheid</persName>
                  <birth>
                     <date>1922</date>
                  </birth>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__641">
                  <persName>Fritz, Alfred</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-09-26</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__420">Stuttgart</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1963</date>
                  </death>
                  <occupation>Evangelischer Pfarrer und Heimleiter</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1162904755</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Alfred Fritz (1886 – 1963) war ein deutscher reformierter Pfarrer und kirchlicher Funktionsträger. Von 1904 bis 1908 studierte er Theologie in Tübingen und Halle, wo er sich mit seinem Mitstudenten Paul Tillich anfreundete und wie dieser im Wingolf engagiert war. Seit 1912 wirkte er als Pfarrer in Butterfelde; im selben Jahr heiratete er Johanna Tillich, die Schwester Paul Tillichs, die jedoch 1920 bei der Geburt des dritten Kindes verstarb. Von 1916 bis 1922 war Alfred Fritz als Missionsinspektor in Bremen tätig, anschließend von 1922 bis 1927 Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt am Main sowie Leiter des dortigen Magdalenenstifts. Ab 1927 arbeitete er im Diakonissenhaus Teltow, wo er die Leitung des Magdalenenstifts und der Fürsorgeabteilung übernahm. In zweiter Ehe war er mit der Pastorentochter Gertrud „Trude“ Fritz, geborene Horn, verheiratet.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1762">
                  <persName>Seeberger, Elisabeth</persName>
                  <birth>
                     <date>1893-06-17</date>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1986</date>
                  </death>
                  <idno type="gnd">Keine GND-Nummer</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Elisabeth Seeberger (17. Juni 1893 – 1986) war die Schwester des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. Im Jahr 1917 heiratete sie Erhard Seeberger, der über viele Jahre als Pfarrer in Berlin-Tempelhof tätig war.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__3208">
                  <persName>Seeberger, Hans-Jürgen</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__2041">
                  <persName>Werner, Marie Luise</persName>
                  <occupation>Psychoanalytikerin</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Marie Louise Werner (1894–1978) war eine deutsche Psychoanalytikerin und Lehrerin. Nach ihrer Ausbildung unterrichtete sie ab 1918 an Berliner Schulen. In den 1920er Jahren besuchte sie gestaltpsychologische Vorlesungen und begann eine Ausbildung am Berliner Psychoanalytischen Institut mit Lehranalysen bei Karen Horney (1928–1931) und Carl Müller-Braunschweig (1940–1942). 1936 wurde sie Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Nach dem Krieg arbeitete sie als Psychotherapeutin und zählte zu den ersten Lehr- und Kontrollanalytiker:innen der 1950 gegründeten Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Sie war die Schwester von Paul Tillichs Ehefrau Hannah. Ihre Schwerpunkte waren Kinderpsychologie und die Beziehung zwischen Psychoanalyse und bildender Kunst.</p>
                  </note>
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                  <placeName>Chicago, Illinois</placeName>
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            <title level="m">Frühe Vorlesungen im Exil. (1933-1935)</title>
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              <pubPlace>Berlin/Boston</pubPlace>
              <publisher>De Gruyter</publisher>
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