<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="L100062.xml" xml:base="https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at" prev="L10296.xml" next="L10297.xml">
   <!-- ID DES BRIEFES GIBT ES DERZEUT NOCH NICHT-->
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Juli 1936</title>
            <author ref="#tillich_person_id__1924">Johannes Tillich</author>
            <respStmt>
               <resp>Editor</resp>
               <name key="https://orcid.org/0009-0000-3962-1240">Manuel Inselmann</name>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <editionStmt>
            <edition>
               <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                  1933-1951</title>
            </edition>
         </editionStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>
               <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
               <address>
                  <street>Schenkenstraße 8-10</street>
                  <postCode>1010</postCode>
                  <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                     <settlement>Wien</settlement>
                     <country>Österreich</country>
                  </placeName>
               </address>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons
                  Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc type="typescript">
               <msIdentifier>
                  <country>USA</country>
                  <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                  <institution>Harvard University</institution>
                  <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                  <collection>Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.</collection>
                  <idno>bMS 649/193(17)</idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Brief, eigenhändig und Transkription</p>
                  <!-- SIEHE DAZU PHYSDECS-DOKUMENT AUF SERVER -->
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <projectDesc>
            <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933-1951.</p>
         </projectDesc>
         <editorialDecl>
            <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
               https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
         </editorialDecl>
      </encodingDesc>
      <profileDesc>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="#tillich_person_id__1924">Johannes Tillch</persName>
               <date when="1936-07-12">12.07.1936</date>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
            </correspAction>
         <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__1924">Korrespondenz mit Johannes Tillch</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1924" target="L10277.xml">Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 10.05.1936</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCorrespondence" source="#corresp__tillich_person_id__1924" target="L10297.xml">Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Juli 1936</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L10296.xml">Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichvom 9. Juli 1936</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L10297.xml">Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Juli 1936</ref></correspContext></correspDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">Deutsch</language>
         </langUsage>
      <creation><date type="sort" when="1936-07-12"/></creation></profileDesc>
      <revisionDesc status="approved">
         <change who="MI" when="2025-04-19">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text type="letter">
      <!-- AB HIER GEHT DER EIGENTLICH BRIEF LOS -->
      <body>
         <div type="writingSession">
            <pb n="1"/>
            <opener><dateline>Berlin, <date when="1936-07-12">12.7.36</date></dateline>
               <salute>Mein lieber <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Paul
                </rs>,</salute>
            </opener>
            <p>Noch schulde ich Dir meinen Dank für Deinen lieben Geburtstagsbrief vom 2.6., der
               richtig am 3.6. zu meiner Freude eintraf und dann für das schöne Fernsprechgespräch
               aus St. Moritz, das mir noch größere Freude bereitete. Daß Du <sic>gesundtleich</sic>
               frisch bist, ist fein; möge es Dir ferner so gehen. - Deine Erlebnisse in England
               sind ja sehr schön, vielleicht erfüllt sich Deine Hoffnung für das nächste Jahr.</p>
            
            <p><rs ref="#tillich_person_id__1763" type="person">Seebergers</rs> u. <rs ref="#tillich_person_id__641" type="person">Fritz's</rs> werden Dir von mir
               ausführlich erzählt haben. Es hat sich seit ihrer Abreise in meinem Befinden kaum
               etwas geändert. Dass ich meinerseits die Reise nicht gewagt habe, war durchaus
               richtig, wenn auch der Verzicht sehr schmerzlich für mich war u. ist. <pb n="2"/> Laß
               Dir ein<add place="superlinear">mal</add> aufzählen, woran ich leide, vor allem an
               Neurasthenie u. Hyperästhesie, dazu Augenschwäche und Flimmerskotomen, zunehmende
               Gehörschwäche z. Z. mit Ohrenschmerzen, Magensenkung mit üblem Geschmack,
               Hämorrhiden, Verkalkung im rechten Bein, sehr leichte Ermüdung, auch leide ich an
               Gedächtnisschwäche. Daß ich unter diesen Umständen keine rechte Lebensfreude mehr
               habe, wird Dir verständlich sein. Die Welt und das äußere Leben ist mir ziemlich
               fremd geworden; geistige Interessen für die tieferen Zeitströmungen, auch für
               Theologie u. die kirchlichen Bewegungen <add place="superlinar">habe</add> ich <add place="superlinear">noch</add>. Über meine Stellung dazu wird Dir <rs ref="#tillich_person_id__1763" type="person">Erhard</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__641" type="person">Frede</rs> berichtet haben. Im Garten
               ist es sehr grün, Deine Kastanie ist jetzt fast haushoch; aber ich fühle mich sehr
               einsam im Garten; die alten Erinnerungen sind zu lebendig bis zu meiner Kindheit
               zurück; doch Vergangenes kehrt nicht wieder es kommt von selbst die Resignation.<pb n="3"/> Am wohlsten fühle ich mich in meiner Wohnung, Ausfahrten strengen mich
               sehr an, außer zu meinen Kindern, auf deren Heimkehr ich mich freue. </p>
            <p>Doch nun genug von mir.
            Grüße habe ich zu bestellen von Prof. Georg <unclear>Rünze</unclear> (85 Jahre alt, Frau und 12 Kinder leben),
               von <rs>Tante Else T.</rs> von <rs ref="#tillich_person_id__800" type="person">Harder</rs> u. <rs>Pf. Schulz</rs>'s, die schon wieder heimgekehrt sind. </p>
            <p>Wie mag es <rs ref="#tillich_person_id__1923" type="person">Hannah</rs> und den <rs ref="#tillich_person_id__Erdmuthe #René" type="person">beiden Kindern</rs> gehen? Ich denke an alle meine Enkel u
               Kinder viel, auch jetzt dort <del>jetzt</del> an Euch. Mögt Ihr schöne Tage dort
               zusammen haben.</p>
            <p>Gott mir Dir und Euch allen!</p>
            <closer>
               <salute>In viel Liebe und im Geiste immer mit Dir verbunden Dein tr. Vater</salute>
               <signed><rs ref="#tillich_person_id__1924" type="person">Joh. Tillich.</rs></signed>
            </closer>
         </div>
      </body>
   <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1924">
                  <persName>Tillich, Johannes Oskar</persName>
                  <birth>
                     <date>1857-06-03</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Berlin, Deutschland</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1937-07-30</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer, Superintendent und Konsistorialrat</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631602</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Oskar Tillich (1857 – 1937) war ein evangelisch-lutherischer Pfarrer und Theologe. 1885 hatte er Wilhelmina Mathilde Dürselen geheiratet, die 1903 verstarb. Seine erste Pfarrstelle hatte er in der lutherischen Gemeinde Starzeddel bei Guben, wo 1886 sein Sohn Paul geboren wurde. Johannes Oskar Tillich und Wilhelmina Mathilde Dürselen waren also die Eltern des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. 1891 wurde Johannes Oskar Tillich Superintendent des Kirchenkreises Schönfließ in der Neumark, 1900 folgte seine Berufung nach Berlin, wo er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt wurde.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__641">
                  <persName>Fritz, Alfred</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-09-26</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__420">Stuttgart</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1963</date>
                  </death>
                  <occupation>Evangelischer Pfarrer und Heimleiter</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1162904755</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Alfred Fritz (1886 – 1963) war ein deutscher reformierter Pfarrer und kirchlicher Funktionsträger. Von 1904 bis 1908 studierte er Theologie in Tübingen und Halle, wo er sich mit seinem Mitstudenten Paul Tillich anfreundete und wie dieser im Wingolf engagiert war. Seit 1912 wirkte er als Pfarrer in Butterfelde; im selben Jahr heiratete er Johanna Tillich, die Schwester Paul Tillichs, die jedoch 1920 bei der Geburt des dritten Kindes verstarb. Von 1916 bis 1922 war Alfred Fritz als Missionsinspektor in Bremen tätig, anschließend von 1922 bis 1927 Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt am Main sowie Leiter des dortigen Magdalenenstifts. Ab 1927 arbeitete er im Diakonissenhaus Teltow, wo er die Leitung des Magdalenenstifts und der Fürsorgeabteilung übernahm. In zweiter Ehe war er mit der Pastorentochter Gertrud „Trude“ Fritz, geborene Horn, verheiratet.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__800">
                  <persName>Harder, Erich</persName>
                  <birth>
                     <date>1872-10-18</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__37">Berlin</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <occupation>Evangelischer Pfarrer</occupation>
                  <note type="bio">
                     <p>Erich Harder (1872–1962) war ein deutscher evangelischer Pfarrer, geboren in Berlin. Harder war 1899 als Vikar von Johannes Tillich ins Pfarrhaus der Familie Tillich nach Schönfließ gekommen. Nach seiner Ordination am 1. Dezember 1901 wurde er zuerst als Pfarrer in Dölzig eingesetzt, ab 1907 in Radensleben und ab 1917 als Superintendent und Oberpfarrer in Sonnenburg.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1923">
                  <persName>Tillich, Hannah</persName>
                  <birth>
                     <date>1896-05-17</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Rotenburg a. d. Fulda</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1988-10-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>East Hampton, NY</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/119096102</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Hannah Tillich (17. Mai 1896 – 27. Oktober 1988) war eine deutsche und später US-amerikanische Zeichenlehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Modell. Aufgewachsen im Pfarrhaus ihrer Eltern in Rotenburg an der Fulda, absolvierte sie von 1912 bis 1916 eine Ausbildung an der Königlichen Kunstschule zu Berlin und arbeitete ab 1919 als Zeichenlehrerin in Berlin-Neukölln. 1920 heiratete sie den Maler Albert Gottschow, von dem sie sich nach kurzer Ehe und einem persönlichen Schicksalsschlag wieder trennte. 1924 ging sie die Ehe mit Paul Tillich ein, mit dem sie in Marburg, Dresden und Frankfurt lebte und 1933 in die USA emigrierte. Nach der Geburt zweier Kinder nahm sie Mitte der 1930er Jahre ihre künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit wieder auf. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie mit ihrer autobiographischen Schrift From Time to Time (1973), in der sie offen über ihr Leben und ihre Ehe berichtete; eine deutsche Ausgabe erschien erst 1993.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1763">
                  <persName>Seeberger, Erhard</persName>
                  <birth>
                     <date>1891-11-27</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Aschbach b. Bamberg</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1969</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/12680446X</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Georg Seeberger (1891–1969) war ein deutscher protestantischer Geistlicher, Dekan und Kirchenrat in Bamberg. Er war mit Elisabeth, der Schwester des Theologen Paul Tillich, verheiratet. Er verfasste mehrere Publikationen, darunter ein Handbuch zur Amtsführung für protestantische Geistliche im Königreich Bayern.</p>
                  </note>
               </person>
               </listPerson></back></text>
</TEI>