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                <title>Undatierter Brief von Paul Tillich an Lily Pincus von 1934</title>
                <author ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                    <name key="https://orcid.org/0000-0003-4455-6804">Brach S. Jennings</name>
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            </titleStmt>
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                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933-1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
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                        <street>Schenkenstraße 8-10</street>
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                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/174(66)</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, als maschinenschriftliche Abschrift überliefert</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
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            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
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            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
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                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                    <date notBefore="1934-01-01" notAfter="1934-12-31">01.01.1934</date>
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                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1498"> Lily Pincus </persName>
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            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1498">Korrespondenz mit  Lily Pincus </ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1498" target="L10467.xml">Brief von Paul Tillich an Lilly Pincusvom 31. Juli 1935</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10008.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Herrmann Schafft vermutlich Frühjahr 1934</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10018.xml">Undatierter Brief von Paul Tillich an Dolf Sternberger vermutlich von Januar 1934</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1934-01-01"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2025-05-06" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
            <change when="2026-08-28" who="BJ">Brief durchgelesen und geprüft.</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
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                <opener>
                    <dateline><date notBefore="1934-01-01" notAfter="1934-12-31">1934</date>.</dateline>
                    <salute>Liebe <rs ref="#tillich_person_id__1498" type="person">Lily</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Eben habe ich aus meiner Schrift: <rs ref="#tillich__5FHASIFZ" type="work">Hegel
                        und Goethe</rs> (Mohr-<rs ref="#tillich_place_id__448" type="place">Tübingen</rs>) den letzten Absatz des Hegelvortrages gelesen. Während ich
                    sonst meinen eigenen Schriften gleichgültig gegenüberstehe, war ich durch diese
                    Lektüre aufs Tiefste erschüttert. Wer da gesprochen hat, war <hi rend="u">nicht</hi> ich, sondern eine mir fremde Kraft, der <q>Geist der
                        Propheten</q>, der im N. Testament zu den Gnadengaben gehört und über den
                    niemand verfügen kann. Er muss in jener Stunde dagewesen sein; denn dort ist
                    alles gesagt, was gesagt werden kann. Ich hatte keinerlei Erinnerung daran, dass
                        <hi rend="u">ich</hi> es gesagt habe; aber es ist ja wohl <hi rend="u">durch</hi> mich gesagt worden, jetzt vor 2 Jahren, am <date when="1932-01-18">18. Januar 1932</date>. Es enthält die ganze Zukunft, die
                    gegenwärtige und die kommende; es formuliert so, dass kein Widerspruch möglich
                    ist, dass ich selbst, als ich es heute las, mit meinem eigenen Widerspruch
                    verstummte; nun verstehe ich, dass dieser Vortrag zu den Dingen gehört, die in
                    ganz besonderem Masse an der negativen Gestaltung meines Schicksals mitgewirkt
                    haben. Ich bin stolz darauf; und ich möchte fast sagen, was ich noch nie in
                    meinem Leben über Worte und Gedanken von mir gesagt habe: Wer <hi rend="u">hier</hi> nicht mit mir ist, ganz und unbedingt, der ist ganz und unbedingt
                    gegen mich, d. h. nicht gegen <hi rend="u">mich</hi>; denn diese Worte gehen
                    weit über das hinaus, was ich bin und kann; aber gegen die Wahrheit. Denn dieses
                        <hi rend="u">ist</hi> die Wahrheit – – –</p>
                <p>Verzeih' diese bei mir so ungewohnte Sprache; Du bist die erste,
                        <sic>dem</sic> ich unmittelbar nach dem Lesen darüber schreibe. Lies es
                    bitte, lerne die entscheidenden Sätze auswendig und stärke damit die
                    Schwankenden; vielleicht auch Dich selbst, wenn Du schwanken solltest; wie ich
                    mich damit gestärkt habe.</p>
                <p>Und ich habe Stärkung nötig. Es ist der zweite Tod, den ich hier erlebe; der
                    erste begann in der <date notBefore="1915-10-30" notAfter="1915-11-06">Champagne-Schlacht 1915</date><!-- Bzgl. Datierung vgl. Brief L00454 -->.
                    Der erste war unmittelbarer und drohender, dieser zweite ist feiner und
                    bitterer. Das Äussere ist mehr Anlass als Ursache; denn äusserlich ist alles in
                    Ordnung; Guter Kolleganfang, feine Studenten, wachsende Beherrschung der
                    Sprache, eine Fülle feiner Menschen, grosse Aufgaben, erträgliche
                    Wirtschaftslage; aber das alles ändert nicht die Tatsache des Stehens im Tode,
                    in der Notwendigkeit, die Vergangenheit durchzuleben und durchzuleiden und die
                    völlige Unfähigkeit, für mich selbst einen neuen Sinn zu finden. Doch das ist
                    unser aller Schicksal, die wir abgeschnitten sind und zwischen <q>nicht mehr</q>
                    und <q>noch nicht</q> stehen.</p>
                <p>Mein Wunsch steht fest: 3 Jahre völlig ruhiger Arbeit zur Zusammenfassung alles
                    Gedachten und Erlebten; aber wo ist das möglich? Ich zweifle, dass hier.. ich
                    zweifle, dass dort. Wenn ich zu phantasieren hätte: Ein stiller Ort am südlichen
                    Meer; aber wird mir noch ein stiller Ort geschenkt?<pb n="2"/> Gibt es ihn noch
                    in der Welt? Gibt es noch die Möglichkeit zur Ruhe? Will die Welt noch
                    Schöpfungen der Stille? Oder müssen wir hier sein und handelnd an der Geschichte
                    teilnehmen, wozu alles hier drängt?</p>
                <p>Wir sollten uns nicht so wichtig nehmen <del rend="s">; sonst verliert die Entscheidung
                        ihr Gewicht</del>. Aber im Moment der Entscheidung muss man sich ja wichtig
                    nehmen – sonst verliert die Entscheidung ihr Gewicht<note type="ea">Dieser Satz
                        ist von Tillich eigenhändig geschrieben.</note> – – – –</p>
                <closer/>
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                  <placeName>Tübingen</placeName>
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                  <idno type="wikidata">http://www.wikidata.org/entity/Q32751737</idno>
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                  <persName>Pincus, Lily</persName>
                  <occupation>Britische Sozialarbeiterin und Autorin</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118594419</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Lily Pincus (13. März 1898 – 22. Oktober 1981) war eine deutsch-britische Sozialarbeiterin und Schriftstellerin. Nach ihrer Ausbildung in Fototechnik arbeitete sie als Röntgenassistentin. 1922 heiratete sie einen Juristen, mit dem sie ab 1925 in Potsdam ein Wohngemeinschaftsprojekt mit dem befreundeten Ehepaar Löwenfeld teilte – ein intellektuelles Zirkel, das auch dem Theologen Tillich nahestand. 1939 emigrierten beide nach Großbritannien, wo sie Tätigkeiten in Sozialwesen übernahm. 1948 gründete sie ein Institut zur Ehforschung an einer Londoner Klinik und leitete dieses bis 1965.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson><listBibl><biblStruct type="book" xml:id="tillich__5FHASIFZ" corresp="http://zotero.org/groups/5701116/items/5FHASIFZ" n="Tillich, Hegel und Goethe. Zwei Gedenkreden, 1932">
          <monogr>
            <title level="m">Hegel und Goethe. Zwei Gedenkreden</title>
            <author>
              <forename>Paul</forename>
              <surname>Tillich</surname>
            </author>
            <imprint>
              <pubPlace>Tübingen</pubPlace>
              <date>1932</date>
            </imprint>
          </monogr>
          <series>
            <title level="s">Sammlung gemeinverständlicher Vorträge und Schriften aus dem Gebiet der Theologie und Religionsgeschichte</title>
            <biblScope unit="volume">158</biblScope>
          </series>
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